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Siglo Cero Pox und der Ria Celestun Cocktail

Siglo Cero Pox im Ria Celestun - absolute rosa Liebe.

Keine Agave. Wenn ein Mann wie Manuel Weißkopf mit einer mittel- bis südamerikanisch aussehenden Flasche in der Hand auf euch zusteuert, euch frenetisch begrüßt und euch sein neues geiles Zeug hinhält, seid ihr von ebendieser Ansage vielleicht ebenso verwirrt wie wir. Der Kopf des Dr. Sours-Teams steht sonst für Mezcal und vor allem die Cocktails Bitters auf Mezcal-Basis und mit original mexikanischen Zutaten – etwa Heuschrecke oder Kaktus.

Die Flasche für dieses Tasting wurde uns vom Deutschen Importeur Dr. Sours zur Verfügung gestellt, Bedingungen an den Artikel gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels.

Und in unserem sehr beschränkten Geist steht das flüssige Mexiko dann eben ausschließlich für Agaven, als wir den ersten Schluck nehmen. Und obwohl wir da dann schon wissen, dass wir einen Brand aus Zuckerrohr, Weizen und diversen Mais-Sorten (schwarzem, rotem, gelbem und weißem) im Glas haben, erwarten wir doch Altbekanntes, etwas kräftiges, leicht dreckiges, agaviges. Und werden überrascht davon, dass Mexiko auch filigran und anschmiegsam kann – und zwar richtig, richtig gut.

Die Story hinter Pox

Die Destillations-Regularien Mexikos sind in den letzten zehn Jahren stark im Umbruch, bedingt vor allem durch den Hype um Tequila und Mezcal in den USA. Im Zuge neuer Gesetzgebungen kam es 2012 aber auch dazu, dass man dem Bundesstaat Chiapas erlaubte, sein traditionelles Destillat Pox – gesprochen: Posch – auch legal herstellen und in ganz Mexiko verkaufen zu dürfen. Bis dahin lief das unter der Hand und auch nicht unbedingt mit Fokus auf Genuss. Selbst in seiner Heimat ist Pox bis vor Kurzem eher die Ausnahme in Bars gewesen, von Chiapas einmal abgesehen.

Siglo Cero Pox in einem Dirty Maritni mit Dr. Sours Bitters.
Siglo Cero Pox in einem Dirty Maritni mit Dr. Sours Bitters.

Unter den Bewohnern des Bundesstaates sind viele Nachfahren der Tzotzil Mayas, die sich einen außergewöhnlich großen Teil ihrer Kultur bewahren konnten. Sie nutzten Pox vor allem in spirituellen Zeremonien und in den Ritualen der Heiler. Daher auch der ungewöhnliche Name: in der Sprache der Tzotzil bedeutet “Pox” schlicht “Medizin”. Für diese “Medizin” setzten und setzen allerdings nicht alle auf den Zutaten-Mix, den Siglo Cero nutzt – einige Pox-Marken nutzen zum Beispiel ausschließlich die diversen mexikanischen Maissorten. Schon die gehen aufgrund der großen Bandbreite an verschiedenfarbigem Mais in Mexiko wohl weit über einfachen Bourbon New Make hinaus. Aber in Kombi mit Weizen und Zuckerrohr? Huiuiui:

So schmeckt Siglo Cero Pox

Im Glas schwenkt sich der kristallklare Pox erstaunlich leichtfüßig, dafür mit ansehnlicher Tropfenbildung am Glasrand. Der Duft: zurückhaltend, mit etwas Mango, etwas Banane, dazu ein ganz kleiner Anklang von Rauch und Olive. Lässt man ihn ein wenig stehen, gesellen sich Noten von Minze, Hibiskus, Zitrusfrüchten und schwarzem Tee dazu. Was ihm an Kraft fehlt, macht er mit einer ansehnlichen Bandbreite wett.

Nase: Mango, Banane, Rauch, Olive, Minze, Hibiskus, Zitrusfrüchte, Schwarzer Tee

Mund: Trauben, Champagner, Zitrusfrüchte, Mango, Minze, Heu, Hefe, Rauch, Olive

Auf der Zunge dagegen erinnert der Brand schnell und mit deutlich mehr Kraft an einen leicht süßlichen Grappa: Trauben, ein paar bittere Champagner-Noten, Zitrusfrüchte, wieder die Mango und die Minze, aber auch ein paar spannende grüne Noten von Heu und etwas Hefe. Im Abgang dann der Rauch und auch wieder die Olive.

Siglo Cero Pox im Pox & Soda.
Siglo Cero Pox im Pox & Soda.

Der Pox pur und in Cocktails

Wenn man seinen allerersten Schluck Mezcal trinkt, denkt man sich normalerweise: “Oh. Was passiert denn hier?” Mit dem ersten Schluck Siglo Cero Pox ist es ganz ähnlich, eine gewisse Erwartungshaltung an mexikanische Spirituosen vorausgesetzt. Nur der Gesichtsausdruck ist vollkommen anders. Der eher leichtfüßige, butterweiche Siglo Cero überrennt die Geschmacksknospen nicht, sondern lädt eher dazu ein, dass man ihn pur genüsslich aufdröselt und sich Zeit nimmt, um diese Komplexität zu würdigen. Weshalb wir ganz eindringlich empfehlen, das Zeug nicht nur pur zu probieren, sondern auch pur zu genießen. Aber freilich: wir haben damit auch aufgemixt.

Das Problem dabei: Weil er eben so filigran ist, tun wir uns schwer damit, ihn in zu vielen oder zu kräftigen Zutaten zu ersäufen. Ein Pox Daiquiri etwa erinnert eher an einen Agricole Daiquiri – schöner Drink, keine Frage, aber den hätten wir so auch mit einem guten Agricole hingekriegt. Also schalten wir einen Gang zurück und vermählen den Siglo Cero eher schüchtern. Gut, ja – wenn du eine Spirituose in einen Drinks namens Dirty Martini rührst, ist “schüchtern vermählen” vielleicht eine doofe Analogie. Aber bei 6:1 Pox zu Wermut und einem Barlöffel Olivenlake versteht ihr hoffentlich, wie wir das meinen. Das Ergebnis jedenfalls ein richtig guter Drink, die etwas deftigere Note steht ihm gut.

Siglo Cero Pox mit Junmai Sake und Silberzwiebeln im Onjuku Gibson.
Siglo Cero Pox mit Junmai Sake und Silberzwiebeln im Onjuku Gibson.

Also setzen wir im nächsten Schritt auf Sake und Silberzwiebeln und mixen eine Gibson-Variante, die wir so rund um die Uhr saufen könnten: den Onjuku. Den einzigen echten Longdrink im Test mixen wir ganz schlicht mit Wasser. Der Pox & Soda ist nach dem puren Genuss unsere zweite dringliche Empfehlung für alle, die diese Spirituose genauer erforschen möchten – die Geschmäcker kommen hier noch einmal ganz anders durch, der Drink ist eine Skinny Bitch-Variante mit unendlich tiefem Charakter. Und dann hatten wir auf einmal eine Flasche Campari Soda in der Hand – und einen sanftbitteren, leicht säuerlichen, flamingo-farbenen Drink vor uns, den …

Ria Celestun

  • 6 cl Siglo Cero Pox
  • 1 cl Limettensaft
  • 1/2 Flasche Campari Soda

Alle Zutaten nacheinander auf Eis in ein Highball-Glas geben. Mit Limettenschnitz garnieren. Trinken.

Siglo Cero Pox im Ria Celestun - absolute rosa Liebe.
Siglo Cero Pox im Ria Celestun – absolute rosa Liebe.

Onjuku Gibson

  • 6 cl Siglo Cero Pox
  • 2 cl Junmai Sake
  • 3 Silberzwiebeln

Alle Zutaten zusammen auf Eis rühren und in ein gefrostetes Martiniglas abseihen. Trinken.

Siglo Cero Pox via tequila-mezcal.shop online bestellen!

Direkt zum deutschen Importeur Dr. Sours

Fazit:  Mexiko zeigt sich von einer ungewohnt sanften Seite, indem es drei althergebrachte Spirituosen-Rohstoffe – Weizen, Zuckerrohr, Mais – zu etwas vollkommen Neuem, Filigranem vereint, das in Drinks sensibel begleitet werden will und sich dafür bedankt, indem es trotzdem Kante zeigt. Probierbefehl!

Daten: Mexiko, um 40 Euro, 0,7 Liter, 42,2 Prozent

Dr. Sours hat uns eine Flasche des Siglo Cero für redaktionelle Zwecke zur Verfügung gestellt, danach aber weder auf Art noch Umfang eventueller Artikel, noch das Tasting Einfluss zu nehmen versucht. Wir sagen Danke für die tolle und unkomplizierte Zusammenarbeit.

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Johann

Cocktailbarts Archmage of Content bei Nacht, stolzer Familienvater / Texter / Konzepter / Kreativarbeiter bei Tag.

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