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Giovannoni Vermouth Seco & Rosso im Cocktail-Test

Giovannoni Vermouth macht in beiden Varianten exzellente Cocktails - zeigt sich aber störrisch in den Standards.
Giovannoni Vermouth macht in beiden Varianten exzellente Cocktails - zeigt sich aber störrisch in den Standards.

Renato „Tato“ Giovannoni ist der Mann hinter den beiden Apóstoles-Gins, die wir euch schon an anderer Stelle vorgestellt haben. Er ist aber auch der Barchef hinter dem Tresen des Floreria Atlantico, bekannt als eine der besten Bars in Argentinien und weltweit, und er ist der Sohn italienischer Einwanderer. In seiner Familiengeschichte und seinem Leben finden sich daher sowohl südamerikanische, als auch italienische Einflüsse – gerade in der Welt der Kulinarik, auch der flüssigen, eine Kombination, die uns ein leises Quietschen abringt. 

Die Flasche für dieses Tasting wurde uns vom deutschen Importeur zur Verfügung gestellt, Bedingungen an den Artikel gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels.  

Passend zu seinem Gin hat Tato seit einiger Zeit nun auch zwei Wermuts auf der Kette, die genau diese beiden Einflüsse vereinen: kräftige argentinische Weine treffen auf italienische Aperitivo-Kultur und ergeben einen Seco und einen Rosso Vermouth, sprich einen trockenen und einen süßen, roten Wermut. Genau wie der Apóstoles Gin denken auch die Giovannoni-Wermuts keinesfalls daran, sich innerhalb der Grenzen ihrer sehr klassischen Kategorie zu bewegen. Dabei ist die Herstellung durchaus traditionell:

Giovannoni Vermouth Seco in einem Bamboo mit Lustau Sherry.
Giovannoni Vermouth Seco in einem Bamboo mit Lustau Sherry.

Die Story hinter Giovannoni Vermouth

In Zusammenarbeit mit dem bekannten argentinischen Winzer Matías Michelini wählte Tato zwei argentinische Weine für seinen Wermut aus: einen Bornada für den roten Wermut und einen Weißwein aus Torrontés-Trauben für den trockenen – beide sollten auch im fertigen Wermut eine große geschmackliche Rolle spielen. Spannenderweise gibt es auf der Webseite des deutschen Importeurs Imexory auch ausführliche Informationen zum Terroir der beiden Grundweine, die würden für uns an dieser Stelle aber etwas zu weit führen.

Beide Weine werden mit typisch-argentinischen Kräutern aromatisiert, darunter natürlich Wermut und beim Rosso etwa Mate, Pfefferbaum, Malve, Flohkraut, Zitronenverbene, Mandarinenzeste und Krähenfuss, beim Seco dagegen Mate, Olivenbaumblätter, Zitronenzeste, Kamille, Birnen und Aprikosen. Beide Wermuts werden nach der etwa zweiwöchigen Mazeration gefiltert und ohne Luft noch einmal zwei Wochen gelagert, anschließend werden sie mit reinem Alkohol und Traubenmost versetzt. Klingt jetzt pappsüß, mit 53,3g Restsüße (Rosso) bzw. 23,3g (Seco) sind die beiden durchaus auf der trockenen Seite ihrer Kategorien angesiedelt. Das ist zwar einerseits ziemlich sexy, wird uns beim Mixen aber noch vor ein paar Problemchen stellen.

Giovannoni Rosso in einem sehr schmackhaften Manhattan Cocktail.
Giovannoni Rosso in einem sehr schmackhaften Manhattan Cocktail.

Besonders hervorheben wollen wir an der Stelle die Flaschengröße. Die 0,375 Liter sind nämlich keinesfalls Abzocke, sondern im Gegenteil eine deutlich sinnvollere Flaschengröße für Wermut als die üblichen 0,75-Liter-Flaschen. Die großen Buddeln neigen zumindest in der Hausbar nämlich dazu, wochen- und monatelang herumzustehen und selbst im Kühlschrank verändern sie sich dabei im Normalfall nicht zum Besseren. Mit diesen Gebindegrößen passiert das nicht so leicht. Ergo habt ihr immer den vollen, originalen Geschmack:

So schmeckt der Giovannoni Vermouth Rosso

Kühlschrankkalt fliegt Giovannoni Rosso quasi schon cremig durch’s Glas. Die Farbe: ein dunkles, leuchtendes Rot. Der Duft: Kräuter und rote Früchte, Thymian, Kirschen, Wermut und ein Hauch von Honig. Steht er eine Weile, gesellen sich Aprikosen zum Bouquet und ein leichter Ansatz von Zimt und Nelken sowie frische Zitronenzesten.

Nase: Thymian, Kirschen, Aprikosen, Wermut, Honig, Zimt, Nelken, Zitronenzesten

Zunge: Kirschen, Aprikosen, Bitterorangen, Wermut, Thymian, Kamille, Lavendel, Champagner, Trauben, Zwetschge, Nelke

Auf der Zunge gerät der Wermut noch einmal deutlich komplexer: Wieder Kirschen, Aprikosen, dazu Bitterorangen, sehr viel Wermutkraut und Thymian. Der Nachgeschmack des ersten Schlucks: Bitter und gefühlt für immer. Der zweite Schluck offenbart floralere Aromen; Kamille, Lavendel und einen Hauch von Champagner und Traube, Zwetschge und Nelke.

Giovannoni Rosso in einem Bobby Burns Cocktail - Granate!
Giovannoni Rosso in einem Bobby Burns Cocktail – richtig stark!

So schmeckt der Giovannoni Vermouth Seco

Der Seco schwenkt sich deutlich flüssiger, glänz in einem Farbton irgendwo zwischen grün und orange. Der Duft: Medizinisch und kräutrig, Thymian, Harz, Waldhonig, Fichtennadeln sind die ersten Aromen, die wir wahrnehmen. Dazu kommen Piment und Nelken, Kamille und Zitrusnoten.

Nase: Thymian, Harz, Waldhonig, Fichtennadeln, Piment, Nelken, Kamille, Zitrus

Zunge: Thymian, Oliven, Nelken, Piment, Basilikum, Mate, Tabak, Birne, Kamille

Auf der Zunge ist auch dieser Giovannoni unerwartet kräftig und bitter: Thymian und Oliven sind die ersten Eindrücke, dazu kommen Nelken und Piment, Basilikum und ein Hauch von Mate und Tabak. Erst im Abgang zeigen sich leicht fruchtige Noten von der Birne, gemeinsam mit der Kamille.

Príncipe de los Apóstoles Gin Fuerza Gaucha in einem Martini mit dem Giovanonni Vermouth aus gleichem Hause.
Príncipe de los Apóstoles Gin Fuerza Gaucha in einem Martini mit dem Giovanonni Vermouth aus gleichem Hause.

Die Giovannoni Vermouths in Cocktails

Claas von Imexory warnte uns vor der Verkostung noch, dass die Giovannonis in den üblichen Standard-Drinks eher mittelmäßig funktionieren, ein Martini in Kombination mit Apóstoles Gin mal außen vor. Genau der ist es dann auch, den wir uns mit einem Seco und dem Fuerta Gaucha als erstes mixen und wir sind über die fein abgestimmten Aromen mittelschwer begeistert: Ein irre komplexer Cocktail, der den Gin zwar betont, dabei aber auch die Wein-Basis des Wermuts durchschimmern lässt.

Ein Negroni dagegen als Standard für einen Rosso-Vermouth gerät … schwierig. Gefühlt fehlt der Nummer an der Stelle wirklich die Süße. Im Manhattan gilt ziemlich genau dasselbe. Dickes Aber: Mit einer ordentlich feuchten Maraschino-Kirsche, die kräftig ins Glas tropft, einem Schuss Maraschino-Likör und einem Rye Whiskey (und vor allem: ohne Bitters) gelingt auch dieser Drink außergewöhnlich gut. Wahre Begeisterungsstürme löst der Giovannoni Rosso dann allerdings in einem Bobby Burns Cocktail mit Benedictine und Säntis Himmelberg aus – die Kombi aus dem bierigen Whisky und dem Kräuterlikör funktioniert mit diesem außergewöhnlichen Wermut großartig.

Giovannoni Vermouth Seco in einem Pisco Martini.
Giovannoni Vermouth Seco in einem Pisco Martini.

Ähnlich wundervoll funktioniert der Seco in Bamboo-Cocktails: Halb/Halb auf Eis verrührt mit Sherry – ein wahres Gedicht, auch wenn die Nummer den Einstiegs-Martini nicht ganz toppen kann. Was allerdings an unserem Faible für Martinis liegen könnte. Der ist auch der Grund dafür, warum wir den Seco in einer Martini-Variante mit Acholado-Pisco versuchen, einem eher kräftigen Pisco aus vermischten Trauben, der schon fast in Richtung milder Grappa abdriftet. Auch das kommt nicht ganz an den Apóstoles-Martini ran – muss es aber auch nicht, angesichts der konstant hohen Cocktail-Qualität in dieser Teststrecke.

Giovannoni Vermouths beim deutschen Importeur bestellen!

Fazit: Spannende und außergewöhnliche Wermuts, die ab vom Martini nur in den wenigsten wirklich gängigen Klassikern einwandfrei funktionieren – wenn man sich aber auf die besondere Aromatik (und den niedrigen Zuckergehalt) einlässt und zwei, drei Schritte abseits seiner üblichen Mixing-Pfade wandelt, erlebt man hier ein schmackhaftes argentinisch-italienisches Abenteuer.

Daten: Argentinien, 15,5/18 Prozent, 0,375 Liter, um 13 Euro

Der deutsche Importeur Claas von Zombory von IMEXORY hat uns für dieses Tasting eine Flasche des Gins zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus hat er aber weder auf das Tasting, noch den Artikel an sich Einfluss zu nehmen versucht. Vielen lieben Dank für die tolle Zusammenarbeit! 

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JohannTrasch

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