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Wild Turkey Rye Whiskey 101 und der Vieux Île Cocktail

Wild Turkey Rye 101 im Vieux Île - unserem karibischen Twist auf den Vieux Carré.
Wild Turkey Rye 101 im Vieux Île - unserem karibischen Twist auf den Vieux Carré.

Wild Turkey Bourbon ist vielen selbst dann ein Begriff, wenn sie noch nie ein Glas des wilden Truthahns verkostet haben. Mit dem Rye sieht die Sache dann allerdings schon anders aus – das liegt aber zugegeben weniger an der Marke als vielmehr daran, dass Rye als Kategorie noch immer unterrepräsentiert ist. Und das, obwohl der Roggen-Whiskey wohl die ursprüngliche, amerikanische Whiskey-Art darstellt und bis zur Prohibition Hauptbestandteil diverser klassischer Cocktails war, die heute in der Breiten Masse eher mit Bourbon zubereitet werden. Darunter etwa der Manhattan oder auch der Old Fashioned.

Die Flasche für dieses Tasting wurde uns von Campari Deutschland zur Verfügung gestellt, Bedingungen an den Artikel gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels. 

Die Wild Turkey Distillery geht für ihren Rye exakt denselben Weg wie schon für den Bourbon, setzt auf ähnliche Lagerzeiten sowie Fass-Behandlung und füllt den Whiskey in einer 81-Proof (40,5-Vol.-Prozent) sowie der hier vorgestellten 101-Version mit 50,5 Prozent ab. Man könnte jetzt also schlicht sagen: Wenn euch der Wild Turkey 101 Bourbon schmeckt, dann seid ihr hier auch richtig. Damit würden wir’s uns allerdings ein wenig sehr einfach machen – und vor allem lügen.

Die Story hinter Wild Turkey 101 Rye Whiskey

Wer sich für einen umfangreichen Überblick zur Wild Turkey-Story interessiert, dem empfehlen wir unseren Artikel zum Wild Turkey-Bourbon, indem wir sie etwas umfangreicher aufrollen. Weil wir keine Fans davon sind, Sachen zweimal zu erzählen (Menschen, die den Autor der Zeilen schon einmal angetrunken erlebt haben, würden widersprechen, sind aber Lügner), hier nur soviel: Den Namen trägt die 1891 gegründete Destille seit einer ihrer Mitarbeiter 1943 Kostproben des Getränks auf einer Truthahnjagd verteilte. Elf Jahre später, im Jahr 1954 begann einer der beiden heutigen Master Distiller hier seine Ausbildung. 1981 folgt ihm sein Sohn ins Unternehmen – und darf sich 2016 endlich auch Master Distiller nennen.

Wild Turkey 101 Rye im Old Fashioned.
Wild Turkey 101 Rye im Old Fashioned.

Für den Wild Turkey Rye setzen die beiden wie beim Bourbon auf ein Destillat, das zunächst in der Column, dann in der Pot Still gebrannt wird und anschließend mindestens 5 Jahre in Fässern reift, die mit dem sogenannten Alligator Char geröstet wurden. So nennt man das, wenn man die Innenseite der frischen Eichenfässer fast eine Minute lang mit dem Flammenwerfer bearbeitet. Das Ergebnis ist tiefschwarzes, „geschupptes“ Holz, das sich natürlich etwas anders auf den Geschmack auswirkt als nur leicht getoastete Eiche. Jetzt ist „Rye Whiskey mit viel verbranntem Holz“ zwar was, das sich in manch Connaisseurs Ohr nach Musik anhört (auch in unserem), das – vor allem bei 50,5% – aber so manchem schon aromatisch zu heftig sein könnte. Schluss mit Konjunktiv, jetzt wird probiert.

So schmeckt der Wild Turkey 101 Rye

Im Glas zeigt er einen rötlich-braunen Bernsteinton, schwenkt sich angemessen viskos und zieht wenige, aber dicke Nasen am Glasrand. Sein Duft ist klar Rye: Vanille und schwere Eiche treffen auf einen würzigen Geruch irgendwo zwischen Roggenbrot und herbsüßem Honig. Ein leichter Anklang von Orangenabrieb und etwas Karamell machen sich außerdem in der Nase breit.

Nase: Vanille, Eiche, Roggenbrot, Honig, Orangenabrieb, Karamell

Mund: Roggen, Brotgewürz, Honig, Bitterorangen, Vanille, Holz, Zitrusschale, Karamell

Der Aufschlag auf der Zunge ist geprägt von angenehmen Gegensätzen: Roggen und Brotgewürz schlagen auf der Zunge auf und zerfließen dann als warmer Honig mit sanften Bitterorangen-Anklängen zum Gaumen hinab, wo er heiß-vanillig-holzig den Rachen hinunterläuft. Der Whiskey hat eine merkliche Pfefferschärfe, die allerdings sehr schnell verfliegt. Der Nachgeschmack bringt Aromen von Zitrusschale und Karamell, die angenehm lange auf der Zunge bleiben.

Der Whiskey pur und in Cocktails

Ein schöner, ausgewogener Whiskey, der – anders als es die Nummer mit dem verkohlten Fass vermuten lässt – kein überbordendes Rauch-Würze-Monster ist. Stattdessen haben wir hier einen Rye Whiskey, der Kraft und Würzigkeit mitbringt, ohne dabei die süßen Vanille-Noten unterzubuttern, die American Whiskey-Fans normalerweise zu schätzen wissen. Pur stört uns die leichte Pfeffernote etwas, Pur-Genießer sollten den Rye entsprechend mit ein paar Tropfen Eiswasser entschärfen.

Wild Turkey Rye 101 im Purgatory Cocktail mit Benedictine und Green Chartreuse.
Wild Turkey Rye 101 im Purgatory Cocktail mit Benedictine und Green Chartreuse.

In Cocktails macht der Rye mit seiner Ausgewogenheit eine hervorragende Figur: Rye-Würze, die man auch tatsächlich schmeckt, die aber anderen Spirituosen und ihren Aromen viel Platz zum Atmen lässt. Ein Perfect Manhattan mit rotem und trockenem Wermut gelingt hervorragend, lässt tatsächlich allen Elementen den entsprechenden Platz im Drink und wird zu einem extrem komplexen, wenn auch kantigen Vergnügen. Der Purgatory aus Wild Turky 101 Rye, Benedictine und Chartreuse Grün ist ein Gedicht (wenn auch eines, von dem man besser keine zwei trinkt bei 12,5 cl Hochprozentigem) und auch ein Sazerac schmeckt genau so wie er schmecken soll. Als wir gerade einen Vieux Carré mixen wollen, fällt unser Blick allerdings auf eine Flasche Rum – und wir mixen uns stattdessen diesen ziemlich exotischen Twist:

Vieux Île

  • 3 cl Rye Whiskey
  • 3 cl Rum
  • 3 cl Roter Wermut
  • 0,75 Bananenlikör
  • 2 Dashes Peychaud’s Bitters
  • 2 Dashes Angostura

Alle Zutaten zusammen auf Eis rühren und in einen Tumbler mit einem großen Eiswürfel abseihen. Mit einer Zitronenzeste abspritzen. Trinken.

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Fazit: Ein spannender, kräftiger American Whiskey, der das Rye in seinem Namen zelebriert, ohne über die Stränge zu schlagen. Pur ein wenig feurig, in Cocktails aber mit einer wunderbaren aromatischen Breite und großer Kraft, die auch gegen intensivere Zutaten ankommt.

Daten: USA, um 35 Euro, 0,7 Liter, 50,5 Prozent

Campari Deutschland  hat uns eine Flasche des Produkts für redaktionelle Zwecke zur Verfügung gestellt, danach aber weder auf Art noch Umfang eventueller Artikel, noch das Tasting Einfluss zu nehmen versucht. Wir sagen Danke für die tolle und unkomplizierte Zusammenarbeit.

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JohannTrasch

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