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Mai Tai – wie mixt man den Tiki-Cocktail wirklich?

Der Mai Tai ist vielleicht der anspruchsvollste Cocktail, den wir uns jemals angetan haben.
Der Mai Tai ist vielleicht der anspruchsvollste Cocktail, den wir uns jemals angetan haben.

Herzlich Willkommen in diesem Artikel über den Mai Tai. Unserer Erfahrung nach gehört ihr sehr wahrscheinlich einer der folgenden drei Gruppen an:

  1. Ihr habt in eurem Leben schon Dutzende Mai Tais getrunken – und keiner hat geschmeckt wie der andere. Jetzt wollt ihr wissen, wie der wirklich geht.
  2. Ihr wisst, wie man einen Mai Tai mixt. Aber soweit ihr das einschätzen könnt, weiß das sonst keiner – also sucht ihr hier Streit. Oder wenigstens einen gepflegten Disput unter Genießern.
  3. „Für Ananassaft mit Bacardi braucht man ein Rezept?!“

Weil wir jetzt sehr lange und sehr ausführlich mit diesem Tiki-Cocktail herumexperimentiert haben, ist es unser Anspruch, alle drei Gruppen glücklich zu machen. Ob wir das schaffen, sei dahingestellt – aber zumindest hatten wir bei unseren Experimenten sehr viel Spaß. Am Ende blieben wir dann – abgesehen vom Rum – im Wesentlichen beim Original-Rezept:

Das Rezept für den Mai Tai

  • 6 cl dunkler Rum (mehr dazu im Abschnitt „Der richtige Rum“, das ist der schwierigste Part hier)
  • 3 cl Limettensaft
  • 1,5 cl Triple Sec
  • 1 cl Zuckersirup
  • 0,5 cl Mandelsirup

Alles auf Eis shaken, dass die Schwarte kracht. In einen Tumbler oder einen Tiki-Becher mit frischem Crushed Ice abseihen. Mit einem Minze-Zweig garnieren. Trinken.

Die Story hinter dem Mai Tai

Wer welche hat, serviert seine Mai Tais auch gerne mal im Tiki Mug.
Wer welche hat, serviert seine Mai Tais auch gerne mal im Tiki Mug.

Viele von uns kennen den Mai Tai von Disco-Bars und Beach-Partys, wo er meistens recht frei interpretiert wird. Womit wir sagen wollen: Was euch da verkauft wird, hat praktisch nix mit einem Mai Tai zu tun. Das Ur-Rezept sieht größtenteils so aus wie oben beschrieben und stammt von einem Mann namens Trader Vic, eigentlich Victor Bergeron. Er erfand den Drink laut eigener Aussage 1944. Neben dem Zombie ist der Mai der bekannteste Tiki-Drink – obwohl beide praktisch nie in einem sogenannten Tiki-Mug serviert werden. Was wir schade finden, schließlich sind die Becher zwar alles andere als traditionell hawaiianisch, aber schick.

Weil Trader Vic aber jahrzehntelang nicht mit dem genauen Rezept für den Mai Tai herausrücken wollte, wurde es erst 1972 bekannt und zwar durch sein eigenes Buch: Trader Vic’s Bartender’s Guide. Durchaus möglich, dass das Rezept-Chaos bei diesem Drink noch aus jener Zeit stammt: Jeder kannte den Namen, keiner wusste, was drin ist. Dazu kam ein Rechtsstreit um den Namen Mai Tai, weil ein Mann namens „Don the Beachcomber“ einen ganz ähnlichen Drink namens Mai Tai Swizzle erdacht hatte. Mit Falernum und Grapefruit, wohlgemerkt. Unglaublich anstrengendes Gezicke alles. Wichtig ist nur: Das Ergebnis aus unserem Rezept oben ist ein ziemlich starker aber trotzdem erfrischender Cocktail – und weit weg von der süßen Pampe von der letzten Beachparty. Aber wieso genau ist das jetzt unser Lieblingsrezept?

Die vielen Rezepte des Mai Tai

Auch unter Cocktail-Experten existieren Dutzende Rezepte für Mai Tais. Wir haben natürlich nicht alle durchprobiert, aber zumindest einige. Zum Beispiel die hier:

Hängengeblieben sind wir aber beim Original-Rezept, aus genau zwei Gründen: Das Ding schmeckt nach Cocktail, nach Strand und Party. Die obigen drei schmecken nach Kopfschmerzen und Saft. Und die Trader-Vic-Variante ist deutlich unkomplizierter als die oben genannten Rezepte. Obwohl auch der Ur-Mai Tai kein simpler Drink ist, im Gegenteil. Vor allem, wenn man dann auch noch genau die richtigen Zutaten benutzen möchte.

Der richtige Rum

Das Ur-Rezept verlangt nach einem 17 Jahre alten J. Wray Nephew Jamaican Rum. Der ging aber schon zu Lebzeiten von Trader Vic aus und ist heutzutage nicht mehr zu bekommen. Der gute Victor ging dann dazu über, zur Hälfte dunklen Jamaicanischen Rum und zur Hälfte Rum aus Martinique zu benutzen – in den meisten Fällen ist das dann ein Rhum Agricole aus Zuckerrohrsaft statt Melasse. Man müsste an der Stelle jetzt eigentlich eine Armada von Rum-Kombinationen durchprobieren und den originalen 17jährigen Wray Nephew kennen, um ordentlich experimentieren zu können.  Wir haben auch recht weitläufig getestet, sind aber am Ende bei unseren beiden Lieblings-Rumsorten rausgekommen – und damit machen wir uns jetzt bei Puristen wahrscheinlich unbeliebt:

Mit dem Ron Zacapa Sistema Solera 23 schütten wir uns 3 cl eines dunklen Guatemalteken in den Drink – wir mögen ihn einfach. Die nächstbessere und originalgetreuere Variante ist ein Appleton aus Jamaica, da tut’s schon der 12jährige hervorragend. Für den Rhum Agricole haben wir uns einer anderen Variante bedient: Wir nehmen mit 3 cl Revolte (#Lieblingsrum) einen deutschen, weißen Rum, was einfach nur absurd klingt, aber Sinn ergibt: So weit ist der Revolte Rum nicht von einem Rhum Agricole weg und vom Aroma her eh vorne mit dabei. Schlagt uns, wenn ihr müsst. Haben wir verdient. Deswegen schmeckt uns Zacapa + Revolte auch nicht schlechter.

Der richtige Triple Sec

Cointreau ist der Orangenlikör to go for, zumindest pur – aber wie bereits beim Cosmopolitan haben wir auch hier das Gefühl, dass der Likör keinen großen Unterschied macht. Ein Bols Triple Sec, wie ihn laut diesem Mai Tai-Artikel später auch Trader Vic selbst benutzt hat, ist deutlich günstiger und absolut in Ordnung. Überdosieren darf man das Zeug eh nicht – ansonsten übernimmt es das Cocktail-Rezept schlagartig und übertönt jede andere Zutat, vor allem den leckeren Rum.

Die restlichen Zutaten oder: Was ist Orgeat?

Viele Mai Tai-Rezepte verlangen Orgeat – das ist aber eigentlich nur ein anderes Wort für Mandelsirup. Weil der so beliebt ist (vor allem, weil viele Menschen glauben, man sollte sich das Zeug in den Kaffee kippen), gibt es davon aber auch edlere Varianten mit Rosenblütenwasser und solchen Späßen. Diese Feinheiten schmeckt beim Mai Tai aber wohl kaum einer raus – vor allem wir nicht. Dazu ist zu wenig davon drin. Verzichten solltet ihr aber nicht darauf – vom Effekt her hat der Mandelsirup eine ähnliche Funktion wie Cocktail-Bitters: Er rundet ab, macht das Ganze etwas süßer. Das ist angesichts der krassen Rum-Power durchaus wünschenswert.

Was den Zucker und die Limetten angeht, seid ihr stark von euren eingesetzten Rums abhängig. Wir fuhren mit der angegebenen Menge gut, aber andere Rum-Sorten brauchen ein anderes Zusammenspiel von Süße und Säure. Perfektionisten müssen hier leider selbst feintunen, außer sie benutzen exakt unsere Rum-Kombination. Aber selbst dann ist die Menge an Limettensaft noch von der Tagesform der Limetten abhängig: deren Säure und damit euer Bedarf an Saft kann ebenfalls stark variieren.

Was die Garnitur angeht: Verzichtet ums Verrecken nicht auf den Minzezweig. Was der frische Duft dieses kleinen grünen Gestecks auf eurem Drink ausmacht, ist unglaublich. Und außerdem, auch wenn  wir immer so tun als wäre uns das egal: Mit sieht’s halt einfach schöner aus. Isso.

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JohannTrasch

3 Kommentare

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  • Ich empfehle St.James Royal Ambra und Old Pascas 73%, Curacao und Orgeat zu gleichen Teilen (alles bis jetzt jeweils 1 Floz, und eine halbe Floz Zuckersyrup (monin)
    Zacapa in Cocktails zu verschwenden ist schon ein Verbrechen…

    • Hallo Klaus,

      danke für’s Feedback! Der Artikel bedarf ohnehin mal einer Überarbeitung, gerade was das Orgeat angeht, haben sich unsere Ansichten inzwischen geändert. Bei der nächsten Mai Tai-Testrunde nehmen wir das vorgeschlagene Rezept natürlich auch nochmal mit auf – und die Rum-Kombi testen wir nach aktueller Verfügbarkeit auch gleich mit, als ungezuckerte Rums im niedrigen Preis-Segment schreien die eh mal nach einer Vorstellung.

      Was den Zacapa angeht: Ja, wissen wir, dass da einigen der Rum in den Adern gefriert. Aber wir sind was das angeht eiskalt. Wenn wir das Gefühl haben, es passt, probieren wir’s halt aus. Geht zugegeben nicht immer gut aus – hier mochten wir das Ergebnis 🙂