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Royal Bermuda Yacht Club – die Daiquiri-Variante für Tiki-Liebhaber

Die Hauptzutaten für den Royal Bermuda Yacht Club Cocktail sind Rum und Falernum, der ihm auch die gelbe Farbe spendiert.
Die Hauptzutaten für den Royal Bermuda Yacht Club Cocktail sind Rum und Falernum, der ihm auch die gelbe Farbe spendiert.

Es gibt Tiki-Drinks wie den Mai Tai oder den Zombie, von denen die meisten Leute gar nicht wissen, dass es überhaupt Tiki-Cocktails sind. Es gibt Tiki-Drinks mit besonders exotischen Namen wie Nui Nui oder The Tourmaline Typhoon, die in ausgefallenen Tiki-Mugs serviert werden und ihre Herkunft in die Welt hinausschreien. Und es gibt den Royal Bermuda Yacht Club – einen vergleichsweise simplen Sour ohne viel Schnick-Schnack. Serviert in einer Coupette oder im Martiniglas, oft sogar ohne Deko. Tiki mit Understatement also? Ja – aber vor allem trotzdem Tiki auf der Zunge. Dafür sorgt die Kombination aus Barbados-Rum und Falernum:

Das Rezept für den Royal Bermuda Yacht Club

  • 6 cl Rum (bevorzugt Barbados Rum)
  • 3 cl Limettensaft
  • 1,5 cl Falernum
  • 2 Barlöffel Triple Sec
  • 3 Dashes Angostura Bitters

Alle Zutaten zusammen in einen Shaker voller Eis geben und ordentlich shaken. Anschließend in eine vorgekühlte Coupette oder ein Martiniglas abseihen. Mit einer Limettenzeste die Oberfläche des Drinks abspritzen (mit der Schale zum Drink einfach knicken). Trinken.

Die Story hinter dem Yachtclub-Cocktail

Bevor wir uns jetzt den Details des Rezepts zuwenden, dem „Welcher Rum?“ und dem „Was is’n Falernum?“ beantworten wir erstmal die Meta-Fragen für Cocktail-Nerds. Zum Beispiel: „Wieso heißt’n der so?“ Der Royal Bermuda Yacht Club ist benannt nach dem gleichnamigen Yachtclub auf den Bermudas. Der wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von britischen Navy-Offizieren gegründet und besteht bis heute. Das „Royal“ verdiente sich der Verein über Prince Albert, dem Ehemann der britischen Königin Victoria. Ihr wisst schon, die Dame, wegen der wir vom viktorianischen Zeitalter sprechen. Klingelt nix? Steampunk-Fans hier? Ach, auch egal.

Bekannt geworden ist der Drink durch Victor Bergeron, auch bekannt als Trader Vic und neben Don the Beachcomber wohl DIE Galionsfigur der Tiki-Bewegung in den 50ern und 60ern in den USA. Anders als viele behaupten, hat Vic den Royal Bermuda Yacht Club aber nicht erfunden: Schon einige Jahre, bevor er ihn 1947 in Trader Vic’s Bartender Guide festhielt, fand man den Drink im Cocktail Guide and Ladies Home Companion von Crosby Gaige. Der allerdings mixte seinen Drink gerne auch mal mit Zuckersirup statt Falernum und Brandy statt Triple Sec – was sich Trader Vic in seiner Variante höflichst verbat. Dass Bergeron den Drink deutlich ernster nahm als Gaige brachte ihm dann wohl auch den Ruhm dafür ein. Apropos Ru(h)m – kommen wir zu den Zutaten.

Wieso mixen wir diesen Cocktail genau so und nicht anders?

Wir haben mit diesem Drink relativ lange experimentiert – auch, wenn die Grundzutaten immer gleich sind, gibt es hier Dutzende Rezepte im Netz. Alle mit leicht unterschiedlichen Mengenangaben, mal mit und ohne Cocktail Bitters. Wir haben lange herumexperimentiert und dabei extrem viele Rohrkrepierer gemixt. Anders als beim einfacheren Daiquiri, in dem im Wesentlichen der Rum den Unterschied macht, müssen hier viele, sehr eigene Zutaten zueinanderfinden. Das funktioniert natürlich vor allem über die Mengenverhältnisse. Das Rezept oben ist dasjenige, mit dem wir am besten gefahren sind. Besonders wichtig sind dabei die Bitters – ohne sie funktioniert der Drink für viele unserer Tester nicht.

Die Grundzutaten für einen Royal Bermuda Yacht Club sind Falernum, Barbados Rum, Triple Sec und Limetten. Wer mehr rausholen will, braucht Bitters und Cointreau.
Die Grundzutaten für einen Royal Bermuda Yacht Club sind Falernum, Barbados Rum, Triple Sec und Limetten. Wer mehr rausholen will, braucht Bitters und Cointreau.

Der perfekte Rum für den Royal Bermuda Yacht Club

Auch, wenn Bermuda im Namen vorkommt, verlangen praktisch alle Rezepte nach Barbados-Rum. Goldenem Barbados-Rum genauer gesagt, also gereiftem. Der Hintergrund ist, dass Barbados-Rum besonders gut mit der Aromatik zwischen Falernum und Orangenlikör funktionieren soll. Wir geben’s zu – wir haben hier zu wenig verschiedene Barbados- und Bermuda-Rums, um das stichhaltig belegen zu können. Was wir wissen: Mit dem Mount Gay Eclipse Rum aus Barbados (super Preis-Leistungs-Verhältnis, liegt unter 20 Euro) funktioniert der Royal Bermuda Yacht Cocktail hervorragend.

Er ist würzig und nicht zu süß und schmiegt sich deswegen tatsächlich an die Liköre an. Das leisten jedoch auch diverse andere Lager-Rums, die nicht aus Barbados stammen. Wenn eure Cocktail-Gläser zu klein sind, könnt ihr die Menge an Rum auf 5 cl drücken. Der Drink funktioniert beinahe genauso gut und mit unserem Rezept wird unser vergleichsweise schon recht großes Glas doch ziemlich voll.

Falernum und Triple Sec

Falernum ist nichts, das jeder einfach so zu Hause hat, für diverse Tiki-Drinks ist er aber unerlässlich. Wir arbeiten hier mit dem Golden Falernum von The Bitter Truth und sind irre glücklich damit. Das intensive, weihnachtliche Aroma des Likörs geht im Drink selbst in einer würzige Breite auf, die toll mit der Säure der Limette funktioniert. Etwas komplexer ist dagegen die Sache mit dem Triple Sec.

Während wir bei anderen Drinks oft das Gefühl haben, dass der Orangenlikör kaum bis gar keinen Einfluss auf das fertige Ergebnis hat („Hauptsache Orange!“), braucht der Royal Bermuda Yacht Club die Orangen-Note, um alle anderen Geschmacksnuancen mit nach oben zu ziehen. Entsprechend nehmen wir auch etwas mehr Triple Sec als in anderen Rezepten üblich und setzen auf intensiven Cointreau, statt einer Billig-Marke.

Der  richtige Umgang mit den Limetten

In frühen Rezepten wird dieser Drink mit einem Limette-Rum-Verhältnis von 3:1 gemixt, das drehte sich später auf 2:1 – zum Glück. Test mit lediglich 2 cl Limettensaft leiden tatsächlich massiv unter der Säure-Armut und sind einfach deutlich zu süß. Entsprechend arbeiten wir nach den ersten fehlgeschlagenen Versuchen durchgehend mit 3 cl Limettensaft für den Royal Bermuda Yacht Club.

Weil auch das noch nicht ganz ausreicht, spritzen wir die Oberfläche des Cocktails zum Schluss noch mit einer Limettenzeste ab, um dem Drink einen leichten zusätzlichen Hauch von Limette zu geben. Dass wir die Zeste danach nicht in den Drink werfen, hat optische Gründe: Dieses grün-gelb sieht in unseren Augen seltsam aus. Außerdem ist mit dem Abspritzen olfaktorisch schon alles Relevante getan. Hört auf zu kichern.

Kein Royal Bermuda Yacht Club ohne Cocktail Bitters

Man mag es bei der Aromendichte kaum glauben, aber jeder einzelne Royal Bermuda, den wir ohne Bitters probiert haben, schmeckte nach „Da fehlt was.“. Irgendwie flach und verloren. Die klassischen Angostura Bitters verleihen dem Drink eine enorme Tiefe, holen die Würze von Rum und Falernum nach oben und sorgen dafür, dass das Ding nicht einfach nach einer süßsauren Limettensaftschorle mit einem Hauch von Zimt schmeckt.

Allerdings haben wir auch gute Ergebnisse mit Orange Bitters erzielt und mit Ferdinand’s Bitters Rubinette Apple – Lemon Thyme noch eine leichte Frucht-Note mit reingebracht, die dem Drink auch gut steht und ihn weniger wie ein klassisch-herbes Cocktail-Rezept wirken lässt. Tatsächlich sind es aber genau die Bitters, die in den klassischen Rezepten nicht dabei sind; wer ohne zurecht kommt, dem sei es also gegönnt. Aber wir trinken unseren Royal Bermuda Yacht Club wohl niemals ohne.

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JohannTrasch

2 Kommentare

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  • Habe den ROYAL BERMUDA YACHT CLUB gestern nach genau diesem Rezept hier gemixt 🙂

    Beim Probieren fehlte mir spontan zunächst die Süße und ich empfand ihn als recht sauer. Komischerweise hatte ich einen viel süßeren Drink erwartet.

    Habe dann mit noch etwas Falernum und Cointreau (in meinem Fall war es Pierre Ferrand Dry Curacao) experimentiert. Zum Schluss dann noch etwas mehr Rum und schon hatte ich einen wahrscheinlich vollkommen anderen, aber sehr leckeren Cocktail! 🙂
    Ich muss dazu sagen, dass ich keinen Barbados Rum hatte und stattdessen auf den GOSLINGS Rum von den Bermudas zurückgegriffen habe. Also alles in allem ein wirklich völlig anderer Drink.

    Er hat mir trotzdem gefallen und ich werde mir den Mount Gay mal mitbestellen und ihn nochmal im Original mixen. Werde dann berichten! 🙂

    Beim Angostura Bitters muss ich den Verfassern auf jeden Fall zustimmen! Auch in meiner Mischung gaben die Bitters dem Drink eine herrliche Tiefe!

    Beste Grüße vom Kapitän_Knaak

  • Hi Captain,

    danke für’s Feedback, freut mich, wenn du Spaß mit dem Drink hattest, auch wenn das Rezept für dich nicht ganz so funktioniert :). Unsere Variante oben könnte für den ein oder anderen tatsächlich etwas zu sauer sein, da dürfte auch der Rum nicht allzu viel ändern – grade leider keinen Gosling’s da für den Gegencheck :). Eventuell hattest du auch besonders intensive Limetten? Die sind ja gern mal tagesformabhängig. So oder so freue ich mich auf dein Ergebnis mit dem Barbados!

    Liebe Grüße
    Johann