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Bloody Mary Cocktail: Tomatensaft, Wodka & … Fisch?

Die geheimen Zutaten für die perfekte Bloody Mary: Richtig geiler Tomatensaft, Fisch und eine Prise Wahnsinn.
Die geheimen Zutaten für die perfekte Bloody Mary: Richtig geiler Tomatensaft, Fisch und eine Prise Wahnsinn.
Rezept für die Bloody Mary

Das perfekte Basis-Rezept für Bloody Mary

  • 12 cl Tomatensaft
  • 6 cl Wodka
  • Saft einer Viertelzitrone
  • Saft einer halben Limette
  • 2 Spritzer Tabasco
  • 1 guter Esslöffel Worcestershiresauce
  • Selleriesalz
  • Pfeffer
  • Optional aber empfohlen: Chili- und Lavendel-Bitters
  • Optional aber empfohlen: Austern-/Fischsauce aus dem Asialaden, Fischfond oder Sardinen-Öl

Gewürze mit Schnaps und Zitrussäften auf Eis ordentlich shaken. Dann Tomatensaft, Tabasco und Worcestershiresauce dazu und nochmal shaken. Alles in ein Longdrinkglas mit frischem Eis gießen und mit Bacon/Garnelenspießen/Selleriestange/halber Sau garnieren. Trinken.

Die Einkaufsliste

Die Einkaufsliste für die Bloody Mary

(Mit einem * markierte Links sind Affiliate-Links aus dem Amazon-Partnerprogramm. Benutzt ihr diese für euren Einkauf, erhalten wir dafür eine kleine Provision.)

Bloody Mary – das klingt nach Hollywood-Film, nach Sellerie-Zweitverwertung, nach Kater-Gegenmittel. Kalte Tomatensuppe mit Konter-Alkohol, das macht sicher wach, oder? (Spoiler: Nö.) Bei der Recherche nach dem perfekten Brunch-Cocktail wurden wir von der Bandbreite an Rezepten regelrecht überrollt. Bis auf die Hard Facts – Tomatensaft, Wodka, Zitronensaft, ein paar Spritzer Tabasco und Worcestershire-Sauce – kocht hier nämlich praktisch jeder Bartender sein eigenes Süppchen.

Ach, was sagen wir: Nicht mal die Basis sind sicher. Manche greifen zur pürierten Dosentomate, nehmen statt stinknormalem Schnaps eine Variante, die mit Speck aromatisiert wurde, greifen statt zum Zitronensaft zur Limette und aus ein bisschen Tabasco im Drink wird eine halbe Tasse Barbecue-Sauce, Flüssigrauch oder Fischsuppe. Eben wegen dieser Bandbreite sind wir uns diesmal nicht ganz sicher, dass wir wirklich das perfekte Cocktail-Rezept gefunden haben – und präsentieren euch lediglich etwas, das wir ganz bescheiden Basis-Rezept nennen. Das werfen wir euch jetzt einfach mal vor die Füße – und dann reden wir über die Details.

Das perfekte Basis-Rezept für die Bloody Mary

  • 12 cl Tomatensaft
  • 6 cl Wodka
  • Saft einer Viertelzitrone
  • Saft einer halben Limette
  • 2 Spritzer Tabasco
  • 1 guter Esslöffel Worcestershiresauce
  • Selleriesalz
  • Pfeffer
  • Optional aber empfohlen: Chili- und Lavendel-Bitters
  • Optional aber empfohlen: Austern-/Fischsauce aus dem Asialaden, Fischfond oder Sardinen-Öl

Gewürze mit Schnaps und Zitrussäften auf Eis ordentlich shaken. Dann Tomatensaft, Tabasco und Worcestershiresauce dazu und nochmal shaken. Alles in ein Longdrinkglas mit frischem Eis gießen und mit Bacon/Garnelenspießen/Selleriestange/halber Sau garnieren. Trinken.

Was soll das eigentlich mit dieser Bloody Mary?

Der Drink entstand in den 1920ern, zunächst allerdings als Red Snapper mit Gin. Der ist eine Herausforderung für sich – den Wacholder so in dieses deftige Ungetüm zu pressen, dass es auch Spaß macht, ist geschmacklich deutlich fordernder als Wodka in Tomatensaft zu schütten. Zurück geht die Bloody Mary selbst sehr wahrscheinlich auf den Barkeeper Fernand Petoit, allerdings beanspruchen den Ruhm für die Erfindung der Bloody Mary auch andere Mix-Virtuosen für sich.

Genauso unklar ist übrigens der Ursprung des Namens. Mal geht er auf die blutrünstige englische Königin Elizabeth die erste zurück, ein anderes Mal soll ein Stammgast Petoits die Idee dafür gehabt haben; den erinnerte der Cocktail an eine Kellnerin namens Mary und die arbeitete in einer Bar namens Bucket of Blood. Bucket. of. Blood. Geil, oder? Egal was wahr ist, wir glauben an diese Geschichte, weil der Barname so unglaublich cool ist, dass die Star Wars-Cantina daneben aussieht wie das Smalland beim Ikea. Jetzt wo das geklärt ist, kommen wir zu den wichtigen Sachen. Den Zutaten:

Der perfekte Tomatensaft für die Bloody Mary

Stellt euch eine Bloody Mary nicht wie einen Cocktail vor, behandelt sie auch nicht so. Dieser Drink ist eine kalte Tomatensuppe mit Schnaps drin. Entsprechend könnt ihr sie würzen wie ihr wollt und auch die Einlagen nach Lust und Laune wählen – aber erstmal braucht ihr anständige Tomatenpampe. Im Prinzip habt ihr drei Möglichkeiten: Tomatensaft, wie ihn 99% aller Menschen verwenden, Dosentomaten oder ihr macht ihn einfach selbst.

Verschiedene Tomaten auf dem Markt.
Verschiedene Tomaten auf dem Markt.

Letzteres bedeutet unglaublich viel Arbeit: Ihr müsst die Dinger überbrühen, abziehen, dann stundenlang köcheln lassen, damit ihr in die Geschmacksregionen von Dosentomaten kommt, zu denen selbst Profiköche gerne mal greifen, allein wegen des Zeitfaktors. Kauft ihr wirklich gute Dosentomaten und gießt die ab, erhaltet ihr einen ziemlich dicken, aber leckeren roten Saft, der aber noch ein paar Prisen Zucker braucht, um das Tomatenaroma hochzuholen. Beim Tomatensaft ist der schon drin. In unserem Test haben wir keine deutlich schmeckbare Verbesserung durch Dosentomaten festgestellt – und der Saft macht weniger Arbeit. Wer sich Würzarbeit sparen will, kann alternativ auch auf Sangrita zurückgreifen – einen leicht scharfen Tomatendrink, den’s in jedem besseren Supermarkt gibt.

Ach ja, Möglichkeit 4 gibt es auch noch: Ihr habt einen Feinkostladen in der Nähe, der selbst, unter enormem Aufwand und mit viel Liebe eine Tomatensuppe anrührt, die so unglaublich fruchtig-tomatig daherkommt, dass alles zu spät ist und ihr nie wieder was anderes in eure Marys schütten möchtet. Haben wir zum Glück – und im Cocktail im Aufmacherbild oben entsprechend auch verwendet. Oh und ach: wir fiesen Cheater haben uns auch den Garniturspieß von der legendären Fürther Feinkosteria geholt. Könnt ihr wahrscheinlich nicht – trotzdem lohnt es sich vielleicht auch für eure nächste Brunchparty, High-End-Drinks mit High-End-Snacks zu kombinieren und dafür den Feinkosthändler eures Vertrauens zu kontaktieren.

Der perfekte Wodka

Wir sind – nach langer Annäherungsphase, große Fans davon, sehr aromatischen Wodka mit Getreide-Aromen und/oder hochwertigen gefilterten Wodka mit sanften Eigenaromen in Drinks zu verwenden, in denen man ihre Nuancen schmeckt – etwa im Vodka Martini. Aber selbst der charismatischste Getreidevodka tut sich schwer gegen eine solche Sturzflut an wuchtigen Geschmäckern. Ausnahmsweise sind wir hier also auch mit Mittelklasse-Produkten im Drink durchaus zufrieden. Trotzdem: Wenn euch das Zeug pur den Rachen ausbrennt, hat es auch im Drink nix verloren.

Wer den extra Umami-Kick im Drink sucht, geht einen Schritt weiter: Fatwashed Cocktails sind der neue geile Scheiß und wohl kaum einer eignet sich dafür besser als die Bloody Mary. Beim Fatwash packt ihr ein tierisches Fett – meistens Bacon-Fett – in Bourbon oder Wodka, packt den Spaß über Nacht in den Kühlschrank, filtert den hart gewordenen Schmodder dann wieder raus und habt dann einen Schnaps mit Bacon-Aroma. Das ist an und für sich leckerer als es klingt und theoretisch passt es auch gut ins Glas.

Bei unseren eigenen Fatwash-Versuchen mussten wir die Spirituose aber praktisch 1:1 mit Baconfett mischen, bevor er einen so penetranten Bacon-Geschmack annahm, dass man das auch noch in der knackigen Bloody Mary schmeckte. Wir raten euch ausdrücklich dazu, damit zu experimentieren – weil das Spaß macht. Aber in der Praxis tut ein Bacon-Streifen als Garnitur im Glas mehr für den Geschmack als der Fatwash. Außer, ihr wollt pro Drink ein halbes Pfund Bacon auslassen. Andererseits: Wir hatten schon schlechtere Pläne für Junggesellenabschiede.

Sellerie oder Bacon für die Bloody Mary?

Die Selleriestange im Bloody Mary ist Kult – aber die mag nicht jeder und umrühren muss man den Drink eigentlich auch nicht. Aber Sellerie tut dem Drink geschmacklich gut – deswegen greifen wir auf jeden Fall zum Selleriesalz oder alternativ auch gerne zu Selleriebitters plus normalem Satz. Bei der Garnitur setzen wir im Test lieber auf Bacon. Einfach, weil wir auf Fleisch als Suppeneinlage stehen. Doof nur: Der durchschnittliche Frühstücksspeck ist zu dünn, im Glas wird er feucht und bricht ab. Und dann braucht ihr doch wieder einen Staudensellerie, um euren Bacon aus Mary zu fischen.

Bloody Mary mit Baconstreifen
Bloody Mary mit Baconstreifen

Geht zum Metzger und lasst euch richtig schön dicke Scheiben vom geräucherten Bauch schneiden. Die packt ihr zu Hause dann bei 200 Grad in den Backofen, bis sie dunkelbraun sind, anschließend dürfen sie auskühlen. Wer ohnehin Bacon-Vodka machen möchte, brät den Spaß in der Auflaufform, dann kann man das ausgelassene Fett danach mühelos umschütten. Ohnehin sind aber beide Ideen nur Grundausstattung für eine ordentliche Mary.

Diesen Cocktail kann man nämlich auch auf’s brachialste mit Futter zukleistern – mancherorts bekommt man statt eines Cocktails einen Vorspeisenteller mit einer beschwipsten Tomatensuppe, wenn man sich für diesen Drink entscheidet. Und, auch wenn das natürlich nicht Teil der hohen Cocktail-Kultur ist, von der wir hier so oft erzählen, das ist dann ehrlich gesagt schon ein kleines Erlebnis.

Zitronen und Gewürze

Bei den Gewürzen und Würz-Soßen eskalieren manche Rezepte im Internet komplett – sicherheitshalber mussten wir uns für den Test also an Kombinationen mit Barbecue- oder Süßsauer-Soßen versuchen. Aber nichts davon gab der Bloody Mary etwas, das sie wirklich gebraucht hätte. Wir blieben also bei der Klassiker-Kombo: Tabasco und Worcestershire-Soße. Von Letzterer allerdings reichlich, sie verleiht dem Drink eine schöne Basis-Säure und -Breite. Pfeffer ist Pflicht, geräuchertes Paprikapulver, obwohl gerne genommen sorgte bei uns im Test für Fehltöne in den Aromen.

Eine Bloody Mary und win Minibierchen.
Eine Bloody Mary und win Minibierchen.

Zitronensaft ist essentiell, weil der die kalte Tomaten-Puppe mit etwas Frische aufpeppt, die ihr dringend braucht, damit die Bloody Mary nicht wirklich einfach nur nach kalter Tomatensuppe schmeckt. Die beste Wirkung erreichten wir mit einer Mischung aus Zitronen- und Limettensaft. Mag sein, dass ein guter Barkeeper die richtige Balance auch mit geheimen Super-Früchten oder über die Saft-Menge geregelt bekommt. Aber wir fahren mit dieser Zitrus-Kombination einfach am besten.

Die geheime Zutat: Fisch & Lavendel

Wir wissen nicht mehr, wann wir genau das erste Mal davon gelesen haben, dass irgendeine Bar die Bouillabaisse aus dem angeschlossenen Restaurant in die Bloody Mary kippt, aber: die Idee ist verdammt geil. Der Fisch-Sud hebt diesen Cocktail in Umami-Sphären, mit denen sich die Bloody Mary im Zweikampf mit einer Schüssel Ramen durchaus über 12 Runden halten könnte. Wir stellen im Test dabei fest, dass die Art der Fisch-Suppe gar nicht so wichtig ist: Sud aus Karkassen? Geil. Austernsauce vom Asialaden? Geil. Hausgemachte Bonitoflocken-Brühe? Geil. Das Öl aus einer Dose Sardinen (wie im Bild ganz oben)? Geil. Klar muss man je nach Fisch-Zutat ein wenig ausjustieren ob man jetzt einen Teelöffel (Öl oder Austernsauce) oder gleich mal 3 cl (Brühe/Bouillabaisse) in den Cocktail kippt. Aber: lohnt sich.

Selbiges gilt übrigens für Lavendel, so absurd das nach der Fisch-Nummer jetzt auch klingen mag: Der florale Duft hebt die Tomate stark hervor, zieht die Fruchtnoten nach oben und verleiht ihr vor allem in der Nase einen irre spannenden Heu-Duft, der eurer Bloody Mary nochmal eine ganz neue Dimension verleiht. Das funktioniert übrigens auch schon ohne Firlefanz: Selbst wenn eure Mary nur aus Tomatensaft, Wodka, Worcestersauce, Salz und Pfeffer besteht, kann Lavendel in dem Ding den Nachbrenner zünden. Und die einfachste Variante, den in den Drink zu kriegen, sind Cocktail Bitters.

Die Bloody Mary ist ein Spielplatz für verrückte Cocktail-Wissenschaftler

Das tolle an der Bloody Mary sind die vielfältigen Möglichkeiten, jeder kann sich seine Traum-Mary mixen mit genau den Gewürzen, die er gerne mag. Mit einem Wildgewürz passt sie zum Beispiel super zum nächsten Hirschgulasch – oder gibt gleich die Vorspeise. Unser nächstes Experiment ist eine klare Variante – nach dem Prinzip einer weißen Tomatensuppe. Wir halten euch auf dem Laufenden, wenn dafür mal Ergebnisse vorliegen, für die wir uns nicht schämen (und falls ihr diesen Artikel in seiner nicht überarbeiteten Version kennt: ja, wir schämen uns auch nach drei Jahren noch).

Das einzige, was man mit einer Bloody Mary nicht machen sollte: Sie als „Corpse Reviver“ nutzen, als Katermittel. Denn so stilvoll-melancholisch-avantgardistisch es auch aussieht, wenn man mit Augenrändern vor dem vollem, roten Glas sitzt und auf dem Staudensellerie rumkaut – danach will man garantiert noch mehr ins Bett als vorher.

Die Einkaufsliste für die Bloody Mary

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JohannTrasch

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