Kaffee in Cocktails – von Espresso zu Dalgona Coffee und zurück

Dieser Dalgona Coffee Cocktail hielt einige Überraschungen für uns parat.
Dieser Dalgona Coffee Cocktail hielt einige Überraschungen für uns parat.

Espresso als Cocktail-Zutat? Kalter Kaffee, oder? Mit dem Espresso Martini als Flaggschiff der „Wake me up & Fuck me up!“-Flotte sollte doch eigentlich alles zum Thema getrunken sein, was man getrunken haben muss. Dachten wir ehrlich gesagt auch. Gut, die gelegentliche Diskussion über den besten denkbaren Kaffeelikör ließen wir uns auch nicht nehmen, aber am Ende verwendeten wir ebendiesen dann wieder für Espressotinis und den guten, alten White Russian. Und dann kam Dalgona.

Alle so: „Hurra, richtig geiles Zeug das, guck mal!“ und wir so: „Ja, sieht stark aus.“ Tut’s auch. Freilich darf man exakt gegenteiliger Meinung sein, aber wir finden die Grundidee, einen großen Batzen bittersüßer Wachmach-Creme in heiße Milch zu rühren, ungemein schön. Schöner Kaffee-Trend, der da über TikTok aus Südkorea herübergeschwappt ist, befanden wir. Da müsste man doch auch einen Cocktail draus machen können.

Warum wir hier keinen „richtigen“ Dalgona-Cocktail mixen

Optisch finden wir das eigentlich immer noch. Aber nachdem wir dann unseren ersten eigenen Dalgona Coffee gemixt hatten – mit dem „besten“ auffindbaren Instant-Kaffee (von dem immerhin drei(!) Leute behauptet hatten, man könnte das Zeug trinken) – haben wir die Idee direkt wieder verworfen. Nur weil man ihn in eine fancy Creme verwandelt, wird Instantkaffee allem Anschein nach keinen Funken besser. Sorry, nein, kommt nicht mehr ins Glas.

Trotzdem blieb die Idee hängen und die Optik im Kopf. Also haben wir in der Richtung ein wenig herumexperimentiert. Die Basis dafür: ganz normaler Espresso. Der ist zugegeben eine Wissenschaft für sich – und auch, wenn uns die geschätzten Kaffee-Nerds an dieser Stelle (wahrscheinlich zurecht) widersprechen: Wartet nicht, bis ihr euch eine Siebträgermaschine leisten könnt, nehmt einfach den Espresso, den ihr euch eh zu Hause macht, auf welche Weise auch immer. Falls es bei euch nur Filterkaffee gibt, wird’s schwierig. Andererseits machen auch simple Espressokannen guten Stoff – und vielleicht ist das genau der richtige Moment sich einen wie auch immer gearteten Espressokocher anzuschaffen – auf spezialisierten Portalen wie Espressokocher.org findet man die Dinger dann auch übersichtlicher sortiert als direkt bei den großen Online-Kaufhäusern. Wir verraten auch niemandem, dass ihr eure Espresso Martinis bisher mit Cappuccino-Pulver angerührt habt, Ehrenwort.

Experiment 1: Dalgona Coffee mit Espresso im Reverse White Russian

Wir haben lange gesucht, ob man dieses Dalgona-Kaffee-Zeugs auch irgendwie ohne den Einsatz von Instant-Kaffee hinbekommt. Es hat auch gar nicht mal so lange gedauert, bis wir auf den einen oder anderen Blogger stießen, der’s mit starkem Espresso versucht hat. Die in unserer Quelle angegeben 30 Minuten für das pure Schlagen von Espresso und Zucker haben wir nach 10 Minuten ohne die geringste Änderung des Aggregatszustands abgebrochen. Wir hatten bei einer 1:1-Mischung aus Espresso und Zucker einfach nur einen öligen, komplett übersüßten Kaffee.

Unser erster Dalgona Coffee-Cocktailversuch war am Ende mehr ein White Russian-Kakao.
Unser erster Dalgona Coffee-Cocktailversuch war am Ende mehr ein White Russian-Kakao.

Die „Lösung“: Ein Teil Kakaopulver und nochmal 10 Minuten schlagen. Ja, gut: war deutlich mehr Pampe, ließ sich aber auch zu keinem Zeitpunkt mit Dalgona Coffee vergleichen. Der finale Drink war dann bedingt durch das Gewicht der Mokkacreme auch weniger „Reverse“ als angenommen:

Reverse White Russian

  • 4 cl Wodka
  • 4 cl Sahne
  • 2 Esslöffel Espresso-Zucker-Kakao-Pampe

Wodka und Sahne auf Eis im Tumbler verrühren, mit Pampe toppen. Trinken.

Man muss vergleichsweise lange rühren, bis sich die Masse vermengt und man nicht nur beschwippste Sahne im Mund hat. Das Endergebnis schmeckt dann wie beschwippster Kakao, also eher mittel. Aber: die Pampe, eingerührt in heiße Milch, das ging gut ab. Wären wir einer von diesen Foodblogs, über die man so viel hört, hätten wir über diesen Mix geschrieben.

Experiment 2: Espresso-Espuma in der Melangerie

Wir berufen uns auf das, was wir schon in unserem privaten Buch für Cocktail-Ausgeflipptheiten stehen haben: Espumas. Ein großer Meister der cremigen Drink-Kultur ist da Klaus St. Rainer, von dem wir uns die meisten derartigen Drinks in unserem Repertoire abgeschaut haben. Alle unten genannten Espuma-Varianten setzen grob auf das Rezept im verlinkten Artikel.

Schön näher dran - dafür war dieser Dalgona-Cocktail geschmacklich fast so schlimm wie das Original.
Schön näher dran – dafür war dieser Dalgona-Cocktail geschmacklich eher mittel.

Als Basis für unseren Drink nehmen wir diesmal nicht Wodka sondern Revolte Pandan, der mit zarten Rum- und Popcorn-Aromen aufwartet, die gut zum Kaffee passen. Allein: auch Experiment 2 will nicht so recht funktionieren. Ein Scheitern in drei Akten:

  1. Wir mixen einen Espuma aus nichts als Espresso und einer Messerspitze Xanthan. Das Ergebnis ist bitter, fällt innerhalb einer halben Minute zusammen und verbindet sich mehr schlecht als Recht mit dem Hauptdrink.
  2. Den zweiten Espuma machen wir im Verhältnis 4:1 mit Zucker. Hält länger, verbindet sich etwas besser, schmeckt okay. Wohlgemerkt nicht nach „Mehr davon!“.
  3. Wir lassen den Siphon weg und schütten die frisch aufgemixte Kaffee-Zucker-Creme direkt auf den Drink. Das hat weniger Luft als der Espuma und kommt dem Dalgona-Original am nächsten. Dickes Aber: Der dickflüssige Kaffee-Sabber (anders können wir’s nicht nennen, sorry) vermischt sich so gar nicht mit dem Basisdrink. Und das Mundgefühl ist bei dieser Variante damit eher schwierig.

Wie wir’s auch drehen und wenden: wir kommen so nicht auf einen grünen Zweig.

„Das Neue braucht Freunde.“

Anton Ego – Rataouille

„Wir irrten uns aneinander, es war eine schöne Zeit.“

Johann Wolfgang von Goethe

Espresso in Cocktails bleibt Liebe

Wir sind große Freunde davon, Neues auszuprobieren, zu experimentieren. Aber als wir Cocktailbart gegründet haben, wollten wir euch explizit auch zeigen, dass wir keine Ahnung von Drinks haben. Zugegeben: Das hat sich seit Dezember 2015 bei aller Bescheidenheit geändert. Ein bisschen Ahnung haben wir inzwischen. Trotzdem scheitern wir gelegentlich. In diesem Fall haben wir uns nach einer stundenlangen Experimentier-Strecke aber einfach an altbewährte Muster gehalten und mit dem Pandan Russian doch noch einen ordentlichen Drink mit ordentlichem Espresso abgeliefert. So konnten wir am Ende trotz allem zufrieden ins Bett – also zwei Tage später, weil Boah!, waren wir wach.

Der Pandan Russian ist klassisch, simpel, kräftig, mit herb-nussiger Espresso-Note.
Der Pandan Russian ist klassisch, simpel, kräftig, mit herb-nussiger Espresso-Note.

Pandan Russian

  • 4 cl Wodka
  • 2,5 cl Espresso
  • 2,5 cl Kaffeelikör
  • 2 cl Revolte Pandan
  • 3 cl Sahne

Wodka, Espresso und Likör im Tumbler auf einem großen Eiswürfel rühren. Revolte Pandan und Sahne auf Eis shaken und über den Drink geben. Trinken.

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Johann

Cocktailbarts Archmage of Content bei Nacht, Familienvater & Texter bei Tag. Lieblings-Drink Martini, Lieblings-Spirituose trotzdem Rum. Wohnt in Franken, kommt aus der Oberpfalz (ist beides in Bayern, tschuldigung). Typischer Satz: "Meinste das wär geiler, wenn man Olivenlake reintut?"

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