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Niemand Dry Gin

Niemand Dry Gin im Martini mit Rosmarin-Garnitur.
Niemand Dry Gin im Martini mit Rosmarin-Garnitur.

Niemand Dry Gin kommt in einer rosa Apothekerflasche daher, die selbst im direkten Vergleich mit anderen 0,5-Liter-Flaschen klein und zierlich wirkt. Würde man das Ding ins Bad stellen, früher oder später würde jemand einen Seifenportionierer draufschrauben. Großartig sicher auch die Namensfindung: Wir können uns die Meetings lebhaft vorstellen, die finale Marke „Niemand“ im direkten Zweikampf mit „Keiner“ und dem Slogan „Keiner ist so gut!“.

Die Flasche für dieses Tasting wurde uns vom Hersteller zur Verfügung gestellt, Bedingungen an den Artikel gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels.  

Bei all den Gins, die noch immer monatlich auf den Markt schwappen, ist aufzufallen gut und wichtig, genauso wie spezielle, noch nie dagewesene Botanicals. In diesem Fall sind das Rosmarin, Lavendel und Sandelholz. Aber wer die Vorgeschichte kennt, wäre wahrscheinlich auch verwundert, wenn die Leute hinter Niemand gerade bei den Botanicals für ihren Gin danebengegriffen hätten.

Niemand Dry Gin seine Papas

Niemand entstand aus dem Unternehmen Gin Flight heraus: Hier vertreibt man Gin-Botanicals – sprich: Gewürze – und Tees, mit denen man seinen Gin Tonic aufbrezeln kann. Während Gin & Tea & Tonic eine super Sache ist, sind wir tatsächlich keine großen Fans davon, uns Krempel in den Cocktail zu kippen – aber über Geschmack lässt sich nicht streiten. Darüber auch nicht: Sebastian Otto und Torben Paradiek, die beiden Macher hinter Niemand, lieben Gin.

Niemand Dry Gin auf einem Tablet voller Garnituren. Quelle: Niemand
Niemand Dry Gin auf einem Tablet voller Garnituren. Quelle: Niemand

Weil einer von beiden sich hauptberuflich mit Vertrieb beschäftigt und der andere normalerweise Corporate Designs austüftelt, lag es wohl einfach unglaublich nahe, sich einen eigenen Gin zusammenbasteln, nachdem man sich schon ausgiebig mit Botanicals beschäftigt hat. Also hat man auf den roten Startup-Knopf gedrückt (davon steht in jeder mittelständischen Agentur mindestens einer) und sich so lange in eine Destille gestellt, bis Niemand fertig war. Das klingt jetzt nach einem seelenlosen Marketingprodukt – bis man die Flasche aufmacht …

So schmeckt Niemand Dry Gin

Im Glas ist Niemand Dry Gin cremig, wirkt dabei aber leicht, strahlt hell und absolut klar. Beim Schwenken entstehenden absurd viele, wenn auch etwas dünne Beine. Ein erster Schnupperer öffnet dann die Tür zum Garten gustatorischer Gedanken. Ach was, Garten: Wir riechen einen ganzen Wald. Zuerst drängen sich Rosmarin und Lavendel auf, direkt gefolgt von der herben, würzigen Note nasser Rinde vom Sandelholz mit ein bisschen Wacholder. Danach kommt eine leichte Schärfe, wahrscheinlich vom Ingwer, im Nachgang begleitet von einem sehr, sehr zarten Zimt-Aroma. Wir möchten jetzt nicht dramatisch sein und Sachen schreiben wie „Niemand Dry Gin riecht, wie sich Weihnachtsmarkt im Wald anfühlt.“ Aber wir schämen uns auch nicht für unsere Gefühle.

Nase: Rosmarin, Lavendel, Sandelholz, Wacholder, Ingwer

Mund: Lavendel, Ingwer, Sandelholz, Apfel, Rosmarin, im Nachgeschmack Vanille und Zimt

Im Mund kommt Niemand fast schon zaghaft an, mit einer leichten Note von Lavendel und etwas Ingwer auf der Zungenspitze. Von da an kann man dem Gin auf dem Weg in den Rachen beim Explodieren zugucken: Am Gaumen öffnet sich das Sandelholz in Verbindung mit dem Wacholder, ein angenehmes aber verflucht intensives Pfeffer-Brennen erfüllt die Zunge und als Niemand am Rachen ankommt, entlädt sich der Geschmack in einer Rosmarin-Wolke, die über das Adjektiv „gewaltig“ ein bisschen lachen muss. Im Abgang schwappt sie leicht in Richtung Zitronenmelisse um. Der Gin bleibt danach irre lang im Mund und entwickelt nochmal ein ganz eigenes, milderes Aromenspiel mit Vanille, mildem Zimt und blumigen Noten.

Niemand Dry Gin im Gin Tonic

Der pure Niemand ist ein wahnsinnig intensives Erlebnis, ohne dabei in irgendeiner Ausprägung penetrant zu sein. Ja, vielen wird er pur deutlich zu krass, zu intensiv, zu anders sein. Aber er bleibt bei all seiner Besonderheit Gin, verschleiert seine Herkunft nicht, aber erhebt sich über sie. Das macht das Gin Tonic-Pairing gelinde gesagt etwas schwierig. Auf der Webseite wird empfohlen, Niemand im Gin Tonic mit Apfel und Rosmarin zu garnieren, weitere Hinweise gibt es nicht. Also probieren wir uns durch: Fever Tree Mediterranean lässt dem Niemand viel Raum, bereichert ihn um eine zitronige Süße. Den Rosmarinzweig braucht hier keine Sau, ein sehr saurer grüner Apfel bringt diesem Gin Tonic ein irres Aromenspiel.

Niemand Dry Gin in einem Gin Tonic mit Rosmarin.
Niemand Dry Gin in einem Gin Tonic mit Rosmarin.

Eher mainstreamige Tonics wie das Standard-Schweppes, Thomas Henry Tonic Water oder Fentimans Tonic produzieren einen sehr guten G&T, der aber leider unsere tierisch hohen Erwartungen nicht erfüllen kann – wir würden Niemand tatsächlich lieber pur trinken, als ihn in dieser Kombi zu mixen. Was aber auffällt: dem Niemand steht die Bitternote dieser Tonics, die ihm von Natur aus fehlt. Unsere Highlights im Test: Mit Thomas Henry Elderflower und  Fentimans 19:05 Herbal Tonic mixt man sich einen Drink, der einfach nur absurd gut schmeckt – unbedingt wirklich Rosmarin UND Apfel rein! Die blumigen Aromen dieser Gin-Tonic-Kombos sind verstörend intensiv – vor allem Niemand + Fentimans 19:05 Herbal Tonic schmeckt, als hätte jemand das Gefühl destilliert, barfuß über einen ungemähten Rasen voller Wildblumen zu laufen.

Das einzige Problem: Nach Gin Tonic schmeckt das dann nur noch entfernt – wer einen reinen, sehr klaren Geschmack sucht, muss sich woanders umschauen.

Niemand Dry Gin in anderen Cocktails

Gin Tonic ist nicht der einzige Gin-Cocktail – also mixen wir uns noch ein kleines bisschen durch den Rest unserer Cocktail-Rezepte. Klarer Verlierer: der Gimlet. Niemand harmoniert für uns nicht besonders gut mit der Zuckersüße und der Limette, das Ergebnis schmeckt und riecht tatsächlich ein bisschen wie ein Badezusatz. Im Gin Fizz dagegen überlagert der Niemand Dry Gin alles zitronige, er schmeckt wie verlängerter, purer Gin mit Kohlensäure. Vom Mehrwert her tendieren wir auch da eher dazu, lieber pur zu trinken.

Anders sieht die Sache aus in einem trockenen Martini. Gut, zugegeben: Ein trockener Martini – das ist im Wesentlichen Gin pur trinken. Aber der leichte Hauch herber Säure des Wermuts und Rosmarin als Garnitur, das schmeckt einfach irre lecker – wie die Cabrio-Variante des puren Niemand Dry Gin. Vom Geschmack her wie „Mit dem Moped über Feldwege fahren“. Nur stilvoller.

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Für dieses Tasting haben uns die Macher von Niemand Dry Gin freundlicherweise eine Flasche zur Verfügung gestellt. Danach haben Sie aber weder versucht auf das Tasting, noch auf diesen Artikel Einfluss zu nehmen, sondern haben ihren Gin für sich sprechen lassen. Wir sagen Danke für die tolle und unkomplizierte Zusammenarbeit. 

JohannTrasch

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