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Masterson’s Rye Whiskey und der Rye Cotillion

Masteron's Rye Whiskey in einem Purgatory Cocktail - Hammer.

Ein American Whiskey aus Kanada? Gar nicht mal so ungewöhnlich: Während der gängige Ausdruck „Canadian Whisky“ fast immer einen Multi-Grain Whisky beschreibt, sprich: einen Whisky ohne klares Lead-Getreide, gibt es auch in Kanada Rye und Bourbon-Whiskys. Weil die außerhalb des nordamerikanischen Kontinents zumeist unter dem Sammelbegriff „American Whiskey“ gehandelt werden, kommt es eben, dass auch ein Roggen-Whisky aus dem Land von Mounties, Ahornsirup und Elchen unter diesem Begriff firmiert. Allerdings ist beim Masterson’s Rye die Sache etwas komplizierter.

Die Flasche für dieses Tasting wurde uns von der Conalco Spirituosen UG zur Verfügung gestellt. Bedingungen gab es nicht, ausgenommen der transparenten Nennung des Unternehmens im Fall einer Veröffentlichung. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels.  

Denn obwohl der Whiskey mit e geschrieben wird und von der 3 Badge Beverage Corporation in California vertrieben wird, prangt auf seinem Rücken der Aufdruck „Product of Canada“ – auch der Roggen kommt von dort und gebrannt wird er wohl ebenfalls hier, auch wenn die ganz genaue Brennerei ein gut gehütetes Geheimnis bleibt. Für Destillerie-Detektive ein irre spannendes Thema, der Produktionsprozess an sich ist aber für die meisten sicher interessanter:

Story und Herstellung von Masterson’s Rye

Rye Whiskey aus den USA muss zu mindestens 51% aus Roggen bestehen – Masterson’s geht mehr als einen Schritt weiter und legt nochmal 49% drauf. Reine Roggen-Whiskys sind auch in Zeiten des kleinen Rye-Booms – unter Bartendern, und, laut einer mittelempirischen Studie unter Suffnasen, die wir kennen, wohl nur dort – eine absolute Seltenheit. (Anmerkung der Redaktion: Wenn ich hier nicht der Chef wäre, hätte ich mir das prätentiöse Parenthesen-Prolltum aus dem letzten Satz nie durchgehen lassen.) Wenn die dann noch wie hier ganze 10 Jahre auf amerikanischer Weißeiche ruhen dürfen, ist das durchaus eine spannende Kombination von Alleinstellungsmerkmalen für Roggenwhiskey-Fans. Nach der Lagerung wird er mit Schmelzwasser aus den Rocky Mountains auf 45% Trinkstärke verdünnt. Das klingt, zugegeben, herrlich kalt und klar.

Masteron's Rye Whiskey im Old Fashioned.
Masteron’s Rye Whiskey im Old Fashioned.

Wer daneben allerdings eine echte Hintergrundgeschichte oder große Tradition sucht, geht leer aus. Der Whiskey wurde nach William „Bat“ Masterson benannt, einem Cowboy, der seinerzeit als Spieler, Büffeljäger, Zeitungsverleger und guter Schütze bekannt war. Sicher ein cooler Kerl (bis auf die Nummer mit den Büffeln), aber das bleibt eine Beschreibung, wie sie irgendwie auf jeden Kerl passt, nach dem jemals jemand einen amerikanischen Whiskey benannt hat.

So schmeckt Masterson’s Rye Whiskey

Er schwenkt sich angemessen und schimmert Bernstein-rot im Glas, an der Wand zieht er dicke Tropfen. Der Duft: Würzig-warm. Roggen, Honig, altes Leder, Vanille, ein Hauch gebrannter Karamell. Dazu gesellen sich nach einer Weile Anklänge von Birne und Orange, der ganze Geruch kombiniert sich zu einer sehr spannenden Crème brûlée-Variante

Nase: Roggen, Honig, altes Leder, Vanille, gebrannter Karamell, Birne, Orange, Crème brûlée

Zunge: Crème brûlée, Eiche, Roggen, Pfeffer, Vanille, Sahnekaramell, Getreide

Auf der Zunge macht sich zunächst die Crème brûlée sehr breit, gefolgt von starken, leicht bitteren Eichennoten, Roggen und einer nicht wegzudiskutierenden Pfeffrigkeit, die auch noch eine ganze Weile im Mund bleiben wird. Vanille, Sahnekaramell und vor allem getreidige Noten bleiben im Nachgeschmack zurück.

Masteron's Rye Whiskey im Manhattan.
Masteron’s Rye Whiskey im Manhattan.

Masterson’s Rye Whiskey pur und in Cocktails

Pur ein ziemlicher Kracher, im positiven Sinne – zumindest für uns. Wer kräftigere, intensive und auch kantige Spirituosen gewohnt ist (und mit kantig meinen wir: charaktervoll, nicht „brennt dir die Speiseröhre durch“), der wird hier auf seine Kosten kommen. Wer allerdings sonst eher auf High-Corn-Ryes steht, die eher mild daherkommen und meist einfach etwas würzigere Bourbons darstellen, der wird hier eher unglücklich. Zumindest pur – denn in Cocktails hat der Masterson’s Rye nochmal ganz andere Qualitäten.

Spannenderweise zeigt er sich in Klassikern wie dem Manhattan oder Old Fashioned dann nämlich doch nochmal von seiner zarten Seite. In beiden Fällen raten wir zum Einsatz von Orange Bitters, die fruchtigen Noten heben hervorragend die Würze heraus, ohne seine eher unterschwellige Süße zu stark abzufedern – mit Angostura wurden beiden Drinks sehr schnell sehr bitter. Im Purgatory haben wir ein wenig das Gefühl, dass er neben Benedictine und Chartreuse etwas untergeht. Worin er hingegen geradezu brilliert: zwei Drinks, die wir von Helmut von schlimmerdurst gemopst (und in einem Fall leicht umgemodelt) haben. Richtig gutes Zeug:

US Prime Martini (nach Mario Grünenfelder)

  • 6 cl Dry Gin
  • 1,5 cl Masterson’s Rye
  • 1,5 cl Trockener Wermut

Alle Zutaten zusammen auf Eis rühren und in eine gefrostet Coupette oder ein gefrostetes Martiniglas abseihen. Mit Zitronenzeste abspritzen. Trinken.

Masteron's Rye Whiskey im US Prime Martini.
Masteron’s Rye Whiskey im US Prime Martini mit Hepple Gin und Mancino Secco Vermouth.

Rye Cotillion (nach Lucius Beebe)

  • 4,5 cl Masterson’s Rye
  • 1,5 cl Triple Sec
  • 0,75 cl gereifter Rum
  • 1,5 cl Orangensaft
  • 1,5 cl Zitronensaft

Alle Zutaten zusammen auf Eis shaken und in einen mit frischem Eis gefüllten Tumbler abseihen. Mit Zitronentwist garnieren. Trinken.

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Fazit: Ein spannender, sehr würziger Rye, mit dessen Pfeffernote nicht jeder zurechtkommen wird, der aber gerade durch seine starken Ecken und Kanten zu begeistern weiß, auch in großen Cocktail-Klassikern. Nur der Preis, der ist zugegeben ein kleiner Dämpfer.

Daten: 45 Prozent, um 70 Euro für 0,7 Liter, USA / Kanada

Conalco hat uns eine Flasche des Produkts zur Verfügung gestellt, aber weder auf eventuelle Artikel noch auf das Tasting Einfluss genommen. Wir danken für die ausnehmend freundliche und partnerschaftliche Zusammenarbeit. 

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Johann

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