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Applaus Stuttgart Dry Gin – der schwäbische Zimt-Gin im Cocktail-Test

Applaus Stuttgart Dry Gin garniert man als Gin Tonic am besten mit Apfel und Rosmarin.
Applaus Stuttgart Dry Gin garniert man als Gin Tonic am besten mit Apfel und Rosmarin.

Zimt. Kann man gut finden, kann man eklig finden. Was man nach über 30 Jahren Pfannkuchen, Grießbrei und Weihnachtsgebäck mit Zimt und Zucker damit sicher nicht mehr kann: überraschen. Dachten wir zumindest, nachdem das letzte Mal „Zimt, oh wie aufregend!“ beachtliche 24 Jahre her war. Es entfuhr uns nach dem ersten von seitdem vier gekauten Streifen Big-Red-Kaugummi. Aber dann kam der Alarmed Bison mit seinem Chili-Nelken-Zimt-Sirup in unser Leben und uns war klar: Zimt in Drinks – sollte man öfter machen. Und plötzlich taucht Applaus Stuttgart Dry Gin auf. Schicksal?

Die Flasche für dieses Tasting wurde uns vom Hersteller auf unsere Anfrage zur Verfügung gestellt, Bedingungen an den Artikel gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels.  

Auf der Suche nach neuen Botanical-Ideen hat man hier mal eben ins heimische Gewürzregal gegriffen und – neben einigen anderen, großteilig geheimen Zutaten – Muskat, Koriander, Rosmarin, Thymian, Ingwer und eben Zimt in den Topf geworfen. Die Kombination, sie schreit Weihnachten. Oder Indisches Essen. Man möchte Lamm dazubestellen oder ein paar Lebkuchen zum reintunken. Aber im Sommer seinen Gin Tonic damit trinken, wo man doch eigentlich lieber Zitrusaromen oder irgendwas mit Gurke ins Glas schüttet? Könnte schwierig werden. Aber fangen wir von vorne an.

Wer steckt hinter Applaus Stuttgart Dry Gin?

Die Idee zu diesem sehr speziellen Gin stammt von vier Herren namens Dulay-Winkler, Hammer, Büttner und Frey. Anders als man jetzt vielleicht erwartet, verbirgt sich dahinter keine Horde wildgewordener Marketer, die einfach gerne saufen: Dr. Dr. Hans-Otto Frey ist seit über 20 Jahren Brenner, war davor Chemiker und Mediziner.  Es steckt also nicht nur Liebe, schwäbische Präzision und ein bisschen Wahnsinn im Applaus Stuttgart Dry Gin, sondern auch tatsächliche Handwerkskunst. Wie das so ist, wenn man einfach nur ein gutes Produkt machen will, statt sein Gin-Rezept von einer mit Geheimtinte geschriebenen Piraten-Schatzkarte auf dem Rücken eines tibetanischen Mönchs abzulesen, braucht man eine gute Story, einen Aufhänger.

Beim Applaus Stuttgart Dry Gin ist das der Zirkus: Artworks, die aus den 20er- und 30er-Jahre stammen könnten, Slogans der Marke „Manege frei!“ und ein durch und lila-rosa-gehaltenes Design lassen die Flasche im Regal herausstechen. Spätestens das Fähnchen am Flaschenhals im Stil alter Zirkuszelte sorgt dafür, dass man den Applaus Gin nicht übersieht. Die Story funktioniert, wird nie aufdringlich oder nervig, aber wird knallhart durchgezogen. Schönes Ding. Aber gilt das jetzt auch für das, was in der Flasche ist?

So schmeckt Applaus Gin

Klar und geschmeidig liegt er im Glas, bildet nach dem Schwenken eine Vielzahl an außergewöhnlich schweren Beinchen. In der Nase kommen Zimt und Wacholder auf gleicher Höhe als erstes an, aber keiner von beiden überbordend. Dahinter verbirgt sich der Muskat, gefolgt von Koriander und etwas Kardamom. Eine schwere Zitrusnote ist dabei, die wohl von der Blutorange kommt. Alles dahinter geht zunächst in einer großen Gewürz- und Kräuterwolke auf. Als wir den Gin ein paar Minuten stehen lassen, kommt noch der Thymian mit raus.

Nase: Zimt, Wacholder, Muskat, Koriander, Kardamom, Zitrusnoten, Thymian

Zunge: Zimt, Wacholder, Zitrus-Aromen, Thymian, Koriander, Kamille

Im Mund schlägt zunächst der Zimt ein und für einen kurzen Moment ist es wirklich ein bisschen so, als hätten wir einen Big Red-Kaugummi erwischt. Dann legt auch auf der Zunge der Wacholder nach. Der erste Schluck hinterlässt im Mund wieder das schwere Zitrus-Aroma mit einem Einschlag von Zimt. Sehr weich und mild ist der Applaus Gin, aber zumindest der erste Schluck hält bei der Komplexität des Geruchs nicht ganz mit. Der zweite gibt zusammen mit der Blutorange dann zusätzlich etwas Thymian und Koriander her, zusammen mit etwas floralem wie von Kamille. Ein Gin zum erforschen.

Der beste G&T im Test: Indi & Co Botanical Tonic Water, Rosmarin, Apfel.
Der beste G&T im Test: Indi & Co Botanical Tonic Water, Rosmarin, Apfel.

Applaus Stuttgart Dry Gin im Gin Tonic

Im Gin Tonic empfiehlt Applaus Gin selbst das sehr milde Fever Tree Mediterranean Tonic Water, einen Apfelschnitz und Rosmarin. Funktioniert hervorragend, macht Spaß und lässt den Aromen des Gins gefühlt sehr viel Platz, Rosmarin und Apfel unterstützen. Sehr trockene Tonic Waters wie das Aqua Monaco Extra Dry machen den G&T zu flach, einen Hauch Süße braucht er. Die kriegt er mit Standard-Tonics wie dem gelben Triumvirat aus Aqua Monaco, Schweppes und Thomas Henry. Oder mit der Extraportion Apfelschnitze.

Unser Highlight im Test aber: Indi & Co Botanical Tonic Water. Recht bitter und pur eher, sagen wir mal: schwierig, verbindet sich das würzige spanische Wässerchen in Kombination mit dem Applaus Gin dann zu einer Art erfrischendem, klaren Chai-Tee. Das  Zimt-Aroma hebt sich besonders stark hervor, wird intensiv, aber überlagert noch nicht alles. Dank Rosmarin und Apfelschnitz bleibt der Drink trotzdem erfrischend, von Winterlichkeit keine Spur. Obwohl: Einen Lebkuchen könnten wir dazu durchaus vertragen ….

Applaus Gin in anderen Cocktails

In den gängigen Gin-Cocktails ist der Applaus Gin eine anständige Wahl, aber nicht bedeutend viel mehr. Okayer, mal etwas würzigerer Martini, seltsamer Gimlet, recht weihnachtlicher Gin Fizz. Spannende Ausnahme: Ein Gintelligence No.1 (heiß, Honig-Zucker-Agavendicksaft-Sirup, Wacholderbeeren, Zitronensaft), nach einem Cocktail-Rezept aus der Goldenen Bar in München – warm funktioniert der Applaus Gin wie erwartet fantastisch. Das ist wie Grog, der nicht scheiße schmeckt, aber einen trotzdem in einen Piraten verwandelt.

Vielleicht haben auch die Macher hinter Applaus Gin festgestellt, dass man damit zwar nicht abgestraft wird, aber nur schwierig punkten kann. Deswegen hat man sich eine Reihe extrem spannender Signature Cocktails ausgedacht, die dank vergleichsweise einfachen Rezepten auch problemlos zu Hause nachzumixen sind. Der Heusteig Mule etwa, aus Applaus Gin, Apfelmus und Ginger Beer ist eine lecker-fruchtig-frische Angelegenheit mit einem Hauch von Gewürzen – Hammer.

Der Circus Cooler aus Ananassaft (Frisch! Um Himmelswillen frisch! Stell den Tetrapack sofort zurück!), Zuckersirup, Zitrone und einer Prise Zimt, der schmeckt neu. Gut neu. Nach mehr neu. Und der simple Applaus Spritz aus Gin und naturtrüber Apfelschorle, der könnte auf einer herbstlichen Outdoor-Party durchaus dafür sorgen, dass ausnahmsweise mal Tonic übrigbleibt. Wer auch immer sich die Signatures bei Applaus Stuttgart Dry Gin ausdenkt – bitte mehr davon!

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Fazit: Wer Zimt mag, sollte diesen Gin probiert haben – die Gewürznote irgendwo zwischen Weihnachten und indischem Essen passt fantastisch zu Frucht und Kräutern und macht den Gin auch in Hot Drinks zu einer sicheren Nummer. Unbedingt die Signatures probieren – die sind mit viel Liebe gemacht.

Daten: Deutschland, um 35 Euro, 43 Prozent

Das Team von Applaus Stuttgart Dry Gin hat uns auf Nachfrage eine Flasche für das Tasting zur Verfügung gestellt, danach aber weder auf den Artikel, noch auf das Tasting Einfluss zu nehmen versucht. Stattdessen hat man uns mit Postern, Aufklebern und Zusatzmaterial förmlich überhäuft und mit weiteren Informationen versorgt. Wir sagen Danke für die tolle und unkomplizierte Zusammenarbeit.

JohannTrasch

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