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Scheibel Premium Moor-Birne: Die Williams-Birne mit Rauch, Torf und Tiefgang

Scheibel Premium Moor-Birne als Mo-Bi Sour nach einem Rezept von Jört Meyer.
Scheibel Premium Moor-Birne als Mo-Bi Sour nach einem Rezept von Jört Meyer.

Obstbrand ist der neue geile Scheiß und die Williams Birne hat sich aus Opas Hausbar heraus zum Anführer einer kleinen Revolution gemausert. Immer mehr Bartender und Hobby-Mixologen erkennen, dass man mit Obstbrand mindestens genauso spannende Cocktails mixen kann wie mit Gin oder Bourbon. Angefangen hat das in den guten Bars freilich schon vor Jahren, vor allem als Sour waren die Willis und Zwetschgen auf der Karte zu finden. Bandbreite in der Qualität gab und gibt es freilich – aber Bandbreite in der grundsätzlichen Idee Obst- oder Birnenbrand? Auch, aber eher unbemerkt vom Massenmarkt. Bis der bekannte Bartender Jörg Meyer eine kleine Sensation in die Hände bekam: die Scheibel Premium Moor-Birne.

Limitierte Flasche, über Gold destilliert, mit Rauch-Aromen – die leicht überkandidelte Mischung aus Dekadenz, Hipstertum und Handwerkskunst gefiel. Er nahm die Flasche mit in seine Bar, probierte zusammen mit seinen Gästen den Brand als Williams Sour, war begeistert. Noch am selben Abend hieß das Ding Mo-Bi Sour und wurde praktisch über Nacht zum Signature Drink der Scheibel Moor-Birne. Die Folge: Hype, Übergang von der limitierten Edition direkt ins Standard-Sortiment, reißende Absatzzahlen (letzteres vermuten wir einfach mal). Aber fangen wir von vorne an.

Was steckt hinter der Scheibel Moor-Birne?

Scheibel ist eine dieser familiengeführten Brennereien, die wohl jeder im Nachbarort hat. Nur vielleicht ein bisschen leidenschaftlicher, geschäftstüchtiger, verrückter. Seit 1921 existiert der Familienbetrieb, heute wird er in dritter Generation von Michael Scheibel geführt. Im Portfolio finden sich klassische Obstbrände und Brandys, zusammengefasst in der Produktlinie „Alte Zeit“ die preislich durchaus an Reisetbauer-Produkte herankommen. Qualitativ auch? Im Netz ist man durchaus begeistert, aber was wir (noch) nicht selber testen konnten, das lobhudeln wir auch nicht.

In der Produktlinie Future of Taste finden sich die unvermeidbaren Gins und Wodkas, allerdings durchaus spannend inszeniert, etwa als fassgelagerter Wodka mit Honig im it’s woodka HONEY. Neben diversen anderen Spirituosen-Linien gibt es dann noch die Neue Zeit und in die fällt unsere Moor-Birne. Die limitierten Brände mit dem Label „PREMIUM“ werden über Gold doppelt destilliert – das sorgt angeblich für die filigranen Aromen. Was das Edelmetall hier faktisch wirklich bringt, wissen wir nicht – aber wir sind auch keine Brenner.

Die Moor-Birne unterscheidet sich vom Durchschnitts-Willi aber noch deutlich stärker: Für diesen Brand werden getrocknete Birnen in Birnenbrand eingelegt, woraus dann der Fruchtauszug entsteht. So nennt man es, wenn man einen Obstbrand nochmal auf genau dem Obst nachreifen lässt, aus dem er besteht. Dann wird die Moor-Birne noch eine uns nicht bekannte Zeit in ausgebrannten Fässern (man spricht von Feuer-Toasting, klingt weniger nach „Hättste ma‘ Brandschutzübungen gemacht, wa?“) gelagert. Ja, aber schmeckt der Spaß denn jetzt überhaupt?

So schmeckt Scheibel Premium Moor-Birne

Im Glas ist der Birnenbrand rötlich-braun und irre schwer und ölig. Man könnte die Moor-Birne ohne große Probleme für einen Likör halten. In der Nase kommen uns keinerlei Alkoholnoten entgegen, stattdessen volle Fruchg, vollreife Birne.  In einer sahnig-süßen Note schwingt Karamell mit und tatsächlich der Rauch, der allerorten beschrieben und gelobt wird. Leichte Holznoten nehmen wir wahr und einen fernen Hauch Orange.

Nase: Birne, Karamell, Rauch, Holz, Orange

Zunge: Birne, Karamell, Champagner, Eiche

Im  Mund kommt die Moor-Birne unwahrscheinlich weich und mild an, wieder mit der vollen Frucht und einer verflucht cremigen Karamell-Süße. Für einen kurzen Moment blitzt etwas frisch-prickelndes auf, wie von Champagner, dann verabschiedet sich der Brand aus Mund und lässt im Abgang vor allem erdige Eichentöne da. Zurück bleibt allen voran die Frucht, zusammen mit dem Holz und dem Karamell. Das fühlt sich weniger an wie ein weiches Nachklingen, es ist vielmehr als weigere sich das komplette Destillat einfach, zu gehen. Und das ist schön.

Scheibel Premium Moor-Birne pur und in Cocktails

Ursprünglich wurde diese Birnen-Spirituose zum Pur-Genuss gebrannt, davon raten wir aber dringend ab. Das Zeug ist so süffig, weich und mild, dabei aber gleichzeitig so vollmundig und aromatisch, dass man sich damit auch ein Wasserglas vollmachen könnte, das man im Laufe eines schönen Abends dann genussvoll leert. Weil das mit 40 Prozent aber früher oder später in der Horizontalen auf der Couch endet, mixen wir die Moor-Birne lieber. Wer trotz der Warnung pur zugreift: Niemals kühlen. Am besten schmeckt er leicht unter Zimmertemperatur.

Wer das pure Aroma sucht, aber es ein wenig langsam angehen will, mixt sich einen Old Fashioned mit der Moor-Birne. Bei den Bitters empfehlen wir hier die Ferdinand Rubinette Apple Lemon Thyme Bitters, klassischer Angostura funktioniert allerdings auch. Durch die Verdünnung mit Schmelzwasser und die Süße öffnen sich die Aromen noch weiter, die Moor-Birne wird noch fruchtiger. Allerdings hat die Scheibel Premium Moor-Birne auch genug Power, um jedem Drink Ihren Stempel aufzudrücken. Allen voran natürlich dem Mo-Bi Sour von Jörg Meyer, der der Spirituose die wohlverdiente Extraportion Ruhm eingebracht hat.

Der Mo-Bi Sour

  • 6 cl Scheibel Moor-Birne
  • 2,5 cl frischer Zitronensaft
  • 1,5 cl Zuckersirup

Alle Zutaten auf Eis shaken und in einen Tumbler voller Eis abseihen. Trinken.

In Kombination mit der Säure blüht die Birne noch einmal ganz anders auf, wird erfrischender und wilder. „Der Drink bleibt frisch. Gefährlich frisch. Man wird zwei trinken. Wahrscheinlich auch drei.“ sagt Jörg Meyer selbst über das Cocktail-Rezept. Damit hat er wahrscheinlich recht. Trotzdem probieren wir natürlich auch anderweitig herum – und entdecken dabei im Kühlschrank die Reste vom Chili-Nelken-Zimt-Sirup für den letzten Alarmed Bison. Weil der grundsätzlich irre gut mit Birne funktioniert, Weihnachten ansteht und wir Bock drauf haben, experimentieren wir herum – schütten noch ein paar Tropfen der Bitters vom Old Fashioned oben hinterher, tarieren die Säure etwas feiner aus und schütten zum Abrunden noch etwas Maraschino rein für eine leichte Marzipannote. Geboren ist ein Drink, auf den wir ausnahmsweise echt stolz sind:

Scheibel Premium-Moor-Birne als Wintergarten-Cocktail: Ein Sour-Twist mit Maraschino und Chili-Nelken-Zimt-Sirup.
Scheibel Premium-Moor-Birne als Wintergarten-Cocktail: Ein Sour-Twist mit Maraschino und Chili-Nelken-Zimt-Sirup.

Der Wintergarten

  • 4 cl Scheibel Moor-Birne
  • 2 cl Chili-Nelken-Zimt-Sirup
  • 1 cl Maraschino
  • 1,5 cl Zitronensaft
  • 1,5 cl Limettensaft
  • 3 Spritzer Ferdinand Rubinette Apple Lemon Thyme Bitters

Alle Zutaten auf Eis shaken und in eine vorgekühlte Coupette abseihen. Trinken.

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Fazit: Wer Williams Birne zu altbacken findet, wer eigentlich lieber Whisky und Rum statt Obstbränden trinkt, wer nicht glaubt, dass in der Obstbrand-Welt noch cooles Zeug passiert, der sollte diesen Birnenbrand probieren. Und alle anderen sowieso.

Daten: Deutschland, 40 Prozent, um 32 Euro, 0,7 Liter

JohannTrasch

3 Kommentare

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  • Klingt sehr spannend, der Mo-Bi Sour und der Wintergarten sowieso. Wird auf jeden Fall bald ausprobiert, nach den guten Erfahrungen mit dem Bison. 🙂
    Kurze Frage: Lassen sich die Apple Lemon Thyme Bitters durch was „gebräuchlicheres“ ersetzen, z.B. Angostura oder ähnliches? Oder geht dann viel verloren vom Drink?

    Beste Grüße,
    Christoph

    • Moin Christoph,

      Angostura Bitters hatten wir mal versucht, die ziehen den Drink aber in die falsche Richtung. Die Applebitters sind eher frisch-säuerlich als klassisch-würzig. Orange Bitters (lieber 1 bis 2 Dashes statt 3) passen ganz okay, O.K.-Tropfen wären einen Versuch wert. Alternativ kannst du auch einfach den Zitronensaft und die Birne um je 0,5 cl hochfahren, für etwas mehr Frucht und Säure. Generell aber: Die Bitters sind hier Feintuning, lecker ist der Drink auch ohne schon 🙂

      • Besten Dank für die schnelle Antwort.
        Ich werds dann mal für’s erste mit den Orange Bitters versuchen.

        Viele Grüße,
        Christoph