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Mai Tai – das Original-Rezept für den besten Tiki-Cocktail wo gibt

Ein Mai Tai erscheint im Vergleich zu anderen Tiki-Cocktails simpel - ist aber genau deswegen ein Balance-Monster.
Ein Mai Tai erscheint im Vergleich zu anderen Tiki-Cocktails simpel - ist aber genau deswegen ein Balance-Monster.
Rezept für den Mai Tai

Das Rezept für den Mai Tai

  • 6 cl dunkler Rum (mehr dazu im Abschnitt „Der richtige Rum“, das ist der schwierigste Part hier)
  • 3 cl Limettensaft
  • 1,5 cl Triple Sec
  • 1 cl Zuckersirup
  • 0,5 cl Mandelsirup

Alles auf Eis shaken, dass die Schwarte kracht. In einen Tumbler oder einen Tiki-Becher mit frischem Crushed Ice abseihen. Mit einem Minze-Zweig garnieren. Trinken.

Die Einkaufsliste

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Herzlich Willkommen in diesem Artikel über den Mai Tai. Unserer Erfahrung nach gehört ihr sehr wahrscheinlich einer der folgenden drei Gruppen an:

  1. Ihr habt in eurem Leben schon Dutzende Mai Tais getrunken – und keiner hat geschmeckt wie der andere. Jetzt wollt ihr wissen, wie der wirklich geht.
  2. Ihr wisst, wie man einen Mai Tai mixt. Aber soweit ihr das einschätzen könnt, weiß das sonst keiner – also sucht ihr hier Streit. Oder wenigstens einen gepflegten Disput unter Genießern.
  3. „Für Ananassaft mit Bacardi braucht man ein Rezept?!“

Weil wir jetzt sehr lange und sehr ausführlich (nach mindestens fünf Überarbeitungen in drei Jahren darf man das so sagen) mit diesem Tiki-Cocktail herumexperimentiert haben, ist es unser Anspruch, alle drei Gruppen glücklich zu machen. Ob wir das schaffen, sei dahingestellt – aber zumindest hatten wir bei unseren Experimenten sehr viel Spaß. Am Ende blieben wir dann – abgesehen vom Rum, der zugegeben an jedem zweiten Cocktail-Abend wechselt – im Wesentlichen beim Original-Rezept:

Das Rezept für den Mai Tai

  • 6 cl dunkler Rum (mehr dazu im Abschnitt „Der richtige Rum“, das ist der schwierigste Part hier)
  • 3 cl Limettensaft
  • 1,5 cl Triple Sec
  • 1 cl Zuckersirup
  • 0,5 cl Mandelsirup

Alles auf Eis shaken, dass die Schwarte kracht. In einen Tumbler oder einen Tiki-Becher mit frischem Crushed Ice abseihen. Mit einem Minze-Zweig garnieren. Trinken.

Die Story hinter dem Mai Tai

Wer welche hat, serviert seine Mai Tais auch gerne mal im Tiki Mug.
Wer welche hat, serviert seine Mai Tais auch gerne mal im Tiki Mug.

Viele von uns kennen den Mai Tai von Disco-Bars und Beach-Partys, wo er meistens recht frei interpretiert wird. Womit wir sagen wollen: Was euch da verkauft wird, hat praktisch nix mit einem Mai Tai zu tun. Das Ur-Rezept sieht größtenteils so aus wie oben beschrieben und stammt von einem Mann namens Trader Vic, eigentlich Victor Bergeron. Er erfand den Drink laut eigener Aussage 1944. Neben dem Zombie ist der Mai der bekannteste Tiki-Drink – obwohl genau diese zwei praktisch nie in einem sogenannten Tiki-Mug serviert werden. Ein Paradoxon, das eventuell auch damit zu tun hat, dass selbst sehr klassische Cocktailbars ohne Tiki-Bezug einen Mai Tai anbieten und ein Zombie in den allerseltensten Fällen des Genusses wegen getrunken wird.

Weil Trader Vic jahrzehntelang nicht mit dem genauen Rezept für den Mai Tai herausrücken wollte, wurde es erst 1972 bekannt und zwar durch sein eigenes Buch: Trader Vic’s Bartender’s Guide. Durchaus möglich, dass das Rezept-Chaos bei diesem Drink noch aus jener Zeit stammt: Jeder kannte den Namen, keiner wusste, was drin ist. Dazu kam ein Rechtsstreit um den Namen Mai Tai, weil ein Mann namens „Don the Beachcomber“ (seines Zeichens der eigentliche Ur-Vater der Tiki-Bewegung und in der Geschichte des Tiki sowas wie der Darth Vader zu Trader Vics … jüngerem Darth Vader) einen ganz ähnlichen Drink namens Mai Tai Swizzle erdacht hatte. Mit Falernum und Grapefruit, wohlgemerkt. Unglaublich anstrengendes Gezicke alles. Wichtig ist nur: Das Ergebnis aus unserem Rezept oben ist ein ziemlich starker aber trotzdem erfrischender Cocktail – und weit weg von der süßen Pampe von der letzten Beachparty. Aber wieso genau ist genau das oben genannte jetzt unser Lieblingsrezept?

Die vielen Rezepte des Mai Tai

Auch unter Cocktail-Experten existieren Dutzende Rezepte für Mai Tais. Wir haben natürlich nicht alle durchprobiert, aber zumindest einige. Zum Beispiel die hier:

Hängengeblieben sind wir aber beim Original-Rezept, aus genau zwei Gründen: Das Ding schmeckt nach Cocktail, nach Strand und Party. Von den obigen drei schmecken zwei nach Kopfschmerzen und Saft und Philipps Variante ist zwar irre gut, aber auch sehr aufwendig. Die Trader-Vic-Variante dagegen ist deutlich unkomplizierter als die oben genannten Rezepte. Obwohl auch der Ur-Mai Tai kein simpler Drink ist, im Gegenteil. Vor allem, wenn man dann auch noch genau die richtigen Zutaten benutzen möchte.

Der richtige Rum

Das Ur-Rezept verlangt nach einem 17 Jahre alten J. Wray Nephew Jamaican Rum, um den sich die wildesten Geschichten ranken. Der ging aber schon zu Lebzeiten von Trader Vic aus und ist heutzutage nicht mehr zu bekommen. Der gute Victor ging dann der Legende nach dazu über, zur Hälfte dunklen jamaicanischen Rum und zur Hälfte Rum aus Martinique zu benutzen – in den meisten Fällen ist das dann ein Rhum Agricole aus Zuckerrohrsaft statt Melasse. Man müsste an der Stelle jetzt eigentlich eine Armada von Rum-Kombinationen durchprobieren und den originalen 17jährigen Wray Nephew kennen, um ordentlich experimentieren zu können.  Wir haben auch recht weitläufig getestet über die letzten drei Jahre und hatten hier zuvörderst etwa den Ron Zacapa Sistema Solera 23 – kann man durchaus machen, ist aber geschmacklich dann schon ein bisschen weg vom Mai Tai und entspricht nicht mehr so ganz unserem inzwischen eher kräftigen Rum-Geschmack.

Inzwischen setzen wir im Alltag auf Jamaikaner, darunter zum Beispiel Appleton, der 12jährige funktioniert hervorragend, der Signature Blend ist die perfekte Alternative, wenn’s für Partys einen Hauch preisgünstiger sein muss. Da braucht man auch gar keinen Rhum Agricole als Mitspieler mehr – geiler wird’s aber durchaus mit einer Mischung, die auch 3 cl Revolte (#Lieblingsrum) enthält: So weit ist der Revolte Rum nicht von einem Rhum Agricole weg und vom Aroma her eh vorne mit dabei. Alternativ tut’s auch (sehr gut) ein gereifter Rhum Agricole von Clement oder Trois-Rivières.

Für alle, die einen extrem intensiven, kräftigen, Mai Tai schätzen, der mit intensiven Jamaica-Noten protzt: Mixt euch das Ding mit einem Hampden-Rum oder einer Abfüllung von Worthy Park. Beides funktioniert hervorragend, ist aber nichts für Weicheier.

Der richtige Triple Sec

Cointreau ist der Orangenlikör to go for, zumindest pur – aber wie bereits beim Cosmopolitan haben wir auch hier das Gefühl, dass der Likör keinen weltbewegenden Unterschied macht, solange man einen ordentlichen verwendet. Ein Bols Triple Sec, wie ihn laut diesem Mai Tai-Artikel später auch Trader Vic selbst benutzt hat, ist deutlich günstiger und hat durchaus seine Berechtigung. Überdosieren darf man das Zeug eh nicht – ansonsten übernimmt es das Cocktail-Rezept schlagartig und übertönt jede andere Zutat, vor allem den Rum. Außergewöhnliche Dry Curacaos und Triple Secs bereichern den Cocktail aber durchaus und justieren ihn durchaus genug, um Tiki-Connaisseure noch glücklicher zu machen als eh schon. Dazu gehören etwa der Ferrand Triple Sec oder der Revolte Dry Curacao.

Die restlichen Zutaten oder: Was ist Orgeat?

Viele Mai Tai-Rezepte verlangen Orgeat – das ist aber eigentlich nur ein anderes Wort für Mandelsirup oder generell jedwede Sirup-Pampe aus Nüssen. Weil der so beliebt ist (vor allem, weil viele Menschen glauben, man sollte sich das Zeug in den Kaffee kippen), gibt es davon aber auch edlere Varianten mit Rosenblütenwasser. In unserer Einsteiger-Phase haben wir hier zwischen hochwertigem Orgeat und billigster Mandelpampe kaum einen Unterschied bemerkt. Der aufmerksame Gaumen spürt aber durchaus den Unterschied zwischen künstlichem Marzipangeraffel und einer fein-nussigen Mandelnote. Viele Kenner setzen auf die Marke Maneau – zu Recht.

Was den Zucker und die Limetten angeht, seid ihr stark von euren eingesetzten Rums abhängig. Wir fuhren mit der angegebenen Menge gut, aber andere Rum-Sorten brauchen ein anderes Zusammenspiel von Süße und Säure. Perfektionisten müssen hier leider selbst feintunen, außer sie benutzen exakt unsere Rum-Kombination. Aber selbst dann ist die Menge an Limettensaft noch von der Tagesform der Limetten abhängig: deren Säure und damit euer Bedarf an Saft kann ebenfalls stark variieren.

Was die Garnitur angeht: ein Minzezweig verleiht dem Drink eine immense Frische, aber auch Limettenzesten oder -Räder bereiten viel Freude. Und außerdem, auch wenn  wir immer so tun als wäre uns das egal: Mit sieht’s halt einfach schöner aus. Isso.

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JohannTrasch

13 Kommentare

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  • Ich empfehle St.James Royal Ambra und Old Pascas 73%, Curacao und Orgeat zu gleichen Teilen (alles bis jetzt jeweils 1 Floz, und eine halbe Floz Zuckersyrup (monin)
    Zacapa in Cocktails zu verschwenden ist schon ein Verbrechen…

    • Hallo Klaus,

      danke für’s Feedback! Der Artikel bedarf ohnehin mal einer Überarbeitung, gerade was das Orgeat angeht, haben sich unsere Ansichten inzwischen geändert. Bei der nächsten Mai Tai-Testrunde nehmen wir das vorgeschlagene Rezept natürlich auch nochmal mit auf – und die Rum-Kombi testen wir nach aktueller Verfügbarkeit auch gleich mit, als ungezuckerte Rums im niedrigen Preis-Segment schreien die eh mal nach einer Vorstellung.

      Was den Zacapa angeht: Ja, wissen wir, dass da einigen der Rum in den Adern gefriert. Aber wir sind was das angeht eiskalt. Wenn wir das Gefühl haben, es passt, probieren wir’s halt aus. Geht zugegeben nicht immer gut aus – hier mochten wir das Ergebnis 🙂

  • Vic hat zwar Rum aus Martinique benutzt, aber keinen Agricole, sondern tatsächlich normalen Melasserum. Ein überraschend guter Vertreter dieser Art, und in DE für lächerliche €12 zu bekommen, ist der gerne als Backzutat belächelte Rhum Negrita. Im Mai Tai schmeckt er super, mir persönlich am besten in Kombi mit Appleton 12. Wer’s süßer mag kann dann noch ’nen Demerara-Rum dazu kippen.

    • Servus Knolle,

      kurze Gegenrecherche legt nahe, dass da viele Mai Tai-Experten deiner Meinung sind, das aber auch nur aufgrund der deutlich stärkeren Verbreitung von Melasse-Rum auf Martinique zu dieser Zeit (berechtigt) vermuten. Wir werden die Sache auf jeden Fall checken und beim nächsten Artikel-Update einfließen lassen – hast du da eventuell eine Quelle, die deine Sicherheit untermauert?

      So oder so: Rhum Negrita – wird probiert. Danke für den Tipp!

  • Hi, eine sehr geile Seite mit schönem Hintergrundwissen.
    Wir werden den Mai Tai mal mit den hier genannten Rum Sorten testen.

  • Ich habe mich, nachdem ich eine ältere Version Eures Artikels gelesen hatte, durch mehrere Rums durchprobiert. Ja, es ist eine spaßige Angelegenheit ;-). Euer Rezept ist mit Abstand das beste, das ich finden konnte.

    Momentan stehe ich auf einen Mischung aus dem Plantation 3 Stars und dem Blackwell Fine Jamaika rum. Den kann ich euch wärmstens empfehlen, es ist in meinen Augen ein hervorragender Mixrum mit einem super P/L Verhältnis und wird nach meinem Wissen auch von J Wray Nephew produziert.

    • Danke für das Lob 🙂 Ich muss gestehen, den Blackwell hatte ich noch nie wissentlich im glas. Kommt auf unsere (aktuell zugegeben sehr lange „Taste and/or Shop“-Liste.

  • Hallo, tolle Seite, gefällt mir gut.

    Zum Mai Tai: Ich bin ein großer Verfechter davon Originalrezepte zu hüten und auch selbst beizubehalten.
    Was auf den meisten Barkarten als „Mai Tai“ aufgeführt wird ist echt erschreckend.

    Zum Orgeat: Ich finde den Mandelsirup von Giffard sehr gut und hier schmeckt man in der Tat einen Unterschied gegenüber einigem Mandelgeraffel auf dem Markt. Monin geht hier zum Beispiel absolut nicht.

    Zum Rum: Ich finde den Appleton 8y darin ganz gut, alleine, oder auch mal im Mix mit einem Robinson 51 oder St.James.

    Wie gesagt…tolle Seite.

    Gruss aus Hannover

    • Hallo, ich bin ein Frevler und habe grade meinen ersten MaiTai als Cocktailmische von Shatler’s getrunken. Soll heißen bin grade dabei u d dachte mir mit den richtigen Zutaten könnte das ein sehr geiles Gesöff sein. Deshalb mal gegoogelt was es da für feine Unterschiede gibt.
      Eure Seite inspiriert mich es einmal selbst zu shaken und noch leckerer zu genießen.
      Außerdem sehr schön zu lesen, was ihr so schreibt
      Gruß
      Nordy