Scotchka – der The Room-Cocktail mit Wodka und Scotch Whisky

Scotchka besteht zu gleichen Teilen aus Wodka und Whisky.
Scotchka besteht zu gleichen Teilen aus Wodka und Whisky.

Es gibt nicht besonders viele Filme, die man gesehen haben MUSS und über die kurze Liste, auf der sie stehen, herrscht unter Cineasten weitgehende Uneinigkeit. Aber falls ihr jemals nach einem Benchmark für schlechtes Kino sucht, nach dem miserabelsten vorstellbaren Film, dann solltet ihr The Room gesehen haben. Ein Machwerk von absurdestem Dilletantismus, in dem schlechte Dialoge, miese Schnitte und gepimperte Bauchnäbel nur den Gipfel eines Eisbergs aus Irrsinn darstellen. Glaubt ihr nicht? Schaut die Kurz-Zusammenfassung. Trotz seiner offensichtlichen Schwächen hat es der Film aber geschafft, eine ganze Reihe fantastischer Dinge hervorzubringen:

  1. Eine wunderbare Fan-Community, die den Film frenetisch feiert.
  2. Eine wundervolle Liste skurriler Zitate (“I did not hit her. I did naaaht. Oh, hi Mark!”).
  3. Den Hollywood-Film “The Disaster Artist”
  4. Scotchka – ein butterweiches Aromenfeuerwerk aus Whisky und Wodka

Die Geschichte des Scotchka

Um The Room in aller Kürze zusammenzufassen:  Johnny hat Stress in der Arbeit und seine Verlobte Lisa, deren Mutter Brustkrebs hat, beginnt ein Verhältnis mit seinem besten Freund Mark. Gleichzeitig erzählt sie herum, dass Johnny sie schlägt. Der minderjährige Denny wohnt gegenüber, unterbricht die beiden gerne beim Vorspiel, steht irgendwie auch auf Lisa und hat Stress mit einem Drogendealer. Dann spielen alle Football in Anzügen. Auf einer Party kommt Johnny Lisa und Marke auf die Schliche und bringt sich um. Dann umarmen alle seine Leiche.

Irgendwo in der Mitte des Films kommt Johnny gestresst von der Arbeit nach Hause (macht er öfter) und Lisa möchte, dass er sich entspannt. Dazu gehören anscheinend  Sex und ein guter Drink – dessen Basis bildet in diesem Fall eine rötlich-braune Flüssigkeit in Rocks-Gläsern ohne Eis. Diverse Foren-Threads und Artikel diskutierten bereits ausführlich die Frage, was sich in diesen Gläsern befindet – Rotwein, Apfelsaft und Scotch sind die stichhaltigsten Vermutungen. Spannend ist das vor allem deshalb, weil Lisa das Zeug mit den Worten “Don’t worry about it, it’s good for you!” mit Wodka aufgießt.

Schaut man sich mit diesem Wissen die Optionen an, wäre Scotch die mit Abstand surrealste und widerwärtigste Wahl. Wohl genau deshalb hat die seit 2003 stark angewachsene Fan-Community sich auf genau diese Variante verständigt und nennt das Zeug “Scotchka”. Der Drink ist sogar Teil diverser Saufspiele zum Spiel. Die Crux an der Sache ist nur: Ordentlich gemixt ist Scotchka tatsächlich einer der besten Zwei-Zutaten-Cocktails überhaupt. Auf einer Ebene mit Martini und Manhattan, mit einem cremigen Mundgefühl und einer Würze, die ihresgleichen sucht.. Wenn, ja wenn man den Scotchka richtig macht.

Das Rezept für Scotchka

  • 4 cl Scotch Whisky
  • 4 cl Wodka

Die Zutaten in ein handwarmes Old Fashioned-Glas geben und kurz umrühren.

Warum genau dieses Rezept?

Wir arbeiten seit etwa einem Jahr an diesem Drink. Gemixt haben wir ihn zum ersten Mal an einem The Room-Abend, als Gag. Wir stellten aber sofort fest, dass die Aromatik mehr hergibt, als wir zunächst vermutet hatten. Der Wodka hat auf den Scotch eine ähnliche Wirkung wie Wasser im Whisky Soda – es öffnet die Aromen und macht den Drink breiter. Gut, so ein Whisky Soda macht aus einem kräftigen Glas Single Malt auch noch rein zufällig einen bekömmlichen Cocktail, das ist mit dem Wodka jetzt zugegeben nicht der Fall.

Für ein Maximum an Geschmack, für dieses Gefühl, auf etwas ganz besonderes gestoßen zu sein, darf man nicht den Fehler machen und den Scotchka wie einen richtigen Cocktail behandeln. Wir haben in den letzten 12 Monaten die Rezeptur und das Mischverhältnis immer wieder angepasst, haben Bitters ins Spiel gebracht, auf Eis gerührt und geschüttelt. Nichts davon kam an die aromatische Kraft eines Manhattan oder die zeitlose Eleganz eines Martini heran. Klick gemacht hat es bei der Lektüre von Betacocktails, einem Rezeptbuch mit außergewöhnlichen Zutaten-Kombinationen – und einige davon werden warm gerührt.

Es erscheint abwegig, aber es funktioniert, auch für den eh schon abwegigen Scotchka: wir rühren die Zutaten warm, in einem Glas, das wir für etwa zwei Minuten mit unseren Handflächen angewärmt haben (Fortgeschrittene packen Glas und Drink für 20 Sekunden in die Mikrowelle). Das Ergebnis ist atemberaubend und um so vieles spannender als alle Varianten, die wir getestet haben: Klar, aromatisch unglaublich breit und von einer intensiven Kraft, die nicht gebändigt werden will. Natürlich: der Scotchka ist kein Drink für Jedermann, nicht so zahm wie andere Scotch-Drinks Marke Blood & Sand. Genau das macht ihn so spannend.

Die richtigen Zutaten für den Scotchka

Bei Wodka lautet unsere übliche Devise: Wenn es über 15 Euro kostet, ist es wahrscheinlich egal. Zwar gibt es hervorragende, wortwörtlich geschmackvolle Ausnahmen wie den Freimut Wodka, aber für diesen Drink setzen wir ausnahmsweise auf ein gefiltertes, geschmacksneutrales Produkt, das hauptsächlich dazu gedacht ist, den schottischen Whisky zu unterstützen. Der ist dafür allerdings Pflicht. Versuche mit Bourbon und Rye sind geschmacklich eher abwegig, in den meisten Fällen verstärkt der Wodka hier nur die Vanille-Aromen auf’s penetranteste.

Was den Scotch selbst angeht: Sherry Cask Finish! Whisky mit dieser einschlägigen Sherry-Note arbeiten besonders hervorragend mit dem Wodka zusammen und sorgen für eine leichte Süße in Kombination mit einer spannenden Fruchtigkeit. Die beste getestete Variante war der Glenmorangie Lasanta Sherry Cask Finish, ein 12jähriger Highland-Whisky, der im Scotchka einen intensiven Duft von Rosinen und Orangenzesten verströmt. Obwohl wir sonst Fans rauchiger Destillate sind, funktionieren sie im Scotchka für uns eher bedingt. Nur der Laphroaig Triple Wood ist gerade einmal so trinkbar. Im Zusammenspiel mit Wodka sind die rauchigen Noten etwas schärfer und riechen ein wenig nach Aschenbecher.

Apropos Aschenbecher: In genau den solltet ihr diesen Drink schütten. Denn das ist ein Aprilscherz. Bitte macht das nicht zu Hause nach, der Scotchka ist eine richtig eklige Brühe und eine ganz schlimme Verschwendung schottischen Whiskys. Ja, auf dem Bild oben ist trotzdem wirklich Scotchka. Ja, wir haben ihn getrunken, aus Prinzip. Nein, es hat keinen Spaß gemacht.

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Johann

Cocktailbarts Archmage of Content bei Nacht, Familienvater & Texter bei Tag. Lieblings-Drink Martini, Lieblings-Spirituose trotzdem Rum. Wohnt in Franken, kommt aus der Oberpfalz (ist beides in Bayern, tschuldigung). Typischer Satz: "Meinste das wär geiler, wenn man Olivenlake reintut?"

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