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Welches Eis zu welchem Cocktail?

Eis, das in einen Pokal fällt.
Eis, das in einen Pokal fällt.

Die meisten Cocktails bestehen aus wenigstens drei Zutaten: Spirituose, Filler, Eis. Bei der Spirituose geht der Trend schon lange klar zum Qualitätsprodukt und auch bei den Fillern bemerkt man in den letzten Jahren: Hey, die Leute haben Bock auf Experimente, die Barkeeper und Hersteller auch. Beim Eis gibt es diesen Trend auch – aber er verhakt sich leider in den In-Schuppen:

Entweder steht man in einer Bar, in der sie das Eis für deinen Cocktail direkt aus einem durchsichtigen Frost-Schwan schnitzen – oder man muss schon danke dafür sagen, dass im Cocktail-Glas anderes Eis ist als im Shaker. Zu Hause dagegen bleibt sie aktuell fast komplett aus, die Revolution des Drink-Kühlens.

Was macht Eis mit meinem Cocktail?

Eis kühlt euren Drink, verwässert ihn aber auch.
Eis kühlt euren Drink, verwässert ihn aber auch.

Wer Eis im Cocktail verstehen will, der muss gefrorenes Wasser an sich verstehen und ein paar kleine Grundprinzipien der Physik abrufen: Gefrorenes Wasser schmilzt, wenn es Wärme ausgesetzt wird (und Wärme ist in diesem Fall alles über Null Grad), löst sich also auf und wird wieder zu flüssigem Wasser. Warum ich etwas so alltägliches so genau erkläre? Weil ihr euch jetzt vorstellen müsst, dass das in eurem Cocktail passiert.

Vordergründig macht Eis erstmal genau das, wofür es die meisten in den Drink schütten: es kühlt. Der Cocktail wird kälter, erfrischender, spritziger. Anders als ein Whisky, der runtergekühlt einfach nur flacher schmeckt, wird ein Cocktail erst durch Kälte zu dem Gesamtkunstwerk, das man von ihm erwartet. Es passiert zeitgleich aber noch etwas anderes:

Das Eis darin schmilzt, das geschmacksneutrale Wasser verbindet sich mit Spirituose und Fillern – der reine Cocktail nimmt an Masse zu, aber an Geschmack ab – die Menge an Geschmackspartikeln muss sich auf eine größere Masse an Flüssigkeit aufteilen. Für manche Cocktails ist das aber essentiell: Genau wie ein heftiger Whisky sich durch zwei, drei Tropfen Wasser geschmacklich auffächert, passiert das auch bei Cocktails, die nur aus Spirituosen bestehen.

Eiskugeln oder Eiswürfel?

So, jetzt da ihr mit diesem Wissen ausgestattet seid, müsst ihr ein paar Fragen stellen: Was will ich denn mit Eis in meinem Cocktail erreichen? Wie viel Schmelzwasser will ich drinhaben, um den Druck rauszunehmen und den Drink zu öffnen? Wie kalt soll der Drink am Ende werden und wie lange halte ich mich später an meinem Cocktail fest, bevor er endlich leer ist?

Theoretisch läuft die Sache so: Wenn der Cocktail viel Wasser verträgt und schnell runterkühlen soll, braucht ihr Eis mit viel Oberfläche – Crushed Ice also oder Hohlkörper-Eiswürfel. Für Drinks, die nicht so viel Wasser trinken sollen, braucht ihr massive Eiswürfel, je größer, desto langsamer schmelzen sie. Und jetzt die Frage: Eiswürfel oder Eiskugeln? Kugeln haben weniger Oberfläche, schmelzen also langsamer. Ergo sind sie für Drinks, die lange kühl bleiben, aber nicht verwässert werden sollen, die besten Wahl. Andere Drinks dagegen sehen Eis nur beim shaken.

Cocktails in Martini-Gläsern ohne Eis.
Cocktails in Martini-Gläsern ohne Eis.

Kühlt eure Gläser – in der Tiefkühltruhe oder wenigstens im Eis! Ganze Artikel über das richtige Eis im Cocktail lesen, aber das Cocktail-Glas dann frisch aus der Spülmaschine holen? Bitte nicht!

Gelaber! Welches Eis nehme ich jetzt für welchen Cocktail?

Der Überblick für alle, die kein theoretisches Geschwafel brauchen, sondern sich einfach nur nicht blamieren wollen, wenn sie ihren nächsten Cocktail mixen.

Ein gefrorener Cocktail mit Crushed Ice.
Ein gefrorener Cocktail mit Crushed Ice.
  • Eiswürfel: Im Bestfall etwas größer als normal, 3x3cm sind optimal. Die nehmt ihr für alles, wo ihr euch nicht sicher seid und alles, was „on the rocks“ heißt und in fast jedem Longdrink. Dazu zählt auch alles, was irgendwie den Namen Fizz, Highball oder Collins trägt. Für hohe Longdrinks etwas besser ist Stab-Eis (englisch: Ice Spears) – längliche Eiswürfel mit der Masse von drei bis vier Würfeln, aber weniger Oberfläche.
  • Crushed Ice: Zerhacktes Eis, gekauft ist es beinahe schon Eisstaub. Cracked Ice ist die weniger zerbröselte Variante davon und hält etwas länger, dafür bekommt der Drink nicht diese Wasser-Eis-Textur, die manche bei Frozen-Drinks so schätzen. Meistens handelt es sich dabei um Frozen Daiquiris, die statt in ein leeres Glas einfach in ein Glas mit Crushed Ice geschüttet werden. Auch der Mint Julep und andere Julep-Varianten leben vom Crushed Ice. Meistens jedoch sind Eiswürfel die bessere Alternative.
  • Fette Eisbatzen: Eine einzelne große Eiskugel im Glas, das ergibt vor allem bei Old Fashioneds Sinn, die in kleinen Bechern serviert werden, oder wenn ihr einen Scotch gekühlt trinken müsst, weil er euch zimmerwarm zu heftig ist und ihr Mimosen seid.
  • Gar kein Eis: Viele Shortdrinks und fast alle Crustas werden ohne Eis serviert. Generell alles, was in ein Martini-Glas gehört, braucht kein Eis. Sähe in der kleinen Cocktail-Trompete auch irgendwie verstörend aus.

Wer seine Cocktails nicht im Glas mixt, sondern auch zu Hause den Shaker benutzt, der braucht natürlich trotzdem immer Eiswürfel zu Hand, egal welchen Cocktail er mixt. Das Eis im Shaker dient dazu, den Cocktail runterzukühlen, was selbst bei Cocktails ohne Eis ein absolutes Muss ist.

Die optimale Eis-Temperatur:
Wer einen Cocktail möglichst schnell kühlen will, braucht Eis mit -1 bis -4 Grad, das noch während des Shakens anschmilzt. Bei der Eis-Schmelze kühlt der Cocktail schneller ab, als sonst. Um den Cocktail dann im Glas möglichst lange kalt zu halten, gilt: Je kälter das Eis, desto besser.

Wie komme ich an das richtige Eis?

In den Kühltruhen vor der Tanke und den Supermärkten findet man fast ausschließlich Crushed Ice und Hohlkörper-Eiswürfel. Wir sind an dieser Stelle ehrlich: Wenn eure Kumpels nicht selber Barkeeper sind oder richtig tief drin in der Materie, dann seid ihr auf der nächsten Party der einzige, dem der Unterschied zwischen einem Eiswürfel und einem Hohlkörper auffällt. Aber ihr wollt ja erst meistern und dann bekehren.

Für einen massiven Eiswürfel in einer ordentlichen Größe kommt ihr um Eiswürfelbehälter nicht herum. Eis aus Eiswürfelbeuteln (die liegen im Supermarkt bei den Frischhaltebeuteln) ist meist sehr klein und zu flach, schmilzt entsprechend schnell. Eis in der richtigen Größe oder sogar in Übergrößen zu kaufen, ist schwierig, weil schwer zu finden.

Als Alternativen bleiben: Ihr bastelt euch selbst einen dicken Eisblock, aus dem ihr kleinere Eiswürfel herausstanzt – das ist körperlich irre anstrengend, aber macht Eindruck. Und die Herstellung ist recht simpel: Schneidet Tetrapacks auf, wascht sie aus, füllt sie mit Wasser und packt sie dann (natürlich aufrecht) in die Tiefkühltruhe. Dann holt ihr den Batzen raus und zerhackt ihn. Wer lieber glatte Eiskugeln mit großem Durchmesser machen möchte, greift zur Wasserball-Methode:

Das Problem: Viele Wasserballons färben ab oder verleihen dem Eiswürfeln einen ganz, ganz fiesen Plastik-Nachgeschmack. Es lohnt sich, ein paar qualitativ hochwertigere Exemplare zu kaufen, zu testen und – sofern die Eiswürfel passen – einfach einen ganzen Batzen davon auf Vorrat zu kaufen.

Wo kann ich mehr über Eis im Cocktail lernen?

Schon viele Menschen haben sich den Kopf über Cocktail-Kühlung zerbrochen, sowohl in Büchern, als auch im Internet. Einen Schritt weiter als unser noch sehr oberflächlicher Artikel geht „Cubes, Spheres und Blöcke: Was du über Eis in Cocktails wissen solltest!“ auf Eyeforspirits.com. Autor Philip Reim beschäftigt sich mehr mit der Chemie hinter den Eiswürfeln und dem Einfluss, den die Reinheit des gefrorenen Wassers auf den fertigen Cocktail hat. Lesenswert.

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JohannTrasch

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