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Juniper Jack – der London Dry Gin ohne Kompromisse

Juniper Jack London Dry Gin in einem Gin Fizz - in Shortdrinks kommt er am besten zur Geltung.
Juniper Jack London Dry Gin in einem Gin Fizz - in Shortdrinks kommt er am besten zur Geltung.

Wacholder ist das maßgebliche Botanical im Gin. Er ist das, was dafür sorgt, dass sich die klare Flüssigkeit überhaupt Gin nennen darf. Trotzdem behandeln viele Gin-Destillateure den Wacholder wie das fünfte Rad am Wagen: „Muss halt mit rein, damit wir Gin draufschreiben können.“ Das ist okay – es gibt einige verdammt gute Gins, bei denen der Wacholder keine Rolle spielt. Aber wer glaubt, dass der klassische London Dry Gin tot ist, wer glaubt, dass hier schon alles mal gemacht wurde – der täuscht sich. Sogar gewaltig. Und einer der intensivsten und spannendsten Beweise dafür ist Juniper Jack – ein Gin aus Dresden, der sich den Wacholder auf die Fahne, das Etikett und ins Aroma geschrieben hat. Ein Gin, der nicht von jedem geliebt werden will – und den man genau deshalb probiert haben sollte.

Die Flasche für dieses Tasting wurde uns vom Hersteller auf unsere Anfrage zur Verfügung gestellt, Bedingungen an den Artikel gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels.  

Wer steht hinter Juniper Jack?

Juniper Jack ist das Produkt von Jörg Fiedler, Weinkenner und seit Jahren in Marketing und Vertrieb tätig sowie Siegbert Henning, Master Distiller. Zwei Perfektionisten und Leidenschaftsmenschen, die über zwei Jahre lang herumexperimentierten, bevor ein Wacholderdestillat aus der 300-Liter-Kupferbrennblase floß, mit dem sie zufrieden waren. Etwas, das anders war als der ganze Rest und hinter dass sie sich auch persönlich stellen konnten. Bei den Botanicals konzentrierten Sie sich auf zehn Stück, die sie dafür richtig in Szene setzen wollten – neben drei geheimen vor allem Klassiker wie Wermut, Zitronenzesten, Koriander, Brombeerblätter und natürlich: Wacholder.

Die sind dann auch das beste Beispiel für den Perfektionismus, der hinter dem Gin steht: Weil beim Verkosten der Proben klar wird, dass der beste Wacholder aus der Toskana und vom Balkan kommt, will Fiedler ihn eben auch von dort. Doof nur: die Großhändler liefern unstete Qualitäten, die Ergebnisse mit unterschiedlichen Chargen sorgten auch für einen unsteten Juniper Jack. Weil Fiedler das nicht einsieht, sucht er nach stabilen Quellen – in der Menge wie in der Qualität. Fündig wird er in Kroatien beim Ehepaar Duka und Mira, das von da an Wacholder nur für ihn pflückt. Könnte man für Marketing halten – aber offiziell weist nichts außer einem Instagram-Posting auf die beiden hin. Aber wer das findet, der weiß, wer wo den Wacholder für den Gin gepflückt hat, den man gerade trinkt. Mehr Nachverfolgbarkeit geht nicht. 

Marketing für Mitdenker

Nachhaltigkeit und Nachverfolgbarkeit sind für die Macher des Juniper Jack wichtig: Fiedler legt Wert darauf, zu wissen, wer seinen Juniper Jack verkauft, kennt die Barbetreiber und Bartender, die seinen Gin ausschenken und schlägt laut eigenen Angaben auch mal lukrative Angebote aus, wenn sie ihn zu sehr einschränken. Foto-Kampagnen müssen bei Juniper Jack mehr die Stimmung und den Spaß in der Flasche einfangen, als überhaupt die Flasche ins Bild halten. Mehr als ein paar Tausend davon pro Jahr wird es eh nie geben, 1736 sind es pro Batch. Die Zahl kommt nicht von ungefähr und passt zur Marke.

1736 schrieb ein Brennerei-Mitarbeiter mit Namen Juniper Jack (Juniper = Wacholder) das Theaterstück „The deposing and death of Queen Gin, with the ruin of the Duke of Rum, Marquee de Nantz, and the Lord Sugarcane, an heroic comi-tragical farce“, um gegen den Gin-Act von – genau – 1763 zu protestieren: eine Steuer auf Gin. Freiheit, Kunst, Großbritannien – eine Hammer-Story für einen Gin. Findet auch Fiedler und macht Juniper Jack zum Aushängeschild seines Spirits. Aber schmeckt der auch so? Nach dieser Freiheit und nach London Dry?

So schmeckt Juniper Jack London Dry Gin

Die Adelstitel für die Botanicals des Gins stammen aus Juniper Jacks Theaterstück von 1736.
Die Adelstitel für die Botanicals des Gins stammen aus Juniper Jacks Theaterstück von 1736.

Die Flasche des Juniper Jack ist ein Erlebnis vor dem Erlebnis: 0,7 Liter mit einem Boden, so dick wie der Daumen eines Braunbären. Sie liegt wuchtig in der Hand, der schwarze Glaskorken kommt nur mit viel Gefühl heraus. Im Glas ist der Gin schwer, er schwenkt sich behäbig. Die Beinchen sind flott und zahlreich. In der Nase kommt dann als erstes der Wacholder an. Gewaltig und prägnant und so, dass erstmal wenig Raum für anderes bleibt. Nach einer Weile folgen Noten von Sandelholz und ein floraler Duft nach Lavendel. Zitronenpfeffer und ein leichter Anklang von Anis bilden den Abschluss.

Nase: Wacholder, Wacholder und Wacholder, Sandelholz, Lavendel, Zitronenpfeffer, Anis

Mund: Wacholder, Pfeffer, holzig-süße Noten, Minze, Zitronenschale, Anis

Im Mund ist es dann wieder der Wacholder, der ganz klar die Führung übernimmt. Wir sagen hier absichtlich nicht „dominiert“: der Wacholder reitet voraus, brettert den Rachen hinunter, aber er wird schon auf dem ersten Schluck flankiert von einer scharfen Pfeffernote, von einer leicht holzig-blumigen Süße und einer guten Portion Minze, die sich an Zitronenschale legt. Im Mund zurück bleibt die holzige Süße und wieder ein klein wenig Anis. Das ist pur schon spannend und schreit nach einem zweiten Glas. Wenn man den Louche-Effekt mit einberechnet, wird’s auch optisch spannend:

Louche-Effekt nennt man es, wenn eine Spirituose milchig-trüb und stark ölig wird, wenn man sie runterkühlt. Ouzo ist für diesen Effekt bekannt. Weil der Juniper Jack das auch kann, eignet er sich hervorragend für ein ganz besonderes, kleines Ründchen puren Gin-Genuss mit ein bisschen Effekthascherei. Nur der Glaskorken ist bei tiefgekühlten Glaskorken störrisch und will zuerst nicht raus.

Geschmacklich passt die Louche-Nummer vor allem, weil durch die Kälte die Aromapower etwas gezügelt wird, was den Juniper Jack auch für Leute interessant macht, die mit einer derart intensiven Wacholder-Spirituose so ihre Probleme haben könnten. Die könnten den Gin dann aber auch gleich vermixen. Auch wenn ihn einige dafür zu schade finden – wer so intensiv ist, braucht Freunde, die ihm gewachsen sind.

Juniper Jack im Gin Tonic

Dieser Gin ist ein trockener, wacholderlastiger Typ, einer der auf die Kacke haut – er ist auch einer von ganz wenigen Gins, die ihr nicht überdosieren solltet. Wer seinen G&T sonst eher 1:3 mischt, kommt hier auch hervorragend mit 1:4 aus, man schmeckt den Wacholder und die herben Zesten- Holz-Noten nach wie vor heraus. Wir hatten im Test immer dann die größte Freude mit Juniper Jack, wenn wir genau die betonen konnten. Elderflower Tonics, Gurken und Äpfel als Garnitur – kann man alles machen, wenn man möchte – wir bleiben klassisch bei Zitronenzesten und trockenen Tonics.

Die dürfen dafür aber auch ruhig intensiv sein und/oder ausgeprägte Bitternoten mitbringen. Leichtgewichte wie das Fever Tree Mediterranean haben dem Juniper Jack nicht entgegenzusetzen, da könnt ihr den Gin Tonic auch mit Mineralwasser mixen. Ein klassisches Thomas Henry, das Schweppes Dry oder auch Gentleman’s Tonic sind eine gute Wahl. Letzteres bringt wenig Bitterkeit mit, dafür eine Pfeffernote, die gut mit reinpasst.

Der Test mit anderen Gin-Cocktails

Fiedler kennt aus seiner Zeit im Weinvertrieb viele Sommeliers, die seinen Gin natürlich auch probiert haben und auf der offiziellen Webseite darüber reden. Das gängige Fazit: „Zu schade zum mixen.“ Ein Satz, den es in unserem Wortschatz so gar nicht gibt, aber wir verstehen, was sie meinen: Genau wie beim Gin Tonic ist es auch beim Cocktails mixen so, dass wir besser damit fahren, den Juniper Jack zu betonen, zu unterstützen, statt ihn in Cuisine Style-Cocktail-Rezepten mit komplett anderen Geschmacksnoten zu „verwässern“. Gin Basil Smash mit Juniper Jack? Funktioniert – aber funktioniert mit diversen anderen, günstigeren Gins vielleicht sogar ein bisschen besser.

Anders sieht die Sache in den Klassikern der Gin-Cocktails aus: Ein Gin Fizz wie oben im Bild – einfach nur Gin, Zuckersirup, Zitronensaft, Sprudelwasser – ist eine kleine Offenbarung für Menschen, die sich gerne mal etwas herber erfrischen. Beim Martini ist das ganz ähnlich. „Trocken“ braucht hier keiner: Der Juniper Jack kommt mit 6 cl Gin auf 3 cl Wermut fantastisch aus,  hält dagegen und macht Freude. Auch im Aviation, zusammen mit herbem Maraschino und der leichten Blumigkeit des Veilchenlikörs bekommt man einen lila Drink, der einem das Herz aufgehen lässt.

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Fazit: Viel intensiver wird Wacholder nicht. Wer damit kein Problem hat, bekommt einen verflucht aromatischen Gin in einer verflucht schicken Flasche, mit dem man die Cocktail-Klassiker so mixen kann, wie sie vor 100 Jahren wahrscheinlich gemeint waren. Wer über den hohen Preis stolpert: Mit knapp 50 Euro für 0,7 Liter liegt der Juniper Jack auf dem gleichen Niveau wie andere qualitativ hochwertige Gins, die 35 Euro für 0,5 Liter nehmen – die Flasche hält halt länger.

Daten: Um 50 Euro, 46,5 Prozent, Deutschland, 0,7 Liter

Jörg Fiedler hat uns auf Nachfrage eine Flasche Juniper Jack für das Tasting zur Verfügung gestellt, danach aber weder auf den Artikel, noch auf das Tasting Einfluss zu nehmen versucht. Stattdessen stand er uns in einem ausführlichen Telefonat und diversen Mails und Facebook-Chats Rede und Antwort, hatte immer Zeit für uns und arbeitete vom ersten Martini bis zum veröffentlichen Artikel eng mit uns zusammen. Wir sagen Danke für die tolle Zusammenarbeit und freuen uns wie Bolle auf’s nächste Mal 🙂 

JohannTrasch

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