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Hawthorne Strainer und Julep Strainer – Cocktailsiebe erklärt

Links ein Julep Strainer, rechts die Hawthorne-Variante. Quelle: Fotolia.com © fesenko
Links ein Julep Strainer, rechts die Hawthorne-Variante. Quelle: Fotolia.com © fesenko

Wenn man eine Hausbar aufbaut, gehört das Cocktailsieb zu den ersten Utensilien mit denen man sich auseinandersetzt – oder eben auch nicht: Irgendein Sieb – oder im englischlastigen Fachjargon auch Strainer – wird schon im ersten Shaker-Set dabeisein, dass man sich anschafft. Die gute Nachricht: für den Start reicht dieses klapprige Teil mit der wenig vertrauenerweckenden Spirale auch erstmal. Auf dem Weg zur Perfektion ist er aber wahrscheinlich das erste Teil, das ihr austauschen solltet.

Wie wichtig ist der perfekte Strainer für den perfekten Drink?

Wenn euer Cocktail Shaker nicht besonders gut ist, heißt das, er ist zu klein, lässt sich zu schwer öffnen oder auch mal zu leicht (#schwippedischwapp), oder er geht ständig kaputt, weil das Glas eures Boston Shakers eure Killer-Riesen-Eiswürfel nicht aushält. All das ist Mist, hat aber erstmal wenig Einfluss auf den fertigen Drink. Ob ihr euren Martini mit einem Suppenlöffel vom Oma oder einem handgeschmiedeten japanischen Barlöffel rührt, ist auch wenig spielentscheidend – in beiden Fällen verliert ihr Qualität im 1- bis 2-Prozent-Bereich und gebt höchstens ein paar Stilpunkte ab, zumindest wenn man den Faktor „Handling“ außer acht lässt.

Aber wenn euer Strainer Müll ist, besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass auch euer Drink Müll ist. Ein billiges Cocktail-Sieb lässt Eissplitter, Kräuter-Reste und Eiweiß-Schlonze durch und katapultiert all das in euren Drink, zum Unbill eurer Gäste. Mit etwas Pech sorgen schlecht platzierte Öffnungen sogar dafür, dass der gesiebte Drink überall hingeht, nur nicht in euer Glas. Kennt ihr alles? Dann wird es spätestens jetzt Zeit, sich über einen neuen Strainer Gedanken zu machen. Die gängigste Wahl ist diese hier:

Der Hawthorne Strainer

Das gängige Werkzeug, das praktisch immer zum Einsatz kommt, wenn ein Cocktail geschüttelt wird: der sogenannte Hawthorne Strainer, sein Name geht angeblich zurück auf das Hawthorne Cafe, eine inzwischen geschlossene Bar in Boston. Um das Sieb herum befindet sich eine Spirale, meist ein Griff und oft einige Metallohren, die dafür sorgen, dass das Sieb besser auf dem Glas hält. Der Hawthorne Strainer passt im Normalfall perfekt auf den Metallteil eines Cocktail Shakers, bei Tin in Tin-Shakern sitzt er normalerweise auf beiden Teilen gut. Zwar ist es unüblich, ein Rührglas mit einem Hawthorne zu benutzen, aber solange das Sieb passt, spricht auch nichts dagegen – damit eignet er sich perfekt als Allround-Sieb.

Ein Hawthorne Strainer (sponsored von The Elan Collective, siehe unten) im Einsatz.
Ein Hawthorne Strainer (sponsored von The Elan Collective, siehe unten) im Einsatz.

Das wichtigste Element dieses Cocktail-Siebs: die Spirale. Sie ist dafür verantwortlich Eis, Fruchtstücke und was auch immer ihr im Shaker aber nicht im Glas haben wolltet, im Becher drin zu halten. Damit sie das kann, muss die Spirale sehr, sehr dicht sein. Je engmaschiger die Spirale, desto besser der Hawthorne Strainer. Gleichzeitig solltet ihr aber auch darauf achten, dass sich die Spirale vom Rest des Siebs lösen lässt, das erleichtert später die Reinigung. Sie sollte allerdings auch nicht unbedingt leicht zu entfernen sein, sonst fliegt sie euch beim nächsten Einsatz gerne mal um die Ohren.

Der Julep Strainer

Der Julep Strainer war das erste und einige Jahre lang auch einzige Barsieb, wurde allerdings erst einige Zeit nach den gemixten Getränken selbst erfunden. In den frühen Barbüchern aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und den Erzählungen und Abbildungen dieser Zeit werden Getränke noch mit Hilfe eines zweiten, leeren Glases abgeseiht. Heuer eher eine Nummer für die Studentenparty oder den nächsten Flairbartender-Wettbewerb. Der Julep Strainer jedenfalls ist wenig mehr als ein durchlöchertes Stück Metall mit einem Stiel. Benutzt wird er heutzutage in der gehobenen Bar für gerührte Drinks, indem er schräg auf das Eis in ein Rührglas gelegt wird. Weil dieses Sieb deutlich lockerer sitzt als das Hawthorne, verlangt das Handling mehr Übung und Feingefühl.

Rein praktische Vorteile hat der Julep Strainer nicht, sofern ihr ein anderes Barsieb habt, das auch auf das Gefäß passt, in dem ihr Cocktails rührt. Gerade als Homebar-Beginner ist das ohnehin meist der Shaker.  Aber er gibt brutal viele Extrapunkte für guten Stil, wenn ihr damit gerührte Drinks zubereitet. Wenn ihr euch nur einen einzigen Strainer anschaffen wollt, raten wir von der Julep-Variante ab – für geschüttelte Drinks mit Obstresten und Kräuterfetzen wie einen Gin Basil Smash ist er denkbar ungeeignet.

Das Feinsieb

Das Hawthorne-Sieb alleine kommt aber auch nicht gegen die geballte grüne Flut an Minze-Fetzen in einem Whisky Smash an. Wird ein solcher Drink ordentlich geschüttelt, laufen immer irgendwo ein paar grüne Teilchen mit in den Drink. Das kann auch gut aussehen, klar, aber am Ende hat man die Dinger in den Zähnen kleben – für den nächsten Flirt ist das dann eher suboptimal. Dagegen hilft das Feinsieb – meist in Form eines stinknormalen Teesiebs.

Wir arbeiten fast ausschließlich mit Hawthorne Strainern - zum einen ist bei fast jedem Shaker einer dabei, zum anderen sind wir totale Julep-Strainer-Trampel.
Wir arbeiten fast ausschließlich mit Hawthorne Strainern – zum einen ist bei fast jedem Shaker einer dabei, zum anderen sind wir totale Julep-Strainer-Trampel.

Dass das zum Einsatz kommen sollte, wisst ihr immer dann, wenn in einem Cocktail-Rezept von einem „Double Strain“ oder „Fine Strain“ die Rede ist. Für diese Technik haltet ihr euer Feinsieb einfach zwischen Shaker und Gästeglas, wenn ihr den Drink einschenkt.  Funktioniert übrigens auch top, um unerwünschte Eissplitter aus geschüttelten Shortdrinks herauszuhalten, falls euer Hawthorne Strainer eben nicht über eine feinmaschige Spirale verfügt.

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Das Barsieb aus dem mittleren Bild wurden uns von The Elan Collective für redaktionelle Zwecke zur Verfügung gestellt, Ansprüche an eventuelle Artikel oder Einflussnahme durch den Hersteller gab es nicht. 

JohannTrasch

2 Kommentare

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Ich stimme zu.

  • Wirklich tolle Artikel zum Handwerkszeug!
    Ich werde mir definitiv so ein Set von The Elan Collective holen!

    Ich wollte mal Fragen, ob ihr vlt mal einen Artikel zum Fatwashing schreiben könnt wenn ihr damit Erfahrung habt. Ist ne Technik die mich echt interessiert, aber leider absolut keinen Plan wie man sich da am besten ran tastet.

    Lg und bitte weiter so 😉

    • Danke dir für das Lob 🙂 Fatwashing betreiben wir selber eher selten, einfach weil wir in den Experimenten noch nie an einem Punkt waren, wo wir selber so richtig zufrieden waren.

      Die einfachste Variante, die bisher auch die besten Ergebnisse lieferte, war: 50g Butter schmelzen, bis sie leicht braun wird, in 200ml Bourbon abfüllen (am besten in einem Glas, dass du zuschrauben kannst), schütteln und verkehrtherum über Nacht in den Kühlschrank. Durch das Drehen des Glases bleibt die Butter oben und du kannst den Bourbon restfrei über ein Teesieb abseihen. Das Ergebnis hat eine cremige Konsistenz und eine angenehme Nussbutter-Note. Macht einen tollen Old Fashioned.

      Auf der Longlist steht auch noch das hier: https://tmagazine.blogs.nytimes.com/2011/01/25/now-drinking-the-grilled-cheese-and-tomato-soup-martini/?src=twrhp – und wenn wir das probiert haben, kommt dann auch mal ein Artikel zum Thema 🙂