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Rutte Sloe Gin und die Dutch Mary

Rutte Sloe Gin im Blackthorne mit süßem Vermouth und Orange Bitters.
Rutte Sloe Gin im Blackthorne mit süßem Vermouth und Orange Bitters.

Mit dem Sloe Gin kommt das mittlerweile vierte Produkt der Rutte Distillery auf den deutschen Markt und bereichert damit diese hierzulande noch etwas unterrepräsentierte, sehr spezielle, aber keinesfalls neue Gin-Kategorie. Worum geht’s bei Sloe Gin? Nun, im Prinzip ist das einfach nur guter, alter Schlehenlikör – den gibt’s auch bei uns auf jedem besseren Bauernmarkt. Der Unterschied ist die Basis: statt Neutralalkohol nimmt man eben Gin und setzt seinen Likör damit an. Daher der Name: Sloe (vom englischen Wort für Schlehe) Gin.

Die Flasche für dieses Tasting wurde uns von Borco Marken Import, dem deutschen Vertrieb von Rutte zur Verfügung gestellt, Bedingungen gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels.  

Das Produkt das wir hier und heute vorstellen, ist aber nicht irgendein Sloe Gin, sondern die Rutte-Variante. Und wer unsere Artikel zu Celery Gin, Rutte Dry Gin und dem Old Simon Genever gelesen hat, weiß: Wenn Myriam Hendrickx und ihr Team an einem Produkt arbeiten, kommt die Extraportion Liebe in jedes Destillat – und eine große Schippe Erfahrung. Denn zu dieser holländische Mannschaft gehören sieben Generationen Rutte Master Distillers, die Myriam mit Aufzeichnungen und bewährten Rezepten zur Seite stehen.

Wie wird Rutte Sloe Gin hergestellt?

Für den Sloe Gin nahm Hendrickx ein Rezept von John Rutte zur Hand. Ihr direkter Master Distiller-Vorgänger, der leider nur kurz nach ihrer Einstellung verstarb, entwickelte es in den 70ern – seit damals wurde es durchgängig im Rutte Shop vor Ort in Dordrecht verkauft. Allerdings nicht als als Sloe Gin, sondern in eher unauffälligen Flaschen als „Sleedoorn Likeur“ – zu Deutsch: Schlehenlikör. Myriam entschied, dass man das auch mal in einer ordentlichen Flasche mit geilem Etikett machen sollte. Und mit etwas, dass sie selbst den „Dutch Touch“ nennt.

Der besteht aus einer kleinen Portion Malt Wine – jener Malz-Spirituose (im Prinzip ungereifter Whisky), der auch einen Genever von einem Gin unterscheidet. Die wird dem Sloe Gin hinzugegeben, zusammen mit den Botanicals Wacholder, Johannisbeere, Kirsche, Koriander, Iris, Thai-Ingwer, Orangenblüten und Vanille. Obendrein wird ein Teil der Schlehen  mitdestilliert statt wie üblich „nur“ mazeriert. Das Ergebnis ist laut Myriam ein Mehr an Frucht- und Mandelnoten, die der Sloe Gin abbekommt. Als wäre das nicht eh schon ein spannender Mehraufwand, sind die Schlehen handgepflückt in den Niederlanden – von Myriam und ihrem Team in der „niederländischen Wildnis“ (zwinker, zwinker). Die spannende Frage ist jetzt aber – wie so oft – zahlt sich dieser ganze Mehraufwand denn auch im Geschmack aus?

Wie schmeckt Rutte Sloe Gin?

Holt man den Sloe Gin aus der Flasche ins Glas verwandelt sich seine tiefrote Farbe in ein hellrotes Fuchsbraun, im Glas liegt er geradezu ölig. Die Nase ist überbordend fruchtig. Prächtige Kirschnoten mit viel Marzipan tauchen da sofort auf, dazu etwas Orange und ein Anklang von Minze. Etwas buttrige Vanille kommt noch mit heraus und wenn man das Glas eine Weile stehen lässt, gesellt sich auch der Koriander dazu.

Nase: Kirsche, Marzipan, Orange, Minze, Butter, Vanille, Koriander

Zunge: Kirsche, Koriander, Zitrone, Orange, Marzipan, Getreide, Holz

Auf der Zunge hat er eine angenehme, nicht zu extreme Süße und wieder sind die Kirschnoten bestimmend. Hier werden sie aber deutlicher begleitet von frischem Koriander und etwas Zitrone, die sich auf dem Weg zum Gaumen aber zur Orange wandelt. Spätestens im Abgang sind es wieder die Marzipan-Noten und ein ganz leichter Anklang von Getreide und Holz, den wir uns zunächst auch einbilden könnten, der sich aber im Nachgeschmack manifestiert.

Rutte Sloe Gin im Sloe Gin & Tonic.
Rutte Sloe Gin im Sloe Gin & Tonic.

Cocktails mit Rutte Sloe Gin

Selbst, wenn man mit puren Likörchen sonst nicht viel anfangen kann: die Balance aus Süße, Würze, Frucht und einer feinen Säure ist hier so top getroffen, dass man sich da ruhig ein Gläschen vor oder nach dem Essen gönnen kann. Durch die intensiven Kirsch-Noten geht der Rutte Sloe Gin auch als – vielleicht etwas sehr erwachsene, auf jeden Fall aber leckere – Eis-Soße durch. Aber nach den ersten paar Tests sind wir uns schnell sicher: das Zeug muss in Cocktails – denn haut es richtig derbe auf die Pauke.

Den Anfang macht die simpelste Idee der Welt: Sloe Gin & Tonic. Wir arbeiten mit dem furztrockenen Schweppes Dry, das Aqua Monaco Extra Dry täte es aber auch – beides bringt kaum Zucker und eine schöne Bitternote mit, die dem Getränk die nötige Ernsthaftigkeit verleihen. Richtig schöner Easy-Sip, der in der Form auch keinerlei Zuckrigkeit aufweist. Der nächste Schritt für uns: Ein Blick ins Café Royal Cocktail Book (hier kostenlos zum Download), einem Cocktail-Buch aus den 30ern, das diverse sehr spannende und simple Rezepte bereithält, auch für Sloe Gin. Das simpelste davon: der Black Hawk. Hälfte Sloe Gin, Hälfte Rye Whiskey – richtig geile, würzig-fruchtige Nummer.

Ein Johnny Mack aus 2 Teilen Sloe Gin und einem Teil Triple Sec mit ein paar Tropfen Absinth ist … wir wissen nicht genau, wie wir den Geschmack beschreiben sollen. Aber wenn wir es wissen würden, käme das Wort Turbo darin vor. Ein sehr süßes und trotzdem extrem aromatisches Erlebnis. Bevor wir uns dann unseren eigenen Rezepten widmen, werfen wir noch einen Blick in Betacocktails, ein modern-experimentelles Cocktailbuch, das uns rät, den Sloe Gin mit Jamaica Rum, Angostura, Bourbon, Cynar und Creme de Cacao zu mixen. Irre gut, aber einfach nur durchgeknallt; nix zum runterstürzen und nicht denken. Na gut, so richtig aromatisch unkompliziert sind unsere Drinks jetzt auch nicht:

Rezept für den Sloe & Dry

  • 3,5 cl Rutte Sloe Gin
  • 2,5 cl Trockener Sherry
  • 2 cl Französischer Wermut
  • 1,5 cl frischer Limettensaft

Alle Zutaten auf Eis shaken, in eine vorgekühlte Coupette abseihen, mit einer Limettenzeste garnieren.

So mixt man eine Dutch Tonic Mary (Red Snapper-Twist)

  • 5 cl Rutte Sloe Gin
  • 5 cl Apfel-Tomaten-Sirup (wir haben unseren von Gut Rosengarten)
  • 3 Spritzer Dr. Sours #8 Bloody Maria
  • 3 Spritzer Dr. Sours #9 3 Chiles
  • 1 Prise Salz
  • 1 cl Limettensaft

Alle Zutaten auf Eis shaken und in ein Longdrink-Glas mit frischen Eiswürfeln abseihen. Mit einer Limettenzeste garnieren. Trinken.

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Fazit: In einer Blindverkostung hätten wir den Rutte Sloe Gin für den verflucht besten Kirschlikör gehalten, den wir je getrunken haben. So ist er „nur“ ein verflucht leckerer Sloe Gin mit fein austarierter Balance, der in keinem getesteten Cocktail versagt hat.

Daten: 30 Prozent, um 35 Euro für 0,7 Liter, Niederlande

Borco Marken Import, der deutsche Vertrieb von Rutte hat uns eine Flasche des Produkts zur Verfügung gestellt, aber weder auf eventuelle Artikel noch auf das Tasting Einfluss genommen. Wir danken für die ausnehmend freundliche und partnerschaftliche Zusammenarbeit. 

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JohannTrasch

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