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Caipirinha – das Rezept für den brasilianischen Cachaça-Cocktail

Eine Caipirinha mit vielen Limetten, Jiggler und Muddler. Quelle: Fotolia.com © gunnar3000
Eine Caipirinha mit vielen Limetten, Jiggler und Muddler. Quelle: Fotolia.com © gunnar3000

Caipirinha. Caipi. Nomnomnom. Herzlich willkommen zum unbeholfensten Text-Einstieg, den jemals ein Cocktail-Rezept erdulden musste. Der ist folgendermaßen entstanden: Eigentlich hat die Caiprinha nur deswegen als erster Cachaça-Drink den Weg auch Cocktailbart gefunden, weil Deutschland sie so liebt. Sie ist der meistbestellte Drink in jeder Bar und der meistgesuchte im Internet. Doof nur: Barkeeper hassen sie. Und wir eigentlich auch. Bis… ja, bis wir angefangen haben, Caipirinha endlich mal ernst zu nehmen.

Unser Rezept für Caipirinha

  • 6 cl Cachaça
  • 1 Limette
  • 2 Teelöffel weißer Rohrzucker

Limetten in einen Shaker auspressen und mit Eiswürfeln und Cachaça ordentlich shaken. Im Caipirinhaglas die ausgepressten Limetten und den Zucker mit einem Stößel anpressen, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Pressen heißt nicht quetschen, leichter Druck reicht. Drink samt Eis ins Glas schütten. Trinken!

Was ist eine Caipirinha? Und warum eigentlich „die“?

Der Longdrink stammt wie die Basis-Spirituose Cachaça aus Brasilien und er ist sowas wie die alkoholische Visitenkarte des Landes, neben dem Zuckerrohr-Schnaps selbst. Sein Name bedeutet soviel wie „Landei“ und weil er selbst in seinem Heimatland den Leuten zum Hals heraushängt, berichten immer mehr Brasilien-Urlauber davon, dass man dort deutlich öfter den Caipiroska zu trinken bekommt. Einen Caipirinha mit Wodka statt brasilianischem Zuckerrohrschnaps.

Der Cocktail-Definition nach ist sie eine Batida. Auch, wenn man das hierzulande nur aus dem Namen weißer Kokospampe kennt – eigentlich beschreibt „Batida“ einen Drink, der aus Frucht/Fruchtfleisch/Fruchtsaft/Fruchtpüree, Zucker, Schnaps und Eis oder Wasser besteht. Eine Batida de limão beschreibt eine Caipirinha, die nur aus Limettensaft besteht, ohne Fruchtfleisch.

Warum aber heißt es jetzt „die“ Caipirinha? Warum nicht DER Caipirinha? Weil der Longdrink nur was für Mädchen ist? Mitnichten. Zum einen stecken Frauen harten Schnaps mindestens genauso gut weg wie Männer, zum anderen heißt es ja auch nicht „die“ Kölsch. Grammatikalisch korrekt ist laut Duden für den/die Caipirinha beides, wer sich über den korrekten Artikel streiten will, muss das also ohne die Hilfe deutscher Sprachwächter tun.

Ein Caiprinha kann euch nicht nach Brasilien zaubern - 5 oder 6 vielleicht schon.
Ein Caiprinha kann euch nicht nach Brasilien zaubern – 5 oder 6 vielleicht schon.

Das perfekte Rezept für Caipirinha

Kommen wir zur Praxis: Wie kommen wir zu unserem Rezept oben, warum genau dieses und keine anderes? Warum genau dieser Zucker, warum genau eine zerquetschte Limette und funktionieren auch 7 cl Schnaps, wenn mein Glas größer ist? Alles gute Fragen. Die obige Variante hat in unserem Test nach langem Herumprobieren die besten Ergebnisse erzielt, schmeckte einfach am besten. Dabei haben wir bewusst sowohl deutsche Varianten ausprobiert als auch solche, die als original brasilianisch gehandelt werden, haben das Eis gewechselt, das Glas, den Schnaps. Unsere Test-Ergebnisse:

Der richtige Cachaça

Wie ausschlaggebend die Spirituose für eine gute Caipirinha ist, das merkt man erst, wenn man zum ersten Mal den Pitú, den wir alle zuhause stehen haben, durch richtigen Cachaça ersetzt. Anders: Was Caipirinha ist, das merkt man erst, wenn man ihn zum ersten Mal nicht mit Pitú macht. Nichts gegen den günstigen Standard beim schnellen „Caipi“ in der Disco, das Preis-Leistungs-Verhältnis ist okay. Doof nur, dass es in ähnlichen Preisklassen besseres gibt.

Wir testen unsere Caipirinha nicht nur mit Pitú, sondern testen zum ersten Mal Velho Barreiro und einen Velho Barreiro Gold. Cachaças, die man zwar nicht im Supermarkt findet, die aber mit einem Preis von 13 bis 20 Euro auch nicht deutlich teurer sind als die Standard-Spirituose oder zum Beispiel ein Ypioca Ouro. Der Velho Barreiro schmeckt nicht einfach nur nach Alkohol, sondern entwickelt ein Aroma von Banane, Frucht und ein bisschen Marzipan. Heißt: Mit einer guten Spirituose schmeckt die Caipirinha nicht nur nach zerquetschten Limetten mit Brand. Wer das richtige Zuckerrohr-Destillat für sich finden will, schaut zum Beispiel auf cachaca-blog.de, wo schon deutlich mehr davon verkostet wurden als bei uns.

Die Limetten gut behandeln

Man liest ja viel darüber, wie man die Dinger nun genau schneiden soll, damit sie ihr volles Geschmackspotenzial entfalten: ob man sie nun achtelt oder in Schnitze hackt. Schnitze haben den Nachteil, dass man sie beim bearbeiten mit dem Stößel komplett zerfetzt werden – so hat man später mehr loses Fruchtfleisch im Drink. Das gehört zwar zu einer Caiprinha dazu, aber wir haben noch nie jemanden sagen hören „Und mach mir den Caipi so, dass ich schön viel Dreck im Strohhalm hab‘!“

Spannender ist da die Frage, ob man nun den Strunk aus der Limette schneidet oder nicht. Der Sinn dahinter: Im Strunk und den Spitzen sammeln sich die Bitterstoffe der Zitrusfrucht, ähnlich wie wenn ihr eine Zitrone abreibt und zu viel weiße Haut mit reinbringt. Im Test machte das aber nur einen Unterschied, wenn wir die Limetten wirklich wie die bekloppten mit brutaler Gewalt totgemuddelt haben. Bei besonders geschmacksintensiven geachtelten Limetten ist es zwar durchaus möglich, dass die Bitternoten durchkommen, wir haben’s aber noch nicht erlebt.

In Scheiben als Schnitze, nur der Saft oder nur die Schale? Limetten für Caiprinha schneiden ist voll schwer.
In Scheiben als Schnitze, nur der Saft oder nur die Schale? Limetten für Caiprinha schneiden ist voll schwer.

Wie aber bearbeitet man die Limette jetzt am besten? Wir erzielen die besten Ergebnisse damit, dass wir sie kurz auf dem Brett rollen und sie anschließend achteln, die wir wie oben beschrieben, in den Shaker pressen. So können wir brasilianischen Schnaps und Limettensaft sauber auf Eis mixen – würden Eis und Limetten gleichzeitig im Shaker herumgewirbelt, würde sich das Fruchtfleisch noch mehr ablösen. Die ausgepressten Limetten haben im Normalfall noch immer genug Saft, um den Zucker aufzulösen, wenn ihr sie sanft mit dem Stößelanpresst und euch Zeit lasst.

Das richtige Eis für Caiprinhas

In Deutschland nimmt man meist Crushed Ice für die Caipirinha, in Brasilien Eiswürfel, weil sie länger halten. Wir haben im Test nicht einen vernünftigen Grund gefunden, warum man tatsächlich Crushed Ice für dieses Cocktail-Rezept benutzen solltet. Es verstopft den Halm, verwässert die Plörre in kürzester Zeit und sieht billiger aus. Nehmt ordentliche Eiswürfel. Werdet glücklich.

Strohhalm oder kein Strohhalm?

Eine Caiprinha trinkt man eigentlich ohne Strohhalm – wenn man unbedingt welche braucht, nimmt man aber stets gleich zwei.

Weißer oder brauner Zucker?

Auch hier gibt’s regionale Unterschiede: In Deutschland greift man zum braunen Rohrzucker, Brasilianer nehmen weißen Rohrzucker oder Rapadura – einen braunen Batzen aus Zuckerrohrsaft mit ausgeprägten Karamellnoten. Der schmeckt tatsächlich am besten, geht aber neben einer guten Basis-Spiritose und in der Limettensäure etwas unter. Geschmacklich werden die meisten eurer Gäste keine Unterschiede merken, wenn wir ehrlich sind.

Aber weißer Zucker sieht in der Caiprinha besser aus und ihr müsst euch nicht dumm von euren Kumpels anreden lassen, weil ihr – voll prollig *augenverdreh* – braunen Zucker nehmt. No Go: Weißen Zucker benutzen und groß darüber quatschen. Nervt.

Alkoholfreier Caiprinha

Caipirinha schmeckt auch ohne Schnaps.
Caipirinha schmeckt auch ohne Schnaps.

Wer einen alkoholfreien Caiprinha zubereiten will, nimmt statt Cachaça Ginger Ale mit einem Spritzer Bananensaft. Das kommt dem richtigen Caipirinha-Geschmack zwar auch nur ein bisschen näher als die gängige Sprite-Variante, ist aber unserer Ansicht nach deutlich leckerer.

Und am Ende geht es genau darum – sich mit einem erfrischenden, leckeren Drink irgendwo in die Sonne zu setzen und die Zeit zu genießen. Ob mit oder ohne Schnaps, das ist Nebensache.

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JohannTrasch

2 Kommentare

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  • Der Caipi ist immer ein erklärungsbedürftiger (scheiss) Drink.
    Das Problem ist, dass das Glas nur halbvoll ist und der Gast erstaunend schaut.
    Masse statt klasse in Deutschland.

    • Die Erfahrung hab ich auch schon gemacht, zugegeben. Dagegen hilft allerdings normalerweise, bei der Bestellung schon zu sagen: „Obacht, wir machen das hier nach Originalrezept – kleineres Glas, aber geilerer Cachaça.“ Im Normalfall entscheidet sich der Gast entweder um oder freut sich sogar noch drauf.

      Abgesehen davon ist Masse statt Klasse bei Drinks sicher nicht nur in Deutschland ein Problem – dafür kommen aber auch immer mehr Menschen dazu, die einen gut gemachten Shortdrink dem Happy Hour-Long Island vorziehen. Wenn auch nicht in dem Tempo, dass wir sicher alle gerne hätten 🙂