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Säntis Malt Swiss Alpine Whisky Himmelberg und der Woidler Cocktail

Säntis Malt Swiss Alpine Whisky Himmelberg in einem Mint Julep.
Säntis Malt Swiss Alpine Whisky Himmelberg in einem Mint Julep.

Schottland, Irland, USA, Deutschland – das sind die Länder, aus denen wir hier auf Cocktailbart bereits Whiskys vorgestellt haben. Der geneigte Kenner – oder besser jeder, der irgendwann mal auf einer Spirituosenmesse zu Besuch war, weiß aber: Vom großen Kuchen aus gereiftem Getreideschnaps möchten noch deutlich mehr Länder etwas abhaben – diverse Nationen in Asien (vor allem Japan) und Skandinavien (allen voran Schweden) stampfen eifrig Destillen aus dem Boden und heimsen Preise ein. Ein kleines Land in den Alpen spielt dagegen erst seit 1999 mit: die Schweiz.

Die Flasche für dieses Tasting wurde uns von der Conalco Spirituosen UG zur Verfügung gestellt. Bedingungen gab es nicht, ausgenommen der transparenten Nennung des Unternehmens im Fall einer Veröffentlichung. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels.  

Grund für diesen späten Einstieg war allerdings nicht die Schweizer Gemütlichkeit. Obwohl, eigentlich doch: bis 1999 durfte man in der Schweiz keinerlei Alkohol aus Grundnahrungsmitteln brennen, weil die Eidgenossen Anfang des 20. Jahrhunderts all ihre Kartoffeln ausgetrunken hatten und sich dann über ihr Getreide hermachten. Als die Schweizer das endlich ändern, nutzt die Brauerei Locher in Appenzell ihr Know How und ihre Fässer und brennt den ersten Säntis Malt Swiss Alpine Whisky; 10 Jahre später ernennt Whisky-Papst Jim Murray den Säntis Dreifaltigkeit zum besten Whisky Europas. Der Himmelberg hat uns trotzdem mehr angelacht.

Säntis Malt Swiss Alpine Whisky Himmelberg in einem geräucherten Manhattan Cocktail.
Säntis Malt Swiss Alpine Whisky Himmelberg in einem geräucherten Manhattan Cocktail.

Die Story hinter Säntis Single Malt

Irgendwann im 18. Jahrhundert beginnt die Familie Locher in Oberegg Bier zu brauen – richtig Buch führen sie darüber allerdings erst ab 1886, ab dann führen sie die Brauerei in Appenzell. Dass sie in der bis heute durchgängig Bier brauen dürfen, kann man wohl nur der Ideologie des beginnenden 20. Jahrhunderts verdanken, in der Bier durchaus als Nahrungsmittel verstanden wurde. Dank der über 100-jährigen Tradition saßen die Lochers zu Beginn ihrer Brenner-Karriere also auf einem schönen, breiten Fundus aus Holzfässern.

Für den Himmelberg, den wir hier und heute verkosten, durften sogar mehrere Fässer ran: die ersten zwei Jahre seines Daseins verbringt der Whisky in Eichenbierfässern, danach wird der Single Malt in verschiedene Weinfässer umgelagert. Das mag zwar aufwendig und spannend klingen, bei nur vier Jahren Gesamtreifungsdauer (was in Mitteleuropa wohl der Standard zu sein scheint), waren wir aber vor dem ersten Schluck trotz aller Vorschusslorbeeren und jeder Menge Preisen für die Destille etwas skeptisch:

So schmeckt der Säntis Malt Swiss Alpine Whisky Himmelberg

Im Glas besitzt er die Farbe von hellem Gold, nach dem Schwenken zieht er wenige, gewaltige Tropfen. Die Nase ist geprägt von süßlichen Eindrücken von Vanille, Eichenholz, etwas Zuckerwatte. Lässt man ihn etwas stehen, kommen Noten von Äpfeln, Birnen, Karamell und einem Hauch von Rauch dazu. Ein schöner, komplexer Duft, der nach dem ersten Schluck dann auch noch Aromen von Weizenbier gewinnt.

Nase: Vanille, Eichenholz, Zuckerwatte, Äpfel, Birnen, Karamell, Rauch, Weizenbier

Zunge: Honig, Weizenbier, Birne, Kirsche, Rotwein, Eiche, Karamell, Malzbier

Auf der Zunge wirkt er sehr angenehm, aber nicht ganz so cremig, wie man nach dem Schwenken erwartet hätte. Dafür punktet er mit intensiven Noten von Honig, Weizenbier, Birne, etwas Kirsche und im Abgang auch einem Einschlag von schwerem Rotwein. Die Eiche und das Karamell zeigen sich spätestens am Gaumen und im butterweichen Abgang, der lange Nachhall ist geprägt von süßem Malzbier.

Säntis Himmelberg pur und in Cocktails

Pur ist der Säntis Himmelberg eine echte Überraschung – trotz des jungen Alters lässt er diverse Schotten und Iren im gleichen Preissegment einfach mal alt aussehen. Eine schöne Intensität bei aromatischer Tiefe und keine Spur von der Schärfe, die jungen Whiskys leider oft zu eigen ist. In Kombi mit allzu intensiven Fillern oder in einem Boulevardier verlieren sich seine Aromen leider etwas, dafür harmoniert er wunderbar in klassischen Shortdrinks.

Ein Mint Julep mit dem Säntis Alpine Whisky Himmelberg ist ein Wucht, bei der vor allem seine fruchtigen Noten in Kombi mit der Minze zur Geltung kommen. In einem geräucherten Manhattan mit einem Spritzer ätherischer Öle von der Orange, bekommt man fast den Eindrück er wäre in Porter Style Bierfässen gelagert worden, so schwer und malzig wird er. Und im Old Fashioned mit zwei Tropfen Angostura Bitters und etwas Zucker explodiert er geradezu. Für einen eigenen Cocktail kombinieren wir ihn mit zwei anderen, ebenfalls sehr individuellen Zutaten. Die Aromenkombination ist bitter-kräftig-säuerlich – und was für Menschen, die ihren Drink gerne auch dann noch im Mund schmecken, wenn sie ihr Glas schon vor zwei Stunden weggestellt haben.

Woidler Cocktail

  • 6 cl Säntis Himmelberg
  • 2 cl Blutwurz
  • 2 cl Doktorenhof Steinpilz-Essig

Alle Zutaten zusammen auf Eis rühren, in einen Tumbler mit frischem Eis abseihen und mit einer Orangenzeste garnieren.

Säntis Malt Swiss Alpine Whisky Himmelberg direkt bei Conalco kaufen!

Fazit: Überraschend komplexer Whisky, der die Bier- und Weinfässer nicht nur als Marketing vor sich herträgt, sie bestimmen maßgeblich sein Aroma. Pur und in Shortdrinks wunderschön, nur in Longdrinks mit intensiven Zutaten verliert sich seine Schönheit etwas.

Daten: 43 Prozent, um 30 Euro für 0,5 Liter, Schweiz

Conalco hat uns eine Flasche des Produkts zur Verfügung gestellt, aber weder auf eventuelle Artikel noch auf das Tasting Einfluss genommen. Wir danken für die ausnehmend freundliche und partnerschaftliche Zusammenarbeit. 

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JohannTrasch

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