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Homebar-Einkaufsführer Gin

Gin braucht man nicht nur für Gin Tonics - trotzdem macht auch hier Bandbreite Spaß.
Gin braucht man nicht nur für Gin Tonics - trotzdem macht auch hier Bandbreite Spaß.

Eigentlich wollten wir uns diesen Einkaufsführer nach einem kurzen Reality-Check sparen. Denn die Spirituosen-Kategorie Gin ist ein absonderliches Paradoxon: Keine andere Kategorie, wirklich keine hat eine dermaßene geschmackliche Bandbreite; solange ein aus irgendwas gebrannter Alkohol mit Wacholder in Berührung kommt, wird irgendjemand Gin draufschreiben. Auf der anderen Seite „braucht“ ihr in einer durchschnittlichen Homebar, in der ihr von Martini über Gin & Tonic bis hin zum Singapore Sling wirklich jeden einzelnen existierenden Gin-Drink mixen könnt, genau: Eine. Einzige. Verdammte. Flasche. Gin.

Jetzt wissen wir natürlich, dass sehr viele Menschen in den letzten Jahren über den Gin-Boom in das Hobby Homebar gefunden haben und an der Kategorie ganz explizit diese irre Bandbreite zwischen „Kräuter mit Auf’s Maul“ und „Süß & fruchtig“ zu schätzen wissen. Deswegen geben wir uns größte Mühe, mit unseren Empfehlungen jeden abzuholen, der sich eine vielseitige Hausbar aufbauen möchte, in der Gin nicht nur ein Nebendarsteller ist. Andererseits richtet sich dieser Einkaufsführer eben auch ganz explizit an Homebar-Enthusiasten, nicht an reine Gin-Fans. Wer sich nur und speziell für G&Ts interessiert und in die Gin-Welt einsteigen will, ist zum Beispiel bei den Kollegen von liquidstories.de besser aufgehoben.

Auch werden wir hier nicht jede einzelne moderne Gin-Kategorie ansprechen – ihr braucht nämlich für eine gute Auswahl möglicher Cocktails schlicht nicht explizit einen Reserve Gin, einen New Western Dry Gin, einen London Dry Gin, einen Bathtub Gin oder, oder, oder. Wer diese Bandbreite möchte, surft nach den Kollegen von Liquid Stories direkt den guten, alten Philipp an. Jetzt wo das geklärt ist, kaufen wir uns den richtigen Gin für einen einen Martini.

Disclaimer: Mit einem * markierte Links sind Affiliate-Links aus dem Amazon-Partnerprogramm. Benutzt ihr diese für euren Einkauf, erhalten wir dafür eine kleine Provision, am Preis selbst ändert sich für euch nichts.

Klassischer Gin mit viel Wacholder

Laut der EU-Verordnung zur Kategorie muss jeder Gin „vordergründig“ nach Wacholder schmecken. Wweil das aber schwierig objektiv zu überprüfen ist, wird diese Richtlinie praktisch nicht umgesetzt. Aber eigentlich geht’s genau darum: Gin ist Wacholdergeist, der dadurch entsteht, dass ein Alkohol aus Agrarproduktion (Getreide, Kartoffel, Traube, Hauptsache es wächst irgendwo) mit Wacholderbeeren mazeriert wird. Da kann man dann noch anderes Zeugs dazuschmeißen und ihn nochmal brennen oder mit anderen Geisten vermixen, alles egal. Hauptsache Agraralkohol und Wacholder. In der Praxis entsprechen aber vor allem Dry Gins und London Dry Gins dem klassisch-wacholdrigen Aromenprofil. Genau die eignen sich dann auch bevorzugt für Klassiker wie einen trockenen Martini, einen Martinez oder eine White Lady. Unsere Favoriten hier sind …

  • Hepple Gin* (Mit gleich mehrfach Wacholder, nach einem komplexen System gebrannt – sehr gut, Wahnsinns-Martinis, aber halt auch nicht gerade günstig)
  • Hayman’s London Dry Gin* (Der Klassiker, Wacholder-lastig, viel Zitrus dazu; sehr britisch – perfekter Everyday-Gin (bitte trotzdem nicht jeden Tag trinken))  <- Preis-Leistungs-Sieger
  • Botanist Islay Dry Gin* (Mild, weich, mit vordergründigem Wacholder und Zitrus, aber aromatisch sehr zurückhaltend – sieht gut aus und ist perfekt für Flaschen-Anfasser)
Ein Dirty Martini mit Gin, Wermut und Olivenlake.
Ohne guten, Wacholder-lastigen Gin kein Dry Martini.

Old Tom Gins

Der Old Tom Gin ist eine der wenigen „echten“ Gin-Kategorien, die es schon vor Hundert Jahren gab – der Unterschied zu anderen Gins ist die Süßung, Old Tom kommt mit einem Schuss Zucker. Das heißt nicht, dass die Nummer pappig wäre, von Likören oder der Zuckrigkeit mancher Rum-Sorten sind wir hier weit weg. Eingesetzt wird Old Tom Gin vor allem im Tom Collins, den man aber auch zugegeben mit einem Extraschuss Zuckersirup und einem Dry Gin machen könnte. Es gibt aber auch diverse, nicht ganz so bekannte Old Tom-Klassiker wie den Casino Cocktail.

  • Citadelle No Mistake Old Tom Gin* (Wird mit fassgereiftem Zucker gesüßt, ist gut ausbalanciert und bleibt geschmacklich nah an Wacholder und Zitrus)
  • Ableforth’s Old Tom Bathtub Gin* (Ein Teil des Gins wird nach der Mazeration nicht nochmal destilliert, das macht ihn zum leicht gelblichen Bathtub Gin; darüber hinaus klassisches Geschmacksprofil und nur eine leichte Süße)
  • Haymans Old Tom Gin* (Viel Wacholder, Zitrus und ein bisschen Lakritze – wieder sehr klassisch, genau die richtige Süße und wie schon der London Dry preislich der Hammer) <- Preis-Leistungs-Sieger

Sloe Gins

Der Sloe Gin gehört ebenfalls zu den klassischen Gin-Kategorien ist aber wenig mehr als einfach ein Schlehenlikör auf Gin-Basis. Rot, süß und genau wie der Schlehenlikör von Oma eine tolle Basis, um einfach mal Sekt draufzukippen und den Frühling zu feiern. Daneben gibt’s aber auch einige wenig bekannte, aber trotzdem großartige Klassiker wie den Millionaire Cocktail oder den Ruby Fizz mit Sloe Gin.

  • Rutte Sloe Gin* (Knallrot, angenehm süß und mit immer noch gut erkennbarer Wacholderbasis – gute Wahl, wenn ihr einen tatsächlichen Sloe GIN sucht)
  • Ableforths Sloe Gin* (Ebenfalls tolle Farbe, fein ausbalancierte Süße und eine wahnsinnig tolle Säure, die ihn sehr komplex macht – um den Gin rauszuschmecken, muss man sich aber Mühe geben.)

New Western Dry Gins & Flavoured Gins

Die modernste aller Gin-Kategorien wird von keiner offiziellen Institution tatsächlich anerkannt – so nannten sich einfach irgendwann die Gins, die eben nicht mehr den auf Wacholder als Haupt-Botanical setzen. Der ist zwar mit drin – sonst darf sich davon nichts Gin nennen – aber im besten Fall eher als Nebendarsteller, zuweilen schmeckt man ihn kaum noch. Das gilt umso mehr für Flavoured Gins, die nach der finalen Destillation noch mit Aromen, Pflanzen-Auszügen oder Farbe verändert wurde. Das Feld dieser beiden Gin-Sorten ist irre weit und ihre Liebhaber machen damit meist wenig mehr damit, als Gin & Tonics zu mixen, die perfekt auf ihren Geschmack abgestimmt sind. Das ist eine richtig tolle Sache, wenn man eben Gin-Sammler ist. Für diesen Homebar-Einkaufsführer setzen wir allerdings auf einige wenige ausgewählte, mit denen wir auch tatsächlich spannende Cocktails mixen können und würden.

  • Brockmans Gin* (Extrem Beeren-lastig, milde Süße, angenehm weich, Wacholder muss man mit der Lupe suchen – aber er mixt hammermäßige Singapore Slings und kommt auch bei Leuten an, die eigentlich keinen Gin mögen)
  • Whitley Neill Flavoured Gins* (Hier einen auszuwählen, fällt schwer – aber falls ihr Gin-Geschmacksrichtungen in einer Bandbreite sucht wie bei der nächsten Hipster-Bio-Brause, seid ihr hier richtig)
  • Malfy Gin con Limone* (Schmeckt wie klassischer, guter Gin in den jemand richtig guten, handgemachten Limoncello gekippt hat – einer unserer absoluten Lieblings-Gins unter den Nicht-Wacholdrigen und preislich ziemlich stark)

Zuletzt überarbeitet am

Johann

Cocktailbarts Archmage of Content bei Nacht, Familienvater & Texter bei Tag. Lieblings-Drink Martini, Lieblings-Spirituose trotzdem Rum. Wohnt in Franken, kommt aus der Oberpfalz (ist beides in Bayern, tschuldigung). Typischer Satz: "Meinste das wär geiler, wenn man Olivenlake reintut?"

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