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Veritas White Rum – der Cocktail-Rum von Hampden und Foursquare

Veritas White Rum in einem grotesk guten Daiquiri.
Veritas White Rum in einem grotesk guten Daiquiri.

Rum hatte bis vor ein paar Jahren selbst unter Spirituosen-Nerds noch den Ruf als „Das Zeug, auf das man Cola kippt.“. Das ist zum Glück zumindest in unserer Schnapsnasen-Filterblase vorbei – die Zahl der Zuckerrohr-Connaisseure steigt stetig, Fans sammeln seltene Single Casks, jagen den sagenumwobenen Destillaten längst geschlossener Destillen nach und balgen sich um Fragen wie „Zucker oder kein Zucker?“ oder „Zählt Sherry im Fass lassen als Zucker?“. Doch selbst unter eingefleischten Rum-Fans gibt es ein Produkt, das keiner so wirklich ernst nehmen mag: weißen Rum.

Der ist, auch in Zeiten der Melassenaissance, das Zeug, in das man Cola kippt. Denn ähnlich wie beim Whisky gilt auch so manchem Rum-Fan das Mischen seiner Spirituose als Unding. Dem widersprechen wir an der Stelle einfach mal zärtlich. Richtig geiler Rum macht richtig geile Drinks – das gilt auch und gerade für gereifte Qualitäten. Aber auch weiße Zuckerrohr-Schnäpse können deutlich mehr sein als nur Mische. So mancher davon zeigt mehr Power, Geschmack und große Geschichte als diverse gelagerte Kollegen. Einer davon: der Veritas aus den Häusern Foursquare und Hampden, erdacht von Velier-Mastermind Luca Gargano. Rum-Fans wischen sich an der Stelle das Tränchen aus dem Auge, der Rest sehnt sich nach Kontext. Haben wir:

Die Story hinter Veritas White Rum

Der Veritas ist schon technisch ein wenig erklärungsbedürftig, spannend sind aber im ersten Schritt schon die Namen, die hinter diesem Rum stehen. Da wäre zum einen Foursquare: Die Destillerie auf Barbados wird von Sir David und Richard Seale geführt und vor allem Letzterer setzt sich unermüdlich ein für die Aufklärung über und die Verbreitung von unverfälschtem Rum, sprich: solchem ohne Zucker oder Zusätze. Das Familienunternehmen besteht zwar seit den 1920ern, aber erst seit Mitte der 90er handelt Foursquare nicht nur mit Rum, sondern stellt auch selbst welchen her.

Veritas in einem Mojito.
Veritas in einem Mojito.

Hampden ist eine der großen jamaikanischen Destillerien und vor allem eine, die wie kaum eine andere mit den sogenannten High Ester Rums assoziert wird: Rums, die mit besonders vielen Estern, einer hocharomatischen Alkoholverbindung, ausgestattet sind. Vertrieben werden Hampden-Rums großteilig von Velier, einem Unternehmen, das man in Rum-Kreisen wiederum vor allem für die Habitation Verlier-Reihe kennt (richtig teures, spezielles, stark limitiertes, teils absurd geiles Zeug) und das von Luca Gargano geführt wird, der als Inspiration neben Master Distiller Richard Seale auf der Flasche genannt wird.

Was dieses Triumvirat außerdem verbindet ist die Bewegung „The Guardians of Rum“, deren Schild-Siegel auf der Flasche abgebildet ist. 2016 haben Seal, Gargano und Hampden-Besitzer Andrew Hussey sowie dessen Nicht Christelle Harris die lose Vereinigung gegründet, die seitdem Badges an Menschen verleiht, die sich um echten, unverfälschten Rum in Sinne ihrer Leitsätze verdient gemacht haben. Und natürlich gehorcht diesen Leitsätzen auch der Veritas.

Wieso ist der eigentlich nicht wirklich weiß?

Im Klartext bedeutet das: Veritas ist ein Rum ohne Zusätze, Zucker und Unfug – nicht einmal gefiltert wurde er und ist deswegen hellgelb statt wirklich weiß. Daher der Name „Veritas“, zu Deutsch „Wahrheit“. Tatsächlich werden auch diverse andere weiße Rums eigentlich zunächst eine Weile in Fässern gereift und dürften damit auch gar nicht vollständig weiß sein. Allerdings wird die Farbe vor dem Abfüllen für den cleanen Look wieder herausgefiltert. Der Grund: Gereifte Rums sind weicher und gefälliger als weiße Destillate. Das weiß man auch bei Foursquare, spart sich aber die Geheimniskrämerei:

Ein ungereifter Coffey Still Rum aus dem Hause Foursquare gibt die breite Basis für den Veritas, die von einem ungereiften Pot Still Rum aus Hampden ergänzt wird (der zwar starke Ester-Noten besitzt, allerdings nicht so derbe viele wie sonstige Hampden-Abfüllungen). Dazu kommt ein zwei Jahre gereifter Pot Still Rum von Foursquare, der auch für die Farbe verantwortlich zeichnet. Ein Blended Rum ergo, der ganz ohne künstliche Zusätze überzeugen muss – was er dann auch tut:

So schmeckt Veritas White Rum

Seine fahlgelbe Farbe erscheint im Glas fast schon doch-noch-weiß und er schwenkt sich durchaus viskos. Sein Duft ist zunächst sehr jamaikanisch, mit Esternoten, ein klein wenig Klebstoff und viel Banane. Dazu kommen süße Ananas und ein Hauch Karamell, der nahtlos in Crème brûlée übergeht. Lässt man den Veritas etwas stehen, gesellen sich Zitronenschalen dazu. Klingt nach Dessert-Allerlei, ist aber großes olfaktorisches Tennis.

Nase: Ester, Klebstoff, Banane, Ananas, Karamell, Crème brûlée, Zitronenzesten

Mund: Vergorenes Obst, Banane, Vanille, Karamell, Heu, Melasse, Ingwer, Ananas, Kokos

Auf der Zungenspitze besitzt der Rum noch eine gewisse Grundsüße, die aber nach hinten raus immer mehr verfliegt, bevor er dann staubtrocken ins Finish übergeht. Auf seiner Reise zeigt er Noten von vergorenem Obst, Banane,  Vanille und Karamell, aber auch Heu und Melasse zeigen sich. Der Abgang hat eine leichte Ingwer-Schärfe, die aber keine Sekunde unangenehm, stattdessen eher frisch daherkommt. Im Nachgeschmack bleiben Ananas und ein Hauch Kokos.

Veritas White Rum pur und in Cocktails

Ja, das Teil funktioniert pur, sogar ziemlich gut. Freilich: wer sich bei 30 Euro für ein quasi ungereiftes Destillat die Komplexität eines 10 Jahre alten Foursquare oder die Urgewalt eines gereiften Hampden-Rums herbeisehnt, wird enttäuscht, sollte aber auch seine Erwartungs-Schalter mal wieder auf Werkseinstellungen zurücksetzen. Schauen wir ergo auf die Kernkompetenz des Veritas, die auf dem Rücketikett mit „[…] for all aspiring cocktail craftsmen.“ beschworen wird: Drinks, Drinks, Drinks.

Veritas macht ziemlich, ziemlich gute Daiquiris. Hatten wir aber schon erwähnt.
Veritas macht ziemlich, ziemlich gute Daiquiris. Hatten wir aber schon erwähnt.

Und die kann er: das Teil macht einen Daiquiri, der so verflucht gut ist, dass uns wirklich nicht einfallen mag, wann wir jemals einen besseren gehabt hätten. Das meinen wir nicht im Sinne von außergewöhnlicher Andersartigkeit, sondern – sorry, Cuba! – im Sinne von: SO muss Daiquiri schmecken. Weil wir gerade eh dabei sind, die Karibikinsel inklusive ihrer (formidablen) Rums zu schmähen: Veritas mixt auch einen hervorragenden Mojito. Weil er hier dank der stärkeren Verdünnung aber nicht ganz so brachial glänzen kann, schrauben wir an der Stelle mal die Superlative zurück.

Natürlich haben wir uns auch an eigene Experimente gewagt und den einen oder anderen eher ungewöhnlichen Cocktail ausprobiert. Das sah dann so aus:

Decisone Versione II (Giancarlo Mancino)

  • 5 cl Mancino Chinato1
  • 4 cl Veritas Rum
  • 1 cl Crème de Cacao
  • 2 Spritzer Mandarin Bitters

Alle Zutaten auf Eis rühren und in eine gefrostete Coupette abseihen. Trinken.

Johann glotzt auf einen Decisone Versione II mit Veritas und Mancino Chinato.
Johann glotzt auf einen Decisone Versione II mit Veritas und Mancino Chinato1.

Vericus

  • 6 cl Veritas Rum
  • 3 cl Italicus1
  • 2 cl Limettensaft
  • 1 cl Zuckersirup

Alle Zutaten auf Eis shaken und in eine gefrostete Coupette abseihen. Mit Limettenzeste garnieren. Trinken.

Light and Piney

Rum, Wermut und Limettensaft in ein Longdrinkglas auf Eis schütten. Mit Ginger Beer aufgießen. Mit Limettenzeste garnieren. Trinken.

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Fazit: Ausnahme-Rum, der nicht einfach nur zwei große Namen vereint, sondern ihnen auch gerecht wird: Intensiv-fruchtige Aromen und jede Menge Power sorgen für Mörder-Daiquiris. Ja, der Preis scheint hoch für einen weißen Rum – wert ist der Veritas ihn allemal.

Daten: Barbados, Jamaika, um 30 Euro, 0,7 Liter, 47 Prozent

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JohannTrasch

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