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Das Rezept für Mexikaner, den scharfen Shot-Cocktail

Der Salt & Pepper-Rim beim Mexikaner ist optional, macht aber mehr her und das Ding geschmacklich interessanter.
Rezept für den Mexikaner

Das Cocktail-Rezept für den Mexikaner (klassisch)

  • 1 Teil Korn
  • 1 Teil Sangrita
  • 2 Teile Tomatensaft
  • Salz (nach Geschmack)
  • Pfeffer (nach Geschmack)
  • Tabasco (nach Geschmack)

Alle Zutaten verrühren und in eine saubere Flasche geben. In den Kühlschrank damit und bei Bedarf (Feierabend, Party, Hunger) 2 bis 4 cl in ein Shotglas kippen. Kippen.

Das Cocktail-Rezept für den Mexikaner (Cocktailbart-Adaption)

  • 7,5 cl Korn
  • 7,5 cl Mezcal
  • 12,5 cl Sangrita
  • 25 cl Tomatensaft
  • Saft einer Limette
  • Prise Salz
  • Prise frischgemahlener Pfeffer
  • 3 Spritzer Tabasco
  • 1 Dash Celery Bitters pro Glas

Alle Zutaten außer den Celery Bitters verrühren und in eine saubere Flasche geben. In den Kühlschrank damit und bei Bedarf (Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Sonntag (Samstag nicht, da trinken die Amateure)) 4 cl in ein Shotglas mit Salt & Pepper-Rim kippen. Mit einem Dash Celery Bitters toppen. Kippen.

Die Einkaufsliste

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Maggie (ja, die Tütensuppen-Gang) nennt ihn einen “herzhaft-würzigen Aperitif mit leichter Schärfe” und die Kollegen von der Mixology schämen sich so sehr für ihren Text über den Drink, dass der Autor scheinbar seinen Namen nicht unter dem Artikel sehen will. Und ein bisschen verstehen wir’s. Auch wir hadern damit, einen Artikel über den vielleicht wichtigsten Absturz-Shot im Party-Deutschland der letzten Jahre zu machen. Ist das denn wirklich Cocktail, ist das Trinkkultur? Ne, eigentlich nicht. Eigentlich ist der Mexikaner das genaue Gegenteil davon.

Das dicke Aber: Wir trinken ihn gern. Wenn in einer Late-Night-Absturz-Kneipe in unserer Gegend nachts plötzlich der Mexikaner ausgeht, kann es durchaus sein, dass wir dran schuld sind, weil das Zeug ähnlich einer Bloody Mary halb Drink, halb scharfe Tomatensuppe ist und wir da drauf stehen. Der Shot ist Late Night Snack und weitertrinken in einem. Das ist sonst eigentlich nur in Ausnahmefällen unser Stil – allein schon, weil wir an einem Vollrausch in unserem Alter deutlich länger als einen Vormittag zu knabbern haben. Der Mexikaner aber ist gerne mal dran schuld, wenn’s doch passiert, er ist ganz große Absturz-Liebe – aber könnte er mehr sein?

Die Story hinter dem Mexikaner

Der Shot-Cocktail entstand der allgemein als Wahrheit anerkannten Legende nach so: Mike Coloni, Besitzer der Rock-Kneipe Steppenwolf auf St. Pauli wollte billigen Korn kaufen. Leider hat er sich über’s Ohr hauen lassen und bekam stattdessen billigsten Obstler untergejubelt, der grauslig geschmeckt haben muss. Damit er die Brühe irgendwie unter’s Volk bekommt, ersäufte er sie in scharfer Soße, Gewürzen und Tomatenpampe. Im Prinzip verkaufte er also Bloody Marys mit mieser Spirituosen-Basis, in dem Fall allerdings als Shot.

Das war 1987 ziemlich innovativ und sprach sich rum. 33 Jahre später hat jede bessere Party-Kneipe einige Flaschen Premixed-Mexikaner unter der Theke. Der Mexikaner wird praktisch nirgendwo frisch gemixt, stattdessen füllt man ihn in Flaschen ab und legt ihn auf Eis, bis ihn jemand bestellt. Das funktioniert erstaunlich gut und hält in unseren Teststrecken locker drei bis vier Tage ohne Geschmacks-Veränderungen. Und weil der Mexikaner prinzipiell mit vergleichsweise wenig Alkohol auskommt und durch Schärfe und Tomatensaft eigentlich mehr als scharfer Mitternachtsimbiss zählt, ist er ein willkommener Muntermacher und Augen-Aufhalter. Nichtsdestotrotz greift der Alcopop-Trick: Weil er nicht nach Alkohol schmeckt, ist er eben auch mordsgefährlich.

Ein Mexikaner - vielleicht der wichtigste Shot-Cocktail der letzten Jahre (zumindest in Deutschland).
Ein Mexikaner – vielleicht der wichtigste Shot-Cocktail der letzten Jahre (zumindest in Deutschland).

Die Sache, selbst wenn man ihn mag, ist die: Eigentlich könnte man sich auch eine ordentliche Bloody Mary machen, wenn man gerade Bock auf einen Mexikaner hat. Dann müsste man nicht dieses spätpubertäre Geshotte ertragen und könnte stattdessen einen eisgekühlten, voluminösen Drink genießen und das sogar noch in aller Ruhe. Bloß: wenn man in der Stimmung ist für einen Shot, dann ist man Argumenten gegenüber meist nicht besonders zugänglich. Und wenn man da ist, wo’s Mexikaner gibt, ist man eben in der Stimmung für einen Shot. Trotzdem versuchen wir, den Mexikaner so zu interpretieren, dass wir dem Original gerecht werden, ohne dass die Nummer flach wird. Denn sorry, aber genau das Ding nach dem Ur-Rezept.

Das Cocktail-Rezept für den Mexikaner (klassisch)

  • 1 Teil Korn
  • 1 Teil Sangrita
  • 2 Teile Tomatensaft
  • Salz (nach Geschmack)
  • Pfeffer (nach Geschmack)
  • Tabasco (nach Geschmack)

Alle Zutaten verrühren und in eine saubere Flasche geben. In den Kühlschrank damit und bei Bedarf (Feierabend, Party, Hunger) 2 bis 4 cl in ein Shotglas kippen. Kippen.

Das Cocktail-Rezept für den Mexikaner (Cocktailbart-Adaption)

  • 7,5 cl Korn
  • 7,5 cl Mezcal
  • 12,5 cl Sangrita
  • 25 cl Tomatensaft
  • Saft einer Limette
  • Salz
  • frischgemahlener Pfeffer
  • 3 Spritzer Tabasco
  • 1 Dash Celery Bitters pro Glas

Alle Zutaten außer den Celery Bitters verrühren und in eine saubere Flasche geben. In den Kühlschrank damit und bei Bedarf (Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Sonntag (Samstag nicht, da trinken die Amateure)) 4 cl in ein Shotglas mit Salt & Pepper-Rim kippen. Mit einem Dash Celery Bitters toppen. Kippen.

Warum genau diese Adaption?

Das Original-Rezept für den Mexikaner ist ganz nett, wenn man eh knülle ist und kaum mehr was schmeckt. Oder wenn die einzigen Alternativen Korn zum Literpreis von 6 Euro oder Pils sind. Bwuach, Pils. Aber wenn man jetzt Bock auf eine geshottete Bloody Mary hat, die dann auch noch ein bisschen Komplexität mitbringt, dann braucht man mehr Geschmack. Deshalb haben wir uns für unsere Version ein paar Freiheiten in Sachen Zutatenwahl genommen. Tun übrigens auch die meisten anderen – praktisch alle Mexikaner, die wir in der freien Wildbahn probiert haben, hatten mehr Power als unser Test des Originals. Gerade der Limettensaft macht da viel aus.

Da das Original einen als Korn verkauften Obstler zur Basis hatte und bis heute vornehmlich mit Korn gemixt wird, haben wir uns für eine Basis aus sehr gutem Kernstein Korn mit kraftvollem Eigengeschmack und den sehr fruchtigen Mezcal Local entschieden. Dazu kommt der Saft einer Limette und etwas mehr Salz als gemeinhin üblich (da müsst ihr euch rantasten). Beides zusammen ergibt mehr geschmackliche Spitzen als beim Original, die den Drink deutlich interessanter machen. Die Celery Bitters on top machen den Mexikaner olfaktorisch nochmal spannender und geschmacklich geben sie den Hauch einer neuen Dimension mit ins Glas, sodass das Ding gerade so auch als Cocktail interessant wird.

Mit den richtigen Zutaten wird ein Mexikaner zur komplexen Mini-Bloody Mary.
Mit den richtigen Zutaten wird ein Mexikaner zur komplexen Mini-Bloody Mary.

Die richtigen Basis-Spirituosen

Am Ende des Tages macht ihr Partygäste mit einem Wodka-Mexikaner vielleicht genauso glücklich wie mit unserer fein austarierten, Storytelling-orientierten Basis. Aber wenn ihr euch Homebartender schimpft und euren Gästen etwas Cocktail-Kultur näherbringen möchtet, dann ist ein Anteil von Mezcal oder alternativ Tequila in eurem Mexikaner Pflicht. Das darf auch gerne ein etwas rauchigerer sein – der Del Maguey Vida zum Beispiel funktioniert auch herausragend gut solo im Mexikaner. Alternativ mixt ihr mit Korn oder Wodka und einem rauchigen Chipotle-Tabasco. Den selbst findet man zwar eher selten, aber die entsprechenden Ersatz-Marken sind unserer Erfahrung nach ziemlich gut.

Als gute Basis für die Party empfiehlt sich auch ein brauchbarer, aber nicht zu teurer 100%-Agave-Tequila – damit spart ihr euch das geschmackliche Austarieren, stürzt euch nicht in übertrieben hohe Schnapskosten und habt trotzdem einen Mexikaner zur Hand, der geschmacklich aufregender daherkommt als die Varianten aus Wodka und eher neutralem Korn. Was eine Variante mit purem, hochklassigen Korn angeht: das fiel bei uns im Test eher durch. Kernstein Rye oder auch ein Vollkorn bringen eine sehr brotige Note ins Glas, die in Kombi mit Agaven-Aromen sehr breit daherkommt, auf sich allein gestellt gefiel uns das diesem Drink weniger.

Tomatensaft und Sangrita im Mexikaner

Tomatensaft aus dem Tetrapack kann ganz in Ordnung sein, ist aber ein aromatisches Glückspiel. In all unserer Zeit als Bloody Mary-Fans waren diese Säfte immer bestenfalls okay und manchmal ist das absolut ausreichend. Aber wenn ihr einen guten Feinkost- oder Gemüseladen habt, der frischen Tomatensaft aus den abgefahrensten Sorten herstellt – kauft ihn da. Falls nicht ist der Datterino-Tomatensaft von van Nahmen ein würdiger Ersatz und aromatisch eine ziemliche Bombe.

Bei der Sangrita habt ihr hierzulande relativ wenig Auswahl, aber die von Riemerschmied vertriebene Marke, die zufällig auch einfach nur Sangrita heißt, gibt zumindest uns wenig Anlass zum meckern. Greift zur Picante, die Classico-Variante ist vergleichsweise mild und insgesamt fahren wir hier alternativ besser, wenn wir nur Tomatensaft nutzen und den stärker würzen. Auch dagegen gibt es geschmacklich generell wenig zu sagen. Wer mag, setzt auch ausschließlich auch Sangrita Picante und lässt den Tomatensaft weg. Das schmeckt, es mangelt aber ein bisschen an der gemüsigen Komplexität, die guter Tomatensaft mit reinbringt.

Was hat es mit den Bitters auf sich?

Sellerie und Tomate funktioniert, das wissen Fans von Mary-Varianten oder eines Red Snapper. Der kleine Tropfen Bitters oben auf dem Drink macht ihn etwas leichter, frischer und – aber das bilden wir uns in der Geschmäcker-Flut vielleicht auch nur ein – geschmacklich nochmal etwas interessanter. Und  das macht sonst keiner – ihr geht damit also sicher, dass euer Mexikaner zuhause spannender serviert wird, als eure Partycrew das aus der Kneipe gewohnt ist. Ja, ist ein bisschen angeben. Aber auch darum geht’s in der Homebar manchmal ein bisschen.

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Johann

Cocktailbarts Archmage of Content bei Nacht, stolzer Familienvater / Texter / Konzepter / Kreativarbeiter bei Tag.

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