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Eine glänzende, grüne Limette.

Was du bei Limettensaft alles falsch machst

Hach ja, glücklich waren die Tage, in denen wir davon ausgingen, dass wir einfach nur richtig guten Schnaps bräuchten, um richtig gute Cocktails zu mixen. Dass ein brauchbares Rezept selbst so etwas simples wie einen trockenen Martini noch deutlich verbessern kann, ließen wir uns ja auch noch eingehen. Und als dann die ewigwährenden Eismonologe der Mixfluencer endlich aufgehört hatten, haben wir auch endlich eingesehen, dass gutes Eis in der richtigen Form einen wirklichen Unterschied in unseren Cocktails macht.

Zugegeben: guter Schnaps, gutes Eis, gutes Rezept – viel schief gehen kann da eigentlich nicht mehr. Außer natürlich, ihr packt an dieser Stelle ein Fläschchen Limettensaft oder Zitronensaft aus dem Supermarkt aus. Ja, schon klar: ist ja nur Saft, andere Säfte kauft man ja auch statt sie selber zu pressen und überhaupt sind Limetten und Zitronen im Vergleich zum Gläschen ja inzwischen wirklich schweineteuer. Doof nur, dass frische Zitrussäfte in einem guten Drink durch wirklich gar nichts zu ersetzen sind. Obwohl … so frisch sollten sie eigentlich gar nicht sein.

Flasche vs. Frucht

Ja, zugegeben: Inzwischen ist die Flasche Limettensaft oftmals billiger als das Kilo Limetten und man spart sich die ganze Sauerei und jede Menge Biomüll. Win-Win also, oder? Jein. Oder nein, eigentlich: nein. Denn bei genauerer Betrachtung hat Flaschensaft außer weniger Müll und vermeintlich besserem Preis kaum Vorteile gegenüber selbstgepresstem Saft:

  • Frischgepresster Saft schmeckt schlicht und ergreifend besser. Er ist natürlicher, frischer, die Säure ist spitzer – selbst der beste Limettensaft aus dem Glas kann da nicht mithalten, wenn ihr uns fragt.
  • Flaschensaft liefert keine Zitruszesten mit. Auf einen guten Whiskey Sour gehört eine Zitronenzeste und einen Mai Tai garniert man klassisch sogar mit einer ausgehöhlten halben Limette. Wie ihr die aus der homogenisierten Flasche zaubert, würde ich gerne mal sehen.
  • Bei selbstgepresstem Saft, wisst ihr, was drin ist. Schon klar: Pestizide sind ein Problem. Aber brauchbare Bio-Früchte sind in jedem Fall immer safer und gesünder als jeder Limettensaft aus der Flasche, egal wie groß „Keine Zusätze“ auf der Flasche steht. Irgendeinen Grund muss es ja haben, dass euer Zitrussaft keine 24 Stunden hält und der Saft in der Flasche ein paar Wochen.

Bleibt immer noch der Zeitvorteil. Point given. Gerade, wenn ihr Limettensaft oder Zitronensaft für eine größere Party braucht, steht ihr im schlimmsten Fall die halbe Nacht an der Mexican Elbow Press, um literweise Saft aus den Früchten zu quetschen. Und weil Homebars selten so gut aufgestellt sind wie professionelle Bars endet das dann in einer riesigen, klebrigen Sauerei. Muss aber nicht sein: schließlich bereitet ihr ja auch die Häppchen noch vor der Party vor, warum solltet ihr also live Zitronensaft pressen?

Zitronensaft und Limettensaft lassen sich vorbereiten

Frischgepresster Limettensaft hält im Kühlschrank erstaunlich lange frisch, dasselbe gilt für Zitronensaft. Kauft euch eine oder mehrere Spritzflaschen für Saucen beim nächsten Gastro-Bedarf oder im Netz, baut euch ein paar Stunden vor der Party eine Auspresstation in der Küche auf und entsaftet, was das Zeug hält. Nicht nur, dass ihr so deutlich schneller und sauberer arbeiten könnt, als wenn ihr einzelne Limetten oder Zitronen für einzelne Drinks entsaftet: die Arbeit hat auch etwas unglaublich entspannendes, geradezu meditatives. Und statt den halben Abend damit zu verbringen, herumspritzende Zitrussäfte aufzuwischen, macht ihr danach genau einmal die Küche sauber und fertig.

Profis schälen ihre Limetten und Zitronen natürlich vorher und bewahren die Zesten eingewickelt in feuchte Papiertücher im Kühlschrank auf – so bleiben auch die knackig-frisch und lassen sich direkt für die Garnitur eurer Cocktails verwenden. Schwupps wieder ein Arbeitsschritt gespart, mehr Zeit zum feiern. Die Säfte halten sich im Kühlschrank übrigens etwa 24 Stunden ohne stärkere Qualitätsverluste – trotzdem solltet ihr sie nicht allzu lange vor eurer Party auspressen.

Wann schmeckt Limettensaft am besten?

Der amerikanische Bartender Dave Arnold gilt als „Wissenschaftler“ unter den Barnerds und experimentiert viel mit Vaporatoren, Säurepülverchen, Kohlensäure-Techniken und allerlei anderen Spielereien. Bei einem seiner Experimente ließ er eine Gruppe von Gästen Drinks probieren, die mit unterschiedlich altem Limettensaft gemixt wurden. Von ganz frisch gepresst bis einige Stunden an.

Das erstaunliche Ergebnis: Limettensaft erreicht etwa 4 Stunden nach dem Auspressen seinen geschmacklichen Höhepunkt. Die Gäste beschrieben den Saft als komplexer und tropischer, manche erkannten sogar Kokosnuss-Aromen, obwohl gar keine Kokos-Aromen verarbeitet waren. Auch die Säure wurde als frisch, aber weniger spitz wahrgenommen. Im Alter zwischen vier und acht Stunden etwa hält der Limettensaft dieses qualitativ Hoch, danach geht es bergab. Ab ca. 12 Stunden wird er merklich schaler, schmeckt aber unserer Ansicht nach immer noch besser als die meisten Flaschensäfte.

Aus eigener Erfahrung können wir übrigens sagen, dass die Qualitätsunterschiede bei Zitronensaft nicht derart ausschlaggebend sind – in unseren Tests entwickelt er sich zwar ein wenig, es lässt sich aber schwierig sagen, ob er schlechter oder besser wird. Er verändert sich eben – und im Whiskey Sour schmeckt man davon kaum noch einen Unterschied. Außer natürlich ihr nehmt den nicht mehr ganz so frischen Zitronensaft von gestern.

Apropos Zitronensaft von gestern: wer Saft übrig hat, bäckt einfach ein paar tropische Palmen-Plätzchen und garniert sie mit Zuckerguss aus Puderzucker und Limettensaft. Die gehen immer – vorausgesetzt, ihr habt nach eurer erfolgreichen Party gestern keinen allzu schlimmen Kater.


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