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Cotswolds London Dry Gin im Tasting und Cocktail-Test

Der Cotswolds London Dry Gin funktioniert hervorragend im Gin Tonic und in klassischen Cocktails.

Damit wir diesen Artikel hier alle ohne Gekicher über die Bühne bringen können, sagen wir jetzt alle gemeinsam zehnmal „Cotswolds“. Ganz schnell hintereinander. Wenn ihr müsst, sagt es noch einmal so, als hättet ihr den Mund voll. Super, jetzt zum wichtigen Teil, nämlich zum gleichnamigen Gin: Der heißt so, weil er in der Cotswolds Distillery gebrannt wird, die in einem englischen Landstrich liegt, der ebenfalls Cotswolds heißt. „Herz Englands“ wird die Gegend genannt. Wer Bilder aus dieser Gegend sieht, die typisch englischen alten Häuser und die fantastischen Landschaften, der versteht auch wieso.

Die Flasche für dieses Tasting wurde uns vom deutschen Vertrieb zur Verfügung gestellt, Bedingungen an den Artikel gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels.  

Hier möchte man sich ein Chesterfield-Sofa mitten auf die weite Wiese stellen, sich darauf zusammen mit Benedict Cumberbatch unter eine karierte Decke kuscheln und Downton Abbey gucken, so englisch ist es hier. Der Cotswolds London Dry Gin ist wenigstens so britisch wie diese Szenerie. Das fängt schon bei der schwarzen, hohe Flasche an, die ein bisschen an einen dunklen Rotwein erinnert. Im direkten Vergleich mit den immer gleichen Apothekerflaschen ist sie das Gegenteil von Hipster – und so schmeckt der Cotswolds auch. Aber immer der Reihe nach.

Die Story hinter dem Cotswolds Dry Gin

Daniel Szor, der CEO der Cotswolds Distillery hat irgendwann genug von seinem Banker-Job und dem Trubel in London und entscheidet sich irgendwann, lieber gute Spirituosen zu machen. Der Unterschied zu vielen ähnlich lautenden Storys: Szor hat nicht nur eine Idee für irgendein lustiges Lead-Botanical, sondern zieht zusammen mit der Familie in die englische Pampa, nach Cotswolds eben, besucht Destillations-Lehrgänge, schart ein Team aus jungen, hungrigen, kreativen Brennern und alten Vertriebs- und Marketing-Hasen um sich und baut seine eigene Destille, um handwerklich hergestellte Gins, Whiskys und andere Sachen zu brennen. Inklusive einer Prebottled-Version eines Espresso Martini, für die Kaffee mit Koriander und Orangenzesten mazeriert wird.

Auch, wenn zumindest dieser Kaffeeschnaps etwas skurril klingt – dass der Plan aufgeht und Daniel Szor die richtigen Leute um sich geschart hat, das zeigen die Preise, die der Cotswolds gerade reihenweise abräumt. Gold bei den World Gin Awards, Gold bei der San Francisco World Spirits Competition, Silber bei der International Wine & Spirit Competition. Jetzt ist es bei Spirituosenpreisen manchmal leider wie in der Mode: Die Leute jubeln oft dem hässlichsten Humbug frenetisch hinterher, solange er nur gerade im Trend liegt. Also überzeugen wir uns natürlich selbst:

So schmeckt der Cotswolds Dry Gin

Als seine neun Botanicals nennt Cotswolds Wacholder,  Koriander, Lavendel, Kardamom, Grapefruit, Angelikawurzel, Limette, Lorbeer und schwarzen Pfeffer. Damit wird einmal mazeriert und einmal eine Infusion per Dampf durchgeführt. Das Aroma drückt zu Beginn intensiv in die Nase, beginnend mit einem Dreigestirn aus Wacholder, Zitrusfrüchten und Pfeffer. Der Pfeffer bleibt ein paar Sekunden sehr präsent, bevor Kräuternoten und der Lavendel durchkommen, zusammen mit der Limette verbindet sich das alles zu einem angenehmen Hauch von Bergamotte mit ein wenig frischer Rinde.

Nase: Wacholder, Zitrus, Pfeffer, Bergamotte, Rinde

Zunge: Pfeffer, Wacholder, Zitrone, Lavendel, Kiefernzapfen

Im ersten Schluck halten sich süßlich-saure Zitrusnoten, holziger Pfeffer und eine sehr angenehme Bitternote mit klarem Wacholder die Waage. Als wir den Cotswolds länger im Mund halten, schlägt das leichte, angenehme Pfefferbrennen ganz kurz um in etwas alkoholisches, das zusammen mit den Zitrusnoten etwas seifig wirkt. Das hält aber zum Glück nicht lange an und ist beim „normalen“ Trinken nicht reproduzierbar, sprich nur dann problematisch, wenn ihr beim Tasting unter Freunden die ganze Einspeichelei durchzieht. Wer einfach nur genießt, erfreut sich an einem sehr frischen, vollmundigem Nachgeschmack von Zitronenpfeffer, Lavendel und einem Hauch Kiefernzapfen. Das ist alles nicht ausgefallen oder immens breit – aber es ist „London Dry“ in Vollendung und vor allem rund.

Der Test im Gin Tonic

Die Aromen des Cotswolds Gin sind stabil aber nicht überbordend. Für einen Gin Tonic bedeutet das: milde, trockene Tonics wie das Fever Tree Mediterranean und die meisten Standard-Tonics, egal ob von Thomas Henry, Schweppes, Aqua Monaco oder nochmal Fever Tree funktionieren hier hervorragend, geben einen sehr klassischen, sehr geschmeidigen Gin Tonic. Weil der Cotswolds selbst nur mild bitter ist, sollten Bitter-Fans entsprechend zu etwas bittererem Tonic Water greifen – das Mediterranean funktioniert für sie nicht. Elderflower Tonics und andere eher florale Tonic Waters werden in Kombination mit dem Cotswolds je nach Mischverhältnis leider etwas seifig.

Weil die klassischen Gin & Tonics mit Cotswolds eben so klassisch sind, solltet ihr sie entsprechend auch – wenn überhaupt-  mit einer Zitronenzeste garnieren, statt sie mit Gurken vollzustopfen. Ein Cotswolds-G&T funktioniert mit Gurke, wirkt aber wie ein kleiner Stilbrecher. Eine Ausnahme ist die Kombination mit Gentleman’s Tonic: das pfeffrige Tonic Water plus ein paar Gurkenschnitze plus 2, 3 Tropfen Kochsalzlösung (1 g Salz auf 10ml Wasser, ab in die Pipette oder auf den Barlöffel) ergeben einen absurd vollmundigen Gin Tonic. Funktioniert übrigens auch mit anderen Gins.

Cocktails mit Cotswolds

Klassischer Gin, klassische Cocktails: Wir testen den Cotswolds als Gin Fizz und Silver Fizz mit Ei, als Aviation, als Martini und als Gimlet. Gerade in Kombination mit diesen Gin-Cocktails, die alle aus der Kombination Zitrone/Limette- Sirup/Likör – Gin bestehen, funktioniert der Cotswolds herausragend gut. Zucker und Säure, mehr braucht er nicht.

In aufwendigeren, komplexeren Cocktail-Rezepten sind die Aromen dagegen ein bisschen zu fragil, um ihren Charme spielen zu lassen: im Gin Basil Smash oder Negroni merkt man ohne Konzentration schlicht nicht, ob man jetzt den guten Cotswolds oder den Gordon’s aus dem Regal genommen hat. Der britische Gin ist ein Gentleman, der lieber mit ausgewählten, zurückhaltenden Zutaten verkehrt als mit Aroma-Raufbolden. Dafür ist er in solchen Konstellationen ein Highlight.

Cotswolds ist nicht kühlgefiltert, besitzt daher einen Louche-Effekt. Sprich, er wird weiß und trübe, wenn man ihn kühlt, ähnlich wie Ouzo. Problematisch ist das aber auch nur, wenn man auf glasklare Martinis steht – im Gegenzug für den Verzicht darauf erhält man aber eine spannende Kantigkeit. Außerdem ist der Effekt durchaus schick, wenn man die ganze Flasche in den Gefrierschrank packt und geschmacklich war es durchaus sinnvoll, auf die Kühlfiltration zu verzichten.

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Fazit: Ein zurückhaltender und klassischer, aber sehr runder und ausgewogener Gin, der sich vor allem für klassische Drinks wie den Martini eignet.

Daten: England, 46 Prozent, 0,7 Liter, um 40 Euro

Für dieses Tasting hat uns Kirsch Whisky – The House of Whisky, der deutsche Importeur des Cotswolds London Dry, freundlicherweise eine Flasche davon zur Verfügung gestellt. Darüberhinaus hat der Importeur aber weder Ansprüche gestellt, noch versucht, auf das Tasting Einfluss zu nehmen. Wir bedanken uns für die partnerschaftliche und unkomplizierte Zusammenarbeit 🙂

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Johann

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