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Granit Bavarian Gin

Granit Bavarin Gin von der Hausbrennerei Penninger in einem sauguten Gin Tonic.
Granit Bavarin Gin von der Hausbrennerei Penninger in einem sauguten Gin Tonic.

Wegen Granit Gin haben wir kein Bewertungssystem. Oder besser: Wegen Destillaten wie dem Granit Gin, so ganz allein ist  er ja auch nicht schuld daran, dass wir hier weder Sterne noch Däumchen noch ein „Prädikat: Sau(f)stark“ führen. Der Wacholderschnaps aus der Hausbrennerei Penninger ist nämlich so ursympathisch und der Blutwurz aus gleichem Haus so eng mit unserem persönlichen Genuss-Erwachsenwerden verbunden, dass uns vollkommen wurscht wäre, wie er schmeckt: das Zeug bekäme Minimum irgendwas um die 80 Prozent. Oder 4/5 Sternen. Mit irgendeinem Prädikat, weil aus Bayern. Aber jetzt ist das Zeug halt auch noch gut – und da soll man neutral bleiben?

Die alte Hausbrennerei Penninger

Der Penninger ist, vor allem aber nicht nur in Bayern, für Blutwurz und Bärwurz bekannt. Kräuterlikör aus braunen, länglichen Steingutgefäßen, die aussehen wie versteinerte Curry-Ketchup-Flaschen. Als wir noch Kinder waren, haben sich Oma und Opa das Zeug nach dem Essen reingehauen. Papa auch. Ist ja schließlich gut für die Verdauung. Wir durften nippen – und hätten uns fast übergeben. In der persönlichen Sturm- und Drangzeit war dann Wirkungstrinken angesagt, Penninger-Produkte im Vergleich zu Bier und Fusel teuer und für alte Leute. Und heute? Ist Blutwurz immer noch hartes Zeug – aber wir wissen die Aromatik zu schätzen, das Handwerk das dahintersteht, wir wissen sogar, wie man saugute Cocktails damit macht und wir haben die jugendliche Rebellion gegen alles, was alte Leute mögen, längst abgelegt. Aber verstehen die beim Penninger deswegen auch Gin?

Klar: Den Granit Bavarian Gin gibt es seit 2014 – da stieg Juniorchef Stefan Penninger in den Betrieb ein und entschied sich, das zwischen klassischen Kräuterlikören und Edelbränden auch Platz sein muss für so eine klare, britische Spirituose. Wacholder kennt man als bayerische Distille schließlich, der Opa hat in den 50ern schon einen Doppelwacholder gebrannt. Das reichte dann auch, um den Best Traditional Style Gin 2016-Award bei den World Gin Awards abzuräumen.

Aber weil einfach nur richtig gute Arbeit machen nicht reicht, gibt’s eine gute Story dazu. Oder besser Storys: Fokus zurück auf Wacholder, in einer Zeit, in der jeder Gin vor Wacholder flüchtet, Besinnung zur Heimat, indem man mit Granit den heimischen Steinbruch im heimischen Hauzenberg ehrt. Im Namen, als Kühl-deinen-Drink-damit-Geschenk-Steinchen zu jeder Flasche, in einer speziellen Filter-Anlage. Bio-zertifiziert ist der Granit Gin auch. Aber wie schmeckt er denn jetzt?

So schmeckt Granit Gin

Im Glas ist der Gin klar und wirkt sehr leicht, ist aber ölig genug, um sehr viele und schnelle Beinchen zu ziehen. 28 Botanicals haben wir da im Glas. Klingt nach viel, vereint aber klassische London Dry Gin-Botanicals mit bayerischen Kräutern. Das riecht man auch sofort: Ein irre intensiver Wacholder springt uns ins Gesicht, dicht gefolgt von einer enormen Kräuterwolke. Wenn sich die Übermacht in der Nase legt, kann man Fichtenspitzen herausriechen, Rosmarin und Enzian. Dazu gesellen sich Zitronenschalen und eine würzig-kräftige Note. Granit Bavarian Gin riecht, als hätte man einen klassischen London Dry Gin genommen und darin den bayerischen Wald mazeriert.

Nase: Wacholder, Fichtenspitzen, Zitronenschalen, Rosmarin, Enzian

Mund: Wacholder, Zitrusfrüchte, Kräuter, Enzian, Bärwurz, Pfeffer

Im Mund erwarten wir eine ähnliche Gewalt, aber hier gibt er sich galant, die Sau – typisch bayerischer Bub eben. Auf der Zunge kommt er unglaublich mild und weich an, mit einer mundfüllenden Öligkeit. Wir schmecken den Wacholder und eine kräutrige Zitrusfrüchte, ein bisschen Zitronenmelisse-Bonbonartig. Kurz vor dem Gaumen kommt dann die starke Wolke aus Kräutern, vor allem der Enzian wird spürbar. Für einen ganz kurzen Moment könnten wir auch einen Bärwurz im Mund haben vom Geschmack her. Doch im Nachgang bleiben eine klare Wacholderfrische mit etwas Pfeffer. Schönes Ding.

So schlägt er sich im Gin Tonic

Mit diesem Gin werden G&Ts so, wie sie mal gedacht waren: zu trockenen, angenehm bitter-herben Longdrinks mit Charakter. Entsprechend schmecken uns auch die eher unkomplizierten Tonic Waters: Ein Thomas Henry oder das Schweppes Dry machen sich gut und sehr maskulin im Drink, mit Gentleman’s Tonic kitzelt ihr vor allem die eh schon vorhandenen leichten Pfeffernoten im Granit Gin hervor – tolle Kombo. Auch das Fever Tree Mediteranean macht sich gut, durch die Milde hat der Gin viel Freiraum für sich.

Was einerseits sehr schön ist, andererseits ein bisschen schade: Dem Granit tut ein Gegenpol nicht weh, es macht Spaß ihn zu kombinieren – und er funktioniert auch pur so gut, dass wir ihn nicht mit einem zu sanften Tonic einfach nur verlängern wollen. Elderflower Tonics von Thomas Henry und Fever Tree schmecken in einem Granit-G&T übrigens lecker, sind uns persönlich aber zu verspielt, zu blumig für diesen herben Niederbayern. Als Garnitur empfehlen wir übrigens klassisch Zitronenzesten. Nicht, dass Gurke hier „falsch“ wäre, wenn’s um Geschmäcker geht ist eh nichts falsch. Mit der herbkräutrigen Note geht die Sache dann auch in eine spannende Gurkensalat-Richtung – trotzdem bleibt Zitrone unser Favorit.

Granit Bavarian Gin in anderen Cocktails

Ungelogen: Mit diesem Gin haben wir uns einen der besten Gin Basil Smashes unseres Lebens gemixt. Die kräutrig-würzige Aromatik des Granit passt genau zwischen Basilikum und Zitrone und macht den ganzen Cocktail vollmundiger, intensiver. Ein toller, frischer und gleichzeitig auch herber Drink, optimal zum Grillen. Schon vor einiger Zeit haben wir den Granit Gin auch zur Spirituose der Wahl im Bavarian Sour gekürt, unserer Cocktail-Eigenkreation aus Gin, Biergelee und Chocolate Bitters.

In Martini und Gimlet ist der Granit Gin durchaus lecker – aber anders als beim Gin Basil Smash haben wir nicht das Gefühl, das er uns bei diesen Cocktail-Rezepten neue Welten öffnet, die nicht andere Gins auch ordentlich besetzen könnten. Aber das ist jetzt wirklich meckern auf ganz hohem Niveau: Wer keinen Gin daheim hat, außer Granit, kann alle Gin-Cocktails machen und zwar in geil, Punkt. Kann jetzt bitte irgendwer dem Penninger sagen, er soll bitte auch einen Whisky machen? Danke.

Fazit: Toller, intensiver wacholderlastiger Gin  in schicker Aufmachung mit (zumindest bei uns) Penninger-Bonus. Das Ganze für 30 Euro auf 0,7 Liter statt der aktuell üblichen 35 für 0,5. Das macht ihn so ganz nebenbei noch zu unserer deutschen Nummer 1 in Sachen Preisleistung.

Daten: 0,7 Liter, 42 Prozent, um 30 Euro, Deutschland

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Quellen und Interviews mit Stefan Penninger:

 

 

JohannTrasch

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