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In 10 oder mehr Cocktails durch: München

Aus 10 Cocktails in München wurden pralle 18 - hat sich aber gelohnt. Dafüs waren wir im Schumann's, in der Goldenen Bar und im Jaded Monkey.
Aus 10 Cocktails in München wurden pralle 18 - hat sich aber gelohnt. Dafüs waren wir im Schumann's, in der Goldenen Bar und im Jaded Monkey.

Dieser Artikel war eine saudumme Idee. Vielleicht war auch München als Ziel die eigentliche saudumme Idee. Aber Tatsache ist: Während wir uns für In 10 Cocktails durch Regensburg gemütlich durch die meisten Cocktailkultur-relevanten Bars der Stadt trinken konnten, ohne auch nur im Ansatz Stress, Platznot oder ungeplante Saunagänge zu erleiden, hat uns München in der Hinsicht eine gescheuert. Für die bayerische Hauptstadt ergibt der ganze Grundgedanke des Artikels überhaupt keinen Sinn. Unsere Regensburg-Tour, die kann man nachtrinken. Unsere München-Tour ist ein absurdes Schauspiel des Verlorenseins und der vertanen Zeit. Was aber nicht an München liegt – sondern an uns.

Der schweineschwierige Cocktail-Artikel über München

Als wir diesen Artikel schreiben, liegt die Tour durch München bereits über zwei Monate zurück. Trotz ausführlicher Notizen, toller Bars und glorioser Drinks konnten wir uns nicht dazu aufraffen, diese Zeilen zu tippen. Ginge es nur darum, die spannende Stimmung um 2:30 Uhr nachts im Schumann’s zu beschreiben, diese Mischung aus betrunkenen Allerweltsmenschen, Schickeria-Gschaftlern und Quasi-Nackten-Damen mit Champagnerglas und gelangweiltem Blick an der Bar, das wäre einfach. Ginge es darum, nur darüber zu schreiben, wie es die Goldene Bar mit dem Ghost Reviver No. 69 geschafft hat, aus Kümmel, Absinth und noch mehr Schnaps einen absurd runden, weichen Shortdrink der Extraklasse zu mixen, der uns über die Maßen überrascht hat – kein Stress.

Aber es geht um eine Cocktail-Tour durch München. Eine Tour, bei der wir es nicht mehr ins beliebte und bekannte Zephyr geschafft haben, weil es um halb elf schon überfüllt war. Ein Tour, bei der wir uns aus Erschöpfung schon recht früh abseits der Cocktail-Reise einen Burger im nächstbesten Hipster-Laden holten und dabei jede Menge Zeit verloren. Eine Tour, bei der wir nach zehn Minuten wieder aus einer Bar kamen, weil die so überfüllt war, dass wir uns keinen Millimeter rühren konnten, fotografieren unmöglich war und wir uns den Schweiß aus den Augenbrauen wischen mussten. Eine Tour, bei der wir ungefähr fünf Kilometer gelaufen sind, obwohl wir doch eigentlich nur was trinken wollten.

Drink and Sit statt Shot and Run

Packen wir das alles in einen Artikel über die Münchner Cocktailbars, dann macht das die Stadt gefühlt ziemlich unsympathisch. Nicht, dass München an sich sympathisch wäre, aber die Bars hier sind es. Dem wollen wir gerecht werden, können es aber nicht wie wir wollen, weil wir uns zu sehr darauf konzentriert haben, den „In 10 Cocktails durch“-Charakter aufrechtzuerhalten. Darauf, möglichst viel zu sehen, darauf, einen groben Gesamteindruck einer Stadt mit Hunderten Bars zu zeigen, von denen wahrscheinlich mindestens 50 für den Artikel relevant wären.

Tatsache ist: Wären wir auf eine ganz normale Bar-Tour gegangen, hätten wir keinen Artikel darüber schreiben wollen, was wir hier erleben, wäre folgendes passiert: Wir hätten unsere erste Station, die Goldene Bar, nicht um halb 9 verlassen, sondern wahrscheinlich gegen 11. Nicht leicht angeheitert, sondern schon ziemlich auf Pegel, weil wir uns gar so zu Hause gefühlt haben. Wir wären zum Zephyr gegangen und hätten gewartet, bis wir reinkommen, statt weiterzurennen. Wir hätten in der überfüllten Sauna-Bar einfach was getrunken und uns an irgendwem gerieben, statt über fehlenden Platz für Kameras zu jammern. Statt mit drei Smartphones Routen mit der Bar-Shortlist abzugleichen, hätten wir uns vom Bartender die nächste Station empfehlen lassen und wären dann eben dorthin gestiefelt.

Die Sache ist ganz einfach die: Du kannst Cocktails in München nicht erleben, wenn du sie um jeden Preis an einem Abend erleben willst. Wir sind so dumm.

In 10 Cocktails durch München: was wird daraus?

Wir machen den Artikel natürlich trotzdem – weil wir finden, dass die meisten der Drinks und Bars, die wir probieren und besuchen durften, diese Bühne verdienen. Wir erzählen den Abend rückwärts – aus Gründen, die ihr verstehen werdet, wenn ihr die ganze Reihe verfolgt. Wie bei In 10 Cocktails durch Regensburg veröffentlichen wir die Stationen einzeln, wochenweise. Der erste, zur legendären Schumann’s Bar, in der unser Cocktail-Abend ausklang, erscheint am Freitag, den 13.01. 

Was bedeutet das jetzt für diese, zugegeben eh noch sehr junge Artikelreihe? Mehr Freiheiten, weniger „Wir müssen uns an den Plan halten.“ Mehr „Lass mal dableiben.“, mehr Spontaneität. Wenn wir in kleinen Städten wie Bamberg unterwegs sind, werden wir immer noch versuchen, das wundervolle Kaff leerzusaufen. Und wenn wir in Hamburg oder Berlin sind, gehen wir erstmal dahin, wo wir wirklich hinwollen – und lassen uns dann treiben. Ist für euch authentischer – und für uns bleibt mehr Zeit zum trinken.

JohannTrasch

Ein Kommentar

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  • Grandios geschrieben. Ich konnte beim Lesen euren Stress an dem Abend direkt mitfühlen 😉 War es ein Freitag oder Samstag? Bin sehr gespannt auf die Serie!