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Revolte Rum Swedish Punch und die Schwedenschorle

Der Dr. Greenthumb von Daniel Gsöllpointner vereint Revolte Rum und Swedish Punch.
Der Dr. Greenthumb von Daniel Gsöllpointner vereint Revolte Rum und Swedish Punch.

Es gibt diverse Cocktail-Zutaten und Spirituosen, die im Laufe der letzten Hundert Jahre irgendwann mal abhanden gekommen sind. Über eine davon hat man in den letzten Jahren besonders viel geredet: den Swedish Punch. Der Grund dafür: Vor ein paar Jahren gab es schon mal einen auf dem deutschen Markt und zwar von Forgotten Flavours, die etwa auch den Vorgänger für den Amber Falernum zusammengerührt hatten. Ein von Bartendern innig geliebtes Produkt, das aber leider dann doch wieder verschwand. Wer mit dem schwedischen Punsch arbeiten wollte, musste ihn selbst zusammenrühren – bis jetzt. Denn das Revolte Rum-Team kann vieles hervorragend, aber eines gar nicht: die Füße still halten. Auftritt Revolte Rum Swedish Punch.

Die Flasche für dieses Tasting wurde uns von Revolte Rum zur Verfügung gestellt, Bedingungen gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels.  

Die Story hinter Revolte Rum Swedish Punch

Manchmal wirkt es so, als möchte Felix Kaltenthaler, Master Distiller und -Mind hinter Revolte Rum einfach nur schauen, was er alles aus seinem Rum herausholen kann – schließlich ist der Swedish Punch nach Revolte Rum, Overproof, MTQ 2014, Falernum und Spiced Rum jetzt schon das sechste Revolte-Baby. Auch, wenn Experimentierfreude sicher eine Rolle spielt: der Swedish Punch ist wohl die Herzensangelegenheit unter all den Leidenschaftsprojekten: schon auf dem BCB 2018 gab es einen kleinen Vorgeschmack in Form des Drinks Dr. Greenthumb, der neben dem Rum auch auf einen Swedish Punch setzte.

Revolte Swedish Punch im Sweet-O mit Orangensaft und Limette.
Revolte Swedish Punch im Sweet-O mit Orangensaft und Limette.

Der Bartender dahinter: Daniel Gsöllpointner, kurz „Da Gsölli“, Bartender in der Goldenen Bar zu München und seines Zeichens auch der Urheber dieses Dr. Greenthumb, den er dann auch höchstselbst auf dem BCB servierte. Weil die Chemie stimmt, holt Felix den guten Mann direkt für die Produktentwicklung ins Boot – genau wie schon Max Bergfried beim Revolte Falernum. Zusammen basteln sie am finalen Rezept und holen auch die Goldene selbst mit an Bord, die nicht nur das Logo der Screw Crew (sprich: des Barteams der Goldenen Bar) auf die Flasche packt, sondern auch Austragungsort der Opening Party ist.

Was ist ein Swedish Punch und wen interessiert’s?

Wie eingangs erwähnt: Swedish Punch ist hierzulande vor allem als quasi-ausgestorbene Cocktail-Zutat bekannt. Normalerweise besteht sie aus Batavia Arrack (eine Art indonesischer Rum, der je nach Herkunft aus Zuckerrohr und rotem Reis, Palmen oder  Datteln besteht), Gewürzen und Tee. In Schweden, da wo das Zeug herkommt, nennt man das schlicht „Punsch“ und es ist quasi allgegenwärtig. Hierzulande sieht die Sache anders aus; Alexander von gentledrinks fand auf seiner Suche nur einen Shop, der das Zeug führte und dann war’s nicht mal gut.

Der Grand Slam mit rotem und weißem Vermouth - ein klassisches Swedish Punch-Rezept.
Der Grand Slam mit rotem und weißem Vermouth – ein klassisches Swedish Punch-Rezept.

Der Revolte Punch ändert das nun. Die Basis dafür ist nun natürlich kein Arrack, sondern der Revolte Overproof Rum. Ihn versetzte Felix mit Earl Grey, Lapsang Souchong (rauchiger, chinesischer Tee) Zitrone, Orange, Nelke, Kardamom, Zimt, Muskat und Sternanis. Lässt man die beiden Tees außer acht, könnte man – wie wir – erstmal meinen: Da kommt jetzt ein Spiced Rum, aber halt mit ein bisserl Tee mit drin. Wie sagt man in Schweden so schön: Nöpe.

So schmeckt der Swedish Punch

Er schwenkt sich sanft ölig und zeigt sich in einem trüben braun. Der Duft ist … unerwartet. Rauch und Zitrone sind zunächst die einzigen klaren Aromen. Lässt man ihm kurz Luft, kommen Bergamotten dazu, Schwarztee, Orangenzesten und die Nelke. Der Rauch zeigt auch Anleihen von Teer, die aber durch die eher frische Ausrichtung nur gelegentlich hindurchblitzen. Ein wenig Ingwer zeigt sich außerdem.

Nase: Rauch, Zitrone, Bergamotten, Schwarztee, Orangenzesten, Nelke, Tee, Ingwer

Zunge: Karamell, Piment, Vanille, Banane, Weißwein, Nelken, Zimt.

Auch im Mund ist es zunächst ganz klar der Tee, der vornewegrennt: Lagerfeuer, Rauch, schwarzer Tee und Bergamotte lassen nur ganz wenig Spielraum bei der Frage, woher die ersten Eindrücke kommen. Auf den zweiten Schluck sind es dann Orangen und Nelken, die wir deutlicher wahrnehmen, zusammen mit einem leichten Einschlag von Kolanuss und ein wenig Muskatblüte. Was auffällt: er ist recht schnell wieder weg, bleibt nicht lange auf der Zunge. Muss er als Likör aber auch nicht. In den Drink muss er!

Der Revolte Swedish Punch in Cocktails

Der Grund, warum ihr auf den Fotos hier die Flasche mal mit, mal ohne Label seht, ist ein ganz simpler: Felix hat uns die Flasche geschickt, bevor er die Labels hatte, der alte Ungeduldling. Und weil wir kein Stück besser sind, haben wir sie aufgemacht – und anschließend diverse Drinks aus dem Savoy Cocktailbook nachgemixt. Das Barbuch aus dem Jahr 1930 hat knapp 20 Swedish-Punch-Rezepte in petto. Eines davon ist etwa der Full House aus einem Teil weißem Wermut, einem Teil Rum und einem Teil Swedish Punch. Simpel, aber genial. Und das obwohl – nein: gerade weil – wir nicht der offiziellen Rezeptur folgen und Revolte statt „Bacardi Rum“ nutzen wie angegeben.

Etwas abseitiger wird es bei der Kombi aus Cassis, Triple Sec und Calvados, die im Pousse Café-Stil warm geschichtet werden. Dafür waren wir zu doof, also haben wir alle drei Zutaten auf Eis gerührt. Das Ergebnis war durchaus trinkbar, aber jetzt nichts, wofür man die Oma aufweckt. Anders sieht es aus, wenn man einmal aus dem Savoy Cocktailbook aufschaut und sich dem Dr. Greenthumb widmet – jenem Cocktail, mit dem alles anfing:

  • 5 cl Revolte Rum
  • 3 cl Swedish Punsh
  • 1,5 cl Zitronensaft
  • 1 Dash Angostura Bitters
  • 1 Dash Sexy Bitters

Alle Zutaten zusammen auf Eis shaken und in eine vorgekühlte Coupette abseihen. Trinken. Gut, wir hatten keine Sexy Bitters und deswegen den Angostura aufgedoppelt – geil war das Ding trotzdem und dabei doch so simpel. Noch viel simpler: der Sweet-O. Zwei Teile frischer O-Saft, ein Teil Swedish Punch und ein Spritzer Limette. Im Test fällt der Ausdruck „Dirty Tiki Mimosa“ und erstmal klingt’s ganz billig. Aber das Teil ist so lecker, säuerlich, gefällig, frisch, dass du endlich verstehst, warum Leute brunchen gehen.

Revolte Rum Swedish Punch in der Schwedenschorle.
Revolte Rum Swedish Punch in der Schwedenschorle.

Natürlich haben wir uns am Ende auch an eigenen Rezepten versucht. Einmal ein umgedrehter Sweet-O mit Overproof Rum, Limette und Zuckersirup sowie einer ordentlichen Ladung Champagner – das Zeug war zwar ziemlich gut, braucht aber noch ein bisschen Feintuning, das wir dann bei der nächsten offenen Schampus-Flasche angehen. Bis dahin aber vermixen wir den Swedish Punch in unserer Adaption des Devonshire Pride Cocktails aus dem Savoy Cocktail Book:

Schwedenschorle

  • 5 cl Calvados
  • 2,5 cl Swedish Punch
  • 1 Spritzer Limette
  • Ginger Beer

Calvados, Punch und Limette über Eis in ein Longdrink-Glas geben. Mit Ginger Beer aufgießen und mit Minze garnieren. Trinken.

Revolte Swedish Punch gibt es im Revolte-Shop, sowie online und im Fachhandel. 

Fazit: Wir wären schon damit zufrieden gewesen, dass es jetzt endlich Swedish Punch gibt. Aber das Zeug ist halt auch noch ziemlich gut – und der Dr. Greenthumb einen Eintrag in unsere persönliche All-Time-Favorite Barkarte wert.

Daten: 20 Prozent, ca. 20 Euro für 0,5 Liter, Deutschland

Felix hat uns eine Flasche des neuen Revolte Swedish Punch zur Verfügung gestellt, aber weder auf eventuelle Artikel noch auf das Tasting Einfluss genommen. Wir sagen wie immer vielen, lieben Dank. 

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JohannTrasch

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