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Dry (Gin) Martini: das Rezept für den König aller Cocktails, den trockenen Martini

Ein trockener Martini mit Zitronenzeste.
Ein trockener Martini mit Zitronenzeste.
Rezept für den Dry Martini

Das perfekte Gin Martini-Rezept:

  • 6 cl Lieblings-Gin
  • 1,5 cl Wermut
  • Zitronenzeste

Martini-Glas vorkühlen (im Ernst: das ist keine Übung, packt das verdammte Glas in den Tiefkühler). Gin und Wermut in ein Glas voller Eis geben, 30 Sekunden rühren. Drink ohne Eiswürfel ins Glas abseihen. Die Zitronenzeste über dem Drink auspressen und am Glasrand reiben, danach den Glasrand damit dekorieren (optional). Trinken (nicht optional).

Die Einkaufsliste

Einen nahezu perfekten Trockenen Martini mixten wir im Test mit Tanqueray No TEN Small Batch Gin (1 x 0.7 l)* und Noilly Prat French Dry Vermouth*.

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Trockene Martinis sind Shots für Snobs. Kein anderer Cocktail bietet für so wenig Aufwand ein solch gewaltiges Angeber-Potenzial: Ihr schüttet 6 cl Gin und ein winziges Tröpfchen Wermut in ein gekühltes Glas, garniert den Spaß mit Zitronenschale und tadaa: Aus dem Nichts heraus seid ihr Barkeeper-Götter und Stil-Ikonen – Frauen wollen sein wie ihr und Männer mit euch schlafen (oder umgekehrt, was euch mehr Spaß macht).

Ja, wir übertreiben. Aber tatsächlich ist der Dry Martini gemessen an seinem Ruf unglaublich simpel: Er besteht wie alle Shortdrinks komplett aus Spirituosen und bleibt trotz Hunderten Rezept-Varianten immer doch nur eine Möglichkeit, sich mit Stil einen Kurzen zu genehmigen. Man kann jetzt voller Inbrunst auf innovativere und mutigere Drinks zeigen, kann ein flammendes Loblied auf Experimentierfreudigkeit singen. Oder man genehmigt sich einen Kurzen. Mit Stil. Und macht dabei bitte keine Aufriss um das dämliche „trocken“. Denn das große Geheimnis, das aus einem Martini einen echten Cocktail macht, ist der ach so verhasste Wermut, selbst wenn er in eher geringen Dosen im Cocktail landet:

Das perfekte Gin Martini-Rezept:

  • 6 cl Lieblings-Gin
  • 1,5 cl Wermut
  • Zitronenzeste

Martini-Glas vorkühlen (im Ernst: das ist keine Übung, packt das verdammte Glas in den Tiefkühler). Gin und Wermut in ein Glas voller Eis geben, 30 Sekunden rühren. Drink ohne Eiswürfel ins Glas abseihen. Die Zitronenzeste über dem Drink auspressen und am Glasrand reiben, danach den Glasrand damit dekorieren (optional). Trinken (nicht optional).

Ein trockener Martini mit Gin? Seid ihr sicher?

Der erste große Schock für die meisten, die sich zum ersten Mal im privaten Bereich einen Martini mixen, kommt bei der Schnaps-Auswahl: „Den macht man ja mit Gin. James Bond trinkt den doch immer mit Wodka?“ Tatsächlich trinkt Bond den Cocktail meistens mit russischem Neutral-Alkohol – dann nennt er ihn aber auch ganz explizit „Vodka Martini„. Einen klassischen Martini mixt man aber mit Gin.

Der macht dann auch den Löwenanteil des Drinks aus, ähnlich wie zum Beispiel der Whisky beim Old Fashioned. Entsprechend sollte euch der Gin, mit dem ihr arbeitet, auch schmecken. So gut, dass ihr ihn auch ohne einen halben Liter Tonic Water runter bekommt – genau darum geht’s nämlich beim Martini. Wenn euch der benutzte Gin schmeckt, schmeckt euch fast immer auch der fertige Cocktail – das ist die einfache Formel. Selbst wenn ihr gelegentlich mit Garnitur oder Wermut experimentieren müsst, bis das wirklich stimmt.

Wer einen möglichst klassischen Martini mixen will, setzt jedoch auf sehr wacholder- oder zitruslastige Gins. Zwei unserer Favoriten sind hierunter etwa der Hepple Gin oder der Malfy con Limone. Beide harmonieren mit vielen trockenen Wermuts und geben einen kräftigen, aber nicht überladenen, sehr frischen Drink.

Der richtige Wermut, oder: Warum ist im Martini kein Martini?

Dass es einen Wermut gibt, der Martini heißt, der aber nichts mit dem Cocktail-Rezept zu tun hat, in dem Wermut ist, das sorgt bei sehr vielen Leuten für ordentlich Verwirrung. Das bedeutet nämlich, dass in einem Martini durchaus Martini sein kann, aber nicht muss. So, ist gut jetzt. Tatsache ist: In einen Martini gehört Wermut, in die klassisch-trockene Variante im Verhältnis 5:1. Weil uns das im Test aber immer ein bisschen zu mickrig war, arbeiteten wir mit 6 cl Gin und 1,5 cl Wermut. Wohlgemerkt: Wenn wir einen DRY Martini mixen. Normalerweise tendieren wir aber zur eher feuchten Variante im Verhältnis 2:1 – wir lieben einen guten Wermut.

Ein Martini mit rotem Wermut ist ein Sweet Martini.
Ein Martini mit rotem Wermut ist ein Sweet Martini – den garniert man ähnlich wie einen Manhattan gerne mal mit einer Cocktailkirsche.

Für einen trockenen Martini braucht ihr einen trockenen, weißen Wermut. Roter, süßer Wermut resultiert in einem Sweet Martini mit rosa Färbung oder unter Beigabe von Maraschino zu einem Martinez. Beides ist – ungelogen – ziemlich lecker, aber nicht das, worüber wir heute reden möchten. Die bekannteste und meistbenutzte Wermut-Marke für den Martini ist wohl der Noilly Prat aus Frankreich, der auch zu den meisten Gins passt. Gute Alternativen gibt es viele mit unterschiedlichen Ausprägungen – wir empfehlen Mancino Secco (sehr trocken, sehr mediterran), Freimeisterkollektiv Extra Trocken (extrem kräutrig) oder einen Belsazar Dry (nicht ganz so trocken). Der Noilly Prat ist vergleichsweise intensiv und kann sich damit auch gegen kräftige Gins behaupten. Feinsinnige Leichtgewichte überfahrt ihr damit aber geschmacklich.

Die Garnitur: Olive oder Zitronenschale?

Die Olive im Cocktail ist so obskur und so auffällig, dass man sie überall wiedererkennt. Entsprechend sieht man in Filmen, Comics oder Serien fast immer die Variante mit der Olive, obwohl die Zitronenzeste die klassischere und meist auch sinnigere Variante wäre. Um’s mal klarzustellen: es funktioniert beides, es gibt hier kein richtig oder falsch. Die Zitronenschale ist die optimale Garnitur, wenn ihr einen Gin verwendet, der von sich aus viele Zitrusaromen mitbringt, ein Tanqueray Rangpur zum Beispiel. Der beißt sich auch mit den Oliven. Wenn ihr Schale benutzt, schält sie möglichst dünn von der Zitrone und knickt sie einmal über der Oberfläche des Drinks, um die Öle und damit den Geschmack freizusetzen.

Im Test haben uns – so ganz privat – aber eher die Oliven begeistert: Oliven-Martinis besitzen eine leichte Salzigkeit und etwas angenehm mediterranes. Vor allem aber machen sie einfach mehr Spaß. Man kann mit dem Stäbchen spielen und hat was zu knabbern – das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil angesichts der Tatsache, dass man sich puren Schnaps mit Garnitur in den Hals schüttet.

Gelegentlich - wie beim sehr kräutrigen Gin Mare - lohnt sich auch mal eine komplett andere Martini-Deko.
Gelegentlich – wie beim sehr kräutrigen Gin Mare – lohnt sich auch mal eine komplett andere Martini-Deko.

Großer Fehler: entsteinte Oliven mit Paprikafüllung verwenden. Auch wenn alle jemals gemalten oder fotografierten Martinis der Welt diesen schicken roten Punkt in der Mitte haben; das Zeug schmeckt nicht nur wiederwärtig, es löst sich auch auf, wenn man gedankenverloren mit dem Zahnstocher den Drink umrührt. Das ist dann richtig, richtig eklig. Nehmt stattdessen entsteinte grüne Oliven oder zur Not auch solche mit Stein, auch wenn dann das Aufspießen etwas mehr Feingefühl erfordert: die schmecken deutlich besser und bieten in Kombination mit dem Gin dann sogar ein schönes, kleines Snack-Erlebnis.

Bei besonderen Gins kann sich oft aber auch eine besondere Martini-Deko lohnen. So funktioniert ein Gin Mare Martini hervorragend mit einem Zweig Rosmarin, manche Obst-lastige Gins schreien dafür förmlich nach einem kleinen Apfelschnitz.

Bitters im Martini

In älteren Martini-Rezepten aus der Zeit vor der amerikanischen Prohibition kommen fast immer Bitters zum Einsatz, meist Orange Bitters, seltener Angostura. Oft in Kombination mit Zuckersirup – damit wäre der Martini aber im Wesentlichen ein Gin Old Fashioned. Eher nicht unser Ding. Setzt man nur auf Bitters kann sich das aber je nach Wermut-Gin-Kombo durchaus lohnen. Vor allem Oliven-, Tonic-, Gurken- oder Celery Bitters bringen hier oft sehr viel Freude.

Den Martini richtig mixen

Über die richtige Zubereitung eines Dry Martini gehen die Meinungen weit auseinander. Allen gemein: Ihr rührt den Drink auf Eis und gießt ihn dann ohne das Eis in eine eiskalte Cocktailschale oder ein Martini-Glas. Der Spaß an diesem Drink ist, dass er so pur ist – der Spruch mit dem Snob-Shot zu Beginn des Artikels war nicht einfach nur ein Witz. Entsprechend möchtet ihr, dass der Martini eiskalt ist und dass ein wenig Schmelzwasser die Aromen öffnet – aber er soll keinesfalls verwässern.

Crushed Ice verwässert Drinks zu schnell - FInger weg.
Crushed Ice verwässert einen Martini viel zu schnell – Finger weg.

In allen anderen Punkten aber gehen die Rezepte weit auseinander – zu weit, um alle Abwandlungen hier zu beschreiben. Die meisten davon betreffen aber die Behandlung des Wermuts: Mal wird der Martini zusammen mit dem Gin gerührt und kommt dann ins Glas – das ist im Test unsere bevorzugte Variante, weil man so den Wermut wirklich noch schmeckt. Andere Rezepte benetzen das Glas nur mit dem Wermut, spülen es einmal aus; in Barkeeper-Sprache nennt man diesen Vorgang einen „Wash“. Je nach Literatur ist diese Variante der echte „Dry“ Martini, sobald der Wermut mit ins Glas kommt, ist es nur noch ein Martini.

Beim Wash bleibt großteilig der Geruch im Glas, geschmacklich merkt man den Wermut aber kaum noch. Es geht aber noch verrückter: Andere Rezepte empfehlen, den Wermut über das Eis zu schütten, und dann den Wermut zusammen mit dem Schmelzwasser wegzuschütten, bevor man den Gin mit den Eiswürfeln rührt. Ja, das macht den Martini aufwendiger, beeindruckender und die Herstellung spannender. Aber es ist geschmacklich für den ungeschulten Gaumen einfach nur Nonsens und bringt genauso viel, als würdet ihr den Wermut einfach weglassen.

Das geht übrigens auch, man spricht dann von einem „Extra Dry Martini“ oder bestellt seinen Drink mit einem besonders fluffigen Spruch Marke „Gin. 10 Sekunden rühren, dabei auf eine geschlossene Flasche Wermut schauen.“, so gesehen im Film Kingsmen. Tut. Das. Nicht. Wenn ihr nicht gerade von authentischer und erlesener Coolheit seid, wirkt ihr damit nur wie ein Affe, der gerade seinen Affenausweis vom Affenbürgeramt geholt hat und zum ersten Mal in die Affenbar darf. Bestellt wie ein Mensch. Und wenn ihr einfach nur Gin mit einer Zitronenschale drin wollt, ist das vollkommen okay – aber macht bitte keinen Riesen-Aufriss darum.

Die Frage aller Fragen: geschüttelt oder gerührt?

/Insert James Bond-Witz. Wenn man einen Martini schüttelt, wird er trüb. /Insert oberschlaues Gelaber über Sauerstoff. Deshalb rührt man Cocktails, die aus klaren Teilen bestehen und zwar immer und in allen Lebenslagen.

Wodka Martini in drei "Geschmacksvariationen".
Wodka Martini in drei „Geschmacksvariationen“.

Die wichtigsten Varianten

Neben der Standard-Variante gibt es von diesem Cocktail noch Dutzende andere Versionen, alle spannend, alle lecker, alle anders. Die wichtigsten auf einen Blick:

  • Gibson Martini: So heißt der Cocktail, wenn er mit Silberzwiebeln garniert wird. Ansonsten ist er baugleich zur Dry-Variante.
  • Wet Martini: Das Verhältnis von Gin zu Wermut beträgt (mindestens) 2:1. Funktioniert gut mit Gins, die fruchtige Aromen vertragen, etwa The Duke.
  • Dirty Martini: Im Rührglas werden zwei bis drei Oliven zermatscht, die dann zusammen mit dem Eis zurückbleiben oder direkt Olivenlake mitverarbeitet. Lecker, aber eher herzhaft.
  • Perfect Martini: Der Wermut-Anteil in diesem Drink besteht zur Hälfte aus süßem, zur Hälfte aus trockenem Wermut.
  • Sweet Martini: Statt trockenem Wermut kommt süßer, roter in den Drink.
  • Wodka Martini: Die Bond-Variante mit geschmacksneutralem Wodka statt Gin. Ist oft richtig belanglos, richtig gemacht aber eine geschmackliche Erlebnisreise für Aufmerksame. Aber gibt halt vor allem 97/100 Stilpunkte. Ist auch was wert.
  • Vesper: Der Ur-Drink von James Bond, bevor er mit der Schüttelei angefangen hat: Kina Lillet (gibt’s nicht mehr), Gin und Wodka.

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JohannTrasch

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