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Smoked Cocktails: Wie bekomme ich Rauch in meine Drinks?

Ein Old Fashioned Cocktail, geräuchert in der Flasche.
Ein Old Fashioned Cocktail, geräuchert in der Flasche.

Feuer, Rauch, Schnaps. Erinnerungen an Dutzende Feiern am See, an diese Mischung aus Lagerfeuer und Rausch. Dazu effektvoll wabernde weiße Schwaden, die den Partykeller fluten. Rauch und Cocktails, das ist Taschenspielertrick und große Magie in einem; aufsehenerregend und olfaktorisch praktisch nicht zu ignorieren, ein Happening. Und ja, auch geschmacklich zuweilen wirklich lohnenswert, wenn man nicht gerade überempfindlich auf diesen Mix aus Aschenbecher und verbranntem Holz reagiert. Und gar nicht mal so kompliziert, wenn man weiß wie – und sich darüber Gedanken gemacht hat, was man eigentlich will.

Geschmack vs. Action

Der Disclaimer vorab: in diesem Artikel geht es um die Angebernummer, um wirkliches Mixen mit Rauch. Wer rein aus geschmacklichen Gründen danach forscht, wie er seinem Drink eine Rauchnote verleihen kann, der muss nicht gleich seine Hausbar abfackeln. Rauchiger Lapsang Souchong-Tee, als Sirup oder Cordial funktionieren hier ganz hervorragend und auch sehr rauchige Whiskys wie der Finlaggan eignen sich dafür, barlöffelweise als smokey Modifikator eingesetzt zu werden.

Ein Cocktail wird gesmoked.
Ein Cocktail wird gesmoked, garniert, serviert.

Nicht, dass das geschmacklich exakt dasselbe wäre wie frischer Rauch. Der hat eine andere Intensität und auch andere Aromen. So geht frischer Holzrauch mehr in Richtung Lagerfeuer und Aschenbecher, Rauch aus Tee und Whisky hat im Drink selbst meist mehr von geräuchertem Schinken. Und wer seine Drinks mit Kräutern oder gar Tabak räuchern möchte, der kommt um die Zündelei eh nicht herum, auch spezielle Bitters bringen höchstens die Aromen des Räucherguts mit, nicht aber die Rauch-Noten selbst.

Welche Cocktails eignen sich zum smoken?

Ihr möchtet also mit frischem Live-Rauch arbeiten? Dann bleibt die Frage, welchen Drink ihr genau räuchern möchtet, denn längst nicht alle Cocktails eignen sich auch dafür. Ganz generell lässt sich in den Raum werfen, dass vor allem Drinks auf der Basis von fassgelagerten Spirituosen von Rauch profitieren können. Gin, Wodka oder eher fragile Gesellen wie Pisco oder hochwertige Obstbrände tun sich dagegen mit Rauch eher schwer.

Vor allem Old Fashioned-Varianten, hier ein Rum Old Fashioned mit Bellamy's Reserve Rum, eignen sich für's Smoken.
Vor allem Old Fashioned-Varianten, hier ein Rum Old Fashioned mit Bellamy’s Reserve Rum1, eignen sich für’s Smoken.

Was nicht heißt, dass es da keine Ausnahmen geben kann, ein Smoked Martinez, in dem neben Gin vor allem roter Wermut den Ton angibt, bereitet uns mit diversen Wacholderbränden Freude. Trotzdem sind es in unseren Experimenten vor allem Rum, Cognac und Whisky, die von der Extraportion BBQ-Atmosphäre profitieren, vor allem Old Fashioned-Varianten werden damit um eine sinnvolle Dimension erweitert, ohne die Einfachheit des Cocktail-Klassikers zu karikieren.

Womit räuchere ich meine Drinks?

Wir haben eine Weile am roten Faden dieses Artikels gewebt und schlussendlich entschieden, dass die Frage nach dem „Was zünde ich eigentlich an?“ vor dem „Wie geht das?“ stehen sollte, auch wenn die letzte Frage wahrscheinlich diejenige ist, die euch mehr auf den Nägeln brennt. Haha, brennt. Die Sache ist einfach die: Während ihr zur technischen Umsetzung nicht viel mehr braucht als eine feuerfeste Unterlage und ein Feuerzeug, müsst ihr das Räuchergut auf jeden Fall aktiv besorgen – und euch auch ein bisschen Gedanken machen, welchen Geschmack ihr erreichen wollt.

  • Holzspäne sind wahrscheinlich die häufigste Wahl. Sie brennen schnell an, entwickeln viel Rauch und geben genau den Lagerfeuer-Geschmack, den viele mit dieser Art Drink assozieren. Die Holzart ist nicht unbedingt egal, aber Geschmackssache. Hickory hat viel BBQ-Flair, Mesquite haut euch alle Aromen kaputt und Kirsche wirkt fast fruchtig.
  • Kräuter sollten unbedingt getrocknet werden, frische Kräuter stinken einfach nur ganz schrecklich, wenn man sie anzündet und geben auch kaum Rauch ab. Rosmarin oder Thymian funktionieren top mit Rhum Agricole und sogar Gin Tonics.
  • Tabak ist natürlich genauso ein Gesundheitsproblem wie richtiges Rauchen, aber auf einer Spirituosen-Seite wär’s wenig glaubhaft, uns hier päpstlicher zu geben als der Papst. Vor allem in Kombi mit alten Rums und Whiskys funktioniert Tabak hervorragend. Getrocknete, ganze Tabakblätter gibt’s online.
  • Gewürze – hierunter vor allem Zimt, sorgen für weihnachtliche Aromen, werden aber sehr schnell sehr intensiv. Falls ihr damit spielen wollt, denkt vielleicht eher über eine geflämmte Garnitur nach, sprich die Zimtstange am Drink und an einer Seite mit dem Küchenbrenner angezündet. Das sieht schick aus und funktioniert geschmacklich in unseren Tests besser als richtiges Räuchern damit.

Wie smoke ich Cocktails?

Kommen wir zum spannenden Teil des Artikels, dem How To. Welche Technik die beste ist, hängt im Wesentlichen davon ab, wie stark ihr euren Cocktail aromatisieren wollt, womit und ob ihr eine Smoking Gun zur Verfügung habt oder nicht. Eine Smoking Gun ist im Prinzip ein kleiner, elektrischer Raucher mit richtig krassem Zug. Eine automatische Highspeed-Pfeife quasi. Ihr aktiviert den Motor, zündet ein paar Holzspäne an und es raucht, aber so richtig.

Durch den beigefügten, meist recht langen Schlauch könnt ihr den Rauch genau da hinleiten, wo ihr ihn braucht. Für einige der hier vorgestellten Technik ist eine Smoking Gin unentbehrlich – gerade für erste Gehversuche und um euch die Frage zu beantworten „Will ich überhaupt mit Rauch mixen?“ ist sie jedoch keinesfalls eine Pflicht-Anschaffung.

Gläser räuchern (für Kräuter und leichte Rauch-Aromen, ohne Smoking Gun)

Die einfachste Möglichkeit, einen Drink mit Rauch-Aromen zu versehen: ihr räuchert das Glas, in dem ihr ihn serviert. Dafür braucht ihr nur ein Holzbrett oder eine feuerfeste Unterlage, euer Räuchergut und natürlich Feuer. Anzünden, Glas drüberstülpen, fertig. Lasst das Glas stehen, bis ihr den Drink in Rührglas oder Shaker fertig gemixt habt, dreht es um und füllt den Drink ein. Der Effekt ist ähnlich wie beim Absinth des Sazerac: zwar ist der Rauch selbst gar nicht mehr präsent, aber er spielt in der Nase durchaus noch eine gewichtige Rolle.

Das Gästeglas zu räuchern ist die simpelste Methode für Drinks mit dem Feuer zu spielen.
Das Gästeglas zu räuchern ist die simpelste Methode für Drinks mit dem Feuer zu spielen.

Unter der Kuppel räuchern (mit und ohne Smoking Gun)

Der Klassiker, das was man in den meisten Bars sieht, die mit Rauch arbeiten: ihr mixt einen Drink fertig, nur die Garnitur fehlt. Dann kommt er auf ein kleines Holzbrett. Nun gibt es zwei Varianten. Nummer 1: Das Räuchergut wird direkt neben das Glas gelegt und angezündet, dann kommt die Glaskuppel drauf. Dadurch, dass der Sauerstoff flöten geht, hören der Tabak, die Späne oder die Kräuter sofort auf zu brennen, euer Drink wird also nicht gekocht. Variante 2: Ihr setzt die Kuppel direkt auf den Drink, packt den Schlauch eurer Smoking Gun darunter und feuert ab.

Die Smoking Gun hat die bessere, kräftigere Rauchentwicklung, funktioniert aber nur mit Holzspänen. Die händische Variante bietet in puncto Räuchergut mehr Freiheiten, sieht etwas stilvoller aus (Übung vorausgesetzt) und hinterlässt ein weniger intensives Rauch-Aroma.

In der Flasche/Kanne/Karaffe räuchern (mit Smoking Gun)

Die vielleicht stilvollste Variante: Ihr mixt zunächst euren Drink fertig, lasst ihn aber noch in Rührglas oder Shaker. Jetzt nehmt ihr ein voluminöses Gefäß zur Hand, das entweder nur eine sehr kleine Öffnung aufweist oder sich gut verschließen lässt. Im besten Fall ist das Ding durchsichtig, sonst geht bei der Nummer irre viel Zauber verloren. Füllt das Gefäß nun mit Rauch – hier erweist euch der Schlauch der Smoking Gun beste Dienste, ohne den ist die Nummer extrem schwierig.

Nun strained ihr euren eiskalten Drink in das geräucherte Gefäß und schwenkt es andächtig für eine halbe Minute im Rauch. Nur noch ausgießen und servieren. Da der abgekühlte Rauch sich auch wunderschön mit ausgießen lässt, lohnt es sich, ihn noch ein wenig über den fertigen Drink zu gießen. Nicht unbedingt geschmacklich – es sieht einfach nur spannend aus.

Das Rührglas räuchern (mit und ohne Smoking Gun)

Bei der Variante ohne Smoking Gun räuchert ihr euer Rührglas wie das Servierglas aus der ersten Option etwas weiter oben. Mixt ihr danach den Drink, erhält er ein sehr filigranes Raucharoma, das ihr auch aus Kräutern und Tabak erzeugen könnt. Optisch spannender ist aber die Variante, bei der ihr das mit Eis befüllte Rührglas via Smoking Gun mit Rauch füllt. Der Rauch kühlt rapide ab und bleibt erstaunlich lange im Glas. Schüttet ihr da jetzt eure Zutaten drüber und rührt fleißig, hat das viel Alchemisten-Flair und geschmacklich ähnliche Auswirkungen wie das Räuchern in der Flasche.

Aber jetzt mal ehrlich: wie oft räuchern wir unsere Drinks?

Seit wir hier eine Smoking Gun liegen haben: in schöner Regelmäßigkeit. Gerade bei einem Old Fashioned neigen wir dazu, das Ding einfach mal spaßeshalber auszupacken und das Glas kurz unter die Kuppel zu stellen. Der Duft ruft tatsächlich Lagerfeuer-Romantik hervor, Gäste sind regelmäßig begeistert – manche sogar vom Geschmack und nicht nur von der Performance. Die Angetraute des Autors wird sich dieses Weihnachten also sehr bemühen müssen, wenn sie die Smoking Gun mit ihrem 2019-Weihnachtsgeschenk für ihn übertreffen will. Falls sie das nicht schafft, zündet er wahrscheinlich wieder irgendwas an.

Inspiration: Unsere Smoked Drinks-Rezepte auf Instagram

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JohannTrasch

Ein Kommentar

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Ich stimme zu.

  • Danke für diesen detaillierten Artikel zu einem sehr interessanten Thema. Die verschiedenen Methoden sind auf jeden Fall echt hilfreich.