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In 10 Cocktails (oder mehr) durch die Bars von Bamberg

Wir waren in den Bars von Bamberg und haben uns durch die Ostbar, den Kawenzmann, das Schwarze Schaf, den Schluckspecht und das Dude getrunken.
Wir waren in den Bars von Bamberg und haben uns durch die Ostbar, den Kawenzmann, das Schwarze Schaf, den Schluckspecht und das Dude getrunken.

Bamberg mag dich. Gut, Bamberg kennt dich nicht, aber das ist dieser Stadt herzlich egal. Sie hat ein kleines Zuhause für dich, eine Cocktail-Heimat. Irgendwo im pulsierenden Herzen der Bamberger Altstadt gibt es eine Bar, die mit einiger Sicherheit genau das ist, was du dir immer von einem Stammlokal erhofft hast. Egal wer du bist, egal wie du tickst. Bamberg hat für dich einen liebevoll eingerichteten Tiki-Tempel, der vor Kitsch und Rum nur so trieft. Eine chaotisch möblierte, improvisiert wirkende Studentenkneipe, in der der Bartender mit demselben Lächeln Flaschenbier “für auf’n Weg” rausgibt, mit dem er Weltklasse-Drinks mixt. Und das ist keine Übertreibung an der Stelle, der Mann hat das schriftlich.

Bamberg hat Läden für Live-Musik, eine Bar für Menschen, die alle Szenen aus “The Big Lebowski” nachsprechen können, eine Nachbarschaftskneipe mit außen kleiner Astra-Leuchte und innen großem Cocktail-Kino. Diese Stadt hat eine Bar, die in Größe und Optik auch ein Wohnzimmer aus dem städtischen England der 30er sein könnte, das auf einer Zeitreise in der Einflugschneise eines Burger-Wirtshauses dieses Jahrhunderts notlanden musste. “Haben andere Städte auch.” könnte man jetzt einfach mal einwerfen und man hätte Recht. Zwei Unterschiede aber zu München, Frankfurt, Hamburg. Nummer 1: Bamberg ist kleiner. Du fährst zwischen all diesen Tempeln flüssiger Kulinarik nur selten mit dem Taxi. Und nie länger als 5 Minuten.

Unterschied 2: So manche Bar in der Großstadt hat eine bestimmte Zielgruppe. Ein Klientel. Leute, die bestimmte Dinge sagen oder anziehen. Damit meinen wir jetzt nicht, dass die gehobenen Trinkstätten Deutschlands größter Barstädte irgendjemanden gegenüber ungastlich wären, weil er irgendwie angezogen wäre. Aber wenn du in der kurzen Karomuster-Hose und mit Metal-Shirt in München einen 14-Euro-Martini bestellst, besteht eine gewisse Chance, dass du dich trotz entspannter Atmosphäre und fröhlichfreundlichem Bartender ein bisschen fehl am Platz fühlst. In Bamberg passiert dir das nicht. Und das nicht nur, weil es hier gar keine 14-Euro-Martinis gibt.

In 10 Cocktails durch Bamberg? Was wird das hier?

Für unsere Artikel-Reihe “In 10 Cocktails durch …” besuchen wir in Kernbesetzung (Cocktailbart-Thomas und Cocktailbart-Johann) nebst guten Freunden auf Bar-Touren durch mal mehr mal weniger bekannte deutsche (oder bisher eher: bayerische) Städte. Nach dem gemütlichen Start in der unaufgeregten Studentenstadt Regensburg, wo wir uns in den wenigen “echten Bars” eh schon auskannten und dem chaotischen Trip durch’s hektische und überfüllte München mit seinen Bars von Weltruhm begaben wir uns für diesen Artikel nach Bamberg.

Eine Stadt im bayerischen Oberfranken, die in der Gastro-Szene derzeit als Vorzeigeobjekt in Sachen Barszene außerhalb der Ballungsgebiete geht. Großteilig studentisches Publikum, wie in Regensburg, treffen auf Bars und Bartender, die bei nationalen Awards und Wettbewerben praktisch immer eine Rolle spielen. Die enge Zusammenarbeit der Betreiber und der Aufbruchsgeist der Teams bilden die Speerspitze einer Bewegung von Gastronomen, die zeigen wollen, dass das Grundkonzept “Bar” auch in Gegenden funktionieren kann, wo die meisten Menschen eigentlich eher nach “Kneipe” suchen.

Weil über Bamberg und seine aktuelle gastronomische Bedeutung aber schon an anderer Stelle so vieles und schönes geschrieben wurde, geht es in diesem Artikel eher um die Stadt, Bars und Cocktails an sich. Darum, wie man dieses wunderschöne Dorf mit Uni als Gast erlebt. Um die Frage “Warum sollte ich hierher fahren, um einen saufen zu gehen?”, die mit unserer Lobhudelei zum Start des Artikels wahrscheinlich noch nicht zur vollsten Befriedigung des Lesers beantwortet ist.

Die Bedingungen der Bartour und was jetzt kommt

Bamberg haben wir zu viert besucht – vom ersten Öffnen der Bars um 20.00 Uhr bis zur samstäglichen Sperrstunde um 4.00 waren wir in der Stadt unterwegs und haben fast 30 Cocktails und ein paar nicht näher genannte Bierchen in fünf Bars vernichtet: der Ostbar, dem Kawenzmann, dem Schwarzen Schaf, dem Schluckspecht und dem Dude. Wobei Letzteres in Anbetracht von Uhrzeit, Auslastung und Ausrichtung inklusive der letzten beiden Cocktails unter “Honorable Mention” läuft. Nicht, weil der Laden nicht grundsätzlich in Ordnung gewesen wäre – es wäre nur unfair ihn mit den vier anderen Lokalitäten zu vergleichen.

Auch, wenn die Stadt klein ist – auf dieser Tour fehlen natürlich einige Bars wie der Plattenladen oder das Freiraum. Damit der Artikel ein einigermaßen gutes Bild von der Stadt liefern kann, mussten wir uns allerdings auf ein paar Eckpunkte einigen und anschließend schauen, was wir schaffen, ohne uns abzuschießen. Wir liefern hier also auf keinen Fall einen vollständigen Eindruck der Bamberger Barwelt – aber hoffentlich einen, der euch dazu anregt, dieses Kleinod der Gastfreundlichkeit selber mal zu besuchen, um euch – wie wir – ein kleines bisschen zu verlieben.

Die Karte der Ostbar ändert sich regelmäßig und setzt auf Auswahl und Abwechslung statt pure Masse.
Die Karte der Ostbar ändert sich regelmäßig und setzt auf Auswahl und Abwechslung statt pure Masse.

Cocktails 1 bis 5: die Ostbar

Weil wir nach dem “Lass mal zwei Stunden hungrig durch die Pampa laufen und nirgends was zu trinken kriegen.”-Debakel von München auf diesen Ausflug vorbereitet sind, starten wir in unserer einzigen Pflichtstation außerhalb der Innenstadt, um uns später die Fahrerei zu ersparen: die Ostbar nennt sich selbst Stadtteilbar und wurde mit voller Absicht weitab von der mit Studenten und Partymonstern gepflasterten Ausgehmeile Bambergs positioniert. Ursprünglich, um der strengen Sperrstunde dort zu entgehen – inzwischen ist aber auch hier draußen zu eher geregelten Zeiten Schluss. Nicht, weil der Laden keinen Erfolg hätte – aber wenn am Wochenende um 4:00 Uhr in der Stadt die Läden dichtmachen, verirren sich hierher nicht nur Menschen, die nach gehobener Barkultur suchen. Und angesichts der Astra-Leuchtreklame über der unscheinbaren Tür können wir ihnen das nicht einmal verdenken.

Innendrin: Ganz viel schwarzes Graffiti an der Wand und schwarze Ledersitzbänke mit Betonsteinen als Tischen treffen auf Hipster-Bestuhlung, sprich keine zwei gleichen Stühle oder Tische. An den Wänden hängen Schwarz-Weiß-Fotos der Gleise, die vor der Tür entlanglaufen, die Ostbar ist nur einen kurzen Fußweg hinter dem Bahnhof. Die Theke selbstgebaut aus unverkleidetem, ungestrichenen Holz – professionell zwar, aber mit Baumarkt-Charme. Jede Ecke ein bisschen anders, jede in sich stimmig, irre gemütlich. Generell ist das ein Vorgeschmack darauf, wie Bamberg uns empfängt: Hohe Barkultur und relaxte Studentenkneipen-Ästhetik schließen sich hier keine Sekunde aus. Flaschenbier? Geil! Old Fashioneds? Geil! Shots? Geil!

Die Ostbar: Was ist das hier, was gibt’s hier?

Die Ostbar ist das Baby eines Mannes namens Moritz Niederstrasser. Der ist in der Szene vor allem durch seine Projekt “Die Bar, die es nicht gibt” bekannt, für das er sich einmal durch ganz Deutschland gemixt hat – einen Film gibt’s dazu übrigens auch, und der lohnt sich allein schon wegen der Cocktail-Rezepte. Neben der Ostbar gehören auch der Plattenladen – Longdrinks & Longplayer und die Veranstaltungslocation Kleinstadthafen zu seinem kleinen Bamberger Imperium. An der Bar stehen jedoch inzwischen meistens andere. An diesem Abend: Chefin Theresa Basel, die sich viel Zeit für uns nimmt. Zugegeben, wir sind auch fast die einzigen Gäste, als wir ankommen ist es kurz nach acht und vor 20:00 Uhr öffnet in Bamberg keine einzige Bar.

Trotzdem sind wir uns ziemlich sicher, dass der irre freundliche Service auch bei vollem Laden nicht einreißt. Dazu ist die Beratung zu gut, die Karte zu smart: Gerade mal zehn komplett unterschiedliche Drinks im regelmäßigen Wechsel finden sich darauf, obwohl Theresa schon vorab betont, dass sie uns problemlos auch alles andere mixen kann, wofür sie die Zutaten vorrätig hat. Die Ostbar ist entsprechend nicht limitiert, auch wenn die knappe Karte erstmal den Eindruck erweckt – sie hat schlicht und ergreifend einen starken Fokus. Dafür spricht auch, dass die Karte für praktisch jeden Cocktail-Liebhaber einen Drink in petto hat: Kaffee, Rum, Gin, Wodka, abgefahrene Brände, cremig, süß, scharf – wenn du Lust auf eine ganz bestimmte Art Drink hast, findest du ihn auf dieser kleinen Karte auch. Bei uns resultierte das in folgenden vier:

Die Cocktails in der Ostbar

Cocktail Nummer 1 auf unserer Liste ist der Bloom – ein Drink aus Irish Whiskey, Rose (die Blume, nicht der Wein), Pfeffer, Süßholz und Holundertonic. Trotz des possierlichen Namens und dem floralen Thema haut das Ding  ordentlich rein. Die Schärfe kam nicht ganz so raus, wie man das erwartet hätte, aber schon beim Servieren weißt man uns darauf hin, dass man für den Drink auch Pfeffer nachbestellen kann. Es fehlt ein wenig an Nuancen, dafür überrascht der blumige Drink damit, dass er zwar recht feminin wirkt, am Ende aber dann uns kleine Jungs dann doch ein wenig einschüchtert – zumindest so früh am Abend.

Der La Perla Verde bestand aus gelagertem Rum, Jasmin und Limette, war ergo ein floral angehauchter Rum Sour. Ein Safety First-Drink, wahnsinnig rund, schlicht, aber mit Twist: Jasmin, Limettensäure und Rum halten sich exakt die Waage, der Cocktail ist wahnsinnig erfrischend. Anders als beim Bloom und den folgenden Cocktails fehlen ein klein wenig die Ecken und Kanten, aber angesichts eines derart unkomplizierten und leckeren Drinks haben wir die vor Ort ehrlich gesagt so gar nicht vermisst.

Der Zollner 36, benannt nach der Hausnummer der Ostbar, bestand aus Wodka, Himbeere, Zitrone, Fichtensprossengeist und Eiweiß. Die Optik: sehr feminin, rosa mit weißer Schaumhaube und roten Himbeeren. Ein absurd leichter, fruchtiger, sommerlicher Drink, der durch das Eiweiß auch ein tolles Mundgefühl mitbringt. Anders als der Bloom haut der Zollner 36 auch in Sachen Alkoholgehalt nicht so auf Pauke und ist entsprechend ein wahnsinnig schöner Einstiegsdrink für einen Cocktail-Abend. Der Fichtensprossengeist in Kombination mit den Himbeeren gibt ihm einen leichten Hauch von Nadelwald – ein wunderschöner und seltener Geschmack.

Der Cane’n Coffee mixt Cold Brew Coffee mit Falernum, Gelagertem Rum und Overproof Rum. Optisch leider etwas unspannend – beim puren Hingucken hätte man den Drink für einen Cuba Libre halten können. Dafür verbirgt sich im Glas ein sehr runder und und weicher Cocktails, was angesichts der wuchtigen Zutaten durchaus eine Kunst ist. Kaffee und Rum sind fein ausbalanciert – dieser Drink ist mehr angenehm milder Morgenkaffee als das “Wake me up and fuck me up” eines Espresso Martini. Weil’s genau den hier als Shot gibt, bestellen wir uns aber davon gleich noch vier – schließlich haben wir noch einen langen Abend vor uns. Eiskalt, kaffeelastig, lecker.

Was uns an der Ostbar gefällt – und was nicht

Der herrlich unverkrampfte Stilmix aus Hipster und 90er-Hip Hop, das unglaublich freundliche Team und natürlich vor allem die innovativen Drinks machen die Ostbar zum Pflichtprogramm für eine Bartour durch Bamberg. Doof nur: Weil die Cocktails auf der recht kleinen Karte extrem unterschiedlich sind, stößt man als Cocktail-Abenteurer sehr schnell an Grenzen, wenn man zum Beispiel keinen, Gin, Kaffee oder Jägermeister mag. Umgekehrt darf man sich jedoch sicher sein: Hier gibt es immer einen Drink, der genau meinen Vorlieben entspricht. Und selbst wenn nicht: Einen Gin Tonic, Old Fashioned oder Martini kann man sich hier natürlich immer mixen lassen.

In der Backbar des Kawenzmann in Bamberg stehen über 50 Rum-Sorten.
In der Backbar des Kawenzmann in Bamberg stehen über 50 Rum-Sorten.

Cocktails 6 bis 14: der Kawenzmann

Unsere zweite Station ist Kontrastprogramm pur: Nach dem stylishen Hip Hop-Hipster-Mix mit Astra Bier und Hammer-Drinks mit regionalem Flair in der Ostbar erwartet uns im Kawenzmann 100 Prozent Tiki: 50 Rum-Sorten an der Wand, Kellner im Hawaii-Look, Tiki-Becher in diversen Ausführungen, auf der Karte Mai Tai und Zombie, an der Wand eine gewaltige Tiki-Masken-Fratze. Zwischen all dem, was Bamberg zu bieten hat, sticht der Kawenzmann als Konzept-Bar vollkommen heraus – ohne dass man hier vergisst, wo der Laden steht.

Neben den Klassikern der Tiki-Kultur und modernen Interpretationen der rumlastigen Saftmonster gibt es auch hier fränkisches Edelbier und das eine oder andere Craftbeer. Aber angesichts der etwa zwei Dutzend Drinks auf der bunten Dschungelmotiv-Karte kämen wir überhaupt nicht auf die Idee, eins davon zu bestellen. Wären um uns herum nicht alle anderen Gästen in tiefstfränkischen Dialekt verfallen, wir würden denken, wir säßen in einer – liebevoll eingerichteten – Touristenfalle auf Hawaii. Und genau das wollte das Kawenzmann-Team wohl auch.

Der Kawenzmann: Was ist das, was gibt’s hier?

Hinter dem Kawenzmann stehen Till Deininger, Lars Baldes und Linda Le – die beiden Herren sind Gründer und Chefs von inzwischen vier Bars in Bamberg, Linda Le ist spätestens seit der Gründung des Kawenzmanns 2016 wohl sowas wie die Allzweckwaffe und Theken-Frontfrau der beiden. Nachdem das kleine Imperium bereits einen modernen Burgerladen und Biertempel und eine Vintage Bar umfasste, und „Studentenkneipe mit grotesk guten Cocktails“ in Bamberg schon mehrfach belegt ist, entschied man sich in dieser Bar eben für ein Tiki-Projekt.

Es gibt in Deutschland diverse Beispiele für Lokale, die zwar irgendwas mit Tiki im Namen führen, die aber außer einer lustigen Fratze am Eingang und Hawaiihemden für den Service nicht viel Flair transportieren. Andere Tiki-Tempel sind mehr Restaurant, orientieren sich eher an Trader Vic’s und Co. und setzen auf Familien als Kunden. Kompromisslose Tiki-Bars, die sich der pseudopolynesischen Cocktail-Lebensart voll und ganz verschreiben, die sind hierzulande selten.

Trotz tollem Ambiente, großer Karte und ganz viel Rum bleibt bei uns daher vor dem ersten Drink eine Rest-Skepsis. Auch weil uns noch die Erinnerung an die Goldene Bar in München im Magen liegt: Eine Welktklasse-Bar mit fantastischen Drinks, einer kreativer, runder und genialer als der andere – einzig die Tikis, die schmeckten hier trotz komplett unterschiedlicher Zutaten recht ähnlich und enttäuschten. Sieht das bei den Tiki-Profis im Kawenzmann anders aus?

Die Cocktails im Kawenzmann

Angesichts der gewaltigen Auswahl ist uns schnell klar, dass wir das Kawenzmann nicht nach der ersten Runde verlassen werden, auch wenn wir uns direkt zum Start für einige ziemlich wuchtige Drinks entscheiden. Den Start macht der Chadburne, ein außergewöhnlich starker Shortdrink in der Coupette mit Rum, Birnenbrand, Portwein, Demerarabitters, Chocolate Bitters und Zitrone. Geschmacklich ist er durchaus schön und rund, aber – zumindest für den Einstieg – sehr wuchtig.

Mit dem Carribean Tea Punch bekommen wir eine Kombination aus Rum und Grünem Tee, die extrem erfrischend und angenehm ist. Der grüne Tee ist dabei nicht nur fader Unterbau, sondern lässt sich gut herausschmecken und bringt eine tolle Umami-Note in den Cocktail. Ein schöner Drink, ein ungewöhnlicher auch und genau das, was man sich unter einem Drink für den Karibik-Urlaub vorstellt – wenn auch eher für den heißen Tag am Strand als abends an der Bar.

Unsere erste Cocktail-Runde im Bamberger Kawenzmann: Banana Peat (oben links links), Carribean Tea Punch (oben links rechts), Chadburne (unten rechts), Suffering Bastard (unten rechts).
Unsere erste Cocktail-Runde im Bamberger Kawenzmann: Banana Peat (oben links links), Carribean Tea Punch (oben links rechts), Chadburne (unten rechts), Suffering Bastard (unten rechts).

Unser Cocktail Nummer 3 war der Suffering Bastard. Optisch sehr schlicht im Longdrink-Glas, geschmacklich mit Rum, Falernum, Bitters und Ginger Beer ein wenig undifferenziert, aber im Gesamteindruck flüssige Lebensfreude. Ähnlich wie der Carribean Tea Punch toller Urlaubsdrink, den man sich bedenkenlos per Flatrate an den Pool liefern lassen kann. Was fehlt sind ein paar Ecken und Kanten – aber wer will die schon am Pool?

Der Höhepunkt der ersten Runde beeindruckt uns ähnlich wie der Alarmed Bison auf unserer ersten Cocktail-Tour durch Regensburg: der Banana Peat wurde uns schon im Vorfeld des Abends vom Kawenzmann-Team empfohlen und das zu Recht: Rum, Banane, rauchiger Laphroaig-Whisky, serviert im Tiki-Mug. Was erst mal komisch klingt, passt wie Arsch auf Eimer. Ein irre durchdachte Mischung aus sanftem Rauch, herben, erdigen Noten, süßer Frucht und Zuckerrohr. Ein Drink der schmeckt, wie sich ein Abend am Strandlagerfeuer mit einem Piratenkapitän, einem schottischen Freiheitskämpfer und ganz vielen Bananen anfühlen muss. Süße und herbe Noten halten sich perfekt die Waage, der Laphroaig ist selbst für Menschen, die ihn sonst hassen (wir hatten welche dabei) kein Störfaktor. Wahrscheinlich der beste Tiki-Drink, den wir in den letzten Jahren probiert haben. Wahnsinn.

Die Cocktails im Kawenzmann – Runde 2

Wir eröffnen wir mit einem Hibiscus Rum Punch, der schmeckt wie ein „mittel-erfrischender“ (O-Ton vom Abend) Hibiscus-Eistee. Die Kombi aus Jamaica-Rum, selbstgemachtem Hibiskus-Likör und Demerara-Sirup war gut gemacht, allerdings einer der schwächeren Drinks im Kawenzmann. Es fehlt ein wenig das Besondere, das selbst die unkomplizierteren Cocktails der ersten Fuhre mitbrachten.

Der Port Light sticht etwas heraus in der Barkarte, die Zutaten (Bourbon, Zitronensaft, Honig, Eiweiß, Passionsfruchtsirup) erinnern eher an einen fruchtig tropischen-Whiskey Sour. Am Ende war er auch ziemlich genau das. Ein schöner Drink und einer, der Tiki-Flair transportieren kann, ohne auch nur einen Tropfen Rum getankt zu haben. Für alle, die mit Zuckerrohr und Bambusbars eigentlich nichts anfangen können ist der Port Light eine schöne Einstiegsdroge in diesen Barstil.

Die zweite Runde Cocktails im Kawenzmann: Ein Hibiscus Rum Punch (oben links), ein Dead Reckoning (oben rechts), eine Port Light (unten links) und der Kawenzmann (unten rechts).
Die zweite Runde Cocktails im Kawenzmann: Ein Hibiscus Rum Punch (oben links), ein Dead Reckoning (oben rechts), eine Port Light (unten links) und der Kawenzmann (unten rechts).

Unser siebter nannte sich Dead Reckoning und wird gemixt mit gereiftem Jamaica-Rum, Vanilla Brandy, Portwein, Ananas und Ahornsirup. Ein eher herber Cocktail, der durch den Vanilla Brandy einen spannend Bourbon-Einschlag bekommt. Wuchtig, herb, Rum spielt klar die Hauptrolle, ist aber nicht aufdringlich. Das Zutatenpotpourris macht es etwas schwierig, einzelne Geschmacksnoten rauszufiltern, trotzdem ist der Dead Reckoning ein schönes Beispiel für einen sehr modernen Tiki-Drink, der deutlich „anders“ schmeckt als die bekannten Rum-Standards, aber dabei trotzdem Tiki bleibt.

Highlight der zweiten vier Drinks war der Kawenzmann, benannt nach der Bar selbst und auf der Karte ausgezeichnet mit „MÄCHTIG – der Rest ist streng geheim!“. Entsprechende besteht er zu großen Teilen aus einem supergeheimen Pre-Mix, damit wir (und alle anderen, die an der Bar sitzen) nicht schmulen können. Sauerei. Immerhin lässt sich unser superfreundlicher Bartender ein paar Andeutungen aus der Nase ziehen – die wir aber mal vorsichtshalber für uns behalten. Was wir sagen können: Rum ist drin, Banane ist drin, und der durchsichtige Tiki-Becher wird mit Rotwein gefloatet. Als peinliches Eingeständnis: Wir hielten den Rotwein zunächst abwechselnd für Cranberrynektar und Johannisbeerlikör. Geschmacklich ist der Kawenzmann der Wahnsinn, die Banane schmeckt man und natürlich viel Rum, den Rest müssen wir beim nächsten Besuch eruieren. Zwei Dinge zur Warnung: „Mächtig!“ ist hier ernst gemeint und unbedingt umrühren, trotz schicker Float-Optik. Durchgemixt fanden wir diesen Cocktail noch besser.

Schon während wir uns die erste Runde zusammengestellt haben, ermahnte uns der Bartender: „Für den Morning Blaze müsst ihr auch noch Platz lassen. Ohne den probiert zu haben, kommt ihr hier nicht raus.“ Wir haben’s ihm – zum Glück – geglaubt. Der Haus-Shot des Kawenzmann besteht aus selbstgemachtem Rum-Kaffee-Likör mit Williams Birne und einer flambierten Karamell-Ananas obendrauf. Sah toll aus, schmeckte hervorragend. Wir haben selten so viel Liebe und Aufwand in einem Shot gesehen. Der Morning Blaze beweist: Tiki funktioniert auch mit 4 cl.

Was wir am Kawenzmann mögen – und was nicht

Das Kawenzmann in Bamberg ist Tiki pur, mit liebevoll ausgewählten und mit Leidenschaft gemixten Rum-Cocktails, die ganz weit weg sind von irgendwelchen Saftpanschereien, mit denen man Mai Tai und Co. leider immer noch verbindet. Bei aller Rum-Fixierung (hinter der Bar stehen über 50 davon) achtet man sehr darauf, den Durchschnitts-Genießer nicht zu verschrecken. Sprich: Wer lieber ein erstklassiges „Bier auf Hawaii“ oder einen Old Fashioned in Urlaubs-Atmosphäre genießen will, bekommt hier auch das. Wir kommen aber ganz sicher wegen der Tikis wieder. Auf einen Banana Peat. Oder acht.

Das Schwarze Schaf ist Station 3 auf unserer Bartour durch Bamberg.
Das Schwarze Schaf ist Station 3 auf unserer Bartour durch Bamberg.

Cocktails 15 bis 21: Das Schwarze Schaf

Station Nummer 3 unserer Cocktail-Tour durch das wunderschöne Bamberg ist Das schwarze Schaf – die wahrscheinlich unprätentiösteste Bar der Welt. Wer hierher kommt, ohne sich vorher über den Laden zu informieren, der sieht den Prototyp einer gut laufenden Studentenkneipe: Das Logo sieht aus, als hätte man es ursprünglich für einen Sven Bømwøllen-Fanclub designed. Die Einrichtung könnte man „Retro-Wohnzimmer“ nennen, angesichts von Sofas und Sesseln, die schon Retro waren, als Retro noch modern war. An der Wand hängen Blitzer-Fotos der Belegschaft, eingerahmte 20-Euro-Scheine und ein Kalender mit gutaussehenden nackten Männern aus dem Regensburger Ka5per.

Es fällt der Ausdruck „Mit ganz viel Liebe hingefickt.“ und er ist uns so unangenehm und spiegelt doch so sehr unseren Eindruck wieder, dass wir den Chef vorher extra fragen, ob wir das so schreiben dürfen. Machen wir sonst nie. Als wir ankommen, sitzt der Großteil der Kundschaft draußen auf einer Mauer und trinkt regionales Bier aus Flaschen. Nichts, aber auch wirklich nichts deutet darauf hin, dass es hier Cocktails von Weltniveau gibt – oder den besten Bartender Deutschlands. Gibt’s aber.

Das schwarze Schaf: Was ist das, was gibt’s hier?

Barchef Sven Goller ist Gewinner der World Class 2017 – und damit Deutschlands bester Bartender bei einem der aufwendigsten und angesehensten Cocktail-Wettbewerbe überhaupt. Er ist damit nicht nur hauptverantwortlich für einige ziemlich spannende Drinks auf seiner Karte, sondern auch der Kopf eines ziemlich umtriebigen jungen Teams. Bartenderin Anna Bornschlegel etwa machte vor Kurzem bei der ebenfalls aufsehenerregenden Made in GSA Competition den vierten Platz.

Dass das Schwarze Schaf mehr kann als Shows gewinnen, zeigt schon die ziemlich abgefahrene Zusammenstellung der Karte. Innovative, nicht zu überdrehte Drinks aus der eigenen Schmiede wechseln sich ab mit modernen Klassikern wie der Buttermilk Margarita. Ein durchgängiges Konzept? Falls es eins gibt, erkennen wir’s nicht. Genau wie bei der Einrichtung setzt man hier auf das, worauf man gerade Lust hat. Charles Schumanns ikonisches Zitat “Was mir schmeckt, passt und gefällt, das muss auch meinen Gästen schmecken, passen und gefallen.”, es passt hierher genauso gut wie in’s Schumann’s in der Großstadt München.

Die Cocktails im Schwarzen Schaf

Wir eröffnen die Runde mit einem Quadruple Smoked Old Fashioned, einer Kombination aus rauchigem Whisky und Lapsang Souchong, der man angesichts des Namens durchaus zutraut, einem vor verkohltem Rauch das Gesicht wegzuätzen. Ist aber nicht so, sondern ganz anders: Intensive Orangen- und Whisky-Aromen machen sehr schnell klar, dass man hier einen echten Old Fashioned im Glas (ein sehr schicker Mini-Cognacschwenker) hat, der durch merklichen, aber wunderbar eingearbeiteten Rauch begeistert. Bemerkenswert ist aber vor allem die absurde Weichheit dieses Drinks – für einen Shortdrinks ohne Eis gefährlich süffig, das Zeug.

Es folgt Don Julios Beet Box – ein Drink aus zwei Don Julio Tequilas und Rote-Beete-Erdbeer-Sirup, mit dem Sven Goller 2016 schon einmal im Finale der World Class stand. Es fällt der Ausdruck „Frische in your face“, angesichts der intensiven Limetten- und Ingwer-Deko, die die erdigen Aromen von Agave und Gemüse abrunden. Hammer-Drink, die zweite.

Serviert in der authentisch britischen Teetasse kommt der God save the Queen mit Gin, Orangenmarmelade und einer sehr schicken Aquafaba-Cremehaube, auf der eine Orangenzeste schwimmt. Ein sehr schöner, ebenfalls runder Drink, der geschmacklich etwas mehr auf Sicherheit spielt als seine beiden Vorgänger, aber dafür in der Präsentation durchaus ein paar Extrapunkte mitnimmt.

Drink Nummer 4 ist ein Gin Basil Highball. Sprich: die Highball-Variante eines Gin Basil Smashes. Jetzt könnte man meinen, der moderne Klassiker von Jörg Meyer wäre eine sichere Wette, aber wir haben tatsächlich schon Basil Smashes serviert bekommen, die uns um Gin und Basilikum trauern ließen. Der hier nicht: Souveränes Ding, intensiv sauer-süß-kräutrig.

Die Drinks im Schwarzen Schaf, Runde 2

Weil wir alle alte Leute sind, wechselt einer von uns zu dieser fortgeschrittenen Uhrzeit angesichts seiner Schlafgewohnheiten – es sind die eines Mannes mit einem acht Monate alten Kind – auf etwas leichteres: Bier. Und ein anderer setzt aus. Entsprechend gibt’s in Runde 2 auch nur zwei Drinks. Der erste davon hat keinen Namen. Auf die Frage „Habt ihr was mit Gurke?“ mixt uns Sven Goller aus dem Stand einen improvisierten Drink aus BIRDS Weissbrand, Gurke und ganz viel Liebe. Das Ergebnis fällt unerwartet trocken und herb aus, ist aber genau deswegen schön weit weg vom G&T mit Gurke, den man sonst auf diese Nachfrage bekommt.

Eine Buttermilk Margarita mit Buttermilch, Tequila und Quittengelee im Schwarzen Schaf in Bamberg.
Eine Buttermilk Margarita mit Buttermilch, Tequila und Quittengelee im Schwarzen Schaf in Bamberg.

Cocktailbart-Thomas bestellt sich eine Buttermilk Margarita aus Tequila Reposado, Quittenmarmelade, Buttermilch, Limette, Zitrone und Agavendicksaft, die ihn so nachhaltig beeindruckt, dass er seitdem daheim praktisch nur noch diesen Drink mixt. Der Cocktail von Bettina Kupsa aus Hamburg (The Chug Club) entfaltet auch 550 Kilometer weiter südlich sein wahnsinniges Potenzial – großartiges Mundgefühl trifft auf erdig-süße Aromen treffen auf fein austarierte Säure.

Was gefällt uns am Schwarzen Schaf – und was nicht?

Bamberg bekam in den letzten Jahren einige wundervolle Konzept-Kneipen und das ist auch gut so – eine abwechslungsreiche Bar-Landschaft lebt von vielen tollen, unterschiedlichen Ideen. Das Schwarze Schaf dagegen ist eine Studentenkneipe im besten Sinne, ein Ort, an dem ständig Leute ein- und ausgehen, auf einen schnellen Plausch und Wegbier aus der Flasche, während an den Tischen Menschen Cocktails trinken, die du so in jede gehobene Bar mit Klingel stellen kannst. Cocktails, die handwerklich perfekt sind und die im Gedächtnis bleiben. In einer urgemütlichen, familiären Atmosphäre, als hätte man sich auf die Hausparty der coolsten WG der Stadt verirrt. Das alles wirft nur eine, sehr wichtige Frage auf: Kann man „Scheiß drauf, Hauptsache man sitzt bequem und die Drinks sind geil!“ irgendwie franchisen?

Ein Cocktail aus Gurke und BIRDS Weissbrand im Schwarzen Schaf in Bamberg.
Ein Cocktail aus Gurke und BIRDS Weissbrand im Schwarzen Schaf in Bamberg.

Das Ambiente im Bamberger Schluckspecht ist wunderschön - ganz viel großer 30er-Jahre-Cocktail-Pomp auf ganz wenig Raum.
Das Ambiente im Bamberger Schluckspecht ist wunderschön – ganz viel Stil auf ganz wenig Raum.

Cocktails 22 bis 24: der Schluckspecht

Auf unserer Bar-Tour durch Bamberg waren wir im Laufe dieser Artikelreihe bereits in einer lässigen Hip-Hop-Hipster-Bar, einem Tiki-Tempel und einem Studenten-WG-Wohnzimmer mit Luxus-Ausschank zu Besuch. Was fehlt hier ganz eindeutig? Genau, ein Speakeasy. 30er-Jahre-Flair, klassische Drinks aus kleinen Gläsern, große Gefühle, ein Grammophon. Das Bamberg sowas braucht, wusste auch das Team um Till Deininger und Lars Baldes.

Ihr erinnert euch vielleicht, das sind die beiden Jungs vom Kawenzmann. Ihr Frontmann vor Ort heißt Christoph Köll und gemeinsam haben sie ein wahnsinnig schönes Cocktail-Refugium geschaffen, in dem man sich ein bisschen schämt, nicht authentisch gekleidet zu sein, angesichts der stilechten Einrichtung und dieses fantastischen Flairs. Umso bewundernswerter ist das, weil das Schluckspecht im Prinzip nur ein Nebenraum in der Einfahrt des Zapfhahns ist. Das hippe Burgerwirtshaus nebenan gehört ebenfalls zum Imperium des Teams und schreit so wenig „Cocktails mit Klasse!“, das wir uns zunächst fragen, ob wir falsch sind. Und dann sehen wir das Grammophon …

Der Schluckspecht: Was ist das, was gibt es hier?

Der Schluckspecht ist noch mal ein paar Ecken kleiner als das ohnehin schon nicht sehr ausufernde Schwarze Schaf. Es ist tatsächlich einfach ein kleiner Salon, eingerichtet im Stil der 30er, mit einer kleinen Bar mit vier Stühlen, einer Ecke mit Ledercouch und einer Ecke mit zwei Sesseln, dazu ein paar Hocker und eine Bank an der Fensterseite. Wenn 16 Leute hier drin sind, wird es wahrscheinlich schon ziemlich eng.

Wir können nicht beurteilen, wie authentisch der Stil ist, wohl aber, dass er sich – von wenigen Details wie einem Magazinständer abgesehen – ziemlich authentisch anfühlt. Die Bar ist schick, die „alten“ Möbel bequem und die Drink-Auswahl gediegen klassisch: Old Fashioneds und Sours bestimmen das Bild, zusammen mit einer recht spannenden Auswahl von Whiskys. Dazu natürlich eigene Kreationen, die sich aber sehr wohl am klassischen Stil des Hauses orientieren. Und genau für die sind wir hier:

Die Cocktails im Schluckspecht

Nach 21 Drinks, aufgeteilt auf vier Personen, gehen wir’s an dieser Stelle langsam an – naja, zumindest einer von uns – der trinkt ein leckeres Tannenzäpfle, ein Pils. Der Rest genehmigt sich an dieser Stelle den jeweils letzten (offiziellen) Drink des Abends.

Order Nummer 1 ist – quasi als Referenz-Drink (oder weil einem unserer Begleiter einfach nicht mehr nach Experimenten und „so Mörder-Drinks“ ist) – ein Moscow Mule. Der schmeckt genau wie er schmecken soll: nach Ginger Beer und guter Laune.

Spannender wird’s beim Gunpowder: Gin, Mezcal, Grüner-Tee-Sirup, Limetten, Zucker und Eiweiß. Die Schaumhaube auf diesem Drink war geradezu grotesk stabil, hätten wir mehr davon gehabt, hätten wir uns noch vor Ort eine Matratze damit gebaut. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen hatte dieser Cocktail ein wunderschönes, sehr weiches Mundgefühl. Der Mezcal hält sich im Hintergrund, der grüne Tee bringt eine merkliche Umami-Note mit ins Spiel. Ein spannender Drink, der uns auf Ideen bringt.

Der Love me Tender kombiniert mit Kakaobutter infusionierten Tequila mit Mezcal, Agavendicksaft, Chartreuse Verte und Peychauds Bitters. Serviert wird er im Tumbler, mit einem einzigen, wuchtigen Eiswürfel, auf einem Holzbrett mit zwei kleinen Stücken weißer Schokolade. Damit gewinnt er zumindest schon einmal den Optik-Preis des Abends. Ein toller Drink, der weniger nach Agave schmeckt als erwartet, aber auch ohne mexikanische Urgewalten überzeugen kann. Vor allem in Kombi mit der süßen, weißen Schoki macht der Drink Spaß – das geht weit über Deko hinaus und grenzt schon fast an einen kleinen Foodpairing-Lehrgang.

Was gefällt uns im Schluckspecht – und was nicht?

Der Schluckspecht ergänzt einen ohnehin schon perfekten Abend mit einer komplett neuen, wunderschönen Facette. Klassisches Ambiente und klassische Drinks treffen hier auf diese gastliche Bamberger Unkompliziertheit. Ein Flaschenpils ist hier trotz Speakeasy-Atmosphäre kein Dealbreaker, der Service – wie könnte es anders sein? – saufreundlich und fachkundig. Auch auf unserer letzten offiziellen Station können wir sagen: Wir kommen wieder. Dann aber auf einen Aperitif-Martini vor dem Burger.

In 24 Cocktails durch Bamberg: das Fazit

Bamberg gilt in einschlägigen Magazinen und Online-Blogs als Bar-Wunderkind. Ohne dass wir von „Hype“ reden wollen: das ist durchaus gerechtfertigt. Nach nur einem Abend hier, an dem wir sogar noch so bekannte Locations wie die SodaBar, das Freiraum oder den Plattenladen ausgelassen haben, verstehen wir den Aufriss: Hochklassige Drinks treffen auf genau die unangestrengte Gastfreundlichkeit, die so manche Szene-Bar in der Großstadt so angestrengt vermitteln will. Und im Vergleich dazu ist Bamberg dann halt sogar noch irre preiswert.

In wirklich jeder Bar, in der wir waren, hätten wir problemlos einen ganzen wunderbaren Abend verbringen können, ohne das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Galt bisher noch der Alarmed Bison aus Regensburg als Top-Bartour-Drink, muss er sich diesen Platz jetzt mit Don Julios Beetbox und dem Banana Peat teilen. Und – sorry, Regensburg und München, – eine offizielle Top-Bartour-Stadt haben wir nach diesem Abend jetzt auch.

Da wird sich unsere nächste Ausflugs-Location ins Zeug legen müssen, um mitzuhalten – ist es vielleicht sogar eure Stadt?

Honorable Mention: Cocktails 25 + 26 – das Dude

Die vier Bars, die wir im Zuge dieses Abends besucht haben, waren unsere vorher festgelegten Pflichtstationen. „Was wir danach noch schaffen, sehen wir ja dann.“ war die Devise. Tja, nur waren die Bars dann eben alle zu gut – und nach teils mehr als 6 Drinks pro Mann und Nase wird es langsam auch echt schwierig, objektiv irgendwas zu bewerten. Das gilt vor allem geschmacklich, schließlich arbeitet die Zunge nach so vielen Cocktails nicht mehr mit Höchstleistung.

Das wir nach dem Schluckspecht noch einen Absacker ins Dude gemacht haben, möchten wir euch allerdings nicht vorenthalten. Eine noch sehr neue The-Big-Lebowski-Gedächtnis-Bar mit einem Teppich, „der das Zimmer erst richtig gemütlich macht“ und diversen White-Russian-Varianten auf der Karte, die wir als Fans des Films einfach besuchen mussten. Als wir um 3:00 Uhr nachts hier aufschlagen, sitzen nur noch wenige Leute an der Bar, die junge Dame dahinter ist alleine und laut eigener Aussage gerade frisch im Job. Unter den Umständen jetzt im Rahmen des Artikels das Dude zu rezensieren, wäre fies. Vor allem, weil wir eben selber schon die Lampe am Brennen hatten.

Daher hier das Absacker-Fazit: Der Laden ist schön thebiglebowskiesk. Der frisch eingelernten Bartenderin hätten wir die Unerfahrenheit nicht angemerkt, wenn sie nichts gesagt hätte. Ihr After Eight White Russian ist irre lecker. Und morgens um halb vier geht er schon fast als Frühstück durch.

Johann

Cocktailbarts Archmage of Content bei Nacht, Familienvater & Texter bei Tag. Lieblings-Drink Martini, Lieblings-Spirituose trotzdem Rum. Wohnt in Franken, kommt aus der Oberpfalz (ist beides in Bayern, tschuldigung). Typischer Satz: "Meinste das wär geiler, wenn man Olivenlake reintut?"