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Continental Sour und New York Sour: Whiskey Sour mit Schuss

Ein Continental Sour mit Portwein.
Rezepte für den Continental Sour & New York Sour

Das Cocktail-Rezept für Continental Sour & New York Sour

  • 5 cl Bourbon oder Rye Whiskey
  • 2 cl Zitronensaft
  • 1 cl Zuckersirup
  • 1 halbes Eiweiß (optional)
  • 1 cl Rotwein (New York Sour)
  • 1 cl Portwein (Continental Sour)

Alles außer den Port- oder Rotwein ohne Eis shaken, damit das Eiweiß Schaum bildet. Anschließend auf Eis hart shaken und doppelt in einen Tumbler mit frischen Eiswürfeln oder einen vorgekühlten Weißweinkelch ohne Eiswürfel abseihen. Mit dem Rot- oder Portwein floaten. Trinken.

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Ein Continental Sour ist ein Whiskey Sour mit Portwein. Genauer ist er ein Boston Sour, also ein Sour-Cocktail mit Eiweiß, den man mit Portwein gefloatet hat. Bekommt ihr statt eines Continental Sours einen New York Sour, dann schwimmt da Rotwein statt Portwein im Glas. Wer sich einfach nur einen herausragend guten Drink zubereiten will, der ein wenig süßer und vollmundiger ist als der durchschnittliche Whiskey Sour, der kann jetzt schon losmixen. Wer mehr über die Hintergrundgeschichte und die perfekte Zutatenauswahl wissen will, der scrollt weiter runter.

Das Cocktail-Rezept für Continental Sour & New York Sour

  • 5 cl Bourbon oder Rye Whiskey
  • 2 cl Zitronensaft
  • 1 cl Zuckersirup
  • 1 halbes Eiweiß (optional)
  • 1 cl Rotwein (New York Sour)
  • 1 cl Portwein (Continental Sour)

Alles außer den Port- oder Rotwein ohne Eis shaken, damit das Eiweiß Schaum bildet. Anschließend auf Eis hart shaken und doppelt in einen Tumbler mit frischen Eiswürfeln oder einen vorgekühlten Weißweinkelch ohne Eiswürfel abseihen. Mit dem Rot- oder Portwein floaten. Trinken.

Die Geschichte des Continental Sour

Die Erklärung oben ist simpel und schnell und eine, die gemessen an den meisten Online-Rezepten und Barkarten, die wir kennen, auch ihre Gültigkeit hat. Kompliziert wird es erst, wenn man an Cocktail-Historiker gerät. Denn: Entstanden sind diese Drinks aus einem Ur-Continental Sour, für den man Ende des 19. Jahrhunderts einfach irgendeinen roten Wein in einen Whiskey Sour gekippt hat. Damals unterschied man in den USA nicht groß zwischen normalem Rotwein oder Portwein: man nannte all das „Claret“ – heute im englischen Sprachgebrauch eine Bezeichnung für Bordeaux-Weine und als „Clairet“ in Frankreich der Name für Roséwein aus Bordeaux.

Während mehr und mehr Bars den Drink in die Karte aufnahmen, änderte sich gelegentlich auch der Name – so war der Drink zum Beispiel auch als Southern Whiskey Sour bekannt und Anfang des 20. Jahrhunderts dann eben auch als New York Sour. Inzwischen führen Bars in den Staaten den Drink sogar unter dem Namen „Greenwich Sour“. Besonders beliebt war er während der Prohibition – wo der Rotwein den miesen Schwarzbrenner-Whiskey in Schach halten sollte. In den späten 1960ern verschwand der Continental Sour langsam von den Barkarten – und kehrt erst jetzt langsam wieder zurück, wohl unter anderem als Dauerbrenner im Berliner Stagger Lee.

Ein New York Sour mit Rotwein, aber ohne Eiweiß.
Ein New York Sour mit Rotwein, aber ohne Eiweiß.

Was sich in all der Zeit nie verändert hat, ist die Verwirrung um den Namen des Drinks: Die Unterscheidung nach Continental Sour mit Port und New York Sour mit Rotwein ist weniger feste Größe als vielmehr eine Beobachtung, die wir an vielen Stellen im Netz gemacht haben – eine, die an vielen Stellen untergraben wird. Wikipedia zum Beispiel macht den Unterschied an der Art des Rotweins fest und daran, dass der Continental mit Eiweiß zubereitet wird, der New York Sour nicht. Die Wahrheit ist: Dieser Whiskey Sour-Twist lässt euch unglaublich viele Freiheiten. Deshalb gehen wir an dieser Stelle auch nochmal etwas mehr ins Detail:

Rye Whiskey oder Bourbon?

Bourbon wurde erst nach der Prohibition zum Sinnbild des American Whiskey – davor war Rye die Spirituose der Wahl. Sprich: der originale Continental Sour wird mit Rye Whiskey zubereitet. Der schmeckt deutlich kerniger als der meiste Vanille-lastigere Bourbon und macht entsprechend auch einen maskulineren, weniger süßen Drink. Wir fanden im Test, dass sich das vor allem mit Rotwein gut verträgt. Ein New York Sour wird dadurch zum komplexeren und sicher weniger massenkompatiblen der beiden hier vorgestellten Drinks. Rittenhouse Rye, Wild Turkey 101 und vor allem Masterson’s Rye (der aber preislich etwas off the charts rumrennt) machen sich gut.

Bourbon korrespondiert dafür besser mit Portwein. Der ist bekanntlich recht süß, entsprechend solltet ihr hier bei Bedarf mit etwas Säure nachsteuern oder Zuckersirup weglassen, falls euer erster Continental Sour zu zuckrig wird. Weil unter dem schweren Port dann nicht mehr ganz jede Nuance des Whiskeys zum Vorschein kommt, lohnt es sich nicht, gleich den allerteuersten Bourbon in den Shaker zu schütten. Ein Buffalo Trace oder Wild Turkey 101 funktionieren perfekt.

Portwein oder Rotwein?

Was die finale Auswahl des perfekten Weins angeht, seid ihr bei uns an der falschen Adresse – wir sind da einfach nicht fachkompetent genug, lasst euch am besten in einer Weinhandlung, im Fachhandel oder in einem gut sortierten Supermarkt mit entsprechender Weinabteilung beraten. Beim Rotwein sollte es ein besonders dunkler, schwerer sein, auf jeden Fall aber ein trockener, wenn ihr nach unserer vorgeschlagenen Rye-Rotwein-und-Bourbon-Port-Variante geht.

Bei den Portweinen gilt: Tawnys besitzen eine höhere Komplexität und würzigere Aromen als die meist fruchtigen Rubys. Unser Dauerbrenner, der bezahlbar, qualitativ über jeden Zweifel erhaben und geschmacklich vollmundig fruchtig daherkommt: der Graham’s Six Grapes. Der ist auch pur eine Delikatesse und im Continental Sour hervorragend aufgehoben. Das mit dem Pur-Trinken ist deshalb wichtig, weil auch Port nicht ewig offen hält – entsprechend solltet ihr auch beim Rotwein einen nehmen, den ihr nach dem Cocktails mixen auch noch leermachen würdet, sonst könnt ihr euch damit später höchstens noch Essig züchten.

Eiweiß oder kein Eiweiß im Continental Sour?

Beide Varianten lassen sich mit Ei zubereiten, generell hat Wikipedia aber so unrecht nicht: In den meisten New York Sour-Rezepten findet sich kein Ei. Wir bevorzugen in allen Varianten den Sour mit Ei, weil Konsistenz und Mundgefühl so einfach mehr Spaß machen. Bei einem wirklich frischen Ei gibt es auch wenig gesundheitliche Bedenken – die Ausrede lassen wir nur zählen, wenn ihr Billig-Eier einen Tag vor Verfallsdatum in den Cocktail kippt. Das Aber: Mit Eiweißschaum lässt sich der Drink schwerer schichten – sieht am Ende dafür aber auch besser aus, wenn man endlich genug Übung hat.

Welches Glas für diesen Cocktail?

Sours kann man sowohl in der Cocktailschale oder besser noch im Kelch ohne Eis als auch im Tumbler servieren. Der Unterschied ist im Wesentlichen der Grad der Verwässerung: Im Tumbler mit Eis wird ein Whiskey Sour ob nun mit oder ohne Rotwein nach und nach dünnflüssiger, verändert sich geschmacklich immer weiter und bleibt kalt. Ohne Eis bleibt er auf einem Schmelzwasser-Level, dafür kann man das Ding nach spätestens 15 Minuten praktisch nicht mehr trinken, weil es zu warm geworden ist. Wir empfehlen entsprechend die Variante mit Eis, auch weil die meisten Gäste bei diesen Sour-Sorten genau das erwarten.

Richtig floaten

Je dichter eine Flüssigkeit ist, desto schwieriger ist es, sie ordentlich zu schichten – entsprechend lässt sich trockener Rotwein leichter schichten als süßer, dickflüssiger Portwein, der gelegentlich einfach durchrauscht. Um das zu vermeiden, solltet ihr den Wein möglichst langsam über einen Löffelrücken, der gerade so die Oberfläche des Drinks berührt, ins Glas laufen lassen. Keine Bange, wenn das nichts wird: der Drink schmeckt trotzdem. Und mit ein wenig Übung wird er nicht nur lecker, sondern auch hübsch.

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Johann

Cocktailbarts Archmage of Content bei Nacht, stolzer Familienvater / Texter / Konzepter / Kreativarbeiter bei Tag.

2 Kommentare

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  • ich habe gestern Abend meinen Whisky Sour mit einem PX Sherry gemacht. Nachfolgend das Rezept (ich verwende einen US Jigger, daher alles in oz)

    2 oz Bulleit Bourbon
    0,75 oz Zitronensaft
    0,25 oz Zuckersirup (1:1)
    Eiweiß
    0,74 oz PX Sherry (in diesm Fall den Málaga Virgen Pedro Ximénez »Reserva de la Familia«

    Den Zucker habe ich soweit reduziert, da der PX Sherry schon extrem süß ist (ca. 400 g Zucker /l)

    Mein Fazit:

    der Sherry lässt sich auf Grund seiner Dichte nicht schichten, er sinkt direkt auf den Boden (daher schwierig als Port Ersatz im Contenental Sour). Das führt zu dem Problem, dass man im Grunde zuerst einen normalen (recht sauren) Sour genießt und am Ende eine Pappsüße Pampe hat, die weder dem Whisky noch dem Sherry gerecht wird. Rührt man den Sherry um, ist der Geschmack schon sehr gut, aber dann muss man den nicht floaten, sondern kann ihn direkt mitshaken (und kann vermutlich den Zucker weglassen).

    Wie gesagt, der Geschmack ist schon großartig (sowohl der Bourbon als auch ddie Rosinenarben kommen gut rüber), aber es ist kein Continental Sour mehr.

    Ich würde es noch einmal mit einen Cream Sherry (wie dem East India Solera von Lustau) probieren, der kommt auf knapp 150 g Zucker/l. Da ich den allerdings nicht zu Hause habe (und gestern nicht ins Koma fallen wollte), muss der Versuch noch warten.

    • Wow, vielen lieben Dank dir für den ausführlichen Einblick – irre spannende Idee auch. Das klingt in der Tat ziemlich lecker. Ich probier das auch mal, sobald Cream oder PX Sherry wieder vorrätig sind.