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Sommercocktails für die Gartenparty: Batched Drinks & Highballs

Gartenparty ohne sommerliche Cocktails? Nicht mit uns.
Gartenparty ohne sommerliche Cocktails? Nicht mit uns.

Schon klar: In der aktuellen Lage ist es nicht unbedingt die klügste Idee, sich mit Dutzenden oder gar Hunderten anderer Menschen unkontrolliert ins festivaltastische Partygetümmel zu stürzen und sich gegenseitig abzuschlecken als hätten wir den Sommer der Ahnungslosen 2019. Aber wer hier und heute eine kleine, verantwortungsvolle Gartenparty schmeißt, um das bisschen Sommer mit guten Freunden zu genießen, der will sich gut unterhalten und Spaß haben. Dazu gehört es als Homebartender von Welt freilich auch, den einen oder anderen Cocktail zu mixen – wer seine eigene Party dann allerdings komplett hinterm Tresen verbringt, dem vergeht die Cocktail-Laune dann doch irgendwann. Dagegen helfen die richtigen Drinks und die richtige Vorbereitung.

Das perfekte Cocktail-Menü für deine Gartenparty

Gehen wir davon aus, dass eure Party draußen stattfindet – drinnen zu feiern ist vielen noch immer nicht geheuer und abgesehen davon kann man im muffig-kalten Partykeller auch im Winter noch genügend feiern. Außen-Party heißt für die meisten von euch: kein fließend Wasser, meistens nicht besonders viel Platz zum Shaken, Schneiden, Pressen. Klar könnt ihr euch noch schnell eine Outdoor-Theke schreinern, die Praxis zeigt aber, dass die meisten Heimbar-Nerds lieber unter den widrigsten Bedingungen am wackeligen Campingtisch auf 90 cm Arbeitshöhe irgendwie ordentliche Drinks zusammenzuklöppeln. Was bedeutend öfter in Bandscheibenvorfällen endet als in richtig guten Mojitos.

Die Lösung: Sommerliche Cocktails wählen, die ihr entweder vorbereiten oder ohne großen Aufwand live mixen könnt. Das muss nicht immer bedeuten, dass diese Drinks unspektakulär sind, aber klar: ihr verliert mit Sicherheit den einen oder anderen Performance-Punkt, wenn ihr euch nicht die Seele aus dem Leib schüttelt, sondern die Leute aus dem Pitcher bedient. Unserer Erfahrung nach ist das aber spätestens dann egal, wenn der erste Gast “Boah, ist das geil – was’s da drin?” gestöhnt hat. Damit er das dann auch tut, während ihr euch trotzdem 90% der Zeit um eure Gäste und euch selbst kümmert, statt um die Cocktails, müssen die Drinks auf eurer Gartenparty aber auch richtig, richtig gut werden.

Mit der richtigen Deko beeindruckt auch ein eigentlich simpler Highball optisch (und geschmacklich sowieso).
Mit der richtigen Deko beeindruckt auch ein eigentlich simpler Highball optisch (und geschmacklich sowieso).

Highballs & Longdrinks auf der Gartenparty

Die einfache Variante und gleichzeitig die, mit der ihr die meisten Freiheiten genießt, sind klassische Highballs, die ihr im Glas baut. Beispielsweise ein Cuba Libre – Glas voller Eis, Rum und Limettensaft rein, Cola drauf, BÄM. Freilich: auch wenn ein klassischer Rum & Coke beileibe kein schlechter Drink ist, vom Stuhl reißt ihr damit niemanden. Als Homebartender wollt ihr dann bei aller Faulheit doch mit Drinks beeindrucken, die sich die Leute eben nicht jedes Wochenende selbst daheim zusammenschütten. Und so richtig nach Sommercocktail klingt das jetzt auch nicht unbedingt. Würden wir eine Gartenparty feiern, würden wir auf folgende Drinks setzen:

  • Paloma: Die Paloma ist ein Tequila-Klassiker, aber einer der bei uns noch nicht so weit verbreitet ist. Er kombiniert guten Tequila mit Limettensaft, einer Prise Salz und süßsauerbitterer Grapefruitsoda. Die Geschmackskombi ist Wahnsinn, das Teil ist unglaublich frisch und sommerlich. Der Kackpunkt: Grapefruitsoda ist nicht immer ganz billig, bei großen Gesellschaften rentieren sich Homemade-Varianten (siehe unser Artikel zur Paloma). Dann fehlt allerdings meist die intensive rosa Farbe, die diesen Drink zum ultimativen “Ich will das auch!”-Hingucker macht. Wer kauft, dem empfehlen wir die Three Cents Pink Grapefruit Soda – Wahnsinnsfarbe, guter Geschmack. So oder so: Drink mit einem Schnitz Grapefruit garnieren und eure Party ist “instagrammable af”, wie die jungen Leute sagen.
  • Rum & Pineapple Soda: Zum ersten Mal ist uns diese Kombi vor Urzeiten als Brennerschorle in Form von Revolte Rum und Fanta Ananas begegnet, seitdem trifft man sie immer wieder mal. Alleine schon weil mit Jaritos Pineapple und Balis Tiki in den letzten Jahren zwei vergleichsweise breit verfügbare Ananas-Limos erhältlich sind, die der Kombi etwas mehr Underground verleihen. Egal, für welche Soda ihr euch entscheidet, und ob ihr auf gereiften oder weißen Rum setzt: Macht einen Schuss Limette mit rein für die Frische und garniert den Drink mit Rosmarin, Salbei oder Minze für eine dritte Duft-Dimension und ein schönes Grün-Gelb-Farbspiel.
  • Gin Basil Highball: Der Gin Basil Smash von Joerg Meyer ist ein moderner Klassiker, der immer gut ankommt. Aber als Smash (sprich: Sour mit Kräutern) ist er dann doch vergleichsweise aufwendig. Um trotzdem strahlend-grüne Gin-Liebe unter euren Gästen zu verbreiten, greift ihr einfach auf einen Gin Basil-Premix zurück. Wie ihr den zubereitet, erklärt euch Joerg in diesem Youtube-Video höchstselbst. Im Wesentlichen jagt ihr Basilikum mit Zitrone und Zuckersirup durch den Mixer und gießt das dann mit Gin und kaltem Sprudelwasser auf. Alternativ könnt ihr natürlich auch hier mit einer der vielen Basilikum-Limos am Markt arbeiten – aber dann solltet ihr einen Extra-Schuss Zitronensaft mit ins Glas geben. Und natürlich garniert ihr den Drink immer und in jedem Fall mit etwas Basilikum.

Für alle hier gezeigten Highballs setzen wir auf qualitativ hochwertige, aber nicht zu teure Spirituosen – die Gäste auf unseren Gartenpartys sind traditionell durstig. Hayman’s London Dry Gin, Plantation 3 Stars Rum und Topanito Tequila 40% wären für dieses Highball-Menü unsere To Go-Spirituosen. Die mixen wir dann für unsere Homebar-Homies im Verhältnis von grob 1:2, für die Partycrowd, die sonst eher leichten Spritz gewohnt ist, eher in süffigem 1:3.

Sommercocktails “by the Batch”

Spritzige Highballs sind toll, aber je später der Abend, desto mehr will man auch auf einer Gartenparty was Handfestes – Drinks mit etwas mehr Substanz, die trotzdem das Prädikat “Sommercocktails” verdienen. Hier helfen Punches und sogenannte Blender Sours, sprich Sour-Cocktails, die ihr im Mixer zubereitet. Anders als euch die Mixermafia nachhaltig versichern will, braucht ihr dafür aber keinen Hochleistungs-Blender aus der Gastronomie. Eine gute Küchenmaschine, die noch ein paar Sachen mehr kann oder ein Pürierstab funktionieren auch hervorragend. Wobei die Nummer mit dem Zauberstab je nach Menge doch wieder in Arbeit ausartet.

Mit Getränkespendern für eure Punches und Batched Drinks können sich die Gäste selbst bedienen.
Mit Getränkespendern für eure Punches und Batched Drinks können sich die Gäste selbst bedienen.

Wir mixen für Gäste bei akuter Einzeldrink-Faulheit gerne folgende Batched Cocktails:

  • Pisco Sour: Der Klassiker, der auch aus dem Mixer oder eben der Küchenmaschine hervorragend schmeckt. Einfach nach dem 6:3:2-Original-Rezept mit Limettensaft und Zuckersirup in den Mixer schmeißen, pro Portion grob 4 bis 5 Eiswürfel dazu und einmal hochrotieren, bis alles cremig ist. Der Vorteil der Mixer-Pisco Sours ist vor allem, dass die Eiweiß-Schaumhaube damit praktisch immer hervorragend gelingt. Und dass ihr pasteurisiertes Eiweiß aus dem Tetrapack benutzen könnt. Alternativ tut’s natürlich auch veganes Aquafaba, jeweils 2 cl pro Portion. Nach dem Mixen einfach auf Gläser verteilen, wie im verlinkten Rezept mit Bitters garnieren und servieren.
  • Buttermilch Margarita: Ja, als Adaption der Margarita serviert man diese moderne Interpretation von Bartenderin Betty Kupsa eigentlich straight up, sprich ohne Eis in der Coupette. Auch da ist sie schon sommerlich, bei 32 Grad im Schatten ist die gemixte Variante mit “integriertem” Eis aber noch einen Ticken leichter als das sauer-süß-würzige Original. Auch hier messen wir einfach das Original-Buttermilch-Margarita-Rezept in den Mixer, geben 4 bis 5 Eiswürfel pro Portion dazu und lassen das Ding aufdrehen. Alternativ mixt ihr die Drinks nur für ca. 5 Sekunden im Blender (nicht einfach nur rühren, das emulgiert nicht) und gießt sie dann auf viel, viel Eis in einen Getränkespender. Dadurch ist sie zwar nicht ganz so cremig, dafür kann sich für die nächsten paar Stunden jeder jederzeit Buttermilch Margaritas selbst zapfen. Sollte sich im Spender-Glas die Emulsion auflösen, was mal passieren kann, einfach kurz mit einem langen Holzlöffel umrühren.
  • Philadelphia Fish House Punch: Der klassische Rum-Cognac-Punch mit Zitronensaft und Pfirsichlikör sieht von außen nicht viel anders aus als Omas fade Bowle, ist aber kräftig, intensiv und spannend wie ein gut gemachter Tiki-Cocktail. Unser Rezept dafür ist mehr auf ein einzelnes Glas des Punches ausgelegt, für ein komplettes Fass davon schaut ihr rüber zu Jeffrey Morgenthaler, dessen Oleo Saccharum-Variante unter Fans des Drinks nichts Geringeres ist als legendär. Habt ihr den Drink nach seiner Anleitung angerührt, könnt ihr ihn ebenfalls in eines dieser unglaublichen praktischen 3- bis 5-Liter-Spendergläser packen (auf viel, viel Eis) und eure Gäste bedienen sich einfach selbst.

Auch hier setzen wir auf qualitativ hochwertige, aber nicht zu teure Spirituosen – Topanito Tequila Reposado für die Buttermilch Margarita, Barsol Quebranta Pisco und Pierre Ferrand 1840 Cognac sowie Appleton Estate Signature Blend wären unsere Flaschen der Wahl.

Die 5-P-Regel: Proper Preparation Prevents Poor Performance

Wenn wir ihr wären, würden wir einen oder maximal zwei der Batched Drinks und alle drei Highballs für die Gartenparty auf die Karte setzen. Die Erfahrung lehrt uns, dass die Buttermilch Margarita der größte Augenöffner von den dreien ist (O-Ton: “Woah, das ist also Tequila in gut? Und dass das so mit der Buttermilch, also .. hätt’ ich ja nicht gedacht.”). Und da ihr für die Paloma eh guten Tequila im Haus habt, könnt ihr effizient einkaufen. Zugegeben, Palomas mixt man mit ungereiftem, Buttermilch Margaritas mit gereiftem Tequila, aber beides schmeckt mit beidem wunderbar und keiner zwingt euch, euren Gästen die “richtigen” Rezepte zu verraten.

Wichtig ist allerdings, dass ihr euch trotz des auf Effizienz und Schnelligkeit getrimmten Cocktail-Menüs ordentlich vorbereitet. Mise en place ist das Zauberwort. Gut, für die Batched Drinks werdet ihr im Zweifel ein wenig in der Küche herumstehen, die Buttermilch Margarita und den Pisco Sour solltet ihr nach Möglichkeit frisch ansetzen. Aber wenn ihr eh schon wisst, dass ihr für eure Gäste mehr als einen Batch dieser Drinks durchlaufen lasst, dann könnt ihr zumindest Zitronen- und Limettensaft schon vorher auspressen. Anders als die meisten vermuten, halten die meisten Zitrussäfte nämlich locker bis zu 12 Stunden im Kühlschrank frisch und erreichen teils erst nach 4 Stunden das perfekte Säureverhältnis.

Kraut auf den Drink legen, mit #garnishgame auf Insta posten. Krasser Flex.
Kraut auf den Drink legen, mit #garnishgame auf Insta posten. Krasser Flex.

Garnituren wie Grapefruitschnitze oder frische Kräuter dagegen könnt ihr direkt à la carte servieren. Ein paar Kräuter aus dem Topf zu zupfen ist kein Hexenwerk und so sieht es am Ende dann doch noch ein ganz klein wenig so aus, als müsstet ihr für all die fantastischen Sommercocktails auf eurer Gartenparty richtig ackern.

 

Johann

Cocktailbarts Archmage of Content bei Nacht, Familienvater & Texter bei Tag. Lieblings-Drink Martini, Lieblings-Spirituose trotzdem Rum. Wohnt in Franken, kommt aus der Oberpfalz (ist beides in Bayern, tschuldigung). Typischer Satz: "Meinste das wär geiler, wenn man Olivenlake reintut?"

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