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Singapore Sling – das Rezept für den Gin-Cocktail und seinen Vorfahren Straits Sling

Der Singapore Sling im Fancy Glas - kaum ein Cocktail steht so stellvertretend für dieses Glas wie der Klassiker aus dem Raffles Hotel.
Der Singapore Sling im Fancy Glas - kaum ein Cocktail steht so stellvertretend für dieses Glas wie der Klassiker aus dem Razz
Rezepte für Singapore Sling & Straits Sling

Unser Lieblings-Rezept für den Singapore Sling (nach Dale DeGroff)

  • 9 cl Ananassaft
  • 4,5 cl Gin
  • 1,5 cl Kirschlikör
  • 1,5 cl Bénédictine D.O.M.
  • 1,5 cl Triple Sec
  • 1,5 cl Limettensaft
  • 1 Spritzer Angostura Bitters

Alle Zutaten zusammen auf Eis shaken und in ein Fancy Glas mit frischem Eis abseihen. Mit einem Stück Ananas und einer Maraschino-Kirsche garnieren. Nach Bedarf mit Soda auffüllen. Trinken.

Unser Lieblings-Rezept für den Straits Sling

  • 6 cl Gin
  • 1,5 cl Bénédictine D.O.M.
  • 1,5 cl Kirschwasser
  • 1,5 cl Zitronensaft
  • 2 Spritzer Angostura Bitters
  • 2 Spritzer Orange Bitters

Alle Zutaten zusammen auf Eis shaken und in ein Longdrinkglas mit frischem Eis abseihen. Mit Soda aufgießen. Mit einer Scheibe Zitrone oder der Zeste garnieren. Trinken.

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Die Zutaten für Singapore Sling und Straits Sling kaufen

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Ein Klebriger Disco-Tresen, die Luft steht vor Rauch und Schweiß. Du stehst irgendwo in einer Disco, irgendwann Ende der 90er. Gerade eben hast du dir einen Singapore Sling bestellt. Hat man schon mal gehört, hat das betrunkene Mädel neben dir gerade lautstark empfohlen. Du bekommst eines dieser hohen Gläser, mit ganz viel Crushed Ice drin und zwei Strohhalmen. Einer grün, einer gelb, fancy. Du hast nicht genau gelesen was drin ist, Gin und irgendwelche Säfte und Sirups hat die hektische Frau hinter der Bar da fluchend reingeschüttet. Singapore Sling. Klingt nach Exotik, schmeckt nach Ananassaft. Wird schon passen, Hauptsache es ins Hirn geht das Ding.

Was du damals nicht wusstest: Vor dir standen etwa 100 Jahre Cocktail-Geschichte. Ja, gut – außer dem Namen und mit sehr, sehr viel Glück wirklich Gin als Hauptzutat hatte die Disco-Brühe mit dem originalen Singapore Sling wahrscheinlich nicht das Geringste miteinander zu tun. Das ist an dieser Stelle nicht einmal der Fehler der gestressten Barlady aus deiner ekligen Vergangenheits-Disse; der Singapore Sling ist schlicht ein armes Schwein: die Original-Rezeptur des Drinks ging schon sehr früh verloren und seit den 1920ern mixt ihn im Prinzip jeder nach Lust und Laune. In seiner Heimat-Bar wurde er sogar lange Zeit nur als Premix angeboten. Und ein Sling ist er auch nicht. Genauso wenig wie sein Vorgänger Straits Sling übrigens. Aber fangen wir von vorne an.

Die Geschichte des Singapore Sling und des Straits Sling

Rezepte für den Singapore Sling lesen sich meist so, als hätte jemand sich an Omas Hausbar bedient, weil auf der 80er-Jahre-Party der Schnaps ausgegangen ist. Tatsächlich muss man für seine Story aber viel weiter zurückgehen in der Cocktail-Geschichte: Noch bevor das Wort „Cocktail“ überhaupt so richtig bekannt war, noch vor die Zeit des ehrwürdigen Old Fashioned. Damals, Anfang des 18. Jahrhunderts war ein Sling ein Drink aus Spirituose, Wasser, Zucker und Muskatnuss – fügte man Bitters hinzu, war’s ein Bittered Sling. Und ließ man im Bittered Sling die Muskatnuss weg, war’s ein Cocktail.

Ein Straits Sling, der Vorgänger des Singapore Sling.
Ein Straits Sling, der Vorgänger des Singapore Sling.

Springen wir 100 Jahre nach vorn und tatsächlich nach Singapur: Irgendwann zwischen 1899 und 1915 erfindet der chinesische Bartender Ngiam Tong Boon einen Drink namens Straits Sling in der Bar des Raffles Hotel. Schon der hat nicht das geringste mit den klassischen Slings zu tun, im Nachhinein ist das aber das geringste Problem. Die Kontroverse darum, ob der Straits Sling wirklich der Urvater des Singapore Sling ist und ob beide wirklich auf Boon zurückzuführen sind, ist enorm. Cocktail-Historiker schätzen die Wahrscheinlichkeit aufgrund von Zeitungsberichten aus dieser Zeit als hoch ein, Zweifel bleiben. Das Raffles schreibt sich den Drink bis heute auf die Fahne und wirbt damit, hat als Bar aber einen zweifelhaften Ruf – genauso wie das dort propagierte Original-Rezept übrigens.

Cocktail-Historie ist ein spannendes Gebiet, aber eines, in dem etwa die Herren von bar-vademecum.de deutlich bewanderter sind als wir. Gute Ansatzpunkte zur Geschichte findet ihr aber bei eyeforspirits.com und Liquor.com. Wir haben uns in der Recherche lieber der Vielzahl an Rezepten gewidmet, die diese beiden Drinks bieten. Hier ist eine Unterscheidung zwischen Straits Sling und Singapore Sling sehr deutlich. Der Singapore ist ein süßlich-saftiger Fancy Drink, irgendwo zwischen Punsch und überdrehtem Fizz, der Straits Sling ein eher straighter Collins-Drink, mehr frisch als süß. Entsprechend wählen wir unsere Rezepte und auch unsere Spirituosen-Auswahl.

Unser Lieblings-Rezept für den Singapore Sling (nach Dale DeGroff)

  • 9 cl Ananassaft
  • 4,5 cl Gin
  • 1,5 cl Kirschlikör
  • 1,5 cl Bénédictine D.O.M.
  • 1,5 cl Triple Sec
  • 1,5 cl Limettensaft
  • 1 Spritzer Angostura Bitters

Alle Zutaten zusammen auf Eis shaken und in ein Fancy Glas mit frischem Eis abseihen. Mit einem Stück Ananas und einer Maraschino-Kirsche garnieren. Nach Bedarf mit Soda auffüllen. Trinken.

Unser Lieblings-Rezept für den Straits Sling

  • 6 cl Gin
  • 1,5 cl Bénédictine D.O.M.
  • 1,5 cl Kirschwasser
  • 1,5 cl Zitronensaft
  • 2 Spritzer Angostura Bitters
  • 2 Spritzer Orange Bitters

Alle Zutaten zusammen auf Eis shaken und in ein Longdrinkglas mit frischem Eis abseihen. Mit Soda aufgießen. Mit einer Scheibe Zitrone oder der Zeste garnieren. Trinken.

Warum genau diese beiden Rezepte?

Für beide Drinks gibt es komplett unterschiedliche Varianten – Singapore Slings mit nur 3 cl Ananassaft und nur einem Teelöffel Kirschlikör im Tumbler, die deutlich ernster geraten. Straits Slings mit Kirschlikör statt -Brand mit einem 1:1:1-Verhältnis aus Kirsch, Gin und Bénédictine. Ersteres ist (für uns) ein langweiliges Mittelding aus süß und klassisch und Letzteres ist im Prinzip eine Art abstrakter Negroni. Vor allem aber ist es ein kleines bisschen widerwärtig. Wir haben unsere Rezepte wie oben gewählt, weil wir sie schön unterschiedlich fanden und sie den Charakter des jeweiligen Drinks sehr ausdrucksstark betonen, ohne in den Irrsinn abzudriften.

Im Klartext: Der Singapore Sling in dieser Variante ist süß und fruchtig, aber keine Diabetes-Granate. Der Straits Sling ist knackig-trocken-breit – aber keine brachiale Grenzerfahrung wie andere Varianten. Wie immer gilt aber: das ist unsere Ansicht, das kann bei euch ganz anders sein. Und beim Singapore Sling mit seinen Dutzenden, vielleicht sogar Hunderten Rezept-Varianten ist das vielleicht sogar noch mehr so als bei den meisten Tiki-Drinks.

Die Zutaten für den Singapore Sling

Im Prinzip gibt es beim Singapore Sling nur eine wirklich große Baustelle, den Gin. Der Rest ist relativ klar: den Bénédictine D.O.M. kann man mit seinem sehr spezifischen Aromenprofil nur schlecht ersetzen, höchstens durch den Chartreuse Jaune. Beim Kirschlikör ist Cherry Heering erste Wahl. Bevor ihr euch die 4-Euro-Siffe vom Discounter in den Drink schüttet, nehmt lieber einen großen Kirschmarmelade. Was nicht bedeuten soll, dass nicht viele gute Brennereien in Deutschland guten Kirschlikör machen würden – die sind nur meist eher lokal verfügbar. Im Original verwendet man als Triple Sec für diesen Cocktail Cointreau und der ist auch eine gute Wahl. Tatsächlich spielt diese Zutat aber hier eine untergeordnete Rolle, deswegen tun es auch einfachere Varianten.

Brockmans Gin funktioniert im Singapore Sling unglaublich gut. Die Schaumhaube kommt aus der Kombi von etwas viel Füllsoda und frischem Ananassaft.
Brockmans Gin funktioniert im Singapore Sling unglaublich gut. Die Schaumhaube kommt aus der Kombi von etwas viel Füllsoda und frischem Ananassaft.

Anders sieht es wie gesagt beim Gin aus. Der darf nicht zu trocken, zu ernst sein. Ein klassischer London Dry Gin bringt mit starken Wacholdernoten fast schon einen Fehlton in diesen ansonsten sehr fruchtigen Drink. Wir setzten stattdessen entweder auf fruchtige Obstbrenner-Gins wie den Lucky Hans oder den B my Gin. Als perfekte Wahl stellte sich im Test aber der Brockmans Gin heraus. Mit Blaubeeren und Brombeeren als Botanicals ist der urgewaltig-fruchtig, bis an den Punkt, an dem sich viele fragen: Ist das noch Gin? Für diesen Drink aber ist er perfekt. Ach ja, Ananassaft: Nehmt, wenn irgendwie möglich, frischen aus der eigenen Saftpresse. Alles andere macht keinen Spaß.

Die Zutaten für den Straits Sling

Auch bei der Straits-Variante lässt sich der Bénédictine D.O.M. kaum ersetzen, also versuchen wir’s auch gar nicht. Bei den Bitters setzen wir auch für die Orange-Variante auf Angostura. Bleiben zwei Baustellen: Gin und Kirschwasser. Beim Kirschbrand solltet ihr etwas hochwertiges nehmen, das ihr auch pur trinken würdet – Reisetbauer, Scheibel, Faude, das sind Marken, die ihr bedenkenlos kaufen könnt. Der Kirsch ist aber auch eure Option, um den Drink etwas gefälliger zu machen, falls euch das Rezept oben zu heftig ist. Dann setzt ihr hier auch Cherry Heering Likör statt Kirschwasser und gebt dem Ganzen etwas mehr Süße.

Im Straits Sling setzen wir auf die Wacholderbombe Juniper Jack.
Im Straits Sling setzen wir auf die Wacholderbombe Juniper Jack.

Beim Gin wollten wir hier etwas haben, dass das genaue Gegenteil zu den fruchtigen Produkten darstellt, die wir beim Singapore Sling verwendet haben. Etwas wuchtiges, urgewaltig-kräutriges, das so laut Gin schreit, dass dir die Popel aus der Nase fliegen. Weil uns der Juniper Jack Navy Strength aber etwas zu heftig gerät, greifen wir zum Juniper Jack in Trinkstärke und fahren mit den intensiven Wacholder-Aromen hervorragend.

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JohannTrasch

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