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Clitoria – der magische Gin von Stocker’s wechselt im Cocktail seine Farbe

Ein Rainbow Martini - wo der Clitoria Dry Gin mit Säure in Berührung kommt (hier aus dem Wermut) wechselt er die Farbe.
Ein Rainbow Martini - wo der Clitoria Dry Gin mit Säure in Berührung kommt (hier aus dem Wermut) wechselt er die Farbe.

Cocktails, die die Farbe wechseln – das liegt im Trend. Auch, wenn das auf den Durchschnitts-Mixologen erstmal abschreckend wirkt: Farbenspielereien sind schließlich ein Produkt aus den 80ern und 90ern, aus der Zeit von Tequila Sunrise und Swimming Pool. Zugegeben: die modernen Spielereien sind da etwas effektreicher und eleganter – in den allermeisten Fällen werden dabei Spirituosen mit tiefdunkler blauer oder lila Farbe rosa gehext. Ursprung der Zauberei ist fast immer die Clitoria Ternatea – die Blüte der Schmetterlingserbse. Ja, mit ein bisschen Fantasie sieht die so aus, wie sie heißt. Und mit dem Clitoria Dry Gin gibt es jetzt auch einen deutschen Zauber-Gin, der sich sogar nach ihr benannt hat.

Die Flasche für dieses Tasting wurde uns vom Hersteller zur Verfügung gestellt, Bedingungen an den Artikel gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels.  

Die Story hinter Stockers Clitoria Gin

Stocker kennt ihr vielleicht noch vom Stocker’s Tschin; dem Produkt einer kleinen Rosenheimer Brennerei, in der Christian Stocker mit viel Leidenschaft die Tradition des Hauses hochhält und gleichzeitig weiterdenkt. Sein Gin beeindruckte vor allem mit einer schönen Zitronengrasnote und ausgewogenen Kräuter-Aromen, seine Liköre und Brände (zumindest die, die wir probieren durften) präsentieren sich weich und intensiv. Mit dem Clitoria Gin stellt er sich nun einen ganzen Schritt vor die „Wir machen auch Gin“-Front und geht einen noch recht jungen Trend mit.

Mit der Clitoria Ternatea enthält sein zweiter Gin eine Zutat, die unter Zugabe von Säure ihre Farbe wechselt. Ein Effekt, ähnlich dem von Rotkohl-Saft, der mit Farbwechsel auf Änderungen von pH-Werten reagiert. Schmetterlingserbsen-Blüten gibt’s inzwischen auch als sogenannten blauen Tee oder als Extrakt zu kaufen, um eigene Spielereien damit zu erdenken. Aber für den durchschnittlichen Gin-Genießer, der nicht gleich ein scheißteures Hobby aus der Sache machen will, ist ein fertiger Zauber-Gin natürlich die sinnvollere und sicherere Variante.

Clitoria Gin vs. Stocker’s Tschin

Aber optische Spielereien allein reichen uns natürlich nicht – der Geschmack muss auch stimmen. Angesichts der Botanical-Liste wissen wir, dass sich beide Gins zumindest von den Zutaten her recht ähnlich sind: Der Tschin hatte 10 Botanicals, der Clitoria setzt auf 11, bekannt sind davon Wacholder, Schlehe, Lemongras, Vogelbeere, Zimt, Koriander, Piment, Kardamom, Lavendel, wovon lediglich der Kardamom nicht im Tschin zu finden ist. (Außer er ist eines der dortigen zwei unbekannten Botanicals.) Wir gehen mal nicht davon aus, dass die Clitoria offiziell als Botanical zählt – sonst wäre sie ein sehr ungeheimes Geheim-Botanical.

Stocker's Tschin vs. Clitoria im Direktvergleich.
Stocker’s Tschin vs. Clitoria im Direktvergleich.

In einer Direktverkostung, die wir vor dem eigentlichen Tasting durchführen, sind sie dann auch extrem ähnlich, wobei wir den Original-Stocker’s etwas zimtiger und Zitronengras-lastiger finden. Der Clitoria kommt etwas floraler daher und einen Hauch milder. Allerdings kann beides Einbildung sein, für eine klare Abgrenzung sind sich beide Gins selbst in der Blindverkostung etwas zu nah. Aber schmecken wir einfach mal rein:

So schmeckt Clitoria

An dieser Stelle ein persönlicher Dank an Christian Stocker, weil wir dank seines Gins endlich mal eine solche Headline schreiben können, ohne dass man uns für kindische Trottel hält. Zum Glück hat der Gin nicht nur einen schönen Namen, sondern schmeichelt dem Auge auch im Glas mit einem schicken Aquamarin. Weit weg vom Kunstblau eines Blue Curaçao, obendrein zieht eine anständige Anzahl Nasen an der Glaswand. In der Nase nehmen wir zunächst den Zimt wahr, danach Wacholder, Piment, Orangenblüte. Koriander schimmert durch und schließlich auch das Lemongras, zu deutsch Zitronengras.

Nase: Zimt, Wacholder, Piment, Orangenblüte, Koriander, Zitronengras

Zunge: Wacholder, Zitronengras, Lavendel, Koriander, Zimt

Auf der Zunge herrscht zunächst der Wacholder vor, direkt hinterher schiebt sich aber das Zitronengras. Für einen kurzen Moment bekommt der Clitoria Dry Gin einen leicht seifigen Einschlag, der macht aber sehr rasch Platz für schönere floralere Aromen, geprägt vor allem von Lavendel. Eine leichte Pfefferschärfe bringt er mit und eine ausgeprägte Koriander-Note im Finish. Im Nachgeschmack bleiben vor allem das Zitronengras und der Wacholder. Ein zweiter Schluck gibt dann auch dem Zimt wieder ein wenig Raum.

Clitoria pur und in Cocktails

Für den Pur-Genuss ist der Clitoria zwar geeignet, allerdings wirkt er in der Nase spannender als im Mund. Trotzdem wäre das Verschwendung – denn wirklich aufregend ist das Destillat nur, wenn man es in einem Drink seine magische Verwandlung durchlaufen lässt. Wer nicht auf den Farb-Effekt steht, kann sich auch den deutlich günstigeren Stocker’s Tschin besorgen und bekommt ein sehr ähnlicher Destillat im klassischen Gin-Durchsichtig.

Wer einen Rainbow Effekt möchte, muss den Clitoria langsam vermixen. Hier geben wir sanft Wermut ins Martiniglas voller Gin.
Wer einen Rainbow Effekt möchte, muss den Clitoria langsam vermixen. Hier geben wir sanft Wermut ins Martiniglas voller Gin.

Genau wie der Tschin funktioniert auch Clitoria am schönsten mit milden Tonics wie dem Fever Tree Mediterranean, aber auch ein Thomas Henry oder Fever Tree Indian Tonic machen einen ordentlichen Gin Tonic. Mehr braucht’s dann auch gar nicht für den spannenden optischen Effekt: Gin und Eiswürfel ins Glas geben – möglichst langsam und zeremoniell Tonic Water draufkippen, fertig. Etwas komplexer wird die Sache, wenn man „richtige“ Cocktails aus dem Clitoria mixen möchte. Dann steht man vor einem logistischen Problem: Schüttet man den Clitoria Dry Gin einfach mit in den Shaker, ist er am Ende einfach rosa. Gibt man dunklere Spirituosen dazu, wie Campari oder roten Wermut, hebt sich die Farbe sogar auf. Er funktioniert fast nur in klaren Spirituosen und macht selbst dann nur Spaß, wenn man ihn vor dem Gast vermixt.

Die einfachste Variante ist ein trockener Martini, generell ist genau das auch die Variante, mit der die meisten anderen Blogs und Bars spielen, wenn sie sich mit Clitoria-Produkten beschäftigen: 6 cl Gin auf Eis rühren, ins vorgekühlte Martini-Glas geben und anschließend mit 2 cl trockenem Wermut floaten. Der wird sich durch den Wärmeunterschied unten absetzen und unterwegs ein Farbschema von türkis über blau nach rosa bilden, da er Säure enthält. Fertig ist der Rainbow Martini.

Der Clitoria Dry Gin als Floating Deko

Ansonsten finden sich leider nur sehr wenige Cocktails, in denen der Farb-Effekt tatsächlich Freude bereitet. Ein Negroni Bianco haut im Test geschmacklich nicht ganz so hin, wie wir das gerne hätten. Anders sieht es aus, wenn man den Clitoria als Deko benutzt – zum Beispiel in recht aufwendigen, aber klaren Drinks. Wir haben uns dafür mal eineimprovisierten Tiki zusammengeschustert (war zufällig lecker, Rezept folgt) aus Limette, Falernum, weißem und Jamaica-Rum und Ginger Beer, den wir anschließend mit Clitoria gefloatet haben. Beim Von-oben-Runter-trinken war der Gin zwar zu kräftig, aber nach leichtem Umrühren eine wunderschön zitronengrasige Erweiterung der Rum-Aromen. Und gut ausgesehen hat der Drink auch.

Clitoria Gin als Farbverlaufs-Deko auf einem Tiki-Drink.
Clitoria Gin als Farbverlaufs-Deko auf einem Tiki-Drink.

Generell würden wir für eine Deko mit Farbwechsel-Magie aber eher auf eigene Infusionen mit Schmetterlingserbse oder die entsprechende Essenz setzen. Damit lässt sich geschmacklich passgenaueres setzen. Weil wir den Clitoria aber live auf Partys ausprobiert haben, wissen wir: Für Gäste, die nicht aus der Mixologie-Schiene kommen, ist ein Gin Tonic, der beim Eingießen des Tonic Waters die Farbe wechselt, schon ein unglaublich spaßiger Zaubertrick, der ankommt. Das macht diesen Gin zu einer guten Investition, wenn ihr Eindruck schinden möchtet, ohne Aufwand zu betreiben. Und schmecken tut er obendrein.

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Fazit: Ein schmackhafter Gin, der sich aber (bedingt durch die Ähnlichkeit zum günstigeren Stocker’s Tschin) nur lohnt, wenn ihr auf der nächsten Party mit Farb-Zaubertricks angeben möchtet. Dafür lohnt er sich allerdings: der Effekt löst zuverlässig „Oh!“s und „Woah!“s aus. !

Daten: 43 Prozent, 0,5 Liter, Deutschland, 35Euro

Christian Stocker hat uns  eine Flasche Clitoria Gin für redaktionelle Zwecke zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus hat er aber weder auf das Tasting, noch den Artikel an sich Einfluss zu nehmen versucht. Vielen lieben Dank für die tolle Zusammenarbeit! 

JohannTrasch

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