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Brazilian Mule – dieser Cocktail ist viel mehr als Moscow Mule mit Cachaça

Ein Brazilian Mule aus Cachaca, Apfelsaft, Limettensaft, Vanillelikör und Angostura Bitters, garniert mit Äpfeln und einer Zimtstange.
Ein Brazilian Mule aus Cachaca, Apfelsaft, Limettensaft, Vanillelikör und Angostura Bitters, garniert mit Äpfeln und einer Zimtstange.

Cachaça gleich Caipirinha. Zumindest hat man diesen Eindruck, wenn man sich auf den Barkarten dieser Welt einmal umsieht. Auch hier, auf Cocktailbart.de war der Limetten-Zucker-Cachaça-Cocktail bisher der einzige Drink mit dem Zuckerrohrsaft-Schnaps. Auf ausdrücklichen Wunsch unserer Patron-Spender aber soll sich das ändern – die wünschten sich nämlich noch im November mehr Drinks mit Cachaça. Kommt uns entgegen – und darum mixen wir uns hier und heute einen Brazilian Mule.

Was zunächst klingt wie ein simpler Twist des klassischen Moscow Mule – statt Limette, Ginger Beer und Wodka nimmt man eben Limette, Ginger Beer und Cachaça – ist in Wahrheit ein kleines Aromenfeuerwerk aus Frucht, Süße und Schärfe. Klar: Das Brazilian im Namen steht für die brasilianische Spirituose, Mule heißt das Ding, weil das eben die Cocktail-Kategorie ist. Wo immer Mule oder Buck drauf steht, trinkt ihr gerade eine Kombi aus Schnaps, Limetten und Ginger Beer. Aber zwischen diesen Standards erschafft der Brazilian Mule mit süßsaurem Apfel, würzigen Bitters und warmer Vanille etwas vollkommen Neues.

Woher stammt der Brazilian Mule?

Entdeckt haben wir den Brazilian Mule bei Galumbi.de – davor hätten wir uns unter dem Namen wahrscheinlich auch einfach eine Variante des klassischen Wodka-Mules vorgestellt. Erfunden hat den Drink aber der Franzose Charles Vexenat. Der stammt ursprünglich aus Dijon, erarbeitete sich seinen Ruhm innerhalb der Barwelt aber in London, wo er in diversen bekannten Bars wie dem Hix oder der LAB Bar den Shaker schwang.  Heute arbeitet er in Ibiza und berät Spirituosen-Hersteller und Gastronomen. Auch, wenn der Mann durchaus schon Preise gewonnen hat – wir kannten ihn vorher auch nicht.

Seinen Drink aber haben wir sofort ins Herz geschlossen. Er benutzt den Cachaça nicht einfach als irgendeine Sorte Rum, die zufällig jeder mit Brasilien verbindet, sondern feiert die fruchtigen, reichen Aromen dieser unterschätzten Spirituose. Diese Noten von Bananen, frischem Gras und exotischen Früchten, die so viel leichter sind als im ähnlichen aber doch so ganz anderem Rhum Agricole, der ebenso aus frischem Zuckerrohrsaft hergestellt wird. Und so mixen wir unseren Brazilian Mule:

Das Cocktail-Rezept für den Brazilian Mule

  • 5 cl Cachaça
  • 5 cl naturtrüber Apfelsaft
  • 2 cl frischer Limettensaft
  • 1 cl Galliano Vanillelikör (im Original: Vanillesirup)
  • 3 Spritzer Angostura Bitters
  • Ginger Beer

Alle Zutaten bis auf das Ginger Beer hart auf Eis shaken und in ein Longdrink-Glas mit frischen Eiswürfeln abseihen. Mit Ginger Beer auffüllen und mit Apfelspalten garnieren. Im Original gehört nun Zimtpulver oben auf den Drink – das klumpt im Test aber ab dem zweiten Schluck. Sepo Galumbi arbeitet mit der deutlich sinnigeren Zimtstange, die wir kopieren. Im Sommer funktioniert der Drink aber ohne Zimt eh besser.

Der beste Cachaça für den Brazilian Mule

Auch, wenn die großen Edelsupermärkte langsam aber sicher erkennen, dass der Trend hingeht zu hochwertigen Spirituosen und weg vom Fusel – beim Cachaça herrschen immer noch Pitú und ähnliche alkoholisch duftende Wässerchen. Schade, denn für brauchbaren Cachaça  muss man nicht einmal besonders tief in die Tasche greifen: Ein Velho Barreiro ist durchaus trinkbar, die 3-Jahres-Variante von einer besonders fruchtigen Aromatik. Magnífica Cachaça do Brasil kostet nur ein paar Euro mehr und ist noch einen Ticken spannender im Glas.

Apfelsaft und Limettensaft

„Frisch pressen“ ist normalerweise oberste Devise – und beim Limettensaft auch oberste Bürgerpflicht. Beim Apfelsaft aber haben wir nur wenig bis keinen geschmacklichen Vorteil gegenüber hochwertigem, naturtrüben Apfelsaft festgestellt. Äpfel auspressen und Entsafter putzen, das ist einfach unglaublich aufwendige Arbeit – und der Saft-Reingewinn aus den meisten Äpfeln ist ein schlechter Witz, sprich: Wenn ihr eine Menge Brazilian Mules mixen müsst (werdet ihr müssen, wenn ihr wen probieren lasst!), dann steht ihr eine Weile vorm Entsafter. Eine Ausnahme: Wer auf die Extra-Portion Säure setzen will, nimmt grüne, saure Äpfel und deren Saft – das verleiht dem Drink ganz neuen und frischen Schwung, ist aber als Kauf-Saft schwierig zu bekommen.

Der Brazilian Mule sieht nicht nach viel aus, schmeckt aber fantastisch.
Der Brazilian Mule sieht nicht nach viel aus, schmeckt aber fantastisch.

Vanillelikör oder Vanillesirup

Mit gekauften Vanillesirups wird uns der Brazilian Mule durchweg zu süß, ohne die Vanille-Note fehlt dem Drink aber eindeutig was. Vanille-Sirup selbst anzusetzen ist keine große Kunst und funktioniert in diesem Drink auch hervorragend. Mehr Spaß hatten wir aber mit Vanille-Likör. Ein Galliano oder Licor 43 funktionieren in diesem Drink hervorragend, den zusätzlichen Schuss Alkohol verträgt er. Wohlgemerkt aber: Das ist jetzt alles irre detaillierte Feinarbeit und vor allem Geschmackssache. Wichtig ist einfach, dass ihr dem Brazilian Mule noch einen Hauch Zucker und vor allem eine Vanille-Note verpasst.

Ginger Beer, Bitters und die Garnitur

Die Zutatenmenge sorgt dafür, dass nicht mehr besonders viel Ginger Beer in ein Durchschnitts-Glas passt – entsprechend sollte ihr ein Ginger Beer wählen, dass möglichst intensiv und beißend scharf ist. Also lieber ein Thomas Henry als das eher milde Fentiman’s. Als Gegenpol zum scharf-beißenden des Ginger Beers braucht ihr die Angostura Bitters – die verleihen dem Brazilian Mule die notwendige geschmackliche Breite, sie geben ihm Würze. Tests mit eher floralen oder fruchtigen Bitters waren allesamt unbefriedigend.

Die Garnitur bei diesem Drink ist essenziell – der Zimt und die frischen Äpfel geben ihm in der Nase zusätzlichen Auftrieb, der Brazilian Mule wird dadurch noch aromatischer und spannender. Vor allem aber ist die Garnitur hier enorm wichtig für die Optik. Denn so lecker und spannend der Brazilian Mule ist – optisch sieht das braune Zeug leider einfach nur aus wie Spülwasser.

JohannTrasch

4 Kommentare

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    • Ahoi,

      1 Dash = 1 Spritzer. Normalerweise schreiben wir das auch so, aber da hatten wir die Nase wohl gerade zu lange in englischen Cocktail-Rezepten. Wenn man das ganz genau haben möchte (etwa wenn man 10 auf einmal mixen will), rechnen die meisten den Spritzer als 0,08 cl. Schöne, simple Tabelle dazu: http://www.cocktailclub24.de/masseinheiten.html

  • Hej,
    meint ihr der Drink funktioniert auch mit einer anderen Spirituose (z.b. weißer/dunkler Rum, Arrak, etc.) ähnlich gut? Evtl. habt ihr ja in dieser Richtung sogar schon was getestet… Cachaça ist nämlich aktuell nicht in meinem Barschrank aufzufinden. 🙂

    Viele Grüße,
    Christoph

    • Moin Christoph,

      hängt ein bisschen davon ab, wie du „funktionieren“ definierst. Ein etwas besserer Cachaça ist schon vergleichsweise speziell und das fruchtig-exotische lässt sich nur schwer mit einem Rum imitieren. Bei Arrak, muss ich ehrlich zugeben, kenne ich mich zu wenig aus, um da was dazu sagen zu können.

      Was ich allerdings weiß: Mit einem mittelalten Rhum agricole oder dem sehr Rhum agricoligen Revolte schmeckt der Drink auch – durchaus merklich anders als mit Cachaça, aber doch ziemlich lecker.