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Penninger Graphit Rum und der Codo Punch Cocktail

Eine Pina Colada mit Penninger Graphit Rum.
Eine Pina Colada mit Penninger Graphit Rum.

Penninger ist Heimat. Gut, zugegeben: vom Dorf aus dem wir kommen, fährt man zwei Stunden lang einmal komplett durch den bayerischen Wald, von der Oberpfalz nach Niederbayern, bis man vor der Brennerei steht. Aber wer unseren Artikel über den Granit Gin aus dem Hause Penninger kennt, der weiß, dass wir mit braunen Steingutgefäßen voller Blut- und Bärwurz quasi groß geworden sind. Nicht im Muttermilch-Sinne, sondern im Sinne von „standen überall herum“ und „hod da Opa drunga“. Trotzdem brauchten wir eine ganze Weile, um uns mit den klassischen Produkten der Brennerei anzufreunden. Der Penninger selbst brauchte allerdings auch: knapp 60 Jahre nämlich, um sich dran zu erinnern, dass man hier auch mal Rum geblendet hat. Der ist jetzt wieder da – und nennt sich Graphit Rum.

Die Flasche für dieses Tasting wurde uns von Penninger zur Verfügung gestellt, Bedingungen gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels.

Die Story hinter Penninger Graphit Rum

Von dem Moment an als Stefan Penninger V. 2012 ins Familienunternehmen einsteigt, arbeitet er hart daran, das Unternehmen (noch) moderner zu machen. Nicht etwa, indem er angestaubte Opa-Klassiker wie Blut- und Bärwurz aus dem Sortiment schmeißt (wäre wirtschaftlich wahrscheinlich auch hart blöd), sondern indem er sie einfach weniger angestaubt präsentiert (siehe Blutwurz Black im Bild unten) und das Portfolio ganz gemütlich um neue Produkte ergänzt, die auf Höhe der Zeit liegen. Siehe Granit Gin – und jetzt auch Graphit Rum.

Der Miner's Punch mit Penninger Graphit Rum.
Der Miner’s Punch mit Penninger Graphit Rum.

Deutscher Rum ist in 2018, was liegt da also näher als auf den Trend aufzuspringen? Schon beim Gin war die Penninger-Devise aber kein schlichtes Mitmachen, sondern eher ein „Wir haben da Bock drauf – aber wie passt das zu uns?“; man brannte und brennt einen Gin, der in Art und Präsentation zum Unternehmen passt und seine Wurzeln im Wacholderbrand aus eigenem Hause hat. Ähnlich ist das jetzt beim Graphit Rum: schon in den 50ern beliefert Stefan Penninger III. das Hauzenberger Graphit-Berwerk mit selbst geblendetem Jamaica-Rum.

Statt also jetzt wie viele andere deutsche Rum-Vertreter auf die eigene Destille zu setzen, beruft sich der Penninger auf die Blending-Tradition – und vermischt lieber Destillate aus der Karibik, statt selbst einen Melasseschnaps zu brennen. Anders als in den 50ern kommt heute aber nicht nur Jamaica in die Flasche, stattdessen setzt man auf einen Mix aus Barbados, Guyana, Trinidad, Jamaica, Panama und der Dominikanischen Republik. Zumindest erste vier sind bekannt für außergewöhnliche und teils enorm kräftige Rums, Penninger selbst wirbt mit „Ein Bavarian Blend aus leichtem und schwerem Rum mit starken, fruchtigen Esternoten …“. Na dann probieren wir halt mal:

So schmeckt Penninger Graphit Rum

Ungezuckert und ungefärbt kommt der Graphit ins Glas und strahlt dort mit der Farbe von hellem Weißwein. Wir gehen von vergleichweise jungen Rums aus, da keinerlei Alter genannt wird, aber bei einem Blend dieser Breite lässt sich über die unverfälschte Optik kaum ein Rückschluss auf die Reifung ziehen. Zumindest nicht für uns Laien. In der Nase finden wir zunächst angenehm kräftige, fruchtige Ester-Noten, im erster Schnupperer auch mit dieser typisch jamaikanischen Klebstoffnote. Dahinter schieben sich weißfleischige Früchte durch, halb Apfel, halb Birne. Etwas Vanille und Karamell brechen sich Bahn, zusammen mit einer sehr mineralischen aber unterschwelligen Note, die an Teer erinnert.

Nase: Ester, Klebstoff, Äpfel, Birnen, Vanille, Karamell, Teer

Zunge: Zwetschgen, rote Äpfel, Champagner, Waldboden, Melasse, verbrannter Karamell

Im Mund besitzt er eine merkliche Schärfe, die auch durchaus eine Weile anhält und zeigt sich leider wenig voluminös. Ist die Schärfe dann verflogen, zeigt er eine angenehme Süße und eine merkliche, spannende Bitternote, die mit Geschmackseindrücken von Zwetschgen, roten Äpfeln und einem kleinen Champagner-Einschlag einhergehen. Im Abgang bringt er eine mineralische Note von Waldboden mit ins Spiel, dazu Melasse und leicht verbrannten Karamell.

Der Penninger Graphit Rum pur und in Cocktails

Gerade am Gaumen ist der Graphit Rum spannend für alle, die sonst nur Rum-Einerlei in der Mischung mit Cola kennen. Die spannende Kombi aus Jamaica, Guyana und Barbados erzeugt ein ungewöhnliches und spannendes Geschmacksspiel. Allerdings muss man sich auf eine für 42% recht markante Schärfe einstellen. Entsprechend verarbeiten wir den Graphit bevorzugt in Cocktails. Und was sollen wir sagen: dieser Minenarbeiter ist ein echter Teamplayer, dessen Vorzüge vor allem in Kombi mit Zitrusfrüchten wunderschön rauskommen.

Unser erster Graphit-Drink ist ein Miner’s Punch; das Rezept stammt aus Passauer Journey und setzt auf den Rum, Zuckersirup, Zitronen und Quittensirup. Letzteren ersetzen wir aufgrund der Verfügbarkeit durch Quittenlikör und freuen uns über einen kräftigen, aber wahnsinnig leckeren Rum Punch. Auch im Old Cuban mit Champagner und Minze macht der Graphit Rum eine irre gute Figur. Pina Colada? Pflichtprogramm – in Kombi mit Ananassaft und Cream of Coconut funktioniert er wunderbar, hier schieben sich vor allem die Ester geschmacklich durch.

Natürlich arbeiten wir auch eigene Rezepte aus. Inspiriert vom East India Negroni mixen wir uns einen East Bavaria Negroni mit Sherry, ein paar Tropfen Quittenlikör und Blutwurz – schließlich müssen wir das bekannteste und weithin unterschätzte Produkt der Marke Penninger ja irgendwie mit dem Rum selbst vereinen. Was herauskommt, macht zwar durchaus Spaß, ist aber noch nicht ganz ausgereift. Anders sieht das bei diesem Drink aus, den wir wegen seiner Zutaten nach dem Lied „Codo“ von DÖF (Deutsch-Österreichisches Feingefühl) benennen – wegen seiner Zutaten.

Codo Punch Cocktail

  • 5 cl Penninger Graphit Rum
  • 1,5 cl Penninger Blutwurz
  • 2,5 cl Falernum
  • 2 cl Verjus

Alle Zutaten zusammen auf Eis shaken und mit einer Limettenzeste garnieren. Trinken.

Der Codo Punch mit Graphit Rum, Blutwurz und Old Judge Falernum.
Der Codo Punch mit Graphit Rum, Blutwurz und Old Judge Falernum.

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Fazit: Ein spannender, aber im Purgenuss leicht ungestümer Blended Rum, der aber vor allem in Rum Punches und Shortdrinks seine Vorzüge zeigt.

Daten: 42 Prozent, um 35 Euro für 0,7 Liter, Deutschland (Barbados, Guyana, Trinidad, Jamaica, Panama, Dominikanische Republik)

Penninger hat uns eine Flasche des Produkts für redaktionelle Zwecke zur Verfügung gestellt, aber weder auf eventuelle Artikel noch auf das Tasting Einfluss genommen. Wir danken für die freundliche und partnerschaftliche Zusammenarbeit. 

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JohannTrasch

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