Cocktailbart » News & Guides » Das perfekte Gin Tonic-Rezept gibt es nicht!

Das perfekte Gin Tonic-Rezept gibt es nicht!

Gin Tonic gibt es in Tausend Varianten - und für jede davon gibt es das perfekte Glas, egal ob es sich dabei um Tumbler, Longdrink-Gläs oder die Copa handelt.
Gin Tonic gibt es in Tausend Varianten - und für jede davon gibt es das perfekte Glas, egal ob es sich dabei um Tumbler, Longdrink-Gläs oder die Copa handelt.

Wenn wir daheim, so ganz privat, für Gäste einen Gin Tonic mixen, ist das meist eine simple Sache: Irgendeinen möglichst coolen, geschmacklich nicht zu aufdringlichen Gin der Kategorie „0,5 Liter für 35 Euro“ im Verhältnis 1:3 mit Thomas Henry mischen, Zitronenschale reinstecken, alle glücklich.  Mixen wir auf der Hausparty nachts um halb 2, ist die Sache sogar noch einfacher: Gordon’s. Schweppes. Ungefähr 1:1, passt schon. Hälfte von einer Gurke abreißen, nochmal abbeißen, Rest ins Glas stopfen. Geiles Ding.

Umringt von Gin-Connoiseuren beim privaten Tasting sollte das dann eigentlich ganz anders sein: Gediegener Meinungsaustausch, Gespräche über die neuesten Geheim-Tipps, synchrone Smartphone-Recherche, ob man dieses geile, regionale Tonic Water vom letzten Bürgerfest eigentlich irgendwo bestellen kann. Nebenbei genießen statt schütten. Aber wenn dann der erste Gast den Kühlschrank aufmacht, dann kommt dieses enttäuscht-genervte „Thomas Henry Slim? Echt jetzt?“.  Und plötzlich willst du dich eigentlich doch lieber einfach nur wegballern.

Kommt mal klar und lasst die Leute ihren G&T trinken, wie sie wollen!

Das Rezept für den ultimativen Gin Tonic ist eine Glaubensfrage, die Grundlage für all seine religiösen Splittergruppen die Kombination aus dem Gin und dem Tonic Water. Und genau wie in der Religion gibt es eine gewaltige Mehrheit von Gin Tonic-Fans, die einfach ihre Lieblingskombi gefunden haben und damit keinem auf den Keks gehen. Was nervt, ist die kleine Minderheit von Nervsäcken, die jedem ungefragt ihre persönlichen Präferenzen hinterhergrölen.  Nervsäcke, die jeden Gin mit zuwenig/zuviel Wacholder, zu wenigen/zu vielen Awards, zu simpler/zu ausgefallener Flasche ablehnen und nur Tonic Water mit/ohne Aroma, mit viel/wenig Kohlensäure oder Kronkorken aus Bodenhaltung/Freiluftgehege trinken.

Das ist ihr gutes Recht, klar. Was aber nicht heißt, dass das auch die richtige Wahl für alle anderen G&T-Fans ist. Nicht falsch verstehen: anderen Menschen etwas zu empfehlen, ist wundervoll und wichtig. Craft-Produkte über den Pfeffer loben, potemkinsche Marketing-Dörfer brandschatzen. Aber wenn euer Kumpel nach gründlicher Prüfung erklärt: „Dieser Auftragsbrenner-Gin von der Werbeagentur in Braunschweig mit dem Low Calory-Tonic, das is‘ genau mein Ding.“ – Ja, dann lasst ihn halt, meine Fresse!

Was eine schöne Sache sein sollte, die große Auswahl, diese unzähligen Möglichkeiten, die Gin Tonic bietet, das sorgt vielerorts für Frust. Beim nicht immer allzu zielstrebigen Gast, weil er in Bars mit über 100 Gins und 15 Tonics gleich Buridans hungrigem Esel verdurstet. Bei den Barbetreibern, die die Gin-Karten deshalb in den letzten Jahren teilweise schon wieder reduzieren und sich auf drei bis fünf Kern-Kombos festlegen, die zur Bar passen. Bei Gin-Fans, die sich ob der von Kumpels energisch vorgetragenen 12 Gründe gegen Fentiman’s Tonics radikalisieren und aus purem Trotz das Logo der Marke in ihr Kopfkissen sticken. Ohne die britische Brause groß zu mögen.

Warum uns Dinge schmecken

Das optimale Mischverhältnis, das richtige Tonic Water zum passenden Gin, die Garnitur, die den Drink ergänzt und abrundet – all das kann man stunden- und tagelang diskutieren. Sollte man sogar, warum suchen wir Spirituosen-Spinner sonst fast zwanghaft Anschluss? Aber welchen G&T wir am liebsten mögen, welcher uns am besten schmeckt, das hängt nicht nur von den persönlichen Geschmacksvorlieben ab, sondern von einer hochkomplexen Struktur aus Erinnerungen, Gefühlen, von der Atmosphäre, als wir eine bestimmte Kombi zum ersten Mal probiert haben. Es hängt auch davon ab, ob uns die Geschichte einer Marke begeistern kann oder ihr Design. Das ist genauso wie bei Wein, Bier oder der Lieblings-Nudelsoße.

Um das mit einem Beispiel zu untermauern: Ich liebe Dosen-Becks. Aus der Flasche oder dem Glas kann ich das Zeug nicht trinken, nur aus der Dose. Weil es mich an viele ziemlich abgefahrene Partys und Festivals erinnert. Mir ist egal, wie diese bittere Brühe schmeckt, die meiner ganz persönlichen Meinung nach hier in Franken nicht mal als Bier-Methadon zugelassen werden würde. Sie macht mich zehn Jahre jünger und setzt mich auf einen wackligen Klappstuhl in sumpfiger Ex-Wiese, wo ich tolle Leute kennenlerne, die sich vor dem strömenden Regen unter unserem Pavillon verstecken. Ein Drink hat immer auch eine Geschichte. Selbst wenn nicht: Wenn dir Dosen-Becks schmeckt, trink es halt. Wenn dir jemand ein anderes Bier empfiehlt, probier es. Und wenn Becks und du danach immer noch eine unheilige Allianz bilden: Lass dir nicht reinreden.

Der nützliche Teil: Finde deinen Lieblings-Gin Tonic!

Zugegeben, halbwegs gefestigte Genießer wie wir haben da leicht reden: Wir kennen ein paar Gins und ein paar Tonics, probieren viel herum. Wir wissen, was wir mögen. Aber jemand, der gerade erst zum Gin Tonic gefunden hat und jetzt das perfekte Rezept sucht, der steht auf verlorenem Posten. Zwischen Dutzenden Meinungen, Gin-Flut und zu vielen Tonic Water-Marken. Wenn du mit dem G&T glücklich werden willst, gibt es für dich nur einen Weg: Finde dein ganz persönliches „perfektes“ Rezept für den Gin Tonic:

  1. Finde heraus, welchen Teil deines bisherigen Lieblings-G&T’s du am liebsten magst. Ist es das Tonic, der Gin oder vielleicht sogar einfach die Gurke im Glas? Was ist der Teil, der dich begeistert? Dafür solltest du dringlichst mal alle Komponenten einzeln probieren. Um herauszufinden, ob du einfach ein Gurkenfetischist bist, schmeißt dir einfach ein paar Stücke Gurke ins Wasser und probier das.
  2. Finde die Komponenten, die zu deinem Favoriten passen: Ist das Tonic Water dein Held, mix es mit Gins, die dir gefallen oder die sich gut anhören. Von vielen davon findest du Miniaturen in Online-Shops. Liebst du einen bestimmten Gin, kauf dir online oder beim Fachhändler ein paar Tonics. Händler beraten dich auch gerne, wenn du erklärst, mit welchem Spirit du mixen willst. Stehst du auf eine bestimmte Garnitur, wird die Recherche etwas aufwendiger. Finde am besten zunächst einen Gin, der zu der Garnitur passt und mach dann erst mit dem Tonic weiter. Die dritte Komponente ergibt sich dann oft fast von selbst, wenn du zwei Sachen perfekt kombiniert hast.
  3. Finde das richtige Mischverhältnis. Nicht jeder Gin Tonic schmeckt im Verhältnis 3:1 am besten. Je nach Intensität deiner Zutaten kann das Verhältnis auch mal 1:1 oder 1:4 werden. Denk aber bei 1:1-Mischungen dran, dass das im Coppa Ballon evtl. etwas viel Schnaps wird.

Wenn du deinen Lieblings-Gin Tonic gefunden hast, bleiben nur noch drei Dinge zu tun: Genieß ihn. Empfiehl in weiter. Optimier ihn. Denn ein perfektes Rezept entwickelt sich weiter – und zwar ständig.

JohannTrasch

Ein Kommentar

Klicke hier um einen Kommentar hinzuzufügen