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Dolin Dry Vermouth – trocken, französisch und eigentlich viel zu günstig

Dolin Dry Vermouth im Cocktail-Klassiker Chrysanthemum.
Dolin Dry Vermouth im Cocktail-Klassiker Chrysanthemum.

Wermut erlebt in den letzten Jahren ein großes Revival, allerorten schießen neue Marken aus dem Boden und geben sich hin dem Gott des Low ABV, der Drinks mit wenig Alkohol. Klar: Noch ist der aromatisierte Wein noch ganz weit weg davon, ein Gin 2.0 zu werden, von „Hype unter Schnaps-Nerds“ darf man aber schon mal reden. Von dem profitieren dann vor allem junge, frische Marken oder die zwei großen, alten Platzhirsche der italienischen und der französischen Unterkategorie. Aber natürlich entstanden auch zwischen 1786 und 2010 Wermut-Marken, die bis heute existieren. Eine der bekanntesten davon: Dolin Vermouth de Chambéry.

Die Flasche für dieses Tasting wurde uns von der Conalco Spirituosen UG zur Verfügung gestellt. Bedingungen gab es nicht, ausgenommen der transparenten Nennung des Unternehmens im Fall einer Veröffentlichung. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels.  

Dieser Wermut fällt gerade in der modernen Hipster-Bewegung ein wenig aus dem Raster: klassisches Label, aber mit unauffälliger Flasche, Preis von unter 10 Euro und ein Aromen-Potpourri, das bitter und kräutrig daherkommt – genau so, wie man es eben von einem Wermut erwartet. Das klingt in den Ohren so manches Bartenders jetzt nach massiven Vorschusslorbeeren, in Hipster-Kreisen könnte die Beschreibung dagegen Angstzustände auslösen. Wie wir das sehen? Erzählen wir euch gleich – aber als Vorspeise gibt’s wie immer ein paar Hintergrund-Infos.

Dolin Dry Vermouth im Gibson Martini mit Gin und Silberzwiebel.
Dolin Dry Vermouth im Gibson Martini mit Gin und Silberzwiebel.

Die Story hinter Dolin Vermouth

Die Haupstadt des Wermut ist und bleibt Turin, der Ur-Wermut ein süßer Italiener. Entsprechend war es dann auch die knapp 300 Kilometer entfernte Turiner Wermut-Kultur, die einen jungen Franzosen namens Joseph Chavasse 1821 dazu brachte, seinen eigenen zu entwickeln. Bereits sechs Jahre zuvor hatte Chavasse seine eigene Destillerie in Les Echelles gegründet und sich ausführlich mit den Früchten und Pflanzen der nahen Alpen beschäftigt – genauer gesagt damit, wie Sie sich bestmöglich für Schnaps einsetzen ließen. Als Basis für seinen Likörwein nutzte er Weißwein aus den Savoyen.

1843 übernahm sein Schwiegersohn dann das Geschäft – ein Anwaltssohn namens Louis-Ferdinand Dolin, der dem Unternehmen buchstäblich seinen Stempel aufdrückte. Leider hinterließen die beiden ihrerseits keine Erben, sodass nach Dolins Tod zunächst seine Frau alleine die Produktion weiterführen musste. 1919 schließlich wurde Dolin an Charles und Joseph Sevez verkauft – ihre Familie besitzt das Unternehmen noch heute und sorgte auch dafür, dass es 1930 an seinen endgültigen Firmensitz zog: Chambery. Die Bezeichnung „Vermouth de Chambery“ ist bis heute durch ein AOC-Siegel herkunftsgeschützt, auch wenn nur noch sehr wenige Produkte es tragen. Genauer gesagt konnten wir neben Dolin nur noch Routin als Vertreter aufspüren.

Hepple Gin im Majestic Imperator, einem Twentieth Century mit weißer Schokolade.
Hepple Gin im Majestic Imperator, einem Twentieth Century mit weißer Schokolade.

Von den über 50 Botanicals, die insgesamt bei Dolin zum Einsatz kommen, finden dann genau 17 den Weg in die Flasche des Dolin Dry, der mit 25 Gramm Zucker auf den Liter seinen Titel dann auch redlich verdient hat (vorausgesetzt, man weiß, dass süße Wermuts gerne mal die 200 Gramm ankratzen). Aber wie schmeckt denn jetzt eigentlich so viel Historie?

So schmeckt Dolin Dry Vermouth

Einen ganz leichten Grünschimmer hat der Wermut im Glas, schwenkt sich leicht und beschwingt. Der Duft erinnert an einen sehr trockenen Weißwein: Wermut ist sofort da, dazu ein paar florale Noten, etwas Holunder und Bitterorangen und sehr viele Kräuter, die sich nur mit etwas Luft auseinanderklamüsern lassen, Rosmarin und Enzian sind aber wohl die eindringlichsten davon.

Nase: Weißwein, Wermut, Holunder, Bitterorangen, Kräuter, Rosmarin, Enzian

Zunge: Holunder, Waldhonig, Rosmarin, Thymian, Wermut, Weißwein

Im Mund ist er deutlich angenehmer und süffiger, als die sehr urige Nase noch vermuten lies. Trocken, aber weit weg von furztrocken, angenehme Noten von Holunder und Waldhonig, dazu aber natürlich wieder jede Menge Kräuter, darunter Rosmarin, Thymian und natürlich Wermut, wenn auch nicht ganz so präsent wie noch in der Nase. Das Mundgefühl erscheint etwas dünn, dafür trinkt er sich leicht gekühlt pur wie ein sehr komplexer, bitterer, trockener Weißwein.

Dolin Dry in einem klassischen Martini.
Dolin Dry in einem klassischen Martini.

Dolin Dry pur und in Cocktails

Dieser trockene Wermut trinkt sich pur auf Eis sehr schön und süffig, als Longdrink mit einem milden Tonic funktioniert er ebenfalls ziemlich gut. Tatsächlich aber haben wir uns im Laufe der Teststrecke vor allem in seine Martinis verliebt – er mixt atemberaubende Gibsons, großartige Dirty Martinis und schafft es sogar in einem Montgomery Martini mit einem Mischungsverhältnis von 15:1, gegen die Übermacht des Gins durchzublitzen. Er gibt zwar ebenfalls eine tolle Ergänzung für diverse Drink-Experimente der letzten Wochen ab, insgesamt bleiben die Martinis aber unser klarer Favorit. Naja – die Martinis und ein ganz bestimmter, klassischer Martini-Twist, den wir im Cocktailbuch Cocktailcodex entdecken:

Chrysanthemum

  • 7,5 cl Dolin Vermouth Dry
  • 1,5 cl Bénédictine
  • 1 TL Absinth

Alles zusammen auf Eis rühren und in eine gefrorene Coupette abseihen. Mit einer Orangenzeste abspritzen und garnieren. Trinken.

Dolin Dry Vermouth im Cocktail-Klassiker Chrysanthemum. mit Benedictine und Absinth.
Dolin Dry Vermouth im Cocktail-Klassiker Chrysanthemum. mit Benedictine und Absinth.

Dolin Dry bei Conalco kaufen!

Fazit: Dolin Dry ist ein Wermut, wie er im Buche steht: trocken, bitter, kräutrig, kraftvoll – er besitzt ein Aroma, dass man erst wirklich zu schätzen weiß, wenn man auf Martinis steht und sich in der Lage fühlt, aus 6 cl Gin 2 cl Wermut herauszuschmecken. Wer das kann, hat hier den Preis-Leistungs-Kracher der Kategorie vor sich.

Daten: 17,5 Prozent, um 9 Euro für 0,75 Liter, Frankreich

Conalco hat uns eine Flasche des Produkts zur Verfügung gestellt, aber weder auf eventuelle Artikel noch auf das Tasting Einfluss genommen. Wir danken für die ausnehmend freundliche und partnerschaftliche Zusammenarbeit. 

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JohannTrasch

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