Cocktailbart » Cocktails » Cocktails mit Tequila » Paloma – der Tequila-Cocktail mit Salz und Grapefruit-Limonade

Paloma – der Tequila-Cocktail mit Salz und Grapefruit-Limonade

Die Paloma ist ein Tequila-Cocktail auf der Basis von Grapefruit-Limonade - und Salz.
Die Paloma ist ein Tequila-Cocktail auf der Basis von Grapefruit-Limonade - und Salz.

In den USA gilt die Margarita als Königin der Tequila-Cocktails – im Prinzip ein Daiquiri mit Tequila statt Rum und mit Salzrand. Ein fantastischer Drink. Zu Ruhm kam er aber wohl durch die Margarita-Maschine, die das Zeug im Milchshake-Modus rausdrückt. In Deutschland fließt wahrscheinlich der meiste Tequila in den Tequila Sunrise. Der ist bunt, süß und meistens so voller Saft, dass man nicht rausschmeckt, wenn man den Nagellackentferner mit Sombrero drauf vom Discounter reinschüttet. In Mexico selber aber, da wo der Tequila herkommt, da gilt angeblich die Paloma als der beliebteste Cocktail. Nach ein paar Testrunden wissen wir jetzt auch wieso.

Die Story hinter der Paloma

Niemand weiß so genau, wer die Paloma erfunden hat. Kann daran liegen, dass ihr Ursprung in Mexico liegt und die Bartender dort anders als in den Tiefen von New York und Chicago niemals infolge einer Prohibiton besonders kreativ werden mussten oder gezwungen waren, ihr Wissen in Bücher zu retten. Man scheint hier einfach gute Drinks machen zu wollen, ohne daraus gleich eine Wissenschaft zu machen. Unter den diversen halbgaren Zwei-Satz-Stories zur Erfindung der Paloma ist eine dann aber besonders sympathisch:

Die schreibt den Tequila-Cocktail dem 93jährigen mexikanischen Bartender Javier Delgado Corona zu. Der betreibt seine Bar La Capilla in Tequila, Mexico seit Urzeiten und erfand wohl auch dort seinen Signature Drink, den Batanga: Cola, Tequila, Limette, Salzrand. Im Prinzip also ein salziger Cuba Libre mit Tequila statt rum und endlich mal ein Tequila-Cocktail mit maskulinem Artikel. Weil der im Prinzip eine Paloma mit Cola ist, schreibt man Corona auch den später entstandenen Grapefruit-Drink zu. Dass diese recht simple Story so sympathisch ist, liegt an dem Mann selbst. Mehr zu ihm lest ihr etwa in diesem Artikel über Javier Delgado Corona. Aber wie macht man die Paloma jetzt?

Das Rezept für die Paloma

  • 6 cl Tequila
  • 2 cl Limettensaft
  • 1 große Prise Salz
  • Grapefruit-Limonade zum aufgießen

Tequila und Limettensaft mit dem Salz auf Eiswürfeln rühren. Grapefruit-Limonade drüber. Trinken.

Warum ist unsere Paloma gelb?

Nutzt man die Google-Bildersuche für „Paloma Cocktail“, entdeckt man jede Menge richtig geiler, lecker aussehender Cocktails – und die optisch ansprechendsten davon haben ein saftiges Grapefruit-Rosa. Unsere Paloma ist eher so gelblich-blassrosa-schmutzig. Wieso ist das so? Weil wir unsere erste Paloma nach einem Rezept von Klaus St. Rainer mixen. Genauer gesagt mit einem Rezept aus seinem Buch „Cocktails – Die Kunst, perfekte Drinks zu mixen“. Und  der gute Herr Rainer mixt seine Paloma mit einer selbstgemachten Grapefruit-Limo aus frischer Grapefruit.

Machen wir also auch so. Anschließend machen wir den Gegentest mit Grapefruit-Limo und stellen fest: die Variante mit frischer Grapefruit ist geiler. Weil die Natur aber ein strunzdummes Viech ist, das keine ordentlichen Farbstoffe in seine Früchte kriegt, bleibt unsere Paloma gelblich mit höchstens einem Hauch rosa, anders als in der Version mit gekaufter Limo. Wir experimentieren hier echt viel herum, aber am Ende bleibt das Ergebnis gelblich – falls ihr da Tipps für uns habt, immer her damit! Eigentlich würde uns die Farbe auch traurig machen – wenn die Paloma nicht so grotesk erfrischend und lecker wäre. Wenn man ein paar Details beachtet:

Die Zutaten für einen leckeren Paloma-Cocktail: Tequila, Salz, Limetten und Grapefruit-Limo - die wir aus frischer Grapefruit selber machen.
Die Zutaten für einen leckeren Paloma-Cocktail: Tequila, Salz, Limetten und Grapefruit-Limo – die wir aus frischer Grapefruit selber machen.

Die richtige Grapefruit-Limonade

Ohne jetzt hier einen auf Frische-Apostel zu machen: Die Variante mit selbstgemacher Grapefruit-Limonade ist halt einfach mal deutlich leckerer – und meistens auch einfacher zu kriegen, weil man im Prinzip nur Grapefruits braucht. Zwar bekommt man in Deutschland inzwischen auch die eine oder andere Grapefruit-Limo, aber eben nicht immer und überall. Am weitesten verbreitet ist die Grapfruit-Limonade der Marke Paloma – und die ist sogar gut. Damit kann man problemlos eine ganz brauchbare Paloma mixen. Die halt dann nur gegen die frische Variante abstinkt.

Klaus St. Rainer zeigt in seinem Buch ein Rezept, für das man Wasser, frischgepressten Grapefruit-Saft, Zitronensaft und Zuckersirup in einen Sodasiphon packt. Das Ergebnis ist eine stabile und starke Kohlensäure, als wäre die Limo gekauft. Nur hat leider kaum jemand einen Sodasiphon daheim. Für unsere Experimente pressen wir daher eine Grapefruit aus, mixen den Saft 1:1 mit stark kohlensäurehaltigem Wasser und arbeiten nach Bedarf mit Zuckersirup/Zitronensaft nach. Auf 150ml Grapefruit-Saft (so viel kriegen wir im Schnitt aus einer Grapefruit) und 150 ml Wasser packen wir etwa 2 cl Zuckersirup und 2 cl Zitronensaft. Wer mag, kann auch dafür Limettensaft nehmen. Eine feinere, frischere Säure liefert im fertigen Drink aber die Mischung der Zitrussäfte.

Der richtige Tequila im richtigen Mischverhältnis

Das gängige Mischverhältnis in einer Paloma liegt bei 3 Teilen Grapefruit-Limo auf einem Teil Tequila – ergo bräuchtet ihr für unser Rezept 180ml Grapefruit-Limo. In der Praxis werdet ihr aber einfach das Glas mit der Limonade aufschütten, bis es voll ist und die Eiswürfel bedeckt sind. Daran ist nichts Verwerfliches – vor allem weil ihr für die perfekte Paloma ohnehin das Naturprodukt Limette und die Grapefruit-Limo abstimmen müsst – besonders, wenn ihr sie wie wir frisch zubereitet.

Beim Tequila empfiehlt das Standard-Rezept einen Blanco – einen weißen also. Auch wenn der Paloma als Signature Drink der Tequila-Marke Sierra gilt: Nehmt nicht den – nehmt irgendwas, das wenigstens ein paar Euro teurer ist. Und falls ihr geschmacklich mit uns auf einer Wellenlänge liegt, nehmt gleich einen Tequila Reposado. Diese Art Tequila lag knapp zwei Monate im Fass und hat daher eine goldene Färbung und leichte Lager-Aromen. Die passen wunderbar in die Mischung aus Agaven-Würze, Salz, Bitterkeit und Süße – und machen den Drink zu einem echten Erlebnis. Mit El Jimador Reposado gibt’s einen brauchbaren Lager-Tequila für unter 20 Euro.

Salz und Limetten

Dass man Tequila in den Dorfdiscos mit Salz und Zitronen trinkt, hat einen Grund: das passt geschmacklich einfach. Auch, wenn Shots reinschütten natürlich wenig mit Geschmack und Genuss zu tun hat. Entsprechend ist das Salz im Drink für uns bei der Paloma enorm wichtig. Klar könnt ihr euch wie beim Margarita einen Salzrand basteln – ergibt geschmacklich und optisch absolut Sinn. Wichtiger ist allerdings, dass ihr auch wirklich eine Prise Salz in den Drink hineinbekommt. Nur dann macht er auch wirklich Spaß.

Bei den Limetten gilt: Je saurer, desto besser. Scheut euch also nicht, die Menge an Limettensaft zur Not noch einmal deutlich anzuheben, wenn eure Paloma nicht so ausgewogen ist, wie ihr sie gerne hättet. Auch ein Limettenscheibchen als Garnitur leistet hier gute Dienste, weil ihr Aroma den Drink nochmal insgesamt mehr in die Zitrusrichtung zieht. Wir verzichten allerdings nach einigen Tests komplett auf Deko – Limettenräder schnibbeln nervt und nach vier Palomas kriegt man vor lauter Salzrand einen Blinddarmdurchbruch. Und der wär für einen tollen Abend mit mexikanischen Cocktail-Rezepten nun wirklich ein mieses Ende.

JohannTrasch

2 Kommentare

Klicke hier um einen Kommentar hinzuzufügen

  • Immer dieser Snobismus…
    Weil obs lecker ist, hängt wenn man ne Passivdenker-Pfeife ist, auch ausschließlich vom *Preis* und den Aussagen des Snobismus-Wichskreises ab! Ja nee, is klar!
    Tut mir Leid, aber diene Unterscheidung der Tequillas ist wissenschaftlich bestätigt reine Einbildung! Vor allem in Cocktails.
    Ebenso wie die Einbildung, Rotwein von Weißwein am Geschmack unterscheiden zu können, oder all diese fantastischen „Geschmacksnoten“ („Mit einem Hauch von Zwetschken ind Blütenaromen.“)

    Allein die psychosomatische Variation ist schon um ein vielfaches größer!

    Oh, und es gibt kein leckeres Bier oder leckeren Kaviar! Bitter und fischig sind immer schlechte Geschmacksnoten. Per Definiton!

    • Ach, ein „Schmeckt meiner persönlichen Meinung nach ganz grässlich!“ heißt ja nicht, dass ich jedem, dem die Mixto-Varianten des roten Huts schmecken, seinen Spaß nicht gönnen würde. No Snobismus intended.

      Indes: Die wissenschaftliche Studie, die belegt, dass Mixto-Silver-Tequila wie 100 % Agave Reposado schmeckt und Weißwein wie Rotwein, die würde ich gerne sehen :). Dass eine intensive Verkostung mit aktivem Schmecken und dem Suchen nach Aromen was anderes ist als schlichtes reinschütten, sollte dir klar sein. Um einen Hauch von Blütenaromen irgendwo zu finden, muss ich ihn suchen. Ich und zwei, drei andere Leute machen das sehr gerne, auch in Cocktails – und du bist in dem Fall jetzt derjenige, der recht snobistisch die Hobbys anderer Leute abwertet.

      Und natürlich macht Hintergrundgeschichte, Atmosphäre und persönliche Story was aus, ob dir ein Produkt gefällt oder nicht, das streitet niemand hier ernsthaft ab. Aber genau wie gutes Marketing aus einem Maultier kein Einhorn macht, brauche ich zu einem 100-Prozent-Agave-Tequila keine gute Geschichte, damit er mir besser schmeckt als irgendwas, dass ich 5:1 verdünnen muss, damit es nicht mehr in der Kehle brennt 🙂