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Manhattan Cocktail: Rezepte, Geschichte(n), Emotionen

Ein Manhattan Cocktail mit Bourbon, Wermut und Maraschino-Kirschen.
Ein Manhattan Cocktail mit Bourbon, Wermut und Maraschino-Kirschen.
Rezept für den Manhattan

Unser Lieblings-Cocktail-Rezept für den Manhattan

  • 4 cl Bourbon Whiskey
  • 4 cl Süßer Wermut
  • 2 Bl Maraschino-Kirschen-Flüssigkeit
  • 1 Spritzer Orange Bitters

Alle Zutaten zusammen auf Eis rühren und in eine vorgekühlte Coupette abseihen. Mit Maraschino-Kirschen garnieren. Trinken.

Die Einkaufsliste

Die Einkaufsliste für den Manhattan Cocktail

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„Wenn du keine Manhattans magst, hast du nur noch nie einen guten getrunken.“ Diesen Satz kennt jeder von uns. Vielleicht nicht mit Manhattan-Cocktails, sondern mit anderen Drinks, Musikrichtungen oder irgendwelchen Kohlgerichten. Jedenfalls hörten wir diesen Satz  vor etwa zwei Jahren, als wir einen angekündigten Artikel zu diesem ach so simplen Drink absagen mussten, weil wir einfach keine Variante zusammengerührt bekommen haben, die uns geschmeckt hat. In Bars liefen die Verkostungen etwas besser, aber nicht so, dass wir es geschafft hätten, den Drink ins Herz zu schließen.

Wir ließen den Manhattan fallen. Ein Artikel mit halbgarem Rezept, nur und ausschließlich, um das Keyword für die Suchmaschinenoptimierung abzugrasen – das wollten wir nicht. Und jetzt, Cocktailbart wird bald drei Jahre alt, kommt er dann doch. Einfach so aus dem Nichts – zumindest für euch. Für den Autor dieser Zeilen geht diesen 1222 Worten eine sehr lange Zeit des Annäherns und eine nicht ganz so lange Zeit des Herumprobierens voraus: Wir mussten uns an diesen Drink erst herantasten, ähnlich wie beim Negroni – und dann unser eigenes Lieblings-Rezept dafür finden. Nein, mein Lieblings-Drink ist der Manhattan immer noch nicht. Aber ich glaube, inzwischen finden wir beide uns ganz geil.

Wer braucht bitte noch einen Artikel über den Manhattan?

Der Manhattan ist einer der bekanntesten und je nach der Geschichte, die man glauben will, auch einer der ältesten Cocktails überhaupt – nur folgerichtig ist das Internet dann auch voll von Artikeln, die das Thema bis zu den Umfängen einer Doktorarbeit hin auswälzen. Die geschätzten Kollegen von bar-vademecum arbeiten etwa seine gesamte Historie und die gängigsten Mythen über seine Herkunft auf, untersuchen außerdem anhand von alten Dokumenten und Büchern, wie sich der Drink in über 100 Jahren verändert hat; vom Mischverhältnis bis zur Bitters-Auswahl.

Ein Manhattan in einem schlichten Weinkelch.
Ein Manhattan in einem schlichten Weinkelch.

Philipp von eyeforspirits.com geht die Sache gewohnt technisch an, mit Hinweisen zur Eis-Auswahl, zum richtigen Rühren und zur generellen Balance zwischen den einzelnen Zutaten. Nach der Lektüre dieser beiden Artikel (und diverser anderer) seid ihr für jede Cocktail-Diskussion gerüstet und definitiv in der Lage, einen Manhattan zu mixen, der den Namen auch verdient.  Dafür folgt ihr dann einfach dem gängigen Rezept:

  • 6 cl Bourbon Whiskey oder Rye Whiskey
  • 3 cl süßer Wermut
  • 2 Dashes Angostura Bitters oder Orange Bitters

All das verrührt man auf Eis, packt einen Piekser mit einer bis drei Maraschino-Kirschen obendrauf und hat einen ordentlichen Manhattan – insofern man gute Basis-Zutaten nimmt. Wer auf Bourbon und einen nicht zu bitteren Wermut setzt, muss nicht einmal allzu sehr auf das Aromenbalancing achten. Aber genau diese Manhattans waren es ja, die uns zu Beginn unserer Bildungstrinker-Reise nicht glücklich gemacht haben. Um euch also nicht den x-ten Artikel mit derselben Historienschau zu liefern, sagen wir euch lieber, welches Manhattan-Rezept für uns zur großen Liebe wurde – und warum ihr damit auch Manhattan-Verweigerer in den Big Apple lockt.

Unser Lieblings-Cocktail-Rezept für den Manhattan

  • 4 cl Bourbon Whiskey
  • 4 cl Süßer Wermut
  • 2 Bl Maraschino-Kirschen-Flüssigkeit
  • 1 Spritzer Orange Bitters

Alle Zutaten zusammen auf Eis rühren und in eine vorgekühlte Coupette abseihen. Mit Maraschino-Kirschen garnieren. Trinken.

„Das ist doch gar kein richtiger Manhattan?!“

Deine Mutter ist kein richtiger Manhattan! Aber zugegeben: die Nummer mit der Kirschensoße ist so gar nicht klassisch – aber richtig gute Kirschen, deren Saft in den Drink tropft, das macht einen Manhattan runder, angenehmer, schöner – ohne ihm durch übertriebene Süße allzu viel von seiner Komplexität zu nehmen. Aber erst durch Hinweise unter anderem von Darwins Erben auf Instagram wurde uns klar: eigentlich brauchen wir da gar keinen Umweg – rein mit der Suppe!

Für unseren Manhattan haben wir Orange Bitters verwendet, hier im Bild die von Dr. Sours.
Für unseren Manhattan haben wir Orange Bitters verwendet, hier im Bild die von Dr. Sours.

Das Mischverhältnis dagegen ist nicht nur klassisch, sondern sogar superklassisch: früher mixte man den Manhattan tatsächlich 1:1, was den Drink dann auch ein wenig leichter und bekömmlicher macht, ohne ihn in irgendetwas anderes zu verwandeln als er ist. Die Orange Bitters wählen wir, weil American Whiskeys immer einen Spritzer Orange vertragen und diese Bitters das richtige Maß an Frische und Komplexität in den Drink bringen.

Der richtige American Whiskey

Einen Manhattan macht man normalerweise mit American Whiskey – und das sagen wir jetzt, ohne euch irgendwelche Regeln aufdrücken zu wollen. Klar funktionieren auch japanische Kollegen und Irish Whiskey oder Scotch (damit wird der Manhattan zum Rob Roy). Aber der Klassiker sind Rye und Bourbon und unserer Erfahrung und unserem Geschmack nach funktionieren diese durch die gewisse Süße und die Vanille-Noten auch am besten. Für unsere Variante setzen wir auf Bourbon, weil er sich schöner einfügt. Klar: so ein richtig schöner, würziger Rye, der macht einen spannenden Drink – aber ausnahmsweise folgen wir hier dem Geschmack der breiten Masse und finden Bourbon-Manhattans die rundere, schönere Variante.

Zwei tolle Bourbons, die nicht sofort den Geldbeutel sprengen sind Buffalo Trace und Bulleit Bourbon, letzterer fällt ein wenig würziger aus. Bei der von uns vorgeschlagenen 1:1-Mischung fällt das aber weniger ins Gesicht. Ein Wahnsinns-Preis-Leistungs-Verhältnis bietet der Four Roses, der trotz Billig-Image (günstig, findet sich oft in Supermärkten) nur marginal schlechter ausfällt.

Der richtige Wermut

Geht es um Wermut, scheiden sich die Geister – war er bis vor wenigen Jahren noch eine der uninteressantesten Zutaten überhaupt an der Bar, ist er inzwischen fast schon eine Wissenschaft für sich. Wer einen groben Überblick möchte, schaut zu den Kollegen von Trinklaune oder in die Vermouth-Tasting-Reihe von Jörg Meyer. Für unseren Drink setzen wir auf richtig süße Wermuts und lassen Bitterkracher wie den Punt E Mes außen vor. Wer auf bittere Manhattans steht, kauft sich übrigens genau den.

Für unsere Varianten favorisieren wir Carpano Antica Formula, Mancino Rosso und Cocchi Vermouth di Torino – alle drei sind angenehm süß, bleiben dabei aber komplex und kräftig und besitzen merkliche aber nicht überschwängliche Bitternoten.

Die richtigen Kirschen für den Manhattan

Cocktail-Kirschen gehören zu der Sparte Cocktail-Deko, die gegessen wird – alleine das macht ihre Qualität spielentscheidend. Aber Kirschen im Drink haben wie kein anderes Garnish – vom Cocktail-Schirmchen einmal abgesehen – einen unglaublich schlechten Ruf weg. Das liegt wohl vor allem an den hellroten Plastik-Kirschen, die wir in den letzten 30 Jahren immer wieder aus unserem Whiskey Sour fischen mussten. Aber richtig, richtig gute, eingelegte Kirschen machen diesen Drink um so vieles besser; die Orangenzeste kommt da ausnahmsweise nicht ran.

Wer auf einen halbwegs stilvollen und leckeren Drink wert legt, hat ergo die Wahl zwischen Amarena-Kirschen, original Maraschino-Kirschen und Griottines. Eingelegte Amarena-Kirschen sind ganz okay, günstig und überall zu haben. Original-Maraschinos sind intensiv, dunkel, schmackhaft und haben so einen leichten Marzipan-Touch, sind aber deutlich teurer. Unsere erste Wahl für den Manhattan sind sie trotzdem. Griottines sind Sauerkirschen und nochmal teurer. In vielen Drinks sind sie allererste Wahl, beim Manhattan ist die Säure aber eher mäh.

Wie trinkt ihr euren Manhattan?

Der Manhattan ist ähnlich wie der Martini ein sehr persönlicher Drink. Einer, für den jeder Bartender ein Geheimrezept hat. Falls ihr dazugehört – teilt uns eures doch mit! Wir freuen uns auf Anregungen und neue Ideen!

Die Einkaufsliste für den Manhattan Cocktail

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Bei den markierten Produkten handelt es sich um Spirituosen, an deren Vertrieb Johann in seinem Dayjob beteiligt ist. Er bekommt keine Provision für ihre Erwähnung und sein Arbeitgeber hat keinen Einfluss darauf, wann und in welcher Weise er auf Cocktailbart Produkte des Unternehmens erwähnt. 

JohannTrasch

2 Kommentare

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Ich stimme zu.

  • Ich stimme definitiv dem Statement zu, dass der Manhattan wie der Martini ein sehr persönlicher Drink ist, der immer auf den je eigenen Geschmack abgestimmt werden muss. Meinen Geschmack trifft das oben favorisierte Rezept nicht wirklich. Der Manhattan verfügt über Ecken und Kanten, diese werden ihm hier zu sehr abgeschliffen. Es ist aber kein schlechtes Rezept, um sich an den Drink heranzutasten und mit der Zeit auch etwas kräftigere Whiskies zu vermixen.

    Bei Bourbon finde ich Wild Turkey Rare Breed sehr gut geeignet. Aufgrund des hohen Alkoholgehalts vermag er sich auch bei einer 1:1 Variante durchzusetzen. Aber auch der 101 von Wild Turkey macht sich ganz gut.
    Gute, günstige Ryes sind in meinen Augen 1776 und Rittenhouse. Hier bevorzuge ich das Verhältnis 6:3 oder 6:4. Einer meiner absoluten Lieblings-Ryes ist der Willett. Mit 54,2% kommt da eine gehörige Roggenfracht rüber. Der Sazerac ist natürlich auch ein großartiger Rye für den Manhattan.

    Eine sehr schöne Manhattan-Variante, bei der Whiskey und Wermut auch dieselben Anteile haben, ist der Creole Cocktail: 4,5cl Rye Whiskey, 4,5cl roter Wermut, 2 Dashes Bénédictine, 2Dashes Amer Picon.

    Was mich noch sehr interessieren würde: Habt ihr einen Favoriten bei den drei oben erwähnten italienischen Wermuts? Den Cocchi habe ich noch nicht im Manhattan getestet, da würde mich insbesondere der Eindruck interessieren und ob er den Whiskey genauso gut tragen kann wie der Antica Formula.

    • Servus Martin,

      danke dir für die ausführliche Antwort – klar, das Rezept trifft nicht Jedermanns Geschmack. Aber je elaborierter der Gaumen, desto gefestigter auch die Vorlieben. Wenn du auf Drinks mit Ecken und Kanten stehst, ist die Variante oben dann zugegeben auch etwas weichgespült.

      Der Willet wurde uns hier schon an anderer Stelle empfohlen, wenn das Budget den mal hergibt, bin ich schon sehr gespannt darauf 🙂 Der Creole klingt sehr interessant, der Picon steht eh schon für diverse Experimente auf der Einkaufsliste.

      Müssten wir uns für den Manhattan einen generellen Favoriten aussuchen, wäre es wohl der Antica Formula, der Cocchi kommt zwar etwas geschmeidiger raus, ist aber gerade deshalb eher (hervorragender) Flankengeber als Teil des Stürmer-Duos.