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Pagès Verveine du Velay – das kann Zitronenverbene-Likör

Die drei derzeit in Deutschland verfügbaren Varianten des Verveine du Velay: Verte, Jaune und Petite.
Die drei derzeit in Deutschland verfügbaren Varianten des Verveine du Velay: Verte, Jaune und Petite.

Kräuterlikör ist braun und schmeckt nach Wurzeln. Dieser Satz klingt erstmal überzeichnet Deutsch, ist aber angesichts von Jägermeister- und Ramazotti-Orgien zur Junggesellen-/Junggesellinnen-Abschiedszeit ziemlich gut belegbar. Kräuterliköre der französischen Art, die Pernods und Chartreuses Europas, lösen hierzulande abseits von der gehobenen Bar nur irritierte Blicke aus (komischerweise sogar, wenn die Dinger wie im Fall von Escorial Grün von hier kommen). Dabei lauert jenseits der Grenze so manch unentdeckter Schatz – Zitronenverbene-Likör zum Beispiel – wie der Pagès Verveine du Velay aus Puy en Velay.

Die Flasche für dieses Tasting wurden uns von Haromex, dem deutschen Vertrieb von Pagès, zur Verfügung gestellt, Bedingungen gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels. 

Der bereitet dann selbst noch kundigen Likör-Kennern ein paar Übersetzungs-Schwierigkeiten. Man verwechselt ihn leicht mit dem ebenfalls geläufigen Eisenkraut-Likör, der aber wohl meist aus Verbena officinalis hergestellt wird, dem echten Eisenkraut. Für die hier vorgestellten Produkte kommt allerdings Verveine in den Topf, zu deutsch: Zitronenverbene (Aloysia citrodora), die damit verwandt ist, sich aber nicht die Bitternote mit dem großen Bruder teilt und geschmacklich ganz nach dem Vorbild der Zitrone eher frisch daherkommt. So, genug Latein. Reden wir über Schnaps.

Die Story hinter Verveine du Velay

Ein grüner Likör und ein gelber und ein bisschen was außenrum, das Ganze aus Frankreich – der Vergleich mit Chartreuse liegt auf der Hand. Da hört es mit den Gemeinsamkeiten allerdings auf, die Destillerie Pagès ist nämlich ein paar Jahre jünger und wurde nicht von Mönchen gegründet. 1859 entwickelte der Apotheker Joseph Rumillet-Charretier das Rezept für den Verveine du Velay aus der örtlichen Zitronenverbene. Wie alle Kräuterliköre aus dieser Zeit war er zunächst eher als Medizin gedacht und bestand (und besteht) aus über 30 Zutaten. 

Der Verveine du Velay Verte im Verveine Swizzle mit Amber Falernum.
Der Verveine du Velay Verte im Verveine Swizzle mit Amber Falernum.

1886 hatte sich Joseph zum Lokalpolitiker aufgeschwungen und überließ seinem Verwandten Victor Pagès die Destillerie. Der verlieh dem Laden seinen Namen und ließ ihn lange Zeit in Familienhand. Sein Enkel Raymond Julien-Pagès führte dann später nicht nur die Distille sondern arbeitete auch am Ausbau des Tourismus in der Auvergne – der zentralfranzösischen Heimatregon von Pagès. Er gründete hier unter anderem zwei Familienhotels. Noch heute gilt eine Destillerie-Tour durch die Pagés-Hallen wohl als wichtige Station in der Region und der Stadt Puy en Velay. Auch, wenn das Unternehmen seit 1983 in der Hand von Renaud-Cointreau liegt (nicht zu verwechseln mit Remy Cointreau – die Renaud-Variante ist eine Nummer kleiner). 

Was das Rezept angeht, das seit dem 19. Jahrhundert von Brennmeister zu Brennmeister weitergegeben wird, ist man bei Pagès nicht ganz so verschlossen wie bei Chartreuse: Brandy ist drin, Zitronenverbene natürlich (selbstgepflanzt, jedes Jahr im Mai), Neutralalkohol und jede Menge andere Zutaten, darunter Zucker und Honig. Heraus kommen sechs verschiedene Varianten Likör, von denen allerdings nur drei in Deutschland erhältlich sind – und genau die verkosten wir jetzt. 

So schmeckt Verveine du Velay Verte

Der Frontmann der Pagès-Distille liegt giftgrün und schwer im Glas. Der Duft ist wuchtig-kräutrig, zunächst schwierig auszudefinieren. Irre frisch kommt er daher, Zitronenverbene und Menthol lassen sich herausriechen, atmet man ihn tief ein, birgt er aber eine ziemliche Schärfe in der Nase. Ingwer kommt durch und ein wenig exotischer auch Limette. Lässt man ihn eine Weile stehen, kämpfen sich auch andere Kräuternoten durch, etwa Wacholder und Enzian.

Nase: Zitronenverbene, Menthol, Ingwer, Limette, Wacholder, Enzian

Mund: Zitronenverbene, Wacholder, Enzian, Kiefernzapfen, Menthol, Zitronen, Wermut, Honig

Auf der Zunge ist er überbordend kräftig, süß und scharf – auf alkoholische Weise wie in Sachen Frische. Zitronenverbene und kräftige Kräuternoten von Wacholder, Enzian und ein Hauch Kiefernzapfen jagen an unserem Gaumen vorbei. Im Nachgang des ersten Schlucks verbleibt wieder das Menthol, zusammen mit einer sehr angenehmen Zitronennote. Wir merken, wie der Verveine von innen wärmt und den ganzen Magen auf 120 Grad aufheizt. Ein paar Tropfen Wasser offenbaren ein paar bittere Noten wie von Wermut, aber auch eine klarere Honigsüße.

Der Verveine du Velay Jaune im Straight French Julep mit Rye Whiskey.
Der Verveine du Velay Jaune im Straight French Julep mit Rye Whiskey.

So schmeckt Verveine du Velay Jaune

Der hellgelben Variante merkt man die 15 Prozent weniger durchaus an – in der Nase wie im Glas, in dem er sich deutlich leichter schwenkt. Geruchlich ist er deutlich milder und eleganter: Zitronenverbene und Zitronenzesten treffen auf Honig, mit leichten Ansätzen von Met, und einem Einschlag von Champagner. Weißfleischiges Obst schiebt sich dahinter durch, am ehesten als Birne zu beschreiben.

Nase: Zitronenverbene, Zitronenzesten, Honig, Met, Champagner, Birne

Mund: Ingwer, Honig, Zitronenverbene, Wermut, Holunder, Orangen

Im Mund ist er deutlich weniger gewaltig als sein grüner Bruder, aber er bringt eine merkliche, jedoch schnell verfliegende Ingwerschärfe mit. Den Honig und die nicht mehr ganz so eindeutige Zitronenverbene bemerkt man schnell, danach macht sich eine sanfte Wermut-Bitterkeit und floraler Holunder breit. Den fruchtigen Anklang finden wir erst im Finish wieder, wo er allerdings deutlich dunkler wirkt und fast eher an Orangen erinnert.

Der Petite Verveine mit Weisswange Tonic!
Der Petite Verveine mit Weisswange Tonic!

So schmeckt Petite Verveine du Velay

Der Petite trägt seinen Namen, weil er mit gerade einmal 18 Prozent Alkohol auskommen muss. Das schadet ihm jedoch wenig – von allen Varianten ist er es, der am eindeutigsten den Duft von Zitronenverbene in sich trägt, zusammen mit etwas frischer Minze, ein bisschen Wacholder und einem Hauch Waldmeister. Er ist weder besonders intensiv noch herausragend breit, dafür aber sehr angenehm und gefällig.

Nase: Zitronenverbene, Minze, Wacholder, Waldmeister

Mund: Zitronenverbene, Kiefer, Ingwer, Waldmeister, Minze, Chinin

Im Mund ist er frisch, süß und unglaublich mild, bringt aber genau wie die 55prozentige Variante diese innere Schnäpschen-Wärme in den Bauch. Zitronenverbene, ein Hauch Kiefernnadeln, sanfter Ingwer und wieder der Waldmeister, zusammen mit etwas Minze. Im Abgang eine leichte Bitternote, die aber eher an Chinin als an Wermut denken lässt. Auch hier fehlt es ein bisschen an Breite, dafür ist der Petite Verveine irre rund.

Der Zitronenverbene-Likör in Cocktails

Traditionell trinkt man den Pagès Verveine du Velay Verte wohl als Soße auf Eiscreme, als Sorbet, direkt aus dem Eisfach oder mit einem Eiswürfel – finden wir ehrlich gesagt alles etwas schwierig für den deutschen Gaumen. Benutzt man ihn allerdings als das, als was ihn die meisten wahrnehmen werden – als absurd kräftige, ziemlich abstruse Cocktail-Zutat, macht er richtig viel Spaß. Wir mixen uns damit beispielsweise einen Verveine Swizzle mit Ananassaft nach dem Vorbild eines Chartreuse Swizzle – richtig spannendes Zeug:

Verveine Swizzle

  • 4 cl Verveine du velay Verte
  • 3 cl Ananassaft
  • 2 cl Falernum
  • 1,5 cl Limettensaft

All Zutaten zusammen auf Crushed Ice in ein Longdrinkglas geben und kräftig umrühren. Mit Minze garnieren. Trinken.

Die Jaune-Variante dagegen ist nicht nur deutlich gefälliger und massentauglicher als der Verte, sondern lässt sich auch deutlich einfacher in Cocktails verbauen. Ein bis zwei cl davon in einen Gin Tonic verleihen ihm eine spannende Süße und Frische. Natürlich kann man ihn auch in „richtigen“ Cocktails auf spannende Art verarbeiten:

Straight French Julep

  • 4 cl Rye Whiskey
  • 4 cl Verveine du Velay Jaune
  • 2 Dashes Peychaud’s Bitters
  • Eine Handvoll Minze

Minze leicht mit dem Stößel bearbeiten und zusammen mit den anderen Zutaten auf Eis shaken. In ein vorgekühltes Weinglas abseihen und mit Minze garnieren. Trinken.

French Embassy

  • 3 cl Clairin Sajous
  • 3 cl Verveine du Velay Jaune
  • 3 cl Belsazar White Vermouth

Alle Zutaten zusammen auf Eis rühren und in einen Tumbler mit frischem Eis abseihen. Mit Minze garnieren. Trinken. 

Die Überraschung in dieser Verkostung ist am Ende des Tages aber wohl der Petite Verveine, der pur trotz fehlendem Tiefgang sehr überzeugt. Den können wir uns leicht gekühlt tatsächlich pur gönnen. Allein, er hat nicht ganz so viel Power und kannin Cocktails deswegen recht schnell untergehen. Macht aber nix: Aufgegossen mit Tonic oder Schaumwein gibt er einen ganz hervorragenden Longdrink ab, der nicht nur deutlich weniger Alkohol hat als ein G&T, sondern auch ein klein wenig aufregender, weil ungewöhnlicher schmeckt.

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Fazit: Wer eine „Alternative“ zu Chartreuse sucht, sollte die Finger vom Verveine lassen, genauso all jene, die einen reinrassigen Zitronenverbene-Likör möchten. Wer auf der Suche nach einer außergewöhnlichen Geheimzutat ist, für Cocktails, die im Gedächtnis bleiben, ist hier schon eher richtig. Wobei wir für den Einstieg die gelbe Variante empfehlen – der frisch-kräftige Verte ist sehr frisch und sehr, sehr kräftig.

Daten: Verte: 55 Prozent, Frankreich, 0,7 Liter, um 36 Euro; Jaune: 40 Prozent, Frankreich, 0,7 Liter, um 30 Euro; Petite: 18 Prozent, 0,5 Liter, um 20 Euro

Der Deutsche Vertrieb von Pagès, die Haromex Development GmbH, hat uns die Flaschen für redaktionelle Zwecke zur Verfügung gestellt, danach aber weder auf Art noch Umfang eventueller Artikel, noch das Tasting Einfluss zu nehmen versucht. Wir sagen Danke für die tolle und unkomplizierte Zusammenarbeit.

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JohannTrasch

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