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Bellamy’s Reserve Rum Perola 10th Anniversary Edition: Perola-Jubiläumsrum I

Bellamy’s Reserve Rum Perola 10th Anniversary Edition im Pandemonium Cocktail.

Perola wird 10. Falls euch das nichts sagt: Perola ist der deutsche Spirituosen-Importeur und Vertrieb hinter Marken wie Compagnie des Indes, By the Dutch, Italicus, Brockmans Gin oder Barsol Pisco. Firmenjubiläen sind was Schönes, vor allem wenn’s dabei um kleinere Unternehmen mit spannenden, authentischen Marken im Portfolio geht. Aber normalerweise sind sie uns eher eine freudige Umarmung als einen Artikel wert. Dass das diesmal anders ist, hat zwei Gründe.

Der Autor hat bis 2019 bei der Hersteller-Firma gearbeitet, die Flasche für dieses Tasting wurde zur Verfügung gestellt. Bedingungen an eine eventuelle Veröffentlichung gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels.

Grund 1: der Autor dieses Artikels hat da mal gearbeitet, wie ihr in der Disclaimer-Zeile gerade gelesen habt. Grund 2: Zum Jubiläum haut Perola zwei spannende Sonder-Rum-Abfüllungen raus, die wir uns durch unsere Connections früher anschauen durften (richtig: Schnaps ist genau wie Bundestag – oder umgekehrt). Eine davon stammt vom unabhängigen französischen Rum-Abfüller Compagnie des Indes (hier geht’s zu deren Review), die andere kommt von der Perola-Hausmarke Bellamy’s Reserve Rum – und um die geht es hier.

Die Story hinter der Bellamy’s Reserve Rum Perola 10th Anniversary Edition

Perola wurde vor ziemlich genau 10 Jahren gegründet: Arno Schmid-Egger, damals im Business Development unter anderem in Brasilien unterwegs, entdeckte genau dort Cachaça. Guten Cachaça, nicht das, was man hierzulande dafür hielt und teils immer noch hält. Er fängt an, ihn nach Deutschland zu importieren und tut das bis heute. Weil das wirtschaftlich ganz ordentlich funktioniert, holt er bald weitere Marken mit anderen Spirituosen ins Portfolio. Nach zehn Jahren bündelt das Unternehmen aus Fürth knapp 20 Mitarbeiter und fast 30 Spirituosen-Marken im eigenen Haus – darunter inzwischen auch diverse Eigenmarken.

Bellamy’s Reserve Rum Perola 10th Anniversary Edition in einem Drink nach Art eines Dark & Stormy.
Bellamy’s Reserve Rum Perola 10th Anniversary Edition in einem Drink nach Art eines Dark & Stormy.

Eine davon: Bellamy’s Reserve Rum. Ein Label, unter dem Perola die über Jahre angesammelte Rum-Erfahrung in eigenen Blends, Fass-Experimenten und Single Casks abfüllt. Zufällig hat das mit Captain Hoo auch das vielleicht brillanteste Logo der gesamten Rum-Welt. Ums nochmal ins Gedächtnis zu rufen: ich könnte befangen sein. Captain Hoo ist trotzdem wahre Logo-Liebe. Für’s zehnjährige Jubiläum packt man bei Perola dann auch nicht etwa einen unbezahlbaren High End-Single Cask in die Flasche mit der Pirateneule, sondern einen vergleichsweise bezahlbaren Blended Rum mit Twist.

Die Basis besteht aus Rums aus Jamaica, Barbados und der Dominikanischen Republik im Alter zwischen 5 und 12 Jahren, die mit 15,3g Zucker pro Liter leicht gesüßt sind. Dieser Rumblend erhält ein Finish in einem – Tadaa – Rum-Fass. Rum im Rum-Fass nachreifen? Klingt nach doppelt gemoppelt, aber für die 10th Anniversary Edition durfte der Blend in einem dann doch eher außergewöhnlichen Ex-High-Ester-Jamaicarum-Cask liegen – und das für volle 20 Monate. Wie das wohl schmeckt?

So schmeckt dieser Bellamy’s Reserve Rum

Der Rum schwenkt sich schwerfällig, fast ölig und hinterlässt fette, langsame Tropfen an der Glaswand. Der Duft: estrig-jamaikanisch. Die typische Uhu-Note ist sofort da, dahinter vergorene Banane, rote Früchte, ein paar spitze Orangen-Noten. Lässt man ihm ein wenig Luft, schieben sich dunkler Karamell, Eiche und sogar Kaffee und Kokos-Aromen mit durch. Es lohnt sich, ihn fünf Minuten einfach mal atmen zu lassen.

Nase: Ester, vergorene Banane, rote Früchte, Orange, Karamell, Eiche, Kaffee, Kokos

Mund: Vergorenes Obst, Toffee, Bitterorange, angekokeltes Holz, Kaffee

Auf der Zunge hat er eine irre Präsenz – von der Kraft her hätten wir blind auf eine deutlich heftigere Fassstärke-Abfüllung getippt. Dabei geht es wirklich um Power, alkoholisches Brennen hatten wir keines. Dafür wieder viel vergorenes Obst, Toffee, einige Bitterorangen-Noten und im Abgang leicht angekokeltes Holz. Der Bellamy’s hallt angenehm lange nach und hinterlässt eine merkliche Adstringenz, ein taub-trockenes Zungengefühl. Für einen leicht gesüßten Rum durchaus bemerkenswert.

Bellamy’s Reserve Rum Perola 10th Anniversary Edition pur und in Cocktails

Pur hätten wir diesen in der Blindverkostung auf jeden Fall als Jamaikaner „erkannt“ – dass er nicht einfach zu einer aufwendig hergestellten Imitation des sehr speziellen Rum-Stils verkommt, dafür sorgen diverse  Sekundär-Aromen wie Kaffee oder Bitterorange die wir bisher in Jamaikanern eher selten gefunden haben. Und die Kombination aus Kraft und vergleichsweise „niedrigem“ Alkoholgehalt von 47,3% ist durchaus spannend – ein Experimental-Rum, den man probiert haben sollte.

Bellamy’s Reserve Rum Perola 10th Anniversary Edition im Rum & Soda.
Bellamy’s Reserve Rum Perola 10th Anniversary Edition im Rum & Soda.

Weil wir diese spannenden Sekundär-Noten nicht zu sehr überlagern wollen, arbeiten wir mit eher reduzierten Drinks – einen Mai Tai, der mit diesem Bellamy’s sehr sicher ordentlich wird, würden wir eher mit einem „echten“ Jamaika-Rum mixen. Stattdessen rühren wir uns einen Old Fashioned, allerdings mit einer Limetten- statt einer Orangenzeste – das nimmt ihm zwar ein wenig die Wärme, die dieser Drink haben sollte, aber es funktioniert einfach etwas besser – runder, schöner, vollmundiger.

Da es beim Dark and Stormy-Style Longdrink mit Gingerbeer ähnlich aussieht wie wir’s uns beim Mai Tai vorstellen (schmeckt irre gut, aber die Eigenheiten kommen nicht raus), setzen wir auf einen Rum & Soda. Total reduziert, nur Rum und Sprudel im Verhältnis 1:2. Fantastischer Drink, in dem spannenderweise vor allem Fass-Noten und auch etwas Schokolade mit durchkommen. Und natürlich wagen wir uns auch an einen eigenen Drink – eine Abwandlung des Purgatory von Ted Kilgore. Und der ist dann auch unser Highlight des Abends – was bei Eigenkreationen zugegeben nicht immer der Fall ist.

Bellamy’s Reserve Rum Perola 10th Anniversary Edition im Pandemonium Cocktail.
Bellamy’s Reserve Rum Perola 10th Anniversary Edition im Pandemonium Cocktail.

Pandemonium

  • 4,5 cl Bellamy’s Reserve Rum Perola 10th Anniversary Edition
  • 1,5 cl Chartreuse Verte
  • 1,5 cl D.O.M. Benedictine

Auf Eis rühren, in einen Tumbler mit einem großem Eisblock abseihen. Trinken.

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Fazit: Spannendes Blend-Cask-Finish-Experiment, das oberflächlich probiert ein sehr ordentlicher Jamaica-Rum ist. Genau deshalb solltet ihr euch Zeit für die Verkostung nehmen, dann belohnt euch dieser Bellamy’s mit einer ganz eigenen Komplexität – und ziemlich geilen Shortdrinks. Wer da mitreden will, sollte sich aber ranhalten – es wurde nur ein einziges Fass auf 430 Flaschen abgefüllt.

Daten: Jamaica, Barbados, Dominikanische Republik, um 60 Euro, 0,7 Liter, 47,3%

Disclaimer: Der Autor dieser Zeilen arbeitete bis vor etwas weniger als einem Jahr beim deutschen Vertrieb dieses Rums und fühlt sich dem Unternehmen und dem grandiosen Team noch immer tief verbunden – trotzdem versuche ich natürlich, das Produkt objektiv zu bewerten. Der Rum wurde zur Verfügung gestellt, darüber hinaus ist aber weder eine anderweitige Vergütung geflossen, noch wurde ich beeinflusst.

Bellamy’s Reserve Rum Perola 10th Anniversary Edition im Old Fashioned.
Bellamy’s Reserve Rum Perola 10th Anniversary Edition im Old Fashioned.

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Johann

Cocktailbarts Archmage of Content bei Nacht, stolzer Familienvater / Texter / Konzepter / Kreativarbeiter bei Tag.

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