Startseite » Blog » Homebar » Wie lange hält Schnaps?
Spirituosen halten nicht ewig - aber manche Spirituosen unter den richtigen Umständen zumindest fast.

Wie lange hält Schnaps?

    „Ist der noch gut?“, ist eine dieser Fragen, die man sich selbst viel häufiger stellt, als man zu Beginn der Homebar-Karriere vielleicht denkt. Lustigerweise manchmal sogar bei frischgeöffneten Flaschen. So ein richtig guter High-Ester-Rum oder ein Saucen-Aroma-Baijiu lösen auf dem Höhepunkt ihrer Genusstauglichkeit ganz gerne mal Assoziationen mit einer Kiste komplett vergammelter Tropenfrüchte aus. Während diese beiden als „echte“ Spirituosen aber ohnehin sehr stabil sind, sieht das bei Likören und vor allem aufgespriteten Weinen wie Wermut oder Sherry vollkommen anders aus. Nur weil irgendwas zufällig im selben Regal steht wie 30 Jahre alter Whisky, heißt das nämlich längst nicht, dass es genauso lange hält. Aber keine Panik: Nichts wird so kalt getrunken, wie es geschüttelt wird.

    Was genau bedeutet „noch gut“?

    In der unten stehenden Tabelle haben wir euch aufgelistet, wann die Zutaten in eurer Bar beginnen, sich zu verändern. Diese Info bietet einen – wie wir finden – guten Überblick für Einsteiger und Fortgeschrittene, wann man sich mit dem Trinken besser ranhalten sollte. Wer Whisky als Wertanlage kauft oder die beste Sherry-Bodega Deutschlands aufmachen will, braucht zugegeben ein paar tiefgreifendere Infos, aber für den Alltag reicht zumindest uns die grobe Info: ab wann passiert da was in der Flasche? Dabei gilt: „verändert sich“ heißt nicht automatisch „ist schlecht“. Steht euer Gin seit 3 Jahren halbleer im Regal, wird er nicht mehr genauso schmecken, wie derselbe Gin aus einer frisch geöffneten Flasche – ihm werden ein paar Nuancen fehlen, etwas Kante und Power – aber deswegen ist er kein von Grundauf anderes oder schlechtes Produkt.

    Sogar weniger stabile Produkte wie Wermut, Sherry oder Port wären nach 3 Jahren im Regal normalerweise noch trinkbar – „lecker“ steht dann allerdings auf einem anderen Blatt. Generell gilt aber: nur weil irgendwelche Connaisseurs ihren Fino Sherry nach einer Woche im Kühlschrank untrinkbar finden, müsst ihr ihn nicht gleich wegschütten, falls ihr keinen weltbewegenden Unterschied schmeckt.

    Spirituosen-Haltbarkeiten im Überblick

    Diese Tabelle gibt einen Mix aus Erfahrungswerten von uns und vielen unserer Quellen wider, wann ein Produkt beginnt, sich zu verändern. Ob es noch genießbar ist oder euren persönlichen Qualitäts-Standards genügt, müsst ihr jeweils selbst herausfinden. Wenn eine Sicht- und Geruchsprüfung nichts schlimmes zutage fördert, einfach probieren! Bedenkt außerdem: Je nach Produktqualität und Lagerung können sich die Werte stark unterscheiden.

    ProduktUngeöffnet stabilGeöffnet stabilLagerung
    Hochprozentige Spirituosen (Whisky, Rum, Gin, alles über 37,5 Vol.-%)Für immer.6 Monate bis 2 Jahre.Stehend, kühl und dunkel
    LiköreQuasi für immer.5 bis 10 Jahre.Stehend, kühl und dunkel
    Sahne-LiköreEtwa 2 Jahre (haben meist ein Mindesthaltbarkeitsdatum).Etwa 6 Monate (im Kühlschrank).Nach öffnen im Kühlschrank, bevorzugt stehend.
    Wermut, Quinquina und ähnliches5 bis 10 Jahre.Etwa 2 Monate (im Kühlschrank).Nach öffnen im Kühlschrank, bevorzugt stehend.
    Trockener Sherry (Fino / Manzanilla)1 bis 3 Jahre.Etwa 1 Woche (im Kühlschrank).Nach öffnen im Kühlschrank, bevorzugt stehend.
    Sherry (Amontillado, Oloroso, etc.)3 bis 5 Jahre.1 bis 3 Monate (im Kühlschrank).Nach öffnen im Kühlschrank, bevorzugt stehend.
    Cream & PX Sherry3 bis 5 Jahre.3 bis 6 Monate (im Kühlschrank).Nach öffnen im Kühlschrank, bevorzugt stehend.
    Portwein (Ruby / Weiß)3 bis 5 Jahre.2 bis 4 Wochen (im Kühlschrank).
    Nach öffnen im Kühlschrank, bevorzugt stehend.
    Portwein (Tawny)5 bis 10 Jahre.Bis zu 2 Monaten (im Kühlschrank).
    Nach öffnen im Kühlschrank, bevorzugt stehend.
    Aperitifs (Aperol, Campari, etc.)Quasi für immer.Etwa 6 Monate bis 1 Jahr.Stehend, kühl und dunkel
    Sirup (gekauft)Etwa 3 Jahre.Etwa 6 Monate.Im Kühlschrank.
    Sirup (selbstgemacht)Schwankt stark, 1 Woche bis 6 Monate.Schwankt stark, bis zu 1 Jahr.Stehend, kühl und dunkel
    Cocktail-BittersFür immer.Quasi für immer.Ist den Bitters ziemlich egal.
    Erfahrungswerte

    Wie kann ich die Haltbarkeit meiner Spirituosen verlängern?

    Die natürlichen Feinde des Geschmackserhalts sind Wärme, Licht und Sauerstoff. Das gilt für alle oben genannten Produkte, wobei die instabileren wie Fino Sherry natürlich deutlich stärker mit den Elementen reagieren als ein Whisky oder Gin.

    • Die wohl schwierigste Komponente im Alltag ist der Sauerstoff – eure Cocktail-Zutaten reagieren mit dem Zeug. Und ein chemisches Element, dass aus Eisen braunes Bröselgedöns macht, solltet ihr auch in Bezug auf Rum und Gin nicht unterschätzen. Je leerer eine Flasche ist, desto mehr Sauerstoff ist darin zum reagieren. Und je häufiger ihr eine Flasche öffnet, desto mehr reaktionsfreudiger neuer Sauerstoff kommt rein. Halbleere Produkte, die ihr nicht häufig braucht, solltet ihr daher in kleinere Flaschen umfüllen oder mit einem Vacu-Vin oder ähnlichen Produkten vom Sauerstoff befreien. Diese speziellen Verschlüsse saugen die Luft aus euren Flaschen beim Verschließen und verlängern so die Haltbarkeit.
    • Das Licht ist euer geringstes Problem – und es ist auch weniger wegen des Geschmacks problematisch. Vielmehr bleicht es eure Spirituosen aus. Glücklicherweise denken die Hersteller hier selber mit: Habt ihr euch schonmal gefragt, warum nur klare Spirituosen wie Wodka oder Gin in weißen Glasflaschen kommen und gereifte Spirituosen wie Whisky und Rum stets in braunen und grünen? Genau. Am stärksten wirkt sich der Faktor Licht auf Liköre aus, deren knallbunte Farben oft in weißen Flaschen zur Schau gestellt werden. Lagert euren Campari also lieber an einer Stelle im Barfach, an der die Sonne nicht hinscheint.
    • Bleibt die Wärme – die sorgt dafür, dass die leckeren Wässerchen in euren Flaschen ganz langsam verdunsten. Und nebenbei auch noch die Reaktionsfähigkeit des Sauerstoffs erhöhen. Ergo ist ein kühler Lagerort die beste Verteidigung gegen Wärme. Von einer Lagerung im Gefrierfach raten wir jedoch ab – bei Whisky und anderen harten Spirituosen wäre das übers Ziel hinaus und die meisten anderen Produkte frieren ein.

    Das könnte euch auch gefallen


    Nächster Post

    How to: In der eigenen Wohnung eine Cocktailbar einrichten

    Nächster Post

    10 Themen für deine nächste Cocktail-Party

    Index