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Der Negroni ist einer der bekanntesten Cocktails überhaupt und besteht aus Campari, rotem Wermut und Gin.
Der Negroni ist einer der bekanntesten Cocktails überhaupt und besteht aus Campari, rotem Wermut und Gin.

Negroni: Rezept und Cocktail-Historie des Campari-Klassikers

Rezepte für den Negroni

Das Rezept für den klassischen Negroni

  • 3 cl Campari
  • 3 cl Gin
  • 3 cl Roter Wermut

Alle Zutaten zusammen auf Eis rühren und anschließend in einen Tumbler mit frischem Eis abgießen. Mit einer Orangenzeste garnieren. Trinken.

Das Rezept für den einsteigertauglichen Negroni

  • 5 cl Gin
  • 3 cl Roter Wermut
  • 2 cl Campari

Alle Zutaten zusammen auf Eis rühren und anschließend in einen Tumbler mit frischem Eis abgießen. Mit einer Orangenzeste garnieren. Trinken.

Die Einkaufsliste

Die Einkaufsliste für den Negroni

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„Ich hasse Negronis. Ein Tropfen Campari verseucht 10.000 Liter Grundwasser.“ – Ich, Mitte 2017.

Der Negroni ist einer der ganz großen klassischen Cocktails, er steht in einer Reihe mit Martini, Manhattan, Whiskey Sour oder Old Fashioned. Er hat seine eigene Charity-Woche, die Negroni Week, in der Bars auf der ganzen Welt abgefahrene Twists mixen und einen Teil der damit verdienten Einnahmen spenden. Er sieht hammermäßig aus, dieses satte rot und die legere Orangenzeste da drin. Das Problem ist nur: Er besteht zu einem Drittel aus Campari, dieser bitteren roten Soße, von der sich junge Damen 2 cl in den vollen Tetrapack O-Saft schütten, um eine Stunde später so zu tun, als wären sie betrunken.

„Ich hasse Negronis – was ist falsch mit mir?“ Je länger wir uns ausgiebig mit guten Spirituosen und hervorragenden Drinks beschäftigten, desto mehr wuchs in mir die Frage, warum ich mit dem Zeug nichts anfangen kann. Die Antwort ist vergleichsweise einfach: „Bitter“ ist eine Geschmacksrichtung, die erstmal keinen Spaß macht – deswegen sind giftige Pflanzen oft bitter. Aber man gewöhnt sich an bitter, man lernt, das zu lieben. Das ist wie mit Zigarren oder rauchigem Whisky – nur die Allerhärtesten von uns (oder die dreistesten Lügner) sagen nach dem allerersten Zug oder Schluck „Oh, lecker.“ Soll man sich also jetzt unter Tränen durch Hunderte unerträgliche Drinks saufen, nur um zu einem elitären Club von Negroni-Freunden zu gehören? Nope. Es gibt einen einfacheren (und leckereren) Weg.

1:1:1 ist ein Rezept – kein Gesetz

Etwa zwei Jahre aufmerksames Bildungstrinken hatte ich hinter mir, geprägt von Selbstzweifeln ob meiner Negroni-Aversion, bis ein schlauer und genusserfahrener Mensch mir erklärte: „Ich mag den auch nicht 1:1:1. Aber so 6:3:1, da macht der Spaß.“ Das Rezept ändern. Etwas, das wir bei praktisch allen anderen Drinks praktisch aus Prinzip machen, das fiel uns hier ums Verrecken nicht ein. Siehe da: Hat funktioniert. Immer noch nicht so, dass wir uns jetzt eimerweise Negronis in den Hals geschüttet hätten – aber durchaus so, dass wir uns gelegentlich mal einen gönnten.

Dass wir uns wirklich intensiv mit dem Drink auseinandergesetzt haben, das passierte aber zugegeben erst vor wenigen Wochen. Zuletzt widmen wir uns verstärkt den Themen Wermut, gerührte Drinks und alte Cocktail-Klassiker (Instagram-Follower haben’s schon bemerkt) und rutschen dabei fast zwangsweise auch in die Nähe von bitteren Spirituosen und Likören. Und ich muss zugeben: Langsam, ganz langsam bin ich auch mit Campari selber warm geworden. Trotzdem ist mir die Einsteiger-Variante immer noch lieber als der Klassiker. Wir zeigen euch hier und heute beides. Die Starter-Variante, die wir euch hier vorschlagen hat natürlich immer noch einen bitteren Charakter, ist aber insgesamt deutlich weniger heftig als das Original.

Das Rezept für den klassischen Negroni

  • 3 cl Campari
  • 3 cl Gin
  • 3 cl Roter Wermut

Alle Zutaten zusammen auf Eis rühren und anschließend in einen Tumbler mit frischem Eis abgießen. Mit einer Orangenzeste garnieren. Trinken.

Das Rezept für den einsteigertauglichen Negroni

  • 5 cl Gin
  • 3 cl Roter Wermut
  • 2 cl Campari

Alle Zutaten zusammen auf Eis rühren und anschließend in einen Tumbler mit frischem Eis abgießen. Mit einer Orangenzeste garnieren. Trinken.

Woher stammt der Negroni?

Bevor wir uns jetzt über die einzelnen Zutaten unterhalten, sollten wir kurz darüber reden, woher der Negroni eigentlich stammt. Anders als bei vielen klassischen Drinks ist die Herkunft nämlich sogar erstaunlich gesichert: Der Negroni entwickelte sich aus dem älteren Americano – einem Drink aus Campari, rotem Wermut und Soda, der seinen Ursprung im Caffè Campari hat, der Bar des Firmengründers Gaspare Campari. Wenn man vom Negroni als „einem der ältesten Signature Drinks der Geschichte spricht“,  so sollte man diese Ehre also eigentlich seinem Vorfahren zuschreiben. So oder so sind beide Drinks sehr eng mit dem knallroten Likör verbunden.

Eine bayerische Negroni-Variante mit Blutwurz statt Campari.
Eine bayerische Negroni-Variante mit Blutwurz statt Campari.

Im Jahr 1919 also, da wurde zum ersten Mal statt eines Americanos ein Negroni gemixt: Im Caffè Casoni bestellte ein junger Graf namens Camillo Negroni einen Americano mit Gin statt Sodawasser, einfach weil er etwas stärkeres brauchte. Bartender Fosco Scarselli erfüllte ihm den Wunsch und der Negroni war geboren. Auch 99 Jahre später wird er genauso gemixt wie damals, höchstens die Zutaten selbst haben sich verändert (so sagt man dem Campari vor 1970 ein anderes Aroma nach als dem modernen). Aber wer eine gesunde Portion Respektlosigkeit auf Lager hat, kann natürlich trotzdem an den Stellschrauben drehen.

Das perfekte Mischverhältnis

Ihr müsst euren Drink nicht nach dem klassischen Rezept mixen und auch eine einsteigerfreundliche Variante muss nicht genau so aussehen wie bei uns. Zudem hängt es ein wenig von den verwendeten Zutaten ab, von welcher Spirituose ihr wie viel nehmen wollt oder sollt. Habt ihr einen eher kräutrig-intensiven oder einen milden, fruchtigen Gin? Ist euer Wermut eher süß oder bringt er auch viele eigene Bitternoten mit? Und natürlich könnt ihr auch einen anderen Bitterlikör verwenden als Campari. Damit ist es de facto zwar kein Negroni mehr, aber wenn ihr das nicht der Cocktail-Polizei verratet, halten wir auch die Füße still.

Es muss nicht immer Campari sein

Auch, wenn der Drink so untrennbar mit Campari verbunden ist, wird vielerorts genau mit dieser wichtigsten Zutat gespielt. In der Victoria Bar Berlin serviert Ginçalo de Sousa einen Berlioni, in den er einen anderen italienischen Aperitif-Likör einrührt, den Cynar – einen bitteren Artischocken-Amaro. In der Journey Bar in Passau mixen sie einen Negroni Bavarese mit Granit Gin, Blutwurz Red und Martini Riserva, dem roten Wermut aus der Klassik-Serie von Martini. Und bei Cocktailbart mixen wir uns einen Pear Negroni aus Birnenbrand, Wermut und dem Amaro vom Freimeisterkollektiv.

Dass Campari in einer der grauzonigsten Spirituosen-Kategorien überhaupt zu Hause ist, macht es besonders leicht, ihn durch irgendetwas anderes, bitteres zu ersetzen. So kann praktisch jeder andere Aperitif-Likör, Amaro oder Bitter auch Basis für einen Cocktail nach Negroni-Art sein. Freilich: Wenn ihr mehr als eine Zutat ändert, hat das ganze irgendwann gar nicht mehr so viel mit dem Ursprungs-Cocktail zu tun. Zuweilen reicht Bartendern sogar schon das Mischverhältnis von 1:1:1, um von einem Negroni zu sprechen.

Der richtige Gin für den Negroni

An dieser Stelle reden wir ausschließlich über den klassischen Negroni – eine Auswahl an Gins für jeden denkbaren Twist mit anderen Bitter-Schnäpsen bereitzustellen, würde an dieser Stelle massiv den Rahmen sprengen. Allerdings ist der Drink auch schon in der Ur-Fassung ein in seiner Einfachheit durchaus komplexes kleines Wunderwerk, das man mit dem passenden Gin extrem beeinflussen kann. Für die Einsteiger-Variante empfehlen wir einen nicht allzu stark Wacholder-lastigen, aber klassischen Gin. Martin Miller’s Westbourne, Hoos London Gin oder Mundus 45 tun hier viel Gutes, den Tanqueray No. 10 finden wir besonders angenehm.

Ein Pear Negroni mit Birnenbrand statt Gin und dem Freimeisterkollektiv-Amaro statt Campari.
Ein Pear Negroni mit Birnenbrand statt Gin und dem Freimeisterkollektiv-Amaro statt Campari.

Wer sich die 1:1:1-Variante des Negronis mixt, sollte dagegen einen eher kräftigen Gin nehmen, sonst riskiert man, dass er schlicht und ergreifend untergeht. Juniper Jack, Tanqueray London Dry oder ein Cotswolds sind eine gute Wahl, vorausgesetzt ihr mögt Wacholder. Frischer wird es mit Malfy Gin oder ähnlichen Zitrus-lastigen-Destillaten. Es spricht natürlich nichts dagegen, einen milden Gin zu nehmen – geschmacklich seid ihr dann aber beim Americano besser aufgehoben.

Der passende Wermut

Der richtige, rote Wermut ist die Zutat, über die sich am schwierigsten philosophieren lässt. Jeder halbwegs brauchbare hat sehr viele eigene Noten, die je nach Gin anders betont werden – aber anders als den flüssigen Wacholder hat praktisch niemand mehr als einen süßen Wermut zu Hause, wenn überhaupt. Wer gerade erst einsteigt in die Welt der Fortified Wines (so der englische Name aufgespriteter Weine wie eben Wermut), der kauft sich am besten einen Carpano Antica Formula. Nicht, weil er wirklich „der Beste“ wäre (er ist wohlgemerkt der Hammer), wohl aber, weil er der erste Wermut dieser Art war und gern als Benchmark für jeden anderen herangezogen wird.

Spannend darüberhinaus sind aber die Marken Mancino (fruchtig/kräftig), Hoos (bitter/intensiv), Martini Riserva (mild/süß) und Belsazar (würzig-schokoladig), falls ihr euch eine Wermut-Bibliothek anlegen wollt. Für die Hausbar wohlgemerkt keine gute Idee, denn das Zeug wird deutlich schneller schal als „richtige“ Spirituosen. Für den Einsteiger, der einen ziemlich guten, aber eher gemütlichen süßen Wermut sucht, eignet sich der Martini Riserva besonders. Das gilt für Negronis wie für alle anderen Drinks. Achtet aber auf das „Riserva“, die normalen Martini-Qualitäten sind für unseren Geschmack eher schwierig.

Die Einkaufsliste für den Negroni

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JohannTrasch

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