Die Flasche für dieses Tasting wurde uns von Penninger für redaktionelle Zwecke zur Verfügung gestellt, Bedingungen an einen eventuellen Artikel gab es nicht.
Der Penninger, nä? Wer den Namen hört und das rotweiße Logo sieht, der denkt in den meisten Fällen an klassischen Blutwurz und Bärwurz, an urbayerische Liköre aus dem Stamperl oder wahlweise aus dem Pfanderl, in dem Fall inklusive Feuerchen. Das weiß Geschäftsführer Stefan Penninger freilich und bemüht sich deswegen seit Jahren darum, ebenjene als brachial bekannten Altherrenliköre in die Moderne zu überführen, ohne ihren Ursprung zu verleugnen. Dazu schießt er wahlweise eine Ladung Bärwurz in den Orbit oder verpasst dem Kernprodukt des Hauses ein krass totenkopfiges Design-Overhaul. Klingt hämisch, weil ist ja schon im Wesentlichen Marketing, aber geil finden wir’s trotzdem. Beides.
Hauptsächlich ist der Penninger Stefan aber Geschmackshandwerker. In vorderster Linie Destillateurmeister, daneben aber auch Edelbrandsommelier. Und seit einiger Zeit auch Gewürzsommelier. Jetzt ist der Begriff Sommelier in den letzten Jahren freilich ein wenig überbeansprucht worden, aber im Fall von Gewürzen wird wohl niemand abstreiten, dass eine gewisse Fachkenntnis, Expertise und ein geschulter Riechkolben durchaus dabei helfen, zerbröselte Blätter sauber einer Pflanze zuzuordnen und einem Gericht oder einem Drink zuzuweisen. Für seine neueste Spirituosen-Reihe verbindet der Penninger all seine Superkräfte, um ein Triumvirat liquider Neologismen zu erschaffen: die Penninger Gewürzspirituosen.
Die Story hinter den Penninger Gewürzspirituosen
In den letzten Jahren hat Penninger meist darauf gesetzt, Trend-Spirituosen heimatlich zu interpretieren. Klassischer Wacholdergeist, aufgebrezelt mit ein paar Botanicals, gelabelt als Granit Gin. Ein selbstkomponierter, karibischer Rum-Blend in Form des Graphit Rum als Reminiszenz an die Rum-Rationen der Minenarbeiter in den 1950ern. Ein American Whiskey, der … ja gut, der ist im Wesentlichen importiert. Aber mit einem guten Näschen für Whiskey. Mit den Gewürzspirituosen geht man jetzt zurück zu den Wurzeln der spacewurzigen Geschmacks-Digitalisierung und nimmt sich die eigenen Obstbrände vor.
Marille. Birne. Pflaume. Um die spirituelle Schönheit dieser Worte zu verstehen, muss man entweder einer der Menschen sein, denen es nach jedem guten Schweinshaxn nach einem Absacker verlangt oder einer dieser speziellen Cocktail-Enthusiasten, die vergärtes Obst in richtig guten Drinks einzusetzen wissen. Obstbrand-Cocktails sind Kunst; und viel zu selten. Penninger beweist Mut, wenn er in einer ausschließlich von hochspezialisierten Genießern und Schüttlern bevölkerten Spirituosen-Subkultur einfach mal den Gewürztopf in die gemütlich vor sich hinköchelnde Obstbrennblase ratatouillet.
Die penningersche Haus-Kommunikation nennt das die “Verknüpfung von Internationalem und Bayerischem” und eine “Empfehlung für alle Genießer, die gerne neues probieren und dabei über den Tellerrand hinausblicken”. Ist schon nicht falsch, zugegeben. Aber weil wir mit unserer speziellen Cocktailbart-Kommunikations-Abteilung nicht den Spagat zwischen hippen, jungen Genießern und genussbewussten Penninger-Stammkunden der Obstler-Hochromantik schultern müssen, nennen wir das einfach “irre gut gemachtes Schnaps-Chutney”.
Gewürzbirne mit Kardamom
Birne oder auch oft mal schlicht “Willi” genannt, sofern die Williams-Birne im Spiel ist, ist wahrscheinlich einer der weitverbreitetsten Obstbrände. Penninger kombiniert seinen Birnenbrand mit Kardamom. Die kleinen grünen Kapseln duften floral und nach Eukalyptus und sind in der indischen Küche ein bisschen das, was Koriander in allen südamerikanischen Gerichten ist. In Kombination ergibt das einen vergleichsweise verrückten Mix aus Birne, frischer Minze, Waldmeister (absurd viel davon) und Bananenbrot. Wir vermixen das so:
Glas & Barwerkzeuge
Zutaten
- 3 cl Gewürzbirne mit Kardamom
- 3 cl Bourbon Whiskey
- 3 cl Roter Wermut
- 1 Barlöffel Ahornsirup
Zubereitung
- Alle Zutaten auf Eis rühren.
- In eine gefrostete Coupette abseihen.
- Mit einer Orangenzeste garnieren.
- Trinken.
Nicht dein Drink? Probier einen anderen:
Gewürzmarille mit Szechuan-Pfeffer
Der Norddeutsche mag sich jetzt fragen, was eine Marille ist, sollte aber spätestens am Cocktail-Rezept eins weiter unten erkennen: eine Aprikose. Marille als Obstler ist weithin bekannt hier unten im Süden, die Kombi mit chinesischem Szechuan-Pfeffer lässt auf “Obst mit scharf” schließen. Tatsächlich ist die Schärfe aber irre subtil, dafür zeigt sich neben der extrem intensiven Aprikose vor allem eine süßliche Marzipan-Note und etwas, dass wir nur wage als “exotisch” einordnen können. Die Kombi macht die Penninger Gewürzmarille mit Szechuan-Pfeffer allerdings zu der Spirituose von den dreien, die wir wirklich innerhalb von Stunden nach ihrer unerwarteten Ankunft in einem lange vor uns hergetragenen Cocktail vermixen.
Glas & Barwerkzeuge
Zutaten
- 6 cl Revolte Pandan
- 3 cl Gewürzmarille mit Szechuan-Pfeffer
- 3 cl Saft einer weißen Grapefruit
- 1,5 cl Mezcal
- 3 Spritzer Angostura Bitters
- 1 Barlöffel Zuckersirup
Zubereitung
- Alle Zutaten auf Crushed Ice shaken.
- In ein Cocktail-Glas abseihen und nach Bedarf mit mehr Crushed Ice toppen.
- Mit Minze und Grapefruit garnieren.
- Trinken.
Nicht dein Drink? Probier einen anderen:
Gewürzpflaume mit Tonka-Bohne
Habt ihr auch so Freunde, die ihr voll gerne mögt, aber nur in ganz bestimmten Situationen? So Party-Kumpels, Fußball-Buddies, Saufkumpanen? Sowohl Pflaume als auch Tonka sind das für den Autor dieser Zeilen. Ein Obst und ein Gewürz, die perfekt passen müssen, damit sie Spaß machen – sonst machen sie einfach alles kaputt, diese komischen, matschigen, blauen Wespenfallen und diese schwarze Vanillenuss. Spannenderweise kriegt der Penninger das trotzdem hin und kombiniert beides in einer Spirituose, die nach Glühwein, nach Zimtparfait, nach chinesischem Pflaumenwein schmeckt. Wir kombinieren das in einem Drink, der so schmeckt, wie sich Christkindlesmarkt in Peking anfühlen muss.
Zutaten
- 6 cl Gewürzpflaume mit Tonka-Bohne
- 3 cl Ananas-Rum
- 1,5 cl Himbeersirup
- 1,5 cl Mondino Amaro
- 3 Spritzer Inca Bitters
- 3 cl Zitronensaft
Zubereitung
- Alle Zutaten mit Crushed Ice shaken.
- Ohne abseihen in einen Tiki-Becher gießen,
- Mit extra Crushed Ice toppen.
- Mit Zitronenscheibe und einer halben Kugel Mochi-Eis Sesam toppen. Weil's geil dazu passt.
- Trinken.
Nicht dein Drink? Probier einen anderen:
Zwischen Obstbrand und Likör
Positionieren möchten sich die Penninger Gewürzspirituosen irgendwo zwischen klassischen Obstbränden und modernen Likören. Und das schaffen die drei abgefahrenen Flaschen mit einiger Präzision. Wir sind uns nicht sicher, ob sie den Massengeschmack treffen, mit ihrem irren Mix aus eh schon nicht allzu leicht zu vermixender Frucht und allzu exotischem Gewürz. Aber müssen sie das eigentlich? Blutwurz und Bärwurz schießen seit Urzeiten mit verwegenster Abenteurlustigkeit am Geschmack der Masse vorbei – und trotzdem ist Penninger seit 116 Jahren ziemlich erfolgreich. Also halten wir’s da grob nach Neil Armstrong: “Shoot for the stars, but if you miss, have a Stamperl instead”.
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