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Ti Punch – der kleine Punsch mit Rhum Agricole

Ein Ti Punch ist ein nicht richtig kalt gerührtes Glas Schnaps mit Zucker und einer Scheibe Limette. Aber in voll gut.
Rezept für den Ti Punch

Unser Lieblings-Rezept für den Ti Punch

  • 6 cl Rhum Agricole
  • 1 cl Zuckersirup
  • 1 Scheibe von der Seite der Limette

Zucker und Rhum Agricole im Tumbler verrühren, die Limettenscheibe mit der Schale zum Glas sehr sanft pressen (so, dass die Öle der Schale die Oberfläche des Drinks benetzen), in den Drink geben. Zwei Eiswürfel dazugeben, noch einmal kurz rühren. Trinken.

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Die Zutaten für den Ti Punch

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Der Ti Punch ist eine Caipirinha für ganz faule Schweine. Das ist als Einleitung zwar jetzt sehr reißerisch, sollte aber, wenn wir das richtig berechnet haben, folgenden Effekt erzielen: Eingefleischte Caipi-Fans schreien jetzt „Uh, wie geil!“ und lesen weiter. Alle Ti Punch-Verfechter ziehen sich jetzt ebenfalls den kompletten Artikel rein – wenn auch aus blanker Wut und um uns in der Kommentar-Sektion verbal den Hintern zu versohlen.

Aber sorry, im Prinzip ist es halt genau das. Wo bei der Caiprinha ein ganzer Batzen Limettenachtel liebevoll mit dem Stößel bearbeitet wird, damit der Saft einen hauchfeinen Kristallzucker an der Kornvolumengrenze zum Puderzucker auflösen kann, wo bei Caipi dann auch noch geschüttelt wird, da kommen beim Ti Punch ein paar Spritzer Limette und ein Löffel Zucker in ein Glas warmen Schnapses. Umrühren? Eiswürfel? Kann man alles machen. Muss man aber nicht. Wenn Limette und Zucker auf Rhum Agricole treffen, egal wie, hat man einen Ti Punch. Dass das gar nicht so oft passiert, liegt aber wohl hauptsächlich an der Hauptzutat.

Die Hauptzutat für den Ti Punch: Rhum Agricole

Der Ti Punch ist unter Rum-Nerds ein richtig großes Ding, hat es in der Welt außerhalb unserer Schnaps-Filterblase schwer. Die Gründe dafür? Mannigfaltig. Da wäre zum einen der Umstand, dass er aus Rhum Agricole hergestellt wird – einer speziellen Rum-Art, die ihren Ursprung auf den französischen Antillen hat, sprich auf den Insel Guadeloupe, Martinique und La Réunion. Von hier kommt dann freilich auch der Name, der schlicht die Kurzform von „Petite Punch“ darstellt, französisch für „Kleiner Punsch“. Wir könnten zum Thema Rhum Agricole jetzt ausholen und darauf hinweisen, dass solcher mit AOC-Siegel dann wiederum eigentlich nur auf Martinique hergestellt wird, aber da wird’s für einen derart simplen Cocktail wahrscheinlich schon zu kompliziert.

Wichtig ist: Rhum Agricole wird aus frischem Zuckerrohrsaft hergestellt (genau wie Cachaca, was den eingänglichen Vergleich umso passender macht) und hat in den meisten Fällen ein intensiv-fruchtiges Aroma, das an Bananen und zuweilen sogar Oliven erinnern kann – das trifft vor allem auf ungereifte Varianten zu. So, jetzt macht dieser Rum aus frischem Zuckerrohrsaft aber gerade einmal 3 Prozent der weltweiten Produktion aus – die anderen 97 werden aus Melasse oder gelegentlich auch mal Zwischenerzeugnissen hergestellt. Heißt: der Ti Punch ist schon alleine deswegen so selten auf Barkarten in freier Wildbahn zu finden, weil schon der Rohstoff dafür hierzulande eher Seltenheitswert genießt. Nicht falsch verstehen: An Rhum Agricole kommt man sehr leicht ran – nur steht er eben seltenst in Supermarktregalen und auch in der Backbar oft nur, wenn sich die örtlichen Bartender ausführlich der Rum-Welt widmen. Damit ihr als Homebartender bald auch zu dieser illustren Riege gehört, die genau das tut, mixen wir uns doch erstmal einen; dann reden wir über die Details.

Unser Lieblings-Rezept für den Ti Punch

  • 6 cl Rhum Agricole
  • 1 cl Zuckersirup
  • 1 Scheibe von der Seite der Limette

Zucker und Rhum Agricole im Tumbler verrühren, die Limettenscheibe mit der Schale zum Glas sehr sanft pressen (so, dass die Öle der Schale die Oberfläche des Drinks benetzen), in den Drink geben. Zwei Eiswürfel dazugeben, noch einmal kurz rühren. Trinken.

Chacun prepare sa propre mort: Mach doch, was du willst!

Wir waren noch nie auf den französischen Antillen, aber wenn man jedem anderen Artikel zu diesem Drink glauben darf, wird er in seiner Heimat gerne mit den Worten „Chacun prepare sa propre mort“ serviert: Jeder bereite sich seinen eigenen Tod. Zum altklugen Spruch gibt’s ein Glas Rhum Agricole, eine Schüssel Zucker, ein paar Limettenstücke und extra Eis – und dann macht man eben das Beste draus. Das haben wir in diesem Fall gemacht und euch das Rezept präsentiert, mit dem wir über diverse Teststrecken hinweg am besten gefahren sind.

Der Trois Rivières VSOP im Ti Punch.
Gereifte Agricole-Rhums sind meist glatter, erinnern an einen Old Fashioned mit Zitrussäure – aber lecker sind sie trotzdem.

 

Der richtige Rhum Agricole

Wie gesagt: einen ordentlichen Agricole zu besorgen ist kein Hexenwerk, viele der Marke wie J.M. Rhum sind sogar vergleichsweise bekannt. Nur wissen bei diesen Marken die meisten Konsumenten gar nicht, dass sie sich hier eine ganz spezielle Rumsorte ins Haus holen. Wir greifen bei unseren Ti Punches meist zu ungereiften Agricoles, da es vor allem die sind, die diese fruchtige Ester-Alkohol-Power mitbringen, die den Drink eben so besonders machen. Der Clement Blanc ist hier ein absoluter Preis-Leistungs-Kracher, mit dem Trois Rivieres wird’s eine Spur feiner. Beherzigt aber den Tipp der Kollegen von Mixology und holt euch zumindest zum Start keinen 50- bis 70-prozentigen Agricole. Daraus ergeben sich zwar zuweilen auch großartige Ti Punches, aber das „Punch“ müsst ihr dann groß schreiben.

Zucker oder Zuckersirup?

In den Foren, in denen wir uns rumtreiben, beharren diverse Rhum Agricole-Fans darauf, dass der Drink nur mit Kristallzucker authentisch sei, wieder so eine Parallele zur Caipirinha. Da mögen sie eventuell sogar Recht haben. Aber anders als bei der Caipirinha wird hier nix geschüttelt und nur ein wenig herumgerührt, sodass auf jeden Fall Zucker im Glas verbleibt, außer man nimmt wirklich nur einen Viertel Fingerhut voll. Wir sind da ähnliche faule Traditionsverächter wie beim Old Fashioned: Zuckersirup bringt die Süße direkt rein und man kaut auf nix rum, deshalb erhält er von uns den klaren Vorzug.

Die Limette im Ti Punch

In einen Ti Punch muss frische Limette und zwar wirklich als Limette, nicht nur als Saft. Allein schon, weil das Glas sonst so auffällig durchsichtig-langweilig aussieht. Weil wir am Ti Punch schätzen, dass er die Spirituose mit nur kleinen Nuancen aus sauer, fruchtig und süß hervorhebt, wollten wir explizit keinen Obstsalat, waren aber mit der Saft- und Aroma-Ausbeute aus einem einzelnen Limettenachtel nicht zufrieden. Die Lösung fanden wir lustigerweise in einem Foodblog: Man nehme eine Limettenscheibe vom Rand der Limette, eine sogenannte „Disc“. Quetscht man die nun mit der Schale zum Drink aus, bekommt man etwa so viel Saft wie aus einem Achtel, aber eine ordentliche Portion ätherische Öle wie von einer Zeste. Win-Win.

Eis oder kein Eis?

Glaubens- und Geschmacksfrage. Für unser Empfinden leidet der Cocktail extrem darunter, wenn ihr ihn zu stark herunterkühlt oder verwässert. Einen kleinen Spritzer Schmelzwasser und eine Temperatur unter 20 Grad finden wir dann aber doch ganz angenehm. Gerade das Schmelzwasser scheint vielen aber das pure Rhum Agricole-Erlebnis im Petite Punch zu verleiden. Ein großartiger Tipp, den wir von einem befreundeten Hobby-Bartender auf Instagram abgreifen: Agricole ins Tiefkühlfach – ein kaltes, unverdünntes Erlebnis.

Die Zutaten für den Ti Punch

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Johann

Cocktailbarts Archmage of Content bei Nacht, stolzer Familienvater / Texter / Konzepter / Kreativarbeiter bei Tag.

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