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Gentleman’s Tonic

Gentleman's Tonic bringt einem Gin and Tonic vor allem eine intensive Pfeffernote.
Gentleman's Tonic bringt einem Gin and Tonic vor allem eine intensive Pfeffernote.

Wenn ein neues Tonic Water auf den Markt kommt, ist es entweder supertrocken, superkräutrig oder superleicht. Frei übersetzt: So bitter, dass es dir die Lippen durch die Nasenlöcher zieht, schmeckt wie der Estragonessig von Oma oder ist im Wesentlichen Wasser mit einem Hauch von Tonic. Bitte nicht falsch verstehen – viele dieser neuen Super-Tonics sind trotz Bitternoten aus der Hölle grotesk lecker, wenn man sie in den richtigen Gin schüttet. Trotzdem ist es ganz schön, wenn mal einer auf die Bühne kommt, der alles ein klein wenig anders macht.

Einer, der auf die Pauke haut, seinen eigenen Stil mitbringt und trotzdem noch genug Selbstbewusstsein hat, um mal den Gin zu Wort kommen zu lassen. Um es kurz zu machen und gleich mal den Tasting-Teil weiter unten zu spoilern: Wir mögen Gentleman’s Tonic – aber wer nicht auf den Duft von frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer steht, braucht an dieser Stelle eigentlich gar nicht weiterzulesen.

Die Story zum Tonic Water

Die schlichte 0,33-Liter-Flasche kommt mit einem stilvoll-schickem schwarzem Label daher, über dem Schriftzug prangt das Logo der Firma Elevato, das aussieht wie die viktorianische Variante des Schwarzkopf-Logos. Ihr wisst schon, die Shampoo-Marke. Was doppelt lustig wird, wenn man versehentlich nach „Gentlemen’s Tonic“ googelt, statt nach Gentleman’s Tonic, dann landet man nämlich bei einer Serie von Haarpflegeprodukten für Männer.

Wer dann doch auf der richtigen Webseite landet, erfährt leider auch nicht viel mehr über die Firma der beiden jungen Franken Bünyamin Yilmaz und Julian Raiser. Nur, dass Elevato wohl eine feine Auswahl guter Kaffees und eben Gentleman’s Tonic vertreibt. Weitere Inhalte oder Zusatz-Infos sucht man vergeblich, mal abgesehen von einem kleinen Werbevideo, dass uns ziemlich eindeutig erklärt: Wenn wir einen Jet und dieses Tonic Water hätten, würden Frauen auf uns stehen. Und nicht nur irgendwelche, sondern das Weltmeister-Team im Synchronnotgeilgucken:

So schmeckt der Gentleman’s Tonic

Gentleman’s Tonic ist nicht wie dieser Werbefilm. Gentleman’s Tonic ist ein richtiger Gentleman: Er ist generös und bringt die vollen 0,33 Liter in der Flasche mit, sodass man sich gleich zwei kleine Gin Tonics mixen kann (0,2-Varianten sind in Arbeit). Er riecht maskulin, aber gut, nach frischem, schwarzen Pfeffer, ein bisschen Zitrone und dem herben Duft frisch gepflückter Kräuter, durch einen Hauch Koriander, der sich am Pfeffer vorbeischiebt, wirkt er fast exotisch. Im Mund ist er frisch und zitronig, aber mit der gleichen starken Note von schwarzem Pfeffer.

Nase: Pfeffer, Zitrone, Kräuter, Koriander

Zunge: Zitrone, Pfeffer, angenehme Bitternote, Wacholder

An der Stelle jetzt mal aufgepasst: Wir sprechen hier nicht davon, dass der Tonic eine Pfefferschärfe hätte, wie sie zum Beispiel viele Whiskys besitzen. Er schmeckt, wie schwarzer Pfeffer riecht und wird begleitet von einer leichten Kräuternote, in der wir sogar ein bisschen Wacholder schmecken. Im Abgang bleibt eine Bitternote, die genau richtig daherkommt – merklich, aber nicht dominant. Die Kohlensäure wird einigen zu wenig sein – aber tatsächlich ist sie exakt so, dass man das Gentleman’s Tonic schön süffig trinken kann, ohne in Rülpstiraden auszubrechen. Daher geht’s uns dann auch ganz genauso wie Oliver Steffens von Trinklaune.de: Wir trinken die erste Flasche versehentlich pur. Schön war’s. Aber dafür sind wir ja nicht hier.

Der Gentleman’s Tonic im Gin Tonic

Dieser Tonic verleiht jedem G&T ein rundes Profil – wir haben in keinem Gin, mit dem wir testen, das Gefühl, er wäre fehl am Platz. Mit milden Destillaten wie dem Tanqueray 10 kommt er bestens zurecht, erdrückt sie nicht. Bitter-Monstern wie dem Tanqueray London Dry oder dem Bombay Sapphire wird er Herr, ohne sie noch zusätzlich bitterer zu machen. Am schönsten aber funktioniert er in Kombination mit ausgewogenen Wacholder-betonten Gins wie dem Granit Gin – damit bekommt man einen wundervoll runden Gin Tonic.

Unser persönliches Highlight im Cocktail-Test: Gentleman’s Tonic + nginious! Smoked & Salted Gin mit Gurke als Garnitur. Der Name klingt, als bekäme man da jetzt bei irgendwas raus, mit dem man sein Steak würzen kann. Aber tatsächlich ergeben beide Flüssigkeiten zusammen einen Drink, zu dem wir viel lieber ein Steak essen würden: Einen herben, maskulinen G&T, der zwar tatsächlich eine Salz-/Pfeffer-Note mitbringt, die aber nur die Würzung für eine fantastische Kombi aus Maronen- und Gurken-Aromen ist.

Das „Aber“ zu der ganzen Sache kennt ihr aus dem ersten Absatz: In jedem Gin Tonic, den wir uns mixen, schwingt dieser Duft von frischem schwarzen Pfeffer mit. Mal sehr eindeutig, mal nur ganz schüchtern, aber er ist immer da. Wir finden das saugut – es unterscheidet den Gentleman’s Tonic von einem einfach sehr gut gemachten, süffigen Standard-Tonic. Aber das macht ihn am Ende zum Gentleman: Auch der muss Ecken und Kanten haben – sonst ist er nur ein Langweiler in einem gut sitzendem Anzug.

Gentleman’s Tonic gibt’s in vielen Bars in und um Nürnberg und in Frankens Edekas. Kann hier mal bitte einer den Regler auf bundesweit stellen? Danke. 

JohannTrasch

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