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Between the Sheets: Wenn Rum und Cognac Liebe machen

Der Between the Sheets sieht lockerleicht aus, ist aber mit Cognac und Rum ein Cocktail, der reinhaut.
Der Between the Sheets sieht lockerleicht aus, ist aber mit Cognac und Rum ein Cocktail, der reinhaut.

Der Between the Sheets, zu Deutsch: „Zwischen den Bettlaken“ ist die 1930er-Version von Sex on the Beach, Orgasmus und Vögeln auf Koks. Cocktails mit versauten Namen, bei deren Bestellung man ein bisschen kichern kann und die eigentlich nur dazu gedacht sind, sich abzuschießen. Freilich hat man das damals einen Hauch stilvoller gemacht als heute – deswegen hat der Between the Sheets auch noch ein bisschen Rest-Anstand und besteht aus Rum, Cognac, Triple Sec und Zitronensaft. Vögeln auf Koks dagegen besteht aus Himbeerlikör mit Energy – und macht damit selbst dem in Fruchtsäften ersäuftem Wodka aus dem Sex on the Beach Konkurrenz.

Warum diese Cocktails so heißen und so gar nicht nach Alkohol schmecken ist klar: Wer die trinkt, wird betrunken ohne es zu merken und dann geht’s ins Bett. Es mag durchaus sein, dass das beim Between the Sheets mal ganz ähnlich gedacht war. Aber hier wird nichts verschleiert: Über 80 Prozent des Drinks bestehen aus Spirituosen, Schmelzwasser mit eingerechnet – wer hier nippt, der weiß sehr genau, wohin die Reise geht. Eben wegen seiner Wucht mussten wir bei diesem Cocktail lange herumexperimentieren. Unser Lieblings-Rezept für den Shortdrink fanden wir schließlich in Dave Arnolds Buch „Liquid Intelligence“:

Das perfekte Rezept für den Between the Sheets

  • 4,5 cl Cognac
  • 2 cl Triple Sec
  • 1,5 cl Weißer Rum
  • 1,5 cl Zitronensaft

Alles zusammen auf Eis sehr hart shaken und in eine vorgekühlte Coupette doppelt abseihen. Zitronenschale über der Drink-Oberfläche mit der Schalenseite zum Drink knicken. Nennt sich „abspritzen“. Trotzdem: Trinken.

Der Ursprung des Between the Sheets – und warum das Ding eigentlich scheiße schmeckt

Erfunden wurde der Between the Sheets wie auch der French 75 oder die Bloody Mary von Harry Mac Elhone in Harrys New York Bar. Die steht in Paris und existiert bis heute. Zwar gibt es auch gegenläufige Theorien zu diesem Ursprung, aber weil der Between the Sheets im Prinzip eine Twist des Sidecars ist, setzen die meisten auf Harry’s Bar als Herkunftsort. Den Sidecar hat der gute Mann nämlich nachweislich zumindest als erster zu Papier gebracht, nämlich in Harry’s ABC of Mixing Cocktails.

Jetzt ist der Sidecar ein Drink, der vom Cognac lebt, den er mit der Süße, Säure und Frucht von Triple Sec massiv unterstützt. Ein gut gemachter Sidecar ist für Cognac das, was der Old Fashioned für einen guten Bourbon oder Rye Whiskey ist. Für den Between the Sheets geht man nun her, schüttet mehr Triple Sec als nötig ins Glas und ersetzt einen Teil des Cognacs durch weißen Rum. Was klingt wie eine gute Idee, macht den Drink erstmal kaputt – denn traditionell greift man dafür auf das Verhältnis von einem Teil Rum, einem Teil Cognac, einem Teil Triple Sec und 0,5 Teilen Zitronensaft zurück.

Das schmeckt dann zu stark, zu süß, zu falsch. Kann an uns liegen oder an den verwendeten Spirituosen, aber egal was wir probieren – in dieser Variante ist der Drink unausgegoren. Wahrscheinlich entstand die Idee dazu, um einen Teil des teuren Cognacs im Sidecar durch günstigeren weißen Rum zu ersetzen. Billigerer Drink, mehr Spaß für alle – geht ja schließlich darum, zwischen den Bettlaken zu landen. Nicht umsonst sagt eine der vielen Ursprungs-Theorien des Drinks auch, dass er in den 1920ern in französischen Bordellen entstand, wo er hauptsächlich von Prostituierten getrunken wurden.

Die perfekte Cocktail-Balance

Wir hatten den Between the Sheets schon zu den Akten gelegt – da stolperten wir zufällig in „Liquid Intelligence“ vom amerikanischen Bartender Dave Arnold über ein alternatives Rezept für den Drink. Dave Arnold ist vor allem dafür bekannt, sehr wissenschaftlich an seine Cocktails heranzugehen, arbeitet mit sehr modernen Methoden, klärt Säfte, zentrifugiert Sachen, reichert Cocktails mit Kohlensäure an – und macht sich Gedanken über das perfekte Verhältnis von Süße, Säure, Verwässerung und Alkohogehalt in Drinks. Im Kapitel über eben diese Balance entdeckten wir das obige Rezept und waren sofort begeistert. Statt aus dem Sidecar ein Rum-Monster mit überzogener Süße zu machen, twistet dieser Between the Sheets ihn wirklich nur – und macht ihn in unseren Augen sogar ein kleines bisschen besser.

Der perfekte Cognac für den Between the Sheets

Wir müssen’s gestehen: Unsere Auswahl an Cognac ist klein, französischer Weinbrand, ja Weinbrand generell ist etwas, in das wir uns erst hineintrinken müssen. Was wir wissen: auch wenn vom Asbach Uralt über spanischen Brandy und griechischen Metaxa bis hin zu Pisco aus Chile und Peru alles unter Weinbrand läuft, sind die Unterschiede gewaltig. Vergleicht das einfach mit Rum, der je nach Ursprungsland und -Region komplett anders schmecken kann. Noch einfacher: Whisky.

Bourbon in einem Cocktail-Rezept ist was anderes als Scotch und ähnlich verhält sich das auch mit Weinbrand – weswegen Cognac für diesen Drink zumindest für uns als Weinbrand-Anfänger Pflicht ist. Wir nehmen einen Remy Martin Cognac VSOP Mature Cask Finish – das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt und auch wenn der Cognac pur nicht unbedingt unsere erste Wahl ist, funktioniert er in Cocktails hervorragend.

Der perfekte Rum für den Between the Sheets

Wir sind sonst große Freunde davon, fassgereiften Rum in alle möglichen Drinks zu schütten, egal was im Rezept steht. Allerdings war uns schon nach wenigen Versuchen klar, dass wir die Aromen von dunklem Rum nicht mit dem Cognac zusammenbringen. Ist aber auch nicht schlimm – mit Revolte Rum haben wir einen weißen Rum in der Hinterhand, der zwar keine Lageraromen mitbringt, aber eine intensiv-vollmundige Rumnote, die ihresgleichen sucht. Havana Club 3 Jahre tut’s als Ersatz auch, der Between the Sheets profitiert allerdings massiv vom Revolte-Aroma.

Der perfekte Triple Sec

Bei Orangenlikör ist das immer so eine Sache, in Longdrinks ist praktisch schon egal, welchen ihr nehmt. Auch beim Between the Sheets schmeckt man die Orange nicht auf der Stelle heraus, aber als süße Komponente hat der Likör trotzdem einen massiven Anteil am Geschmack. Günstiger Triple Sec gibt dem Drink eine leicht künstliche Note. Besser fahrt ihr in jedem Fall mit Cointreau, der den ganzen Cocktail noch etwas fruchtiger erscheinen lässt.

Zitronensaft und Garnitur

Frischgepresster Zitronensaft schlägt Flaschen-Saft um Längen. Immer. Und ihr brauchte eh eine Zitrone, um den Drink mit der Schale abzuspritzen und so den letzten feinen Dreh ins Glas und vor allem die Nase zu bekommen. So macht ihr aus einem halbgaren Drink, der wahrscheinlich nur erfunden wurde, um Cognac zu sparen, einen Jahrhundert-Twist.

Die Amazon.de-Einkaufsliste für den Between the Sheets

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JohannTrasch

2 Kommentare

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  • Sehr cooles, leckeres Rezept! 🙂
    Den Remy Martin hatte ich, beim Rum musste der Havana Club 3 herhalten. Als Triple Sec kam Pierre Ferrand Dry Curacao zum Einsatz.

    Das Ergbnis: ein wirklich leckerer, sehr schön ausbalancierter Drink. Etwas trocken, feine Zitrus-Aromen und Cognac & Rum passen wirklich gut zusammen.

    Da ich zunächst dachte, dass mir etwas Zucker fehlt und der Drink mir zu trocken werden wird, habe ich direkt noch ein Alternativ Rezept gemixt: 22,5ml Cognac, 22,5ml weißer Rum, 22,5ml Triple Sec, 7,5ml Zitronensaft, 3,8ml Zuckersirup und etwas Wasser. Das Rezept habe ich von der Difford´s Seite. Die Difford´s Rezepte finde ich eigentlich oft sehr gut, aber diesmal hat ganz klar die „Liquid Intelligence Version“ gewonnen.

    Die Version mit drei gleichen Teilen Cognac, Rum und Triple Sec und zusätzlich Zuckersirup ist lange nicht so gut ausbalanciert und im Vergleich sehr süß. Die Zitrusaromen kommen auch nicht so gut zur Geltung.

    Also Daumen hoch für Eure Lieblingsversion!

    Best Grüße von Kapitän Knaak

    Eure Seite gefällt mir! 🙂 Jetzt stellt sich die Frage, welchen Drink ich als nächstes ausprobiere….

    • Hallo Andre,

      freut mich, wenn du Spaß am experimentieren hattest und du dich hier wohlfühlst, so muss es sein :). Mit Difford’s hab ich bisher auch nur gute Erfahrungen gemacht, aber gerade bei allem was in Richtung Sours geht, trifft Dave Arnold meinen Geschmack meistens verdammt gut.

      Was den nächsten Drink angeht: http://cocktailbart.de/cocktails/cocktails-mit-wodka/alarmed-bison/ – der kommt zumindest privat immer hammermäßig gut an und wir lieben ihn 🙂