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Whiskey Sour Cocktail: Welcher Whisk(e)y, mit Ei oder ohne?

Ein Whiskey Sour, garniert mit einer Limettenzeste. Voll obszön.
Ein Whiskey Sour, garniert mit einer Limettenzeste. Voll obszön.
Rezept für den Whiskey Sour
  • 6 cl Bourbon
  • 2,5 cl frischer Zitronensaft
  • 1,5 cl Zuckersirup
  • Optional: 1 großer Blob Eiweiß

Trennt ein Ei und nehmt einen Teil davon (mit einem Löffel, dem Jiggler, whatever) und packt ihn zusammen mit den anderen Zutaten ohne Eis in einen Shaker. Ordentlich schütteln, bis eine Schaumkrone entsteht (etwa 12 Sekunden), danach noch einmal mit Eis shaken. Wer das Ei weglässt, braucht nur einmal mit Eis zu shaken. Schüttet den Drink dann in einen Tumbler mit frischem Eis. Mit einer Zitronenzeste abspritzen und garnieren. Trinken.

Die Einkaufsliste

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Whiskey Sour ist etwas unglaublich simples: Man nehme einen guten Whiskey (oder Whisky), frischen Zitronensaft, etwas Zuckersirup und schwupps hat man einen leckeren Cocktail. „Viel zu einfach.“ müssen sich wohl viele Barkeeper in den letzten Jahrzehnten gedacht haben, und haben den Whiskey Sour deshalb zum Beispiel mit Orangesaft „bereichert“ – damit er lecker nach Frühstück schmeckt. Auch gern genommen: Zitronensaft aus dem Glas und Garniturkirschen aus Plastik. Zumindest sehen sie so aus … und schmecken auch so. Dabei lässt sich schon mit der simplen Grundrezeptur so viel spielen, dass man aus einem Sour durchaus eine Wissenschaft machen kann.

Was ist das eigentlich – Whiskey Sour?

Der Whiskey Sour ist sowas wie der saure Bruder des Old Fashioned – beide entstanden um dieselbe Zeit Ende des 19. Jahrhunderts und wurden ursprünglich wohl nur erfunden, um damit schlechten Schnaps zu kaschieren. Der Whiskey Sour ist der Frontmann für eine ganze Reihe von Cocktails, die alle nach demselben Muster aufgebaut sind: Schnaps, Zitronensaft, Zuckersirup – die sogenannten Sours, die vielleicht sogar die wichtigste Cocktail-Kategorie überhaupt stellen.

Im Prinzip sind alle Sours auf diesem simplen Zutaten-Dreiklang so aufgebaut. Egal ob man nun auf einen Tequila Sour (sprich: eine Margarita), einen Wodka Sour oder einen Rum Sour (sprich: einen Daiquiri) schaut. Klar gibt’s da Sonderfälle wie eben die Margarita, wo die Zuckerquelle kein simpler Sirup ist, sondern Triple Sec – wenn das der Fall ist, spricht man von einem New Orleans Sour. Viel wichtiger als die exakte Verortung ist für einen Whiskey Sour aber das Mischverhältnis.

Schaut man durch das Internet, findet man an jeder Ecke das „perfekte“ Mischverhältnis für den „perfekten“ Sour, die flüssige Weltformel quasi. Sie lautet wahlweise 6:3:2 (Schnaps, Zitrus, Zucker), 2:1:1 oder 6:2,25:2,25 – und das kann man alles machen. Die Wahrheit ist nämlich, dass es ziemlich massiv von der Säure eurer Zitronen abhängt, wie ihr euch das Zeug jetzt genau zusammenmischen sollt. In der Praxis aber werdet ihr nur selten vor dem Cocktail-Abend euren aktuellen Zitronen-Einkauf querverkosten. Falls ihr uns vertraut, geht doch unseren Weg – wir stellen bevorzugt die Spirituose heraus und möchten den Drinker eher sauer als süß:

Das perfekte Rezept für Whisk(e)y Sour

  • 6 cl Bourbon
  • 2,5 cl frischer Zitronensaft
  • 1,5 cl Zuckersirup
  • Optional: 1 großer Blob Eiweiß

Trennt ein Ei und nehmt einen Teil davon (mit einem Löffel, dem Jiggler, whatever) und packt ihn zusammen mit den anderen Zutaten ohne Eis in einen Shaker. Ordentlich schütteln, bis eine Schaumkrone entsteht (etwa 12 Sekunden), danach noch einmal mit Eis shaken. Wer das Ei weglässt, braucht nur einmal mit Eis zu shaken. Schüttet den Drink dann in einen Tumbler mit frischem Eis. Mit einer Zitronenzeste abspritzen und garnieren. Trinken.

Scheiße, Eiweiß? Seid ihr dumm?

Kam für einige von euch jetzt sicher unerwartet, aber ja: wir stehen auf Eiweiß im Whiskey Sour. Diese Sour-Variante nennt man einen Boston Sour und sie verlängert den Drink ein wenig und gibt ihm eine vollmundigere Konsistenz – das Ergebnis ist ein Whiskey Sour vom anderen Stern. Gelegentlich hört man hier Beschwerden über einen muffigen Eiweiß-Geruch, dagegen helfen richtig frische Eier und ein Spritzer mit der Zitronenzeste.  Auch gesundheitlich ist frisches Eiweiß kein Problem, die antibakterielle Wirkung von Alkohol hilft bei Gammel-Eiern jedoch wenig. Ergo: kauft die Dinger frisch und bio, dann gibt’s da wenig Bedenken.

Ei, die geheime Zutat für den Whiskey Sour. Quelle: Fotolia.com
Ei, die geheime Zutat für den Whiskey Sour. Quelle: Fotolia.com

Falls jemand nun wirklich so gar keinen Bock auf rohes Eiweiß hat, ist das aber kein großes Problem: Ein Whiskey Sour ist auch ohne Eiweiß durchaus lecker und kriegt durch ordentliches shaken trotzdem eine sanfte Schaumkrone. Aber die Eins mit Stern verleihen wir ihm halt nur mit Eiweiß – die Konsistenz ist einfach spannender. Für den „großen Blob“ aus dem Rezept oben könnt ihr auch beim Trennen des Eiweißes einfach den ersten langen Eiweißfaden ins Glas fallen lassen. Eiweiß in Centiliter abmessen ist die Pest. Für einen Cocktailabend mit Gästen, holt euch Eiweiß aus dem Tetrapack – das ist genausogut wie das frische Zeug und ihr müsst kein gutes Eigelb wegschmeißen.

Welcher Whisky oder Whiskey für den Whiskey Sour?

Ein Whiskey Sour schreibt sich mit „e“, weil man ihn normalerweise mit Bourbon Whiskey macht. Aber wie bei allen Shortdrinks (das sind die, die man normalerweise ohne Eis serviert und dazu gehört der Whiskey Sour klassisch), macht die Spirituose einen Gutteil des Geschmacks aus. Heißt: Selbst, wenn eure Geschmacksnerven absolut untrainiert sind, werdet ihr herausschmecken, ob ihr einen Whiskey Sour mit einem feinen Edelspirit oder dem 7,99-Euro-Whisky vom Aldi gemixt habt. Gut, das schmeckt jeder raus – ein Tropfen davon vergiftet 10.000 Liter Grundwasser. Aber ihr wisst, was ich meine.

Wichtig für den Whiskey Sour ist also, dass ihr einen Whisky nehmt, der euch auch wirklich schmeckt – einen, den ihr mögt. Haben wir in einer früheren Version dieses Artikels noch ganz klar Bourbon und Scotch Whisky propagiert, setzen wir jetzt auf … ja, immer noch Bourbon, aber auch Rye Whiskey. Der hat Power und Kante und bringt trotzdem diese schöne Grundsüße und etwas mehr Kante mit – eine tolle Kombi für alle, die’s etwas wilder mögen. Wer auf Nummer sicher gehen will, bleibt beim Bourbon.

Rauchiger Islay-Whisky kann in diesem Drink Spaß machen, ist aber eher was für beinharte Fans – der Autor dieser Zeilen steht sonst auf Rauch, im Sour hat er darauf so gar keinen Bock. Nicht-rauchiger Scotch macht durchaus Spaß, dann greift aber eventuell zu etwas aus dem Sherry-Fass, dass auch etwas Komplexität und Frucht mit reinbringt. Viele schottische Single Malts verlieren sich im Sour leider recht schnell.

Zitronensaft und Zuckersirup

Frischer Zitronensaft schmeckt immer besser – auch wenn das Glaszeugs noch so oft „Supernatürlich“ draufstehen hat. Da gibt’s gar keine Diskussion. Bei Zuckersirup setzt ihr auf eine 1:1-Variante mit einem Teil Wasser, sprich „Simple Syrup“, wie man diese Variante auch nennt. Falls ihr gekauften Sirup benutzt: Ja, ganz normaler Rohrzuckersirup hat genau dieses Verhältnis.

Die Details: Eis und Glas

Einen Whiskey Sour mixt man im Shaker mit viel Eis, bis der Shaker außen richtig kalt ist, anschließend gießt man den Drink in einen Tumbler, in dem am besten ein großer Eisbatzen wartet. Natürlich gehen auch normale Eiswürfel, aber große Eiswürfel halten einfach länger und verwässern den Drink weniger. Als Garnitur ist wirklich nur eine Zitruszeste zu empfehlen – aller Frucht-Unfug versaut diesen Drink unserer Ansicht nach. Wobei wir euch eure Plastik-Kirsche echt nicht madig machen wollen, wenn ihr das Ding geil findet. Was wir gerne machen: den Whiskey Sour trotz Zitronensaft mit einer Limettenzeste abspritzen und garnieren. Warum? Weil der Duft am Glas dann außergewöhnlicher und unerwarteter ist. Und aus Scheiß.

Ein Whiskey Sour mit Zitrone. Quelle: Fotolia.com © HandmadePictures
Ein Whiskey Sour mit Zitrone. Quelle: Fotolia.com © HandmadePictures

Übrigens: Wenn man euch in einer Bar den Whiskey Sour tatsächlich mal ohne Eis in einer Coupette servieren sollte, ist das kein Fehler, sondern einfach nur die klassische Variante. Aber keine Panik: Wo das Usus ist, wird man praktisch immer vorher gefragt.

Die Einkaufsliste für den Whiskey Sour:

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JohannTrasch

5 Kommentare

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  • Hallo,

    Zunächst mal toller Artikel. Ein Whiskey Sour ist eigentlich so simpel, aber man kann halt so unendlich viel falsch machen, weil alles auch in einer gewissen Weise Geschmackssache ist. Nichts ist schlimmer als jemandem einen Sour zu machen, der vorher noch nie einen hatte.

    Eine Frage hätte ich dennoch:
    Habt ihr bei eurem Test auch mal Canadian Whiskey probiert? Ich persönlich mag den CC 12 sehr, weil er mit seiner milden süße eine leichte leckere Verbindung mit der Säure bringt. Das finde ich auch vor allem für einen Continental sehr gut, wenn er einfach nicht zu stark sein soll.

    Beste Grüße und weiter so
    Martin

    P.S. Bitte schreibt mal einen Artikel zu Belsazar Vermouth!

    • Moin Martin,

      danke für das Lob und „Nichts ist schlimmer als jemandem einen Sour zu machen, der vorher noch nie einen hatte.“ – Wahnsinnssatz, klauen wir bei Gelegenheit 🙂

      Was deine Frage angeht: Leider nicht. Canadian Whiskey ist auf unserer persönlichen Spirituosen-Landkarte ein schwarzer Fleck. Ergo Danke für deinen Tipp mit dem CC 12, aber erhellendes beisteuern können wir in dem Feld leider (noch) nicht.

      Zum P.S.: Einem bestimmten? Ich habe bisher mit dem Dry und dem White gearbeitet und war recht zufrieden soweit, die ausführlichen Testreihen hatten sich aber noch nicht ergeben. Aber hast Recht, wird Zeit.

      LG
      Johann

      • Hallo Johann,

        Nutzungsrechte für den Satz sind hiermit gerne übertragen 😉

        Ich nutze alle 4 Varianten von dem Belsazar (Riesling Edition jetzt mal außen vor) und finde sie alle sehr gut. Ich finde den Dry sehr lecker im Martini mit einem Tanqueray No. 10.
        Aber der White sticht für mich nochmal etwas raus, weil er ein feines Geschmacksspecktrum abdeckt, was ich so vorher bei einem Wermut nicht kannte. Der geht Pur auf Eis und mit Tonic runter wie Butter.
        Aber am Ende ist es mir egal, ich freue mich einfach über den Test.

        Beste Grüße
        Martin

  • Schöner Artikel, sehr gut geschrieben. Ich habe meinen „Lieblings-Whisky-Sour“ mit dem guten alten „Bushmills 10J“ gebaut. Ich weiß, irische Whiskys sind nicht „en vogue“, aber ich mag die Süße des Whiskys im Sour. Wobei ich einen guten Bourbon ebenfalls klasse finde.

    Scotch passt irgendwie nicht so gut rein, finde ich. Die Aromen des Whiskys sind meist zu komplex für einen Sour. Aber das ist meine Meinung, jeder wie er es mag :-).

    • Danke für das Lob 🙂 Wie du’s sagst: jeder wie er mag – Scotch Sours sind natürlich ein wenig kantiger oder kriegen schnell mal einen Fehlton, da ist schon was dran. Was den Irish Whiskey angeht: der macht gerade ja ohnehin viel Boden gut und kommt langsam. Wenn ich mal die Finger an den Bushmills 10 kriege oder er beim nächsten Barbesuch rumsteht, probier ich das sehr gerne mal, danke für den Tipp!