Alaska | Wermut im Martini ist fad, nimm mal Chartreuse

Der Alaska Cocktail, ein Verwandter des Martini.
Der Alaska Cocktail, ein Verwandter des Martini.

Erwartungshaltungen sind Müll. Beweisstück A: der Alaska Cocktail. Wurde mir irgendwann mal groß als spannender Martini-Twist angekündigt, als tolle Alternative, die den labbrigen Wermut durch kraftvollen Chartreuse ersetzt. Klingt in der Theorie wahnwitzig spaßig, führte aber dazu, dass der erste Schluck mich nicht auf die gute Art von den Socken holte und ratlos zurückließ. Was soll diese süße Brühe denn mit einem Martini zu tun haben, bloß weil Gin drin ist? Es dauerte Jahre, bis ich auf Absacker-Suche wieder über den Alaska stolperte – kontextlos stand da das Rezept, ohne Erklärung. Ich erinnerte mich dunkel, keine Alaskas zu mögen, war mir aber nicht mehr sicher wieso. Ich mixte, ich sippte, ich frohlockte.

Was war anders? Die fehlende Brücke zum Martini – denn meine eigenen Martinis sind furztrocken, meist geradezu salzig. Im Vergleich dazu ist der Alaska in all seiner wacholdrig-kräutrigen Wucht fast schon süß und erfrischend. Eine Aussage, die ein guter Freund übrigens mit “Auf eine perverse Art verstehe ich dich, aber nein” kommentierte. Denn bei ihm, der seine Martinis eher 2:1 denn als Montgomery trinkt, gerne auch mit ein paar Orange Bitters, da funktioniert die Martini-Analogie durchaus. Weswegen ich mich auch nicht schäme, die Headline so zu schreiben, wie sie dasteht, auch wenn ich sie nicht fühle. So oder so: Gin plus Chartreuse gleich Liebe. Wie immer.

Der Alaska Cocktail aus Gin, Chartreuse und Orange Bitters.

Alaska Cocktail

Bisher ohne Wertung
Vorbereitungszeit: 0 Minuten
Zubereitungszeit: 1 minute
Gesamtzeit: 1 minute
Cocktail-Kategorie: Aperitif, Shortdrink
Epoche: 20. Jahrhundert
Geschmack: Kräftig, Süß
Spirituosen: Chartreuse, Gin

Zutaten

Zubereitung

  • Alle Zutaten zusammen auf Eis in ein Rührglas geben.
  • Rühren, bis das Glas von außen beschlägt.
  • In eine Coupette oder ein Martiniglas abseihen.
  • Mit einer Zitronenzeste abspritzen.
  • Trinken.
Ein Martin mit Chartreuse Jaune statt Wermut.

Nicht dein Drink? Probier einen anderen:

Warum dieses Rezept und kein anderes?

Prinzipiell gibt es für den Alaska zwei Schulen: die 1914er-Version aus Jacques Straubs Buch Drinks, bei der 1 Teil gelber Chartreuse auf 2 Teile Gin trifft, dazu gibt’s einen Spritzer Orange Bitters. Für unseren Geschmack etwas sehr süß. 1930 veröffentlicht Harry Craddock in seinem legendären Savoy Cocktail Book eine modernere Variante mit 3 Teilen Gin, 1 Teil Chartreuse und ohne Bitters. Letzteres kommt eher an das ran, was wir uns vom Alaska wünschen, am Ende gibt aber ein Kommentar auf der Difford’s Guide-Seite zum Drink den Ausschlag: G.M. Genovese mixt mit 5 zu 1,5 cl statt 4,5 zu 1,5 und lustigerweise sind das genau die 0,5 cl zum Glück, die uns zur Fast-Perfektion gefehlt haben. Das i-Tüpfelchen sind dann die Orange Bitters – auch wenn Craddock die weglässt, für uns passen sie extrem gut in den Drink.

Die richtigen Zutaten für den Alaska

Vom einfachsten zum kompliziertesten: Chartreuse Jaune ist nicht verhandelbar. Gut, doch: alternativ arbeitet ihr stattdessen mit 0,75 cl grünem Chartreuse. Alles andere schmeckt am Ende einfach anders. Bei den Bitters ist es einen Hauch komplizierter, aber wirklich nur einen Hauch. Prinzipiell funktionieren für uns alle Orange Bitters mindestens gut im Alaska – ein ganz klein wenig vorn liegen jedoch Angostura Bitters, dicht gefolgt von Gary Regans Orange Bitter No. 6. Ähnlich kompliziert die Frage nach Orangen- oder Zitronenzeste als Garnitur. Für uns bringt die Zitrone die spannendere neue Dimension mit rein – Orangenzeste würden wir wenn dann als Alternative zu den Orange Bitters benutzen.

Der schwierige Part ist der Gin. Damit der Alaska als Martini-Variante durchgeht und sich merklich gegen den Chartreuse durchsetzt, braucht es eine Wacholderbestie. Finden zumindest wir. Ja, Varianten mit klassischen London Drys mit lediglich merklichen Wacholdernoten funktionieren gut: Tanqueray, Hayman’s – mixt alles gute Alaskas. Die beiden eindeutig besten Gläser im Test mixen wir aber mit den wacholdertastischen Flaschen Juniper Jack und Hepple Gin, wobei letzterer es schafft, noch ein bisschen mehr Breite in den fertigen Drink zu transportieren. Übrigens: den Original 1914er-Alaska mixt man mit gesüßtem Old Tom Gin. Der hat durchaus seine Berechtigung, im Alaska führt er für uns aber zum Zucker-Overkill.

Die Einkaufsliste für den Alaska Cocktail

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Die Bilder für diesen Artikel wurden mit Hilfe von KI erstellt.

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Johann

Cocktailbarts Archmage of Content bei Nacht, Familienvater & Texter bei Tag. Lieblings-Drink Martini, Lieblings-Spirituose trotzdem Rum. Wohnt in Franken, kommt aus der Oberpfalz (ist beides in Bayern, tschuldigung). Typischer Satz: "Meinste das wär geiler, wenn man Olivenlake reintut?"