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Sazerac Cocktail: der Old Fashioned mit Absinth und Peychaud’s Bitters

Der Sazerac Cocktail ist schlicht, stark und nach einer Weile lauwarm.
Der Sazerac Cocktail ist schlicht, stark und nach einer Weile lauwarm.
Rezept für den Sazerac

Das Rezept für den Sazerac Cocktail

  • 6 cl Rye Whiskey
  • 1 Würfelzucker oder 1 Barlöffel Zuckersirup
  • 3 Spritzer Peychaud’s Bitters

Würfelzucker oder Zuckersirup in ein Old Fashioned-Glas (klassisch) oder ein Rührglas geben (einfacher). Bitters ins Glas träufeln und Zuckerwürfel falls vorhanden mit dem Barlöffel zerdrücken. Eiswürfel und Rye Whiskey dazugeben und etwa 45 Sekunden rühren. Die Innenseite eines zweiten, vorgekühlten Old Fashioned-Glases mit ein paar Tropfen Absinth  benetzen. Drink in das Glas abseihen (ohne Eis). Mit einer Zitronenzeste abspritzen und nach Wunsch dazugeben. Trinken.

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Der Sazerac ist einer dieser Cocktails, der ganz eng mit seinem Ritual verbunden ist – so sehr, dass selbst für Menschen, die sonst wenig auf Rituale und Tradition geben, ein Sazerac manchmal nur dann einer ist, wenn er genau nach dem althergebrachten Ritus zubereitet wird. Zumindest ist das bei uns so – und wenn schon wir neunmalklugen Pappnasen auf die “Bitte authentisch machen, danke!”-Taste hauen, könnt ihr euch grob vorstellen, wie so manch echter Bartender über diesen Drink denkt. Er ist alter Cocktail-Adel, ganz großes Aromen-Tennis und vor allem Begründer eines Rituals, das man als den “Sazerac-Style” kennt. Genau dieser Style ist es dann aber auch, der eigentlich komplett überholt und unpraktisch ist. Aber wie so oft geht es dabei  um Tradition, Show und vor allem: Liebe.

Stellt euch den Sazerac vor wie einen vergleichsweise warmen, unverdünnten Old Fashioned mit Rye Whiskey und einem Hauch Absinth. Falls euch das nicht komplett abschreckt, seid ihr hier genau richtig. Nur euren Willen zur Optimierung solltet ihr an dieser Stelle unterdrücken. Der Sazerac ist, was er ist – auch wenn man seinen Herstellungsprozess vollkommen zu Recht ein wenig optimiert.

Die Geschichte des Sazerac Cocktails

Seit 2008 ist der Sazerac der offizielle Drink von New Orleans – reichlich späte Ehrung, wenn man bedenkt, dass der Drink schon 1838 hier erfunden wurde und zwar von Antoine Amedie Peychaud, einem Apotheker. Falls bei dem Namen was klingelt bei euch, dann kommt das nicht von ungefähr: von diesem Herrn stammt das ursprüngliche Rezept für die Peychaud’s Bitters, einer unersetzlichen Zutat für diesen Drink. Je nach Quelle rechnet man sogar das Rezept für den Sazerac dem guten Antoine zu.

Er war regelmäßig Gast im Exchange Coffee House war – jener Bar, die um 1850 unter Führung eines Mannes namens Sewell Taylor diesen Drink ausschenkte. Damals allerdings nicht mit Rye Whiskey, wie es heute üblich ist, sondern mit einem ganz bestimmten Cognac; dem Sazerac-de-Forge et Fils. Um 1870 übernahm Thomas H. Handy den Laden, änderte die Rezeptur auf Rye Whiskey und begann auch, Spirituosen zu importieren. Aus der kleinen Bar von Mr. Handy wurde dann später die Sazerac Company, die den gleichnamigen Rye Whiskey produziert, der aber im Gegensatz zu den heute ebenfalls dort beheimateten Peychaud’s Bitters nur selten als Pflicht-Zutat genannt wird.

Doof nur: Viel von der großen Story um den Sazerac und seine Abenteuer in New Orleans ist erstunken und erlogen. Cocktail-Historiker Armin Zimmermann ist dem bei Mixology sehr ausführlich nachgegangen, David Wondrich himself auch (allerdings von Störungen geschützt durch eine Paywall). Im Wesentlichen hat Cocktailbuch-Autor Stanley Clisby Arthur für sein 1938er-Werk Famous New Orleans Drinks and how to mix ’em einfach etwas zu arg auf die Pauke gehauen und sich vogelwild Storys ausgedacht. Tatsächlich entstand der Sazerac Cocktail wohl erst Ende der 1890er – so nannte man schlicht die Bottled-Variante eines Improved Whisky Cocktail der Sazerac Company. Als die nach dem Ende der Prohibition 1933 den Betrieb wieder aufnahm, pappte man auf besagten Drink dann auch einfach das Label, das er unter Fans eh schon hatte: Sazerac Cocktail.

Ohne Peaychaud's Bitters kein Sazerac.

Sazerac

Ein großer Klassiker und dem Old Fashioned nicht unähnlich.
Vorbereitungszeit: 1 minute
Zubereitungszeit: 2 Minuten
Arbeitszeit: 3 Minuten
Cocktail-Kategorie: Shortdrink
Epoche: 19. Jahrhundert
Geschmack: Kräftig

Glas & Barwerkzeuge

Zutaten

  • 6 cl Rye Whiskey
  • 1 Würfelzucker (Alternativ 1 Barlöffel Zuckersirup)
  • 0,25 cl Absinth
  • 3 Dashes Peychaud's Bitters

Zubereitung

  • Würfelzucker oder Zuckersirup in ein Old Fashioned-Glas (klassisch) oder ein Rührglas geben (einfacher).
  • Bitters ins Glas träufeln und Zuckerwürfel falls vorhanden mit dem Barlöffel zerdrücken.
  • Eiswürfel und Rye Whiskey dazugeben und etwa 45 Sekunden rühren.
  • Die Innenseite eines zweiten, vorgekühlten Old Fashioned-Glases mit ein paar Tropfen Absinth  benetzen.
  • Drink in das Glas abseihen (ohne Eis).
  • Mit einer Zitronenzeste abspritzen und nach Wunsch dazugeben.
  • Trinken.
Kalorien: 186kcal
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Warum dieses Rezept und kein anderes?

Die Nummer mit dem “Absinth Rinse”, also das Ausspülen des Glases mit der Spirituose und das rühren im zweiten Gästeglas, das ist der Sazerac-Style. Ohne den mixt man streng genommen keinen Sazerac sondern einfach nur einen sehr speziellen Old Fashioned. Natürlich könnt ihr da in euren Privatgemächern dran drehen wie ihr möchtet – aber wenn sich jemals jemand von euch wünscht, dass ihr im einen Sazerac mixt, dann möchte er im Zweifel genau dieses Ritual sehen. Verzeihung: erleben. Sazeracs sind flüssige Zeitreisen. Die muss man nicht unbedingt zelebrieren, wenn man sich selbst einen Drink mixt, für so manchen Gast gehört die Show aber zum Abend.

Anrühren im zweiten Gästeglas - beim Sazerac gehört das zum Ritual.
Anrühren im zweiten Gästeglas – beim Sazerac gehört das zum Ritual.

Natürlich kann man an den Feinheiten der Rezeptur ein klein wenig spielen, am Mischverhältnis und in geringem Maße an den Zutaten. Zum einen kann man den Sazerac in seiner vermeintlichen Original-Version mit Cognac mixen – spätestens seit der Cocktail-Renaissance der 2000er sieht man die Variante häufig auf Barkarten. Aber so sehr wir guten Cognac schätzen, Rye macht uns mehr Spaß. Halb/halb-Rezepte funktionieren für uns nur mäßig. Dass so manches Rezept einen von drei Dashes Peychaud’s durch Angostura ersetzt ist hingegen durchaus sinnig, vor allem wenn eurem Rye Whiskey etwas die Power fehlt. Ein zusätzlicher Tropfen Angostura bringt etwas mehr Kraft ins Spiel, er darf die Original-Bitters aber nie ersetzen – sonst habt ihr “nur” einen Old Fashioned mit Absinth.

Kann ich Peychaud’s Bitters irgendwie ersetzen?

Wir kennen ehrlich gesagt keine Bitters, die diesen Geschmack zwischen Floral, Kirsche, Wermut und Anis so hinkriegen wie diese Bitters. Für einen originalen Sazerac sind sie praktisch unabdingbar. Selbstverständlich lassen sich hier aber viele tolle Twists erschaffen und viele davon werden irre gut schmecken. Nur für diesen Original Sazerac-Touch sind die knallroten New Orleans-Cocktail Bitters eben unabdingbar.

Der perfekte Whiskey für den Sazerac

Wer unseren Artikel über den Sazerac Rye gelesen hat weiß: wir lieben diesen Rye im Drink, der ihm seinen Namen verleiht – und er ist seinen immens hohen Preis auch durchaus wert. Allerdings will man selbst als Fan gehobener Cocktail-Kultur nicht immer gleich einen Drink für 7 Euro Warenwert (!) in sich hineinschütten. Entsprechend tun es auch der immer noch hoch bepreiste aber gute Michter’s Rye oder Overholt und Rittenhouse Rye – alle drei funktionieren top in diesem Drink und gerade letzterer ist Preis-Leistungs-technisch in der Kategorie eine unbesiegte Bank.

Der Sazerac Rye im namensgebenden Cocktail mit Peychaud's Bitters.
Der Sazerac Rye ist ein hervorragende, allerdings nicht unentbehrliche Zutat für den Sazerac Cocktail.

Was den Absinth angeht, so möchten wir ehrlich gesagt unsere Klappe nicht zu weit aufreißen – kauft einen guten, sprich nicht zu günstigen, der im besten Fall auch nicht künstlich tiefgrün gefärbt wurde. Aber selbst die giftgrünen Varianten verströmen diesen bitter-kräutrigen Duft im Glas, wegen dem man die Spirituose hier einsetzt. Wer den perfekten Absinth für seine Hausbar sucht, findet eine tolle Auswahl bei den Jungs von Alandia.

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Zuletzt überarbeitet am

Johann

Cocktailbarts Archmage of Content bei Nacht, Familienvater & Texter bei Tag. Lieblings-Drink Martini, Lieblings-Spirituose trotzdem Rum. Wohnt in Franken, kommt aus der Oberpfalz (ist beides in Bayern, tschuldigung). Typischer Satz: "Meinste das wär geiler, wenn man Olivenlake reintut?"

4 Kommentare

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    • Generell passen Peychaud’s irre gut zu everything Cognac oder Scotch – und lustigerweise finde ich diese fruchtige Anis-Note auch in diversen Tikis spannend.

      Generell nutze ich sie ganz persönlich aber fast ausschließlich in Sazeracs und entsprechenden Twists. Das ist aber mehr eine persönliche Sache, weil ich, wenn mir Breite fehlt, eher zu Angostura greife.

  • Cooler Drink,
    hast du schon mal die Creole Bitters von TBT versucht als Ersatz für die Peychaud´s?
    Die sollen ja ähnlich sein und in einigen Rezepten im English Sprachigen Raum steht in den Rezepten
    Peychaud´s or other strong Creole Bitters.

    • Moin Jan,

      selber habe ich die noch nicht benutzt, aber ich kann mich erinnern, mal einen Sazerac in einer Bar genossen zu haben, in dem die TBT drin waren, ich glaub das war in Regensburg irgendwo. Jedenfalls: war qualitativ absolut auf einer Ebene, es war nicht so, dass ich die Original-Peychaud’s vermisst hätte. Für detaillierte Nuancen ist der Abend aber leider zu lange her.

      Generell hatte ich jetzt aber auch noch keine schlechten TBT-Bitters – Celery, Olive und Chocolate stehen standardmäßig im Schrank, alles andere, das ich je selbst probiert hätte, war mindestens gut. Sprich: Ich würde vom Kauf keinesfalls abraten 🙂